Grundwort
- Im —Dtsch letztes angefügte oder angesetzte Wort als Bestandteil einer Wortbildung oder Begriffwortbildung, daß durch das Bestimmungswort als dessen nächsten vorangestellten Bestandteil näher bestimmt wird bspw. Tür ist das Grundwort in der Wortzusammensetzung Haustür und Haus vorangestellt das Bestimmungswort, während in der Wortzusammensetzung Türhaus dann Tür das Bestimmungswort und Haus das Grundwort ist.
GRUNDWORT, n. , 'wort, das die grundlage für zusammensetzungen, ableitungen u. s. w. bildet', daher auch 'ursprüngliches wort',vgl.gr. dictio primitiva [ Henisch] 1769 (s. comp.-typ. 5 o, p). 1
[]1) im späteren 16. jh. zur wiedergabe des grammatischen terminus subjectum aufkommend: subiectum ist ein gr., denn es leget und setzet dengrundt, als davon handeln und zu reden vornimpt [ W. Bütner] dialectica teutsch (1588) 83b, namentlich durch Schottel eingebürgert, der esneben grund, hauptglied auch für den zweiten, geschlechtgebenden bestandtheil eines compositums verwendet: das beygefügte aber ist dasübrige worttheil oder das vorderste glied des wortes, welches also und darum wird vorn beygefüget, dasz durch dessen bey- oder vorstanddas gr. gleichsam anders gefüget und zu einer andern deutung gebracht werde t. sprachkunst (1641) 110, vgl. [ Jellinek] gesch. d. nhd. gramm. 2,170 f.; so wohl der fohrsatz ... als das gr. (hat) seinen eignen natürlichen toon [ Zesen] Helikon (1649) 1, e 5b; erstlich setz ich das gr., nachwelchem sich der articul richtet, wozu gefügt wird ein anständiges epitheton und substantivum [ J. Chr. Männling] europ. Helikon (1704) 57; sostehet auch in der zusammensetzung das bestimmungswort allemahl vor seinem gr. [ Adelung] umst. lehrgeb. 2, 216. 2
[]2) daneben gilt gr. wie stammwort, wurzelwort für das 'wurzelwort, urwort' gegenüber allen ableitungen, vgl. gr. sive stammwort radix,primitivum [ Stieler] 2578; wollet ihr di grund- und wurtzelwörter, di vor- und nachfügungssilben idweder sprache nebenst ihrem wesenerlernen, hir findet ihr si [ Q. Kuhlmann] gesch. herold (1673) e 4a; diese unterschiedliche mundahrten sind uhrsprünglich nach ihren stamm-und grundwörtern alle teutsch [ Neumark] neuspr. t. palmb. (1668) 110; der teutschen sprach eigene art ist, beynahe alle ihre grund- oderstammwörter ... nur mit einer sylbe darzugeben [ Grimmelshausen] 2, 1116 Kell.; andere ausländer dürfen schreiben, es wehren ohngefehrzweyhundert teutsche grundwörter [ Schottel] 24; es ist das teutsche wort man in den meisten sprachen gebräuchlich und ohnzweifel eins vonden ersten grundwörtern [ Morhof] unterr. (1682) 1, 124; eine sprache von ... nicht mehr als 272 einsylbigen grundworten [ Fr. Schlegel] s. w. 13,81; ich halte sie für uralte grundwörter, die aber in der ganz flectirten sprache als solche verschwinden [ W. v. Humboldt] an A. W. Schlegelbriefw. 238; die ersten grundwörter aller sprachen der welt (sind) ursprünglich schildernde töne gewesen [ Sulzer] theorie d. schön. künste 3,161; das gr., woraus die namen der fischweiber ... abgeleitet werden müssen [ Creuzer] mythol. 2, 70. /Bd. 9, Sp. 931/ 3
[]3) weniger häufige verwendungen; als 'wort der grundsprache' gegenüber dem daraus übersetzten: welches auch mit der bedeutung desgrundwortes wohl übereinkommt [ Knorr v. Rosenroth] pseudodoxia (1680) 808; das gr. bedeutet ... reiben, zermalmen allg. dtsche bibl., anh. 1-12, 539; um den sinn des geistes nach unserer sprache recht vorzustellen, muste er freilich bisweilen von den grundworten etwas abgehen [ J.Fr. Bertram] nähere beleucht. (1741) 13; anders 'wort, text als grundlage einer rede': begierig horchten sie auf das gr., welches der herr derschrift entnommen [ Gotthelf] ges. schr. 13, 368; für 'substantiv, hauptwort': die stellung dieser haupt- und grundworte [ Göthe] 32, 124 W.
Substantiv, n
| Singular | Plural | |
|---|---|---|
| Nominativ | das Grundwort | die Grundwörter |
| Genitiv | des Grundworts des Grundwortes |
der Grundwörter |
| Dativ | dem Grundwort | den Grundwörtern |
| Akkusativ | das Grundwort | die Grundwörter |
Worttrennung:
- Grund·wort, Plural: Grund·wör·ter
Aussprache:
- IPA: [ˈɡʁʊntˌvɔʁt]
- Hörbeispiele:
Grundwort (Info)
Bedeutungen:
- [1] Linguistik/Sprachwissenschaft: Wort, das nur aus einem Morphem besteht; einfaches Wort, nicht zusammengesetztes Wort
- [2] Linguistik/Sprachwissenschaft: der Teil einer Zusammensetzung (eines Determinativkompositums), der durch das Bestimmungswort eine spezielle Bedeutung erhält
- [3] neuerdings: Synonym zu Grundbegriff
Abkürzungen:
- [1] GW
Herkunft:
- [1] Ableitung zu Wort mit dem Derivatem (Präfixoid) Grund- im Sinne von ‚Basis‘
- [3] wohl Rückbildung aus Grundwortschatz
Synonyme:
- [1] Simplex
- [2] Determinatum
- [3] Grundbegriff
Gegenwörter:
- [2] Bestimmungswort
Oberbegriffe:
- [1–3] Wort; thematisch: Sprachwissenschaft/Linguistik
Unterbegriffe:
Beispiele:
- [1] Wörter wie „Haus“, „gut“, „schön“ oder „Tisch“ sind Grundwörter.
- [1] „Läßt sich das Wort als Ableitung zu einem Grundwort (…) erklären, wird der semantische Bildungstyp und die Grundlage genannt (…)“[1]
- [1] „Wahrscheinlich werden die meisten Wissenschaftler mit den meisten Wörterbuchbenutzern darin übereinstimmen, daß solche Neuwörter, die durch Wortbildungsmorpheme (Suffixe oder Präfixe, die ein Wort von einem Wortstamm oder einem Grundwort ableiten) gebildet werden, eher ins Wörterbuch gehören als solche, die durch bloße Zusammensetzung aus zwei oder mehreren Wörtern entstehen.“[2]
- [1] „Aus einem einzigen Grundwort können unter Umständen Hunderte von Wörtern abgeleitet sein, die heute nach Form und Bedeutung nur wenig gemeinsam haben.“[3]
- [2] In Komposita deutscher Herkunft steht das Grundwort in der Regel hinten, das Bestimmungswort vorne.
- [2] In Grundwort ist -wort das Grundwort, Grund- das Bestimmungswort.
- [2] „Der Durchkopplungsbindestrich verbindet die einzelnen Teile des Bestimmungsworts miteinander und diese mit dem Grundwort; oder es verbindet die einzelnen Teile des Grundworts miteinander und mit dem Bestimmungswort…“[4]
- [2] „Die Zusammenhänge der Wortfamilien wurden durch eine Anordnungsweise gewahrt, die nur die Grundwörter alphabetisch ordnet, die Bestimmungswörter aber innerhalb des Grundwortartikels alphabetisch anführt.“[5]
- [2] „Damit aber werden beide mit dem gleichen Präfix gebildeten Präfixverben auf die Bedeutungen ihrer Grundwörter zurückgeführt.“[6]
- [2] „In der herkömmlichen onomastischen Terminologie werden zusammengesetzte ON nach ihren Bestandteilen in Bestimmungs- (BW) und Grundwort (GW) getrennt, also der ON Regensburg als (BW) Regen-(s)- und (GW) -burg.“[7]
- [3]
Wortbildungen: