Werk:TDPC/69
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▷ ▷n. 66–69 N. 66,4ff. gibt Antwort auf die Frage des Johannes n. 62,7ff., wobei die Eigentümlichkeit des Cusanus darin liegt, daß er die negatio hinterfragt. So kommt er nicht nur zum ineffabile, sondern dahin, daß negatio Sein voraussetzt. Er geht auf die via negativa dergestalt ein, daß er sie selbst negiert, und erkennt so, daß Negation immer Negation von etwas, also bestimmte Negation ist. Vom Sein her wird dann der via negativa zurückgelegte Weg in einer Kehre positiv wiederholt. Die via negativa streicht im ascendere als Unvollkommenheit durch, was in der Rückkehr vom Sein her gerade wieder als Vollkommenheit des Seins aufgedeckt, d. h. gesehen wird (n.68,9f.). Der Kardinal gibt Johannes eine gegenläufige Antwort: er sieht (3f.) die Dinge als das was sie sind von Gott her, post non-esse, wobei »post non-esse« doppeldeutig ist: 1. die Dinge sind durch das Nichtsein hindurchgegangen, 2. das non-esse selbst ist ein »post« (5). Das in n. 66,14f. einander gegenübergestellte esse ante und esse post negationem entspricht der Unterscheidung von principium und principiatum (n. 45–48), von ineffabile und nominatum (n. 67,1–4). Der Kardinal geht hier auf das ein, was man als die Grundfrage der Metaphysik seit Leibniz bezeichnen kann, die in neuerer Zeit besonders von Heidegger aufgenommen wurde: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« (Was ist Metaphysik? 71955, S. 23) – Die Voraussetzung des Seins vor dem Nichtsein machen wir, d. h. wir denken sie; aber wie sehen wir sie? Der Kardinal gibt die Antwort in n. 67,9-11: Gottes Sein ist alles Sein, ist jedes Sein von alledem was ist oder sein kann. Wenn aber alles Geschöpfliche Anteil hat an der entitas, die vor dem Nichtsein liegt, aus welcher dieses bestimmte Sein geworden ist, dann muß es auch wieder einen Anhalt für das Sehen in der Geschöpflichkeit geben. Im Ausschreiten der ganzen Welt via negationis komme ich zur Seinsheit, zur entitas omnis esse (13f.), die nicht mehr etwas ist. Durch die Vielheit der Verneinungen dringt die via negationis vor zum einfachen Einblick (14) – der mystische Weg läßt augenblicklich die Reinheit des Seins schauen. Die via negationis faltet durch bestimmte Negation die Schöpfung in Gott zurück und kommt so zum Nichtsein überhaupt, zum Nichtsein in Gott, d. h. zu dem Nichtsein, das dem geschöpflichen Sein vorausliegt. In Z. 19 treffen beide Bewegungen aufeinander: das praesupponere, das »von unten« kommt und erkenntnistheoretischen Charakter hat (vgl. n. 66,11f.), und das producere, das von Gott her geschieht und ontologische Bedeutung hat. N. 68,7f. bringt die abschließende positive Uberhöhung der früheren Aussagen über das Nichtsein als essendi necessitas (s. o. zu n. 27,24f. und n. 59,17f.). – Z. 9f. bringt einen neuen Ansatz. Johannes fragt jetzt, wie er die Welt, die Dinge in Gott sieht (nicht, wie er Gott sieht). Der Kardinal wendet nun die negatio auf die Sonne an, um zur entitas der Sonne vorzudringen, denn die entitas oder das ipsum esse in einem Bestimmten von diesem Bestimmten abstrahiert ist Gott selbst (16ff.).