sonder
sonder1 | sond + er | als Vhnw. ursprünglich ‘abseits, getrennt, für sich’; ‘ohne’, heute nur noch in Fügungen wie sonder Tadel, sonder Zweifel, sondersgleichen.
sondere,sonderen,sonderem,sonderer,sonderes,
sonder2 | sonder | als Egw. ‘für sich abgetrennt, extra’, bis ins 18. Jh. geläufig, danach nur vereinzelt und von besonder verdrängt (erhalten in Zusammensetzungen wie Sonderdruck, Sonderstellung, Sonderzuteilung), ahd. suntar ‘entlegen, entfernt, abgesondert’ (11. Jh., vielleicht bereits 8. Jh.?), mhd. mnd. sunder ‘abgesondert, alleinstehend, einsam, besonder, ausschließlich, eigen, ausgezeichnet’.
sonder3 | sonder2 | als Bw. ‘vielmehr’ (bis ins 17. Jh.), ahd. suntar ‘sonder, doch’ (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘ausgenommen, außer, gleichwohl, vielmehr, indessen, aber’. Dazu tritt gleichbedeutend sondern.
‘nicht das Sein, was es für Andere sein sollte oder ist; ohne dem sein; vom Dasein weg, entfernt; Abstand zum Dasein; nicht hier oder woanders (21 Jh. ndt.);
Wortbildung und Herkunft siehe Sonde und sonst.
Althochdeutsch suntar (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘außer, ohne’ (vgl. auch anfrk. sundir) setzt sich seit dem 16. Jh. in der durch Senkung von u zu o vor Nasal entstandenen md. Form sonder durch (s. auch Sommer, Sonne, Wonne u. a.).
Das Ustw. wird seit dem 16. Jh. von besonders (s. besonder) abgelöst.
Verwandt mit Sonde, Sünde; das Sein dass vom Sein oder einem Sein getrennt, entfernt, anders, gewandelt ist.
Verwandt sind aind. sanutáḥ ‘weg, fort, abseits’, grie. áter ‘ohne, fern von’, air. sain ‘verschieden, besonders’, lat. sine ‘ohne’, so daß auf Formen wie uig. *seni-, *senu-, *sṇter- ‘für sich, abgesondert’ zurückgegangen werden kann, die möglicherweise zu dem unter sich genannten Reflexivstamm uig. *se-, eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’, gebildet sind.