-bar
-bar | bar | Egsw. urspl. ‘tragend, fähig zu tragen, fähig hervorzubringen, ’fähig zu tragen, machen, bewirken …’;
ursprünglich ist das erste Wortbildungsglied immer ein Hptw., vornehmlich ein Begriff, was von der Grundbedeutung „tragend“ her leicht zu verstehen ist bspw. Frucht + -bar „-bar“, bildet Egsw.-Ustw. fruchtbar „Frucht tragend, vermögend Frucht zu tragen“ (ein für gewöhnlich meist Frucht tragender Boden ist also ein fruchtbarer Boden).
Schon in ahd. Zeit entwickelt sich -bāri zum Wortbildungsendung, das, bei verblassender Eigenbedeutung, auch an Vertreter anderer Wortklassen tritt; seit spätmhd. Zeit bildet -bære nach dem Vorbild der Endung -lich und -ic (nhd. -ig) zunehmend Egstw..
In dieser Funktion bleibt -bar bis auf den heutigen Tag überaus ertragreich. Die Bedeutung solcher Wortableitungen ist im allgemeinen erleidend, bspw. unerreichbar ‘(nicht) zu erreichen’, entsprechend unheilbar, zerlegbar, passierbar, machbar; lautlich setzt nhd. -bar die unumgelautete umstandswortliche Wortform ahd. -bāro, mhd. -bāre fort, die Luther auch in eigenschaftlicher Wirkweise gegenüber der regelhaften, aus mhd. -bære entwickelten spätmhd. frühnhd. Form -ber durchsetzt.;
Seit dem Spätmittelhochdeutschen tritt bar als Endung -bar vermehrt zu Tw. und bildet mit ihnen Egsw.-Ustw.: z.b. „hörbar“ – „was man (zu) hören (ertragen) kann“ oder „essbar“ – „was man (zu) essen (ertragen) kann“.
Beispiele: unbâri (umbâri) : Egsw. „unfruchtbar“ (aus dieser negierten Form kann man sehen, dass „bâri“ ursprünglich ein selbständiges Egsw. zu „beran“: tragen war)
unthancbâri : Egsw.. „unbankbar“ – Endung an ein Hptw. „unthanc“ angehängt
skinbâri: Egsw. „Schein tragend“ – „glänzend“ : Endung an ein Hptw. „skin“ (Glanz, Schein) angehängt
dazu: Notker, Martianus Capella, Lib. I, cap. 38 („Ioh selber Iupiter tuncheleta fore sinero skinbari uuidere uuichender.“) – interessant: skinbari ist hier wl. Hptw., aber doch eindeutig durch Anhängen von –bâri an das Hptw. skîn (Schein) gebildet!