Zum Inhalt springen

proles memoriae

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 2. Juli 2026 um 08:08 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „proles memoriae Der Begriff '''proles memoriae''' stammt aus der scholastischen Erkenntnistheorie von Johannes Duns Scotusund bedeutet wörtlich übersetzt '''„das Kind (die Nachkommenschaft) des Gedächtnisses“'''. Scotus verwendet diesen Ausdruck in seinen Werken, wie beispielsweise den Kommentaren zu Aristoteles' ''In Libros De Anima'', um den Ursprung und die Natur des menschlichen Gedankens (das geistige Wort/die ''notitia'') zu erklären…“).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

proles memoriae Der Begriff proles memoriae stammt aus der scholastischen Erkenntnistheorie von Johannes Duns Scotusund bedeutet wörtlich übersetzt „das Kind (die Nachkommenschaft) des Gedächtnisses“. Scotus verwendet diesen Ausdruck in seinen Werken, wie beispielsweise den Kommentaren zu Aristoteles' In Libros De Anima, um den Ursprung und die Natur des menschlichen Gedankens (das geistige Wort/die notitia) zu erklären. [1, 2, 3, 4]

Dahinter verbirgt sich folgende philosophische Vorstellung:

  • Die Analogie zum Trinitätsglauben: Scotus vergleicht den menschlichen Geist mit dem göttlichen Intellekt. So wie Gottvater (als Gedächtnis/Ursprung) den Sohn (als das Wort) hervorbringt, so bringt auch der menschliche Geist aus sich selbst heraus ein geistiges Wort oder eine Erkenntnis hervor. [1, 2]
  • Das Gedächtnis als Speicher: Die menschliche memoria speichert die Eindrücke und den „Samen“ früherer Erkenntnisse (species intelligibilis). [1]
  • Die Erkenntnis als Kind: Wenn der Intellekt aktiv wird, formt und gebiert er aus diesem gespeicherten Fundus einen konkreten Gedanken. Dieser Akt des Erkennens und Denkens ist die proles – also das „Kind“ oder die Frucht des Gedächtnisses. [1, 2]

Das Konzept unterstreicht die Lebendigkeit und aktive Natur unseres Verstandes. Der Gedanke ist für Scotus kein totes Abbild, sondern ein vitales Resultat (terminus vitalis), das kausal und prozessual aus dem Gedächtnis hervorge