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Pythagoras/Ikonographie

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Bronzebüste aus der Villa dei Papiri in Herculaneum eines Mannes mit Turban, wahrscheinlich Pythagoras. Römische Kopie aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. eines griechischen Originals von ca. 360–350 v. Chr. Archäologisches Nationalmuseum Neapel, Inventarnummer 5607

In der antiken Literatur sind mehrere (mindestens zwei) Statuen des Pythagoras bezeugt. Eine befand sich in Rom, eine andere, die ihn stehend zeigte, in Konstantinopel.[1]

Auf den Rückseiten von Bronzemünzen, die im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. auf Samos geprägt wurden, ist Pythagoras stehend oder sitzend abgebildet. Der sitzende Pythagoras hält in der linken Hand ein Szepter; das Herrschaftssymbol macht ihn als geistigen Fürsten kenntlich. In der Rechten hält er – ebenso wie der stehende Pythagoras – einen Stab, mit dem er auf einen Globus zeigt. Diese Münzbilder sind nach dem Vorbild von Buchillustrationen, Statuen oder Reliefs gestaltet. Für einen um 400 n. Chr. geprägten Kontorniaten, der den Philosophen mit langem Spitzbart und Kopfbinde zeigt, in nachdenklicher Haltung auf einem Lehnsessel sitzend, war vermutlich eine Buchillustration das Muster. Zwei Silbermünzen aus Abdera (um 430–420 v. Chr.) zeigen den Kopf eines Mannes mit kurzem Bart in einem Linienquadrat mit der Inschrift Pythagores; offenbar ist der Philosoph gemeint.[2]

Eine Bronzebüste im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel, die in der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden wurde, sowie eine Marmorherme in den Kapitolinischen Museen in Rom stellen sehr wahrscheinlich Pythagoras dar. Dafür spricht die turbanartige Kopfbedeckung des Philosophen, ein Bestandteil orientalischer Tracht, der offenbar ebenso wie die Kopfbinde auf dem Kontorniaten an die Legende von der Indienreise des Pythagoras erinnern soll. Von der Bronzebüste, die um 360–350 v. Chr. entstanden ist, sind sieben Repliken erhalten. Die Herme wird um 120 n. Chr. datiert.[3]

In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. entstanden zwei Reliefs. Eines von ihnen stammt aus Sparta und befindet sich im dortigen Museum. Es zeigt den sitzenden Pythagoras zusammen mit Orpheus in einer Landschaft mit Tieren. Sein Attribut ist ein Adler. In der linken Hand hält er eine geschlossene Buchrolle, in der rechten eine geöffnete. Offenbar soll die Verbindung zwischen der orphischen und der pythagoreischen Lehre dargestellt werden. Auf dem anderen Relief, das auf Samos gefunden wurde, ist Pythagoras sitzend mit Musen abgebildet. Eine der Musen bekränzt ihn. Ein Zeigestock und ein Kasten für Buchrollen kennzeichnen ihn als Philosophen.[4]

  1. ↑ Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
  2. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 106 f., 412 f., 424 f. (mit Abbildungen); Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79 und Supplement, London 1972, S. 5; Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift für Erika Simon, Mainz 1992, S. 323–329, hier: 327.
  3. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 152–155, 344 f.; Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
  4. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 124. Zum spartanischen Relief siehe Volker Michael Strocka: Orpheus und Pythagoras in Sparta. In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift für Erika Simon, Mainz 1992, S. 276–283 und Tafeln 60 und 61. Zum samischen Relief siehe Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift für Erika Simon, Mainz 1992, S. 323–329 und Tafel 71.