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GAWMP/XII.

aus AufEinWort, der freien Forschung
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—Urvrschrftng

XII.

Was nun das erste betrifft, wie nehmlich bey der Tugend eine beständige Liebe zur Warheit erwecket werden muß, so ist zu mercken, daß an einem andern Orte gedacht, daß habile Leute aus ihnen zu machen, nöthig sey, ihnen 3 notiones bey zu bringen: Die notiones nehmlich conveientiæ & inconvenientiæ, oder des decori; Zum andern, die notiones Veri und falsi, seu sapientiæ; und dann dirttens, die notiones boni & mali, seu virtutis. Ich bin auch noch der Meinung, und will mich hierauff bezogen haben, was con der pag. 238. Medic. Ment. an weitläuffig gedacht, Weil aber die notiones Veri allen andern notionen gemein sind, und so zu sagen, wie selbige transcendiren (denn was anst#ndig , oder nicht: Was gut oder böse ist, muß ich wissen, ob es in der Warheit gut oder böse sey) so muß besonders die Liebe zur Warheit die erste und vornehmlichste notion seyn, die ihnen wohl imprimiret werde. Nun geschichts, das wohl vornehmlich, wenn man sie von der ersten Tugend an, keine falsche rationes hören läßt, und wenn sie selbst etwas unwarhafftes vorbringen, ernstlich hierumb bestraffet. Aber hierzu müssen sensuale experienzien kommen, die eine Verwunderung exitiren, und also die natürliche Begierde so bey allen Menschen ist zu der Warheit, (obgleich selbige bey vielen wie eingeschlaffen zu seyn scheinet) exitiren), und zu gleich von solchen Nutzen sind, daß sie die Fundamenta aller nützlichen Wissenschafften, welche meistens von pag. 132. bis 151. in der Medicana Mentis vortrage, includiren. Weil aber dergleichen bey dem studio Mathematico und Physico zu acquiriren solches specialiter anweisen werde, so will solches dahin verfahren. Voritzo nur diesem Einwurff begegnen, daß, vielleicht nicht alle Leute eine rechte inclination zur Warheit haben, und daß solches also (will es nicht universal) nicht eben von großen Nutzen, der Jugend solche passion beyzubringen; Denen selbigen will nur diß vor gewiß vermeiden, das ingenia von allerhand Art versucht, indem ingenia gesehen, die tardissima gewesen; andere, die keine inclination zum studiren gewiesen; Ja es haben Rectores und Informatores selbst zu erkennen gegeben, daß sie nichts aus ihnen wüßten zu machen. Nachdem ich meiner Methode gefolget, und wenige Zeit ihnen an die Hand (wie itzo gedacht und ferner intimiren werde) gestanden, sie hernach so eine grosse Begierde gezeiget, daß sie frühe auffgestanden, und nicht können vom studiren gebracht werden. Scheinet also, daß wie ein ieder Mensch, der guten appetit hat, wohl sich zum ersten hält, wenn ihm rechte Speisen vorgesetzt werden; auch die Jugend bey denen allen die Begierde von Natur zu wissen eingepflantzet, wohl sich dazu von sich selbst halten würde, wenn man nur wüßte die rechte Speisen wüßte vorzusetzen. Nun hat hat man zwar insgemein gar wohl bemercket, daß bey der Jugend nicht viel grosses auszurichten, wofern man nicht einen eigenen Trieb bey ihnen excitirte, und so zu sagen wie eine passionem dominantem, dadurch alle andere schädliche passiones, als von einer stärckeren, müssen unterdrucket werden. Das man aber vermeinet, solchen eigenen Trieb bei der Jugend zu erwecken, sey keine Passion nützlicher als die Ehrfurcht, oder Begierde nach grosen Ruhm in der Welt, und nicht vielmehr die große Liebe zur Warheit, wie ich allhier statuire; hat man gewiß in alle Wege sehr gefehlet, massen diß eine höchst schädliche passion vor junge Gemüther ist, indem, hieraus nicht allein hernach zancksüchtige Leute entstehen. die sich wenig selbst von der rechten Wahrheit leiten lassen, und andern die was rechtes in Außbreitung der Wahrheit zu præstiren suchen, amallermeisten hinderlich seyn, und also an alle, grossen Tumult und Unruhe in der Welt die meiste Ursache sind: Da hergegen wann bey der Jugend, so bald es sich thun lasset, eine beständige Liege zur Warheit erwecket wird, selbige hernach reisonablen Leuten viel geschwinder Gehör zu allen Guten geben, hiedurch aber ein solcher starcker innerlicher Trieb zum studiren excitiret wird, als keine äusserliche persuasion, Antreibung, oder auch Straffen auszurichten vermögend sind, alle andere schädliche passiones aber (indem das Gemüth stets und mit andern Sachen viel occupar ist) nach und nach nieder gedrückt werden.

—Abvrschrftng

§. XII.

Was nun das erste betrifft, wie nemlich bei der Tugend eine beständige Liebe zur Wahrheit erweckt werden muß, so ist zu merken, daß an einem andern Orte gedacht, daß habile Leute aus ihnen zu machen, nöthig sei, ihnen 3 notiones bey zu bringen: Die notiones nemlich conveientiæ & inconvenientiæ, oder des decori; Zum andern, die notiones Veri und falsi, seu sapientiæ; und dann dirttens, die notiones boni & mali, seu virtutis. Ich bin auch noch der Meinung, und will mich hierauff bezogen haben, was von der pag. 238. Medic. Ment. an weitläuffig gedacht, Weil aber die notiones Veri allen andern notionen gemein sind, und so zu sagen, wie selbige transcendiren (denn was anständig , oder nicht: Was gut oder böse ist, muß ich wissen, ob es in der Wahrheit gut oder böse sei) so muß besonders die Liebe zur Wahrheit die erste und vornemlichste notion seyn, die ihnen wohl imprimiret werde. Nun geschichts, das wohl vornemlich, wenn man sie von der ersten Tugend an, keine falsche rationes hören läßt, und wenn sie selbst etwas unwarhafftes vorbringen, ernstlich hierum bestraft. Aber hierzu müssen sensuale experienzien kommen, die eine Verwunderung exitiren, und also die natürliche Begierde so bei allen Menschen ist zu der Wahrheit, (obgleich selbige bei vielen wie eingeschlafen zu sein scheint) exitiren), und zu gleich von solchen Nutzen sind, daß sie die Fundamenta aller nützlichen Wissenschafften, welche meistens von pag. 132. bis 151. in der Medicana Mentis vortrage, includiren. Weil aber dergleichen bei dem studio Mathematico und Physico zu acquiriren solches specialiter anweisen werde, so will solches dahin verfahren. Voritzo nur diesem Einwurf begegnen, daß, vielleicht nicht alle Leute eine rechte inclination zur Wahrheit haben, und daß solches also (will es nicht universal) nicht eben von großen Nutzen, der Jugend solche passion beizubringen; Denen selbigen will nur dis vor gewiß vermeiden, das ingenia von allerhand Art versucht, indem ingenia gesehen, die tardissima gewesen; andere, die keine inclination zum studiren gewiesen; Ja es haben Rectores und Informatores selbst zu erkennen gegeben, daß sie nichts aus ihnen wüßten zu machen. Nachdem ich meiner Methode gefolget, und wenige Zeit ihnen an die Hand (wie itzo gedacht und ferner intimiren werde) gestanden, sie hernach so eine grosse Begierde gezeigt, daß sie frühe aufgestanden, und nicht können vom studiren gebracht werden. Scheint also, daß wie ein jeder Mensch, der guten Appetit hat, wohl sich zum ersten hält, wenn ihm rechte Speisen vorgesetzt werden; auch die Jugend bei denen allen die Begierde von Natur zu wissen eingepflanzt, wohl sich dazu von sich selbst halten würde, wenn man nur wüßte die rechte Speisen wüßte vorzusetzen. Nun hat hat man zwar insgemein gar wohl bemerkt, daß bei der Jugend nicht viel großes auszurichten, wofern man nicht einen eigenen Trieb bei ihnen excitirte, und so zu sagen wie eine passionem dominantem, dadurch alle andere schädliche passiones, als von einer stärckeren, müssen unterdruckt werde. Das man aber vermeint, solchen eigenen Trieb bei der Jugend zu erwecken, sei keine Passion nützlicher als die Ehrfurcht, oder Begierde nach großen Ruhm in der Welt, und nicht vielmehr die große Liebe zur Wahrheit, wie ich allhier statuire; hat man gewiß in alle Wege sehr gefehlt, müssen dii eine höchst schädliche passion vor junge Gemüter ist, indem, hieraus nicht allein hernach zanksüchtige Leute entstehen. die sich wenig selbst von der rechten Wahrheit leiten lassen, und andern die was rechtes in Ausbreitung der Wahrheit zu præstiren suchen, amallermeisten hinderlich sein, und also an alle, grossen Tumult und Unruhe in der Welt die meiste Ursache sind: Da hergegen wann bei der Jugend, so bald es sich tun laßt, eine beständige Liege zur Wahrheit erweckt wird, selbige hernach reisonablen Leuten viel geschwinder Gehör zu allen Guten geben, hierdurch aber ein solcher starker innerlicher Trieb zum studiren excitiret wird, als keine äußerliche persuasion, Antreibung, oder auch Strafen auszurichten vermögend sind, alle andere schädliche passiones aber (indem das Gemüt stets und mit andern Sachen viel occupar ist) nach und nach nieder gedrückt werden.