Imago in cognitione, similitudo in dilectione
Die Formel "Imago in cognitione, similitudo in dilectione" (lat. für „Der [Ab]bildcharakter liegt in der Erkenntnis, die Ähnlichkeit in der Liebe“) stammt ursprünglich aus der Schrift De spiritu et anima (historisch oft dem Augustinus zugeschrieben) und wurde stark von der Summa Halensis geprägt. Bonaventura (und die gesamte franziskanische Philosophie) macht sich diesen Gedanken zu eigen, um die Gottebenbildlichkeit des Menschen zu erklären.
Sie besagt Folgendes:
- Imago in cognitione (Das Bild in der Erkenntnis): Der Mensch ist als Imago (Bild) Gottes geschaffen, weil er von Natur aus mit Vernunft, Gedächtnis und Intellekt ausgestattet ist. Mit diesen geistigen Kräften ist er in der Lage, die Wahrheit und das Sein zu erkennen und Gott intellektuell zu begreifen.
- Similitudo in dilectione (Die Ähnlichkeit in der Liebe): Um Gott jedoch wirklich nahe zu sein und die reine Gottebenbildlichkeit (Similitudo) vollends zu verwirklichen, reicht die reine Erkenntnis nicht aus. Dies gelingt erst durch den Willen und die Hingabe, also durch die Liebe (Dilectio) zu Gott.
Die theologische Bedeutung bei Bonaventura:
Während das Bild (Imago) als unzerstörbare Grundstruktur der menschlichen Seele gilt, kann das Gleichnis (Similitudo) durch die Sünde deformiert oder verloren gehen. Die Vereinigung mit Gott wird erst durch die praktische Ausrichtung des Willens auf das Gute—also durch die Liebe—erreicht