▷ frz. morphème ⇒ Morphem |
agr. morphē dt. ⇒ morph- +
agr. ème ⇒ dt.
-em |
Morph
ugl. "Wortlautgestalt, Wortlautform";
kleinste Einheit der sprachlichen Wortform (nach
de Courtenay, um 1880); kleinste Spracheinheit, die eine fortwährende Bedeutung oder grammatische Funktion hat. agr.
morphḗ +
-eme, Endung zur Begriffwortbildung.
Solche kleinste Einheiten sind oft als Bestandteile im Inneren von Wörtern anzutreffen, daher ist der Begriff Morphem der Zentralbegriff der Wortformlehre. Er ist jedoch dem Begriff des Wortes nicht direkt gegenüberzustellen, sondern kann sich mit ihm überschneiden: Ein Wort kann zerlegbar und somit aus mehreren Morphemen zusammengesetzt sein, aber ein unzerlegbares Wort stellt zugleich auch ein einziges Morphem dar.
Beispiele
Zum Beispiel ist das Wort tische, geschrieben ⟨Ti·sche⟩ und gesprochen /'tıʃə/, aus zwei Morphemen aufgebaut: {tisch}{-e}; dabei ist {tisch} der Wortstamm mit der Bedeutung ‚Möbel mit Platte und Beinen‘ und {-e} ist die Wortendung mit der Funktion ‚Mehrzahl‘.
Das Wort wälder, ⟨Wäl·der⟩ /'vɛl.dɐ/, kann ebenfalls in zwei Wortteile, {wäld}{-er}, zerlegt werden. Dabei kommt das Morphem, das den Wortstamm ausmacht, in zwei verschiedenen Formen, sogenannten Morphen, vor: {wald} und {wäld} für Einz. bzw. Mrz. (siehe auch unter Wortstamm#Stammveränderung und morphologische Regeln).
Genauso hat das Morphem Merz. verschiedene Ausprägungen: {-e} bei Tisch bzw. {Umlaut} + {-er} bei Wald , und noch andere Formen bei anderen Substantiven: {Auto}{-s} usw.
Ein Morphem hat auf der Inhaltsseite (
als kleinste Einheit eines sprachlichen Zeichen) bestimmungsgemäß immer eine Bedeutung oder sprachlehrige Wirkweise. Es kann auf der Ausdrucksseite (
kleinste Einheit der Ausdrucksform) entweder immer in der gleichen Form geäußert werden (vgl. „Tisch“), oder aber auch mehrere Abwandlungen (
Allomorphe) haben (vgl. „Wald – Wäld“ oder Mrz.: {-e, -er, -s …}).
- Entlehnung des gleichbedeutenden französischen morphème → fr. Der Begriff wurde zuerst von Baudouin de Courtenay um 1880 geprägt als Oberbegriff für die Phänomene der Formenlehre; in seiner heutigen Bedeutung kommt er aus dem amerikanischen Strukturalismus (Leonard Bloomfield) der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Er ist gebildet aus altgriechisch μορφή (morphē☆) → grc „Gestalt“ und dem Derivatem (Suffix) -ème „zur langue gehörig“.