per se notum
In der Scholastik bedeutet per se notum (lateinisch für „durch sich selbst bekannt“ oder „unmittelbar einsichtig“) eine Aussage oder ein Prinzip, das keiner Beweisführung bedarf, weil die Wahrheit bereits in dem Begriff selbst liegt. [1, 2]
Dieses Konzept, das auf Aristoteles zurückgeht, ist eine zentrale Säule der scholastischen Erkenntnistheorie. Die wichtigsten Details dazu: [1]
Wie funktioniert es?
Ein Satz ist dann per se notus, wenn das Prädikat (die Aussage über das Subjekt) bereits in der Definition des Subjekts enthalten ist. [1]
- Klassisches Beispiel von Thomas von Aquin: Der Satz „Ein Ganzes ist größer als sein Teil“. Sobald man verstanden hat, was ein „Ganzes“ und was ein „Teil“ ist, leuchtet diese Aussage unmittelbar und ohne Beweis ein. [1, 2]
- Ein weiteres Beispiel: „Der Mensch ist ein Lebewesen.“ Da der Begriff „Lebewesen“ bereits in der Definition des Menschen enthalten ist, ist auch dieser Satz unmittelbar durch sich selbst klar. [1]
Die zwei Bedingungen für unmittelbare Einsicht
Die Scholastiker (wie z.B. Thomas von Aquin) machten jedoch eine wichtige Einschränkung: Eine Aussage ist nur per se notum, wenn:
- Das Prädikat tatsächlich im Subjekt enthalten ist.
- Der Empfänger die Bedeutung der Begriffe (die Definitionen) verstanden hat. [1, 2]
Beispiel: Für jemanden, der die mathematischen Definitionen nicht versteht, ist die Aussage „Ein Dreieck hat die Winkelsumme von 180 Grad“ nicht sofort einsichtig.
Die Rolle in der Philosophie
In der scholastischen Wissenschaftslehre bilden Sätze, die per se nota sind, die absoluten Grundprinzipien (axiomata). Da man alles beweisbare Wissen auf etwas Unbewiesenes zurückführen muss, um einen unendlichen Beweis-Regress zu verhindern, dienen diese unmittelbaren Einsichten als das unerschütterliche Fundament für jegliches logische Beweisen und Erkennen.