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Werk:De ven. sap./41

aus AufEinWort, der freien Forschung
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41▷Advertas autem, quomodo li non aliud non significat tantum sicut li idem. Sed cum idem sit non aliud quam idem, non aliud ipsum et omnia, quae nominari possunt, praecedit. Ideo etsi deus nominetur non aliud, quia ipse est non aliud ab alio quocumque, –[1] sed propterea non est idem cum aliquo. Sicut enim non est aliud a caelo, ita non est idem cum caelo. Habent igitur omnia ut non alia quam sunt, quia deus ipsa diffinit, et ab ipso non aliud habent non aliud in specie generare, sed sibi simile efficere. Bonitas igitur bonificat, album albificat, et ita de omnibus.[2]

Venatores philosophi hunc campum non intrarunt, in quo solo negatio non opponitur affir|mationi. Nam li non aliud non opponitur[3] li aliud, cum ipsum diffiniat et praecedat. Extra hunc campum negatio affirmationi opponitur, ut immortale mortali, incorruptibile corruptibili; et ita de omnibus, solum li non aliud excepto. Quaerere igitur[4] deum in aliis campis, ubi non reperitur, vacua venatio est. Non enim est deus, qui alicui opponitur, cum sit ante omnem oppositorum  differentiam. Imperfectiori igitur modo deus nominatur animal, cui non-animal opponitur, et immortalis, cui mortale opponitur, quam non aliud, cui nec aliud nec nihil opponitur, cum etiam[5] ipsum nihil praecedat et diffiniat. Est enim nihil non aliud quam nihil. Subtilissime aiebat divinus Dionysius deum esse «in omnibus omnia, in nihilo nihil».

Scripsi autem latius de li non aliud in tetralogo Romae anno transacto. Ideo nunc de hoc satis et cetera.

◀△▷

Übs. Sg.

Du magst aber bemerken, daß das Nicht-Andere nicht ebensoviel bedeutet wie das Identische. Da das Identische nichts anderes ist als das Identische, deshalb ist das Nicht-Andere ihm und allem, was man nennen kann, vorgeordnet. Wenn man aber Gott als das Nicht-Andere bezeichnen will, da er gegenüber keinem anderen ein anderes ist, so ist er deshalb doch nicht identisch mit irgendeinem Gegenstand. Wei er nämlich nicht ein anderes ist gegenüber dem Himmel, so ist er doch nicht identisch mit dem Himmel. Alle Dinge verhalten sich folglich als nicht andere, als sie sind, weil Gott sie in ihrem Wesen bestimmt. Vom Nicht-Anderen besitzen sie die Kraft, nicht ein Andersartiges zu erzeugen, sondern ein ihnen Ähnliches hervorzubringen. Die Gutheit also macht gut, das Weiße weiß, und so ist es bei allen Dingen.

Die Philosophen als Jäger haben dieses Feld nicht betreten, in dem allein die Verneinung nicht mi Gegensatz steht zur Bejahung, denn das Nicht-Andere steht in keinem Gegensatz zum anderen, da es dieses begrifflich bestimmt und ihm vorgeordnet ist. Außerhalb dieses Feldes besteht der Gegensatz zwischen Verneinung und Bejahung, so zwischen unsterblich und sterb- lich, unvergänglich und vergänglich; so ist es bei allen Aussagen, außer beim Nicht-Anderen. Gott auf anderen Feldern zu suchen, wo man ihn nicht findet, ist deshalb eine vergebliche Jagd. Es ist nicht Gott, der in Gegensatz träte zu irgendeiner Bestimmung, da er vor allem Unterschied der Gegensätze steht. Es ist eine unvollkommenere Art, Gott als lebendes Wesen zu bezeichnen, zu dem die nichtlebenden Dinge einen Gegensatz bilden, oder ihn als unsterblich zu bezeichnen, zu dem das Sterbliche mi Gegensatz steht, als ihn das Nicht-Andere zu nennen, zu dem weder das andere noch das Nichts einen Gegen- satz bildet, da es sogar auch dem Nichts vorgeordnet ist und es begrifflich bestimmt. Das Nichts ist nichts anderes als das Nichts. Sehr feinsinnig sagte der gottbegnadete Dionysius,[6] Gott sei »in allem alles und im Nichts nichts«,

Ich habe indes ausführlicher über das Nicht-Andere in einem Tetralog zu Rom im vergangenen Jahr geschrieben,[7] deshalb mag für jetzt das darüber Gesagte genügen.

Übs. Dp.

Beachte aber auch, daß das Nicht-Andere nicht nur soviel wie das Selbe bedeutet. Da das Selbe nichts anderes ist als das Selbe, geht es vielmehr allem, was genannt werden kann, voraus.

Wenn nun Gott auch das Nicht-Andere genannt wird, weil er das Nicht-Andere eines Jeden ist, so ist er deshalb doch nicht mit einem Andern identisch. Wenn er nämlich das Nicht-Andere vom Himmel ist, so ist er doch nicht mit dem Himmel identisch.

Alle Dinge verhalten sich also dergestalt, daß sie keine Anderen sind, als sie sind, da Gott sie begrenzt und bestimmt. Und vom Nicht-Andern ist ihnen eigen, nichts Anderes in der Eigengestalt zu zeugen, sondern sich selbst Ähnliches hervorzubringen. Die Güte macht also gut, das Weiße weiß, und so ist es mit allem.

Die philosophischen Jäger haben dieses Feld, auf dem allein die Negation nicht der Affirmation entgegengesetzt ist, nicht betreten. Denn das Nicht-Andere steht, da es dieses definiert und ihm vorangeht, nicht im Gegensatz zum Andern.

Außerhalb dieses Gebietes wird die Negation der Affirmation entgegengesetzt, wie zum Beispiel das Unsterbliche dem Sterblichen, das Unauflösbare dem Auflösbaren usw. Das Nicht-Andere allein ist davon ausgenommen. Gott in andern Feldern, auf denen er nicht gefunden wird, zu suchen, ist also eine vergebliche Jagd.

Denn einen Gott, der etwas anderem entgegengesetzt wird, gibt es nicht, da er jedem Unterschied von Gegensätzen vorausgeht. Auf unvollkommene Weise wird Gott also Lebendiges genannt, dem Nicht-Lebendiges entgegengesetzt wird, und unsterblich, dem sterblich entgegengesetzt wird; auf vollkommenere Weise aber Nicht-Anderes, dem weder Anderes noch Nichts entgegengesetzt wird, da er auch dem Nichts vorangeht und es definiert. Es ist nämlich das Nichts nichts anderes als Nichts.

Dionysius bemerkte sehr scharfsinnig, Gott sei alles in Allem und im Nichts nichts. Da ich aber in einem Gespräch zu Vieren im vergangenen Jahr in Rom ausführlicher über das Nicht-Andere geschrieben habe, sei damit hier genug gesagt.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ fol.206v
  4. ↑ Z.15
  5. ↑ Z.20
  6. ↑
  7. ↑