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visio intellectualis

aus AufEinWort, der freien Forschung
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Unter visio intellectualis (lateinisch für „intellektuelle Schau“ oder „geistiges Sehen“) versteht man in der Philosophie und Theologie – insbesondere bei Augustinus von Hippo und Nikolaus von Kues – eine Form der Erkenntnis, die ohne sinnliche Bilder, Vorstellungen oder körperliche Vermittlung auskommt. Sie gilt als die höchste Stufe der Schauung, noch über der visio corporalis (Sinneswahrnehmung) und der visio spiritualis (Vorstellungskraft/Phantasie).

Hauptmerkmale der visio intellectualis:

  • Bildloses Erkennen: Im Gegensatz zur visio spiritualis, die auf Bildern und Vorstellungen basiert, ist die visio intellectualis rein geistig.
  • Unmittelbarkeit: Sie erfasst die Wahrheit direkt und ohne den Umweg über logische Schlussfolgerungen (discursives Denken).
  • Erkenntnis der Wahrheit: Augustinus beschreibt sie als das Erkennen von Wahrheiten, wie sie in sich selbst sind, nicht durch Bilder.
  • Gotteserkenntnis: Oftmals bezieht sich der Begriff auf die Schau Gottes oder göttlicher Dinge, was oft als visio beatifica (selige Schau) bezeichnet wird.
  • Höchste Einsicht: Sie wird oft als „intellektuelle Anschauung“ oder als das Sehen mit dem „Auge des Geistes“ interpretiert.

Im Kontext der Mystik und der Philosophie des Nikolaus von Kues führt die visio intellectualis über das rationale Denken hinaus zur Erkenntnis der Einheit (Coincidentia oppositorum) und ermöglicht es dem Geist, Gott im Überstieg aller Begrenzungen zu schauen.