Osten
Ost + en | m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs’, (mit Artikel) ‘das östliche Gebiet der Erde, der östliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’.
Ahd. ōstan m. n. (um 1000), mhd. ōsten m. n., mnd. ōsten(e) n., mnl. oosten(e) n., nl. oosten n. sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. ōstana ‘von Osten’ (9. Jh.), mhd. ōsten(e) ‘nach, im Osten’, asächs. ōstan(a) ‘im, von Osten’, mnd. ōsten(e) ‘im, nach Osten’, aengl. ēasten(e) ‘von Osten’, anord. austan ‘von Osten’.
Dazu gehören weitere Richtungsadverbien wie ahd. ōst ‘im Osten’ (um 800), mnd. ōst ‘im Osten’, mnl. nl. oost ‘nach, im Osten’, aengl. ēast‘östlich, im, aus dem Osten’ sowie ahd. ōstar ‘im, nach Osten’ (9. Jh.), mhd. ōster ‘im Osten’,asächs. ōstar ‘östlich, ostwärts’, mnd. ōster, mnl. ooster ‘östlich’, aengl. (Komparativ) ēasterra, ēastra ‘östlicher’, anord. austr ‘nach Osten’.
Die Formen lassen sich außergerm. vergleichen mit awest. ušastara- ‘östlich’, lat. auster ‘Südwind’, austrālis ‘südlich’, lett. austrumi (Plur.) ‘Osten’, aslaw. zaustra ‘am Morgen’, so daß von uig. *aus(e)st(e)ro- oder auch *aust(e)ro- ‘östlich’ ausgegangen werden kann.
Als Formen ohne die Endung uig. -t(e)ro- vergleichen sich die s-Stämme bzw. deren Weiterbildung aind. uṣā́ḥ ‘Frühlicht’, grie. héos, (ion.) ēṓs, aus *āusōs), lat. aurōra (aus *āusōsā oder *ausōsā) ‘Morgenröte’ und mit r-Suffix aind. usráḥ ‘morgendlich’, grie. á͞urion (αὔριον) ‘morgen’, lit. ausŕà ‘Morgenröte, Morgendämmerung’.
Erschließbar ist ie. *ā̌us-, *us- ‘Morgenröte’ (wozu auch ablautendes ie. *u̯es-; vgl. dehnstufiges aind. vāsará- Adj. ‘morgendlich, leuchtend’, Subst. ‘Tag’, mir. fāir‘Sonnenaufgang’).