oratio mentalis
Erscheinungsbild
oratio mentalis (lateinisch für „mentale Sprache“) bezeichnet ein philosophisches und theologisches Konzept, das vor allem im Mittelalter, insbesondere in der Scholastik des 14. Jahrhunderts, geprägt wurde. Es beschreibt die Vorstellung einer von Lauten unabhängigen, angeborenen inneren Sprache des Denkens.
Kernpunkte des Konzepts
- Die Sprache des Geistes: Im Gegensatz zur geschriebenen (oratio scripta) oder gesprochenen Sprache (oratio vocalis) ist die oratio mentalis die Art und Weise, wie unser Verstand Begriffe und Urteile bildet.
- Universelle Bedeutung: Denker wie Wilhelm von Ockham argumentierten, dass diese mentale Sprache bei allen Menschen gleich ist und auf natürliche Weise die Dinge in der Welt abbildet, unabhängig davon, welche Muttersprache gesprochen wird.
- Die Ursprünge: Das Konzept hat seine Wurzeln in der antiken Philosophie des Aristoteles, der davon ausging, dass Gedanken allgemeine „Eindrücke der Seele“ sind.
- Moderne Bezüge: In der heutigen Philosophie und Kognitionswissenschaft wird das Konzept oft mit moderneren Theorien wie Jerry Fodors sogenannter „Sprache des Denkens“ (dem Mentalesisch) verglichen