Chaos
cha + agr. -os | griech. agr. cháos
ursprünglich "das Gähnen, sich weit Öffnendes" 21. Jh. ndt;
sinngemäß dann infolge ‘leerer Raum, Luftraum, Kluft’; Unordnung aufgrund von Leere; ursprünglich an sich große Kluft, großer Spalt, gähnende Leere und aufgrund dessen fehlende Ordnung (21 Jh. ndt.). lat. chaos; mhd. kaos,
Aus dem Chaos geht an sich die Ordnung hervor und Chaos ist selbst nicht der Zustand der Unordnung, sondern fehlendes geordnetes Dasein, das was geordnetes Dasein erwirkt, das, indem geordnetes Dasein entsteht (21 Jh. ndt.).
‘ungeordneter Urzustand der Welt, völliges Durcheinander’. Chaos ist in dt. Texten (nach einem Einzelbeleg mhd. kaos, 13. Jh.) seit dem Anfang des a 16. Jhs. belegt. Es erscheint zuerst als unveränderte Wiedergabe von lat. chaos (Luk. 16, 26), wofür griech. chásma, bei Keisersberg (ca. 1510) im Sinne von ‘Kluft, Spalt’, von Luther mit Kluft übersetzt.
Die heute übliche Bedeutung (s. oben) geht zurück auf Vorstellungen der griechischen Kosmogonie, die Chaos im Sinne einer ‘vor allen Dingen vorhandenen klaffenden Leere des Weltraumes’ versteht (Hesiod) oder als ‘ungeordnete Urmasse der Welt’ interpretiert (Platon). Letztere Vorstellung liegt seit der 1. Hälfte des 16. Jhs. der dt. Verwendung von Chaos zugrunde; aus ihr entwickelt sich bereits zu Anfang des 17. Jhs. die allgemeine Bedeutung ‘Durcheinander’. Daneben wird es im 16./17. Jh., ebenfalls nach griech. Vorbild, auch im Sinne von ‘Luft, Äther’ gebraucht.
Wortherkunft ist gegenwärtig unsicher bestimmt. Chaos wurde traditionell mit khaínō, kháskō, „gähnen, klaffen“) zu uig. *ǵʰeh₂- verbunden, oder khṓra “offener Raum, leerer Platz". Beekes vergleicht zusätzlich baltische und germanische Wörter für „Gaumen“: uger. *gaumô, abgewandelte Form zu *gōmô, ahd. guomo, goumo, mhd. gaume, dt. Gaumen, anord. gómr, lithui. gomurỹs zu uig. *ǵʰeh₂-mn- einer Verbindung mit ur-kartvel. *qew-/*qaw- "Schlucht", die auch von Furnée also so seiend vermutet wird; *ǵʰeh₂w- "gähnen". Das frühgermanische -ōw- entwickelte sich nur in offenen Silben zu -ō- und wurde in geschlossenen Silben zu -au- gekürzt, was zur Schrägform *gaumn- führte, daher die althochdeutsche Variante guomo, goumo.
kháos "der Urzustand des Daseins", "Raum, Äther", "Abyss, Kluft", "unendliche Finsterniß"; khṓra, “offener Raum, leerer Platz") Wortherkunft unbekannt, möglicherweise entlehnt aus einer Vorgriechischen Substratsprache oder einer regionalen Sprache. Wurde versuchsweise und nicht schlüssig verglichen mit kháos, “leerer Raum, Abyss, Kluft”) wie auchmit khatéō, “fehlen, vermissen, brauchen, begehren”; Beekes weist diese Verbindungen als unbegründet zurück. Keine offensichtlichen Verwandten außerhalb des Griechischen.
Beekes vergleicht jedoch khḗra, “Witwe”), unter Annahme einer gemeinsamen Ableitung von der Wortwurzel uig *ǵʰeh₁- (“zurücklassen”), womit es nicht verwandt wäre khatéō.
Chaos[1]
[2]Das Chāos, indecl. plur. car. aus dem Griech. χαος, der unförmliche Klumpen, in welchem alle Elemente, vor der Bildung der Welt, ohne Ordnung mit einander vermenget waren, nach der Schöpfungslehre der Griechischen und Römischen Dichter. Figürlich auch, ein Mischmasch, eine verworrene dunkele Sache. Seine Rede ist für mich ein undurchdringliches Chaos. Daher chaōtisch, einem Chaos ähnlich, im hohen Grade unordentlich unter einander. Raban Maurus übersetzt Chaos durch Mihilfinstar,große Finsterniß.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1323. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000098558; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1323; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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