TDPC/Anm/8,2
▷8,2 Vgl. De docta ign. I 2 n. 5 (I 7,11 f.); Werk:De ven. sap. 13 n. 34,12f. P. Wilpert, Das Problem der coincidentia oppositorum in der Philosophie des Nikolaus von Cues, in: Humanismus, Mystik und Kunstin der Welt des Mittelalters, hrsg. v. J. Koch (Leiden/ Köln 1953), S. 39-55, übersetzt »deus estomne id quod esse potest« mit »Gott ist alles, was er sein kann« (siehe auch Werk:De ven. sap. 13 n. 34, Schriften Heft 14; vgl. aber dagegen auch ebd. n. 33). Ich übersetze »Gott ist alles, was sein kann«, Keine der beiden Übersetzungen trifft die Bedeutung der lateinischen Wendung ganz. Während es die ontologische Differenz alles kreatürlichen Seins ausmacht, daß sein Selbstsein (er, sie, es) bestimmtes Begrenztsein ist und insofern eine Einschränkung des Könnens, ist Gottes Selbstsein unbegrenzte Macht und damit sein Er-seinkönnen Seinkönnen überhaupt. Die Übersetzung Wilperts kann dahin mißverstanden werden, daß man Gott als bestimmtes Subjekt versteht, die andere Übersetzung kann pantheistisch mißdeutet werden. Zwischen diesen beiden Abwegen liegt die Vermittlung des Cusanus, daß Gott die Identität von Er-sein und Alles-sein und zugleich in allem Seinkönnen des Kreatürlichen wirklich ist. Zum Problem s. auch K. Jacobi, Die Methode der Cusanischen Philosophie, Freiburg/München 1969, S. 56 Anm. 45; K. Flasch, Die Metaphysik des Einen bei Nikolaus von Kues, Leiden 1973. S. 168-171.