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visio beatifica

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visio beatifica die das Ziel aller Geistwesen bildende und schlechthinnige Glückseligkeit bedingende unmittelbare, intellektuale und essentielle Schau Gottes.

Die sich erst im 14. Jh. voll herausbildende christliche Lehre von der visio beatifica wurzelt in dem auf Platon rekurrierenden (Symposion 209e-212a; Staat 506b-517c) paganen Mittel- und Neuplatonismus, der jedoch mit der Integration der mystischen Einung in die Schau (theoria, thea) die These der christlichen-negativen Theologie von der Unmöglichkeit der Wesenserkenntnis motiviert. Die auf die Essentialität der Schau abhebende Lehre von der visio beatifica verdankt ihre Entwicklung Irenäus v. Lyon, Clemens v. Alexandrien, Origenes, aber v.a. der – dem Intellektualismus Plotins verpflichteten – augustinischen Differenzierung der möglichen visiones in corporales, spirituales und intellectuales vor dem Hintergrund der Diskussion um den raptus Pauli: Gott kann unter Erhalt der Individualseele auf intellektualem Wege von Angesicht zu Angesicht in seiner Wesenheit geschaut werden. Nachlombardische Autoren (Mag. Martinus, Wilhelm v. Auxerre, Summa Duacensis) differenzieren die visio intellectualis nach Maßgabe ihres vermittelten bzw. unvermittelten Charakters in aenigmatica, mediastina und praesentaria (comprehensiva, aperta, intuitiva). Die gnadenreiche Präsenz Gottes in der Seele der Seligen – bei Albertus Magnus als lumen gloriae – ermöglicht die Unmittelbarkeit der Schau, die nach dem Gegenentwurf Dietrichs v. Freiberg durch die natürliche Hinwendung des intellectus agens zu Gott als seinem Prinzip gewährleistet wird. Im Streit des 13. Jh. um die Möglichkeit der visio beatifica bestimmt die Kompromissformel sie als unmittelbare essentielle Schau ohne Vordringen zur Totalität der Quidditas. Eine eschatologische Prozesshaftigkeit im Hinblick auf die Intensität der visio beatifica wird besonders im 14. Jh. diskutiert.