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Hypostase

aus AufEinWort, der freien Forschung
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hypo- + stase | Vergegenständlichung, Verdinglichung einer Eigenschaft, eines Begriffs, eines bloßen Gedankens; Personifizierung göttlicher Eigenschaften oder religiöser Vorstellungen zu einem eigenständigen göttlichen Wesen z. B. in der christlichen Theologie die drei Personen der Trinität; Wesensmerkmal einer personifizierten göttlichen Gestalt; Verselbstständigung eines Worts als Folge einer Veränderung der syntaktischen Funktion z. B. der Übergang eines Hptw. zum Umstw. wie »des Mittags« zu »mittags«; lat. hypostasis, grie. hypóstasis = Grundlage, Ablagerung; zu grie. hypo "unter, darunter" + stásis "stehend".

Hypostase (altgriechisch ὑπόστασις hypóstasis, allgemein: „Grundlage“, philosophisch: „Seinsstufe“) ist ein Begriff, der seit der Spätantike in philosophischen Texten verwendet wird, zunächst für den konkreten Bestand einer Sache. In der christlichen Trinitätslehrewird er benutzt, um die drei göttlichen Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) unter dem Gesichtspunkt ihrer jeweiligen Besonderheit zu bezeichnen, im Gegensatz zu dem ihnen gemeinsamen Wesen, ihrer ousia („ein Wesen – drei Hypostasen“).

Immanuel Kant prägte das Verb hypostasieren für all diejenigen Fälle, in denen das Denken real gar nicht existierender Objekte mit deren angeblicher Erkenntnis verwechselt wird.

Das Substantiv ὑπόστασις hypóstasis ist vom Verb ὑϕίστημι hyphístēmi (auch: ὑπίστημι hypístēmi) abgeleitet, das intransitiv„darunter stehen“ und allgemeiner „vorhanden sein“ oder „bestehen“, transitiv „darunter stellen/legen“ oder „stützen“ bedeutet. Als medizinischer und naturwissenschaftlicher Begriff kommt Hypostasis seit Hippokrates und Aristoteles vor; die Hauptbedeutungen sind „Unterlage“ und „Stütze“ sowie „das, was sich unten ansammelt“: ein Bodensatz, ein Niederschlag oder beispielsweise auch vom Baum herunterrinnendes Harz. Im Zeitalter des Hellenismus wurden daraus abgeleitete abstrakte Bedeutungen wie „Grundlage“ und „Gesamtplan“ oder auch „Grundkonzeption“ gebräuchlich.

Der philosophische Sprachgebrauch ist wohl vom Bild des Bodensatzes abgeleitet. Der Bodensatz ist das, was zunächst in der Flüssigkeit verborgen war, dann aber abgesunken ist und sich angesammelt und verdichtet hat; so ist es sichtbar geworden und bleibt danach bestehen, auch wenn die Flüssigkeit verdunstet. Hypostasis bedeutet hier „dauerhafter Bestand“ oder „Wirklichkeit“, eine nicht nur scheinbare oder eingebildete Existenz. In diesem Sinne kommt das Wort ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. vor. Es war aber zunächst kein streng definierter, auf eine bestimmte Bedeutung eingeengter Fachbegriff. Versuche der älteren Forschung, einen spezifischen Sprachgebrauch der Stoiker oder der Peripatetiker nachzuweisen, sind gescheitert.[1]

Erst später wurde Hypostasis auch als Synonym von Substanz (griechisch ousia) verwendet. Es besteht aber doch, wie Textstellen zeigen, ein Bedeutungsunterschied. Hypostasis bezeichnet die in Erscheinung tretende Verwirklichung des mit ousia gemeinten abstrakten Seins (wörtlich der „Seiendheit“), das konkrete Vorhandensein in der Realität. So schreibt der Aristoteles-Kommentator Alexander von Aphrodisias, dass Stoff und Form sich nach ihrem Sein (kat’ ousían) unterscheiden, in ihrem Bestand (hypostásei) und Vorkommen aber untrennbar sind.[2]

1 besonders Philosophie Vergegenständlichung, Verdinglichung einer Eigenschaft, eines Begriffs, eines bloßen Gedankens

2 a Mythologie, Religion Personifizierung göttlicher Eigenschaften oder religiöser Vorstellungen zu einem eigenständigen göttlichen Wesen z. B. in der christlichen Theologie die drei Personen der Trinitätb Mythologie, Religion Wesensmerkmal einer personifizierten göttlichen Gestalt

3 Sprachwissenschaft Verselbstständigung eines Worts als Folge einer Veränderung der syntaktischen Funktion z. B. der Übergang eines Substantivs im Genitiv zum Adverb wie »des Mittags« zu »mittags« 

4 Medizin vermehrte Ansammlung von Blut in den tiefer liegenden Körperteilen (z. B. bei Bettlägerigen in den hinteren unteren Lungenpartien) 

5 Genetik Unterdrückung, Überdeckung der Wirkung eines Gens durch ein anderes, das nicht zum gleichen Paar von Erbanlagen gehört