Hen
- die Unteilbarkeit im Sinne der Vorstellung eines Individuums als unteilbare Einheit
- die Vereinigung oder Verschmelzung von Elementen zu einer einheitlichen Ganzheit
- der Umstand, dass „Eins“ als Zahlwort in der griechischen Philosophie der Mathematik eine besondere, privilegierte Stellung ausdrückt. Die Eins ist das Maß und Prinzip der anderen Zahlen, an dem sie gemessen werden. So betrachtet ist sie selbst keine Zahl, sondern der ganzen Zahlenwelt übergeordnet.
Der Ausdruck „henological“ ist in der Forschungsliteratur schon 1943 bezeugt; der anglo-katholische Theologe Eric Lionel Mascall bezeichnete damit einen Gottesbeweis bei Thomas von Aquin, in dem sich die Einheit Gottes aus der Vielheit der Dinge ergibt. 1948 verwendete Étienne Gilson den Ausdruck énologie zur Bezeichnung des neuplatonischen, auf dem Gedanken des Überseins beruhenden Einheitskonzepts. Dieses Konzept wollte er damit von der christlichen ontologischen Vorstellung eines seienden Gottes, insbesondere von seinem eigenen neuthomistischen Ansatz abgrenzen.[1] Den Fachbegriff „Henologie“ hat aber erst der norwegische Philosophiehistoriker Egil A. Wyller geprägt und definiert. Er führte ihn 1960 ein, um die „Einheitslehre“ von der „Seinslehre“, der Ontologie, abzutrennen. Damit wollte er die fundamentale Unterscheidung zwischen Seiendem und Überseiendem, die von antiken Philosophen betont wurde, auch in der Terminologie der modernen Forschung verankern. Diesen Gegensatz bezeichnete Wyller als „henologische Differenz“. Er zählte alle der platonischen Tradition folgenden idealistischen Lehren von einer absolut transzendenten Einheit zum Gegenstandsbereich der Henologie, also beispielsweise auch das Einheitskonzept von Johann Gottlieb Fichte.[2] Im neueren Sprachgebrauch wird der Begriff „Henologie“ gewöhnlich nicht in diesem umfassenden Sinn, sondern speziell bezogen auf die Einheitslehren antiker Platoniker verwendet.
- ↑ Étienne Gilson: L’être et l’essence, Paris 1948, S. 42.
- ↑ Egil A. Wyller: Henologie. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 3, Basel 1974, Sp. 1059f.