Apperzeption
Ap + perzeption | nlat. adpercipere hinzuwahrnehmen) bedeutet die klare und bewusste Aufnahme des jeweiligen Inhaltes eines Erlebnisses, einer Wahrnehmung oder eines Denkens. (WKP)
- Der Begriff stammt von René Descartes in Form des Wortes apercevoir in seinem Buch Traité des passions. Leibniz unterscheidet Apperzeption, Perzeption und petites perceptions, der das Wort praktisch im Sinne der modernen Aufmerksamkeit verwendete. Immanuel Kant unterschied transzendentale Apperzeption von empirischer Apperzeption. Transzendentale Apperzeption ist fast gleichbedeutend mit Selbstbewusstsein. Lipps verwendet also den Begriff Apperzeption, um sich auf die aufmerksame Wahrnehmung zu beziehen. Es bedeutet ursprünglich, die Schwelle zum Bewusstsein zu überschreiten, also wahrzunehmen.
- In der Erkenntnistheorie ist Apperzeption "die introspektive oder reflektierende Wahrnehmung seiner eigenen inneren Zustände durch den Geist". (vom lateinischen ad-, „zu, hin“ und percipere, „wahrnehmen, gewinnen, sichern, lernen oder fühlen“) ist einer von mehreren Aspekten der Wahrnehmung und des Bewusstseins in Bereichen wie Psychologie, Philosophie und Erkenntnistheorie.
Apperzeption (aus neulat. adpercipere hinzuwahrnehmen)[1] bedeutet nach Wilhelm Wundt die klare und bewusste Aufnahme des jeweiligen Inhaltes eines Erlebnisses, einer Wahrnehmung oder eines Denkens.[2][3] Diese Leistungen sind letztlich das Ergebnis sinnesphysiologisch und wahrnehmungspsychologisch determinierter Vorgänge und stellen Angliederungen neuer Inhalte an bereits vorhandene ähnliche Inhalte dar. Sie sind daher als cognitive Funktionen von Assimilation zu unterscheiden.[4] Bei der Assimilation überwiegt u. U. die Reproduktion bereits vorhandener Bewusstseinsinhalte gegenüber der Rolle neuer Sinneseindrücke. Bei der Apperzeption wird ein gleichmäßiges Abwägen dieser beiden Faktoren durch cognitive Leistungen vorausgesetzt.[4]
Geschichte
Leibniz unterscheidet Apperzeption, Perzeption und petites perceptions. Er hat den Begriff Apperzeption für den seelischen Vorgang reserviert, durch den sinnlich Gegebenes mittels Aufmerksamkeit und Gedächtnis aufgefasst, angeeignet, ins Bewusstsein erhoben und in einen Bewusstseinszusammenhang eingeordnet wird.[5] Im Unterschied dazu spricht er bei unklaren und vageren Wahrnehmungen von Perzeptionen und bei deren Vorstufen, den nicht klaren und meist nicht bewussten, körperlichen und sensorischen „Wahrnehmungen“ von Petites perceptions.
Kant unterschied zwischen der psychologischen oder empirischen Apperzeption, dem Vermögen des Verstandes, klare Vorstellungen aus der sinnlichen Wahrnehmung zu bilden und die vielfältigen Anschauungen durch Tätigkeit des inneren Sinnes zu einer einheitlichen Vorstellung zusammenzufassen einerseits, und zum anderen der reinen oder transzendentalen Apperzeption als dem Vermögen des Bewusstseins überhaupt, das Verstand und Vernunft umschließt und aus dem die allgemeingültige und notwendige Einheit aller Verstandes- und Vernunfterkenntnisse entspringt.
Theodor W. Adorno übernimmt den Begriff von Walter Benjamin im Zusammenhang mit einer attentionalen Apperzeption leichter Musik, wie dem Jazz zum Tanzen oder neben dem Gespräch.[6]
Eine weitere Verwendung des Begriffs findet sich bei Wilhelm Wundt (Grundzüge der physiologischen Psychologie, 1874, III § 15), der zwischen aktiver, willkürlicher und passiver, unvorbereiteter Apperzeption unterschied.
Ein moderner Begriff, der dem der Apperzeption nahesteht, ist Kognition.
Den Gegenbegriff der Apperzeptionsverweigerung hat vor allem der Romancier Heimito von Doderer im bildungssprachlichen Kontext populär gemacht, vielleicht sogar erfunden.[7] Er meint die Weigerung, die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist.
Weblinks
- „Apperzeption“ im Wörterbuch der Philosophischen Begriffe von Rudolf Eisler (1904)
- „Apperzeption“ im Kant-Lexikon von Rudolf Eisler (1930)
- „Transzendentale Apperzeption“ im Kant-Lexikon von Rudolf Eisler (1930)
Einzelnachweise
- ↑ Georgi Schischkoff (Hrsg.): Wörterbuch der Philosophie. 22. Aufl. Kröner, Stuttgart 1991, Lemma Apperzeption.
- ↑ Wilhelm Wundt: Grundriß der Psychologie. Leipzig, 1896.
- ↑ Brockhaus: Philosophie. Mannheim u. Leipzig 2004, Lemma Apperzeption.
- ↑ a b Carl Gustav Jung: Definitionen In: Psychologische Typen (= Gesammelte Werke. Band 6). Kap. XI., Walter, Solothurn/Düsseldorf 1995, ISBN 3-530-40081-5. Referenzfehler: Unbekannter Parameter „details“ im
<ref>-Element. Die unterstützten Parameter sind: dir, follow, group, name. - ↑ Monadologie, verfasst 1714, dt. 1720, LS 14; Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, vermutlich 1707, Buch II: Von den Ideen, Kap. 1 f.
- ↑ Theodor W. Adorno – Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt. Frankfurt am Main 1956
- ↑ Heimito von Doderer – Albert Paris Gütersloh: Briefwechsel 1928–1962. Hrsg. v. Reinhold Treml. München 1986, S. 19 Google Books.