DILW/50
Mit dieser These zeigt der Autor deutlich, dass er ein Mann belehrter Unkenntnis ist.
Denn so wie eine vorgetäuschte Heiligkeit eine doppelte Abscheulichkeit ist (da es sich um das Vortäuschen von etwas handelt, das nicht existiert), so hat auch diese Unkenntnislehre (die eine vorgetäuschte Existenz von Kenntnis ist, d. h. ein nicht vorhandene Kenntnis) einen falschen Anschein von Kenntnis und damit einen Mangel an Kenntnis.[1]
Und so wird diese Unkenntnislehre eine doppelte Unkenntnis oder zweifache Unkenntnis sein, die ich daher (so gut ich kann) mit gegenteiligen Gründen abzugrenzen und zu umgeben versuchen werde – damit er nicht (unter Berücksichtigung des Verses in Jesus Sirach 36: „Wo keine Abgrenzung ist, wird der Besitz geraubt“[2]) gemäß seinem unmäßigen Kenntnisdurst die Welt täuscht.
Denn wenn diese seine These nicht durch fundierte Lehren gestützt wird, wird sie die Unterscheidung Gottes beseitigen und die Dreifaltigkeit abschaffen (von der er jedenfalls zu zeigen versucht, dass sie mit der Einheit identisch ist).
Denn Vielheit entsteht aus Unterschiedenheit, und in Gott sind alle Dinge gleich, wenn [dieser Istseinheit] kein Gegensatz der Beziehung entgegensetzt.
- By this thesis the author shows clearly that he is a man of learned ignorance.
- For just as a feigned holiness is a double abomination (since it is the feigning of what does not exist), so this learned ignorance (which is a feigned existence of knowledge, i.e., is a non-existing knowledge) has a false appearance of knowledge, and therewith a lack of knowledge.
- And so, this learned ignorance of his will be a double ignorance, or twofold unknowing, which I shall thus attempt (as best I can) to hedge and surround with reasons to the contrary— lest (considering the verse in Ecclesiasticus 36: “Where there is no hedge, the possession will be despoiled”) in accordance with his inordinate desires for knowing he deceive the world.
- For if this thesis of his is not enclosed by sound doctrines, it will eliminate distinction in God and will abolish the trinity (which, anyhow, he tries to show to be identical to the oneness).
- For plurality arises from distinction; and all things are identical in God if no opposition of relation opposes [this identity].