Werk:TDPC/53.1
▷Motus autem qui intelligitur, cui quies opponitur, ille intelligitur, quia terminatur quiete ei opposita, et concipitur per finitum conceptum. Quando igitur intelligitur hunc conceptum de motu non esse conceptum motus qui id est quod esse potest, licet qualis ille sit intelligi nequeat, dimisso motu qui sciri potest convertit se mens ad videndum motum qui sciri nequit et non quaerit ipsum nec per nomen nec conceptum nec scientiam, immo per omnium quae de motu sciuntur ignorantiam. Scit enim se nequaquam illum motum videre, quamdiu aliquid horum manet. Tunc ad non-esse motus pertingens propius ad quaesitum ascendit, id enim quod se tunc supra esse et non-esse ipsius motus offert taliter quod quid sit penitus ignorat, quia est supra omne nomen. Ibi ignorantia est perfecta scientia, ubi non-esse est essendi necessitas, ubi ineffabile est nomen omnium nominabilium. Haec sic ex tuis dictis – nescio si bene – collegi.
Die Bewegung aber, die erkannt wird, der die Ruhe entgegengesetzt ist, die wird deshalb erkannt, weil sie durch die ihr entgegengesetzte Ruhe begrenzt wird, und wird begriffen durch einen begrenzten Begriff. Wenn also ein gesehen wird, daß dieser Begriff von Bewegung kein Be griffderjenigen Bewegung ist, die das ist was sie sein kann – obgleich nicht eingesehen werden kann, von welcher Art jene sei –, so wendet sich der Geist im Hintersichlassen derjenigen Bewegung, die gewußt werden kann, dem Schauen der Bewegung zu, die nicht gewußt werden kann, und sucht sie weder durch Namen noch durch Begriff noch auch durch Wissenschaft, vielmehr durch das Nichtwissen[1] alles dessen, was von der Bewegung gewußt wird. Er weiß nämlich, daß er auf keinen Fall jene Bewegung schaut, solange irgendetwas hiervon bleibt. Dann, zum Nichtsein der Bewegung vordringend, steigt er näher zum Gesuchten auf, zu dem nämlich,was sich dann, jenseits von Sein und Nichtsein der Bewegung darbietet dergestalt, daß er gänzlich im Unwissen ist darüber, was es sei, weil es über je- dem Namen ist. Dort ist Nichtwissen das vollkommene Wissen, wo Nichtsein die Seinsnotwendigkeit ist, wo das Unaussprechliche Name alles Nennbaren ist[2]. Dies habe ich – ich weiß nicht ob richtig – aus deinen Worten entnommen.
Die Bewegung aber, der die Ruhe gegenübersteht, und die wir erkennen, wird erkannt, weil sie durch die ihr entgegenstehende Ruhe begrenzt, und von dem endlichen Begriffsvermögen begriffen wird. Begreifen wir, daß dieser Begriff der Bewegung nicht der Begriff jener Bewegung ist, die das ist, was sie sein kann – wenn es auch unmöglich ist einzusehen, wie jene beschaffen ist –, dann läßt der Geist die Bewegung, welche gewußt werden kann und kehrt sich jener zu, die er nicht wissen kann. Er fragt nach dieser Bewegung weder durch einen Namen noch durch einen Begriff noch durch Wissen, sondern durch das Nicht-Wissen alles dessen, was von der Bewegung gewußt wird. Er weiß nämlich, daß er jene Bewegung keinesfalls sieht, solange irgend etwas von diesem bestehen bleibt. Dann stößt er zum Nicht-Sein der Bewegung vor und nähert sich so weiter dem Gesuchten.
Was sich ihm dort, jenseits von Sein und Nicht-Sein der Bewegung darbietet, ist so, daß er gar nicht weiß, was es ist, weil es jenseits jedes Namens ist; dort wo das Nicht-Sein die Notwendigkeit des Seins ist, wo das Unaussprechbare der Name alles Nennbaren ist, ist Unwissenheit vollkommenes Wissen. So habe ich es aus deinen Worten erschlossen; ob richtig, ich weiß es nicht.