Neigung
Erscheinungsbild
neig-ung f. ‘Zuneigung, freundschaftliche Gesinnung’,
- mhd. neigunge; dann auch ‘geneigte Haltung, Lage’ (2. Häfte 16. Jh.).
Neigung steht für:
- persönliche Vorliebe, siehe Präferenz
- Grad der dispositionellen Eigenschaft zu Willens- oder Triebhandlungen, siehe Persönlichkeitseigenschaft
- die Interpretation von Wahrscheinlichkeit, siehe Propensität
- ein Handlungsmotiv, das auf Empfindung oder sinnlichem Begehren beruht (in der Kantschen Philosophie: „habituelle sinnliche Begierde“)
In der Technik:
- die Hangneigung
- das steigende oder fallende Quergefälle im Eisenbahn-, Straßen- und Wegebau, siehe Gradiente
- das Gefälle zur Entwässerung von Dächern, siehe Dachneigung
- Inklination von Umlaufbahnen, siehe Bahnneigung
- bei Messinstrumenten die Achsneigung
Siehe auch:
Wiktionary: Neigung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Neigung (Deutsch)
Substantiv, f
| Singular | Plural | |
|---|---|---|
| Nominativ | die Neigung | die Neigungen |
| Genitiv | der Neigung | der Neigungen |
| Dativ | der Neigung | den Neigungen |
| Akkusativ | die Neigung | die Neigungen |
Worttrennung:
- Nei·gung, Plural: Nei·gun·gen
Aussprache:
Bedeutungen:
- [1] Vorgang des Schrägstellens
- [2] Ergebnis: leichte Schräglage/ Schrägstellung
- [3] Interesse, Sympathie, Vorliebe für etwas
- [4] Hang zu etwas
- [5] gefühlsmäßige Hinwendung zu Personen
Herkunft:
- [5] mittelhochdeutsch neigunge „Gewogenheit“[1]
- Ableitung des Substantivs zum Stamm des Verbs neigen mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -ung.
Synonyme:
- [3] Hinneigung
- [5] Liebe, Zuneigung
Gegenwörter:
- [3] Pflicht
Oberbegriffe:
- [1, 2] Schrägstellung
- [3] Vorliebe
- [4] Drang
- [5] Hinwendung
Unterbegriffe:
- [1, 2] Sitzlehnenneigung
Beispiele:
- [1] Er begrüßte sie mit einer leichten Neigung des Kopfes.
- [2] Die Neigung des Weges war so gering, dass alle ihn ohne Mühe bewältigen konnten.
- [3] Seine Neigung gilt besonders Italien.
- [3] „Der junge Alexander zeigte eine Neigung zu langen Wanderungen.“[2]
- [3] „Und das Unternehmen zeigt keinerlei Neigung, die lukrative Rohstoffförderung einfach so in die Hände Lumumbas zu geben – die Firma erzielt im Kongo etwa die Hälfte ihrer jährlichen Gewinne.“[3]
- [3] „Ich rate allen jungen Männern, die keinen Alkohol trinken möchten, auf ihre eigenen Neigungen zu hören und nicht mit Leib und Seele den gedankenlosen Einflüsterungen anderer zu folgen.“[4]
- [3] „Nicht nur unsere obszönen, auch unsere feindseligen Neigungen sind der Zensur unterworfen.“[5]
- [4] Seine Neigung zum Alkohol wird ihm wohl noch zum Verhängnis.
- [4] „Aus manchen Gesprächen mit Schefold kannte er die Neigung dieses schweren Deutschen, sich zu erregen, beispielsweise, wenn es um Bilder ging.“[6]
- [4] „Eine gute Dosis Aberglauben war für mich stets bezeichnend, und heute ist mir klar, daß diese Neigung alle Wechselfälle meines so ungewöhnlichen Lebens beeinflußte.“[7]
- [5] Seine homosexuellen Neigungen wurden von seiner Familie ganz normal aufgenommen.
- [5] Die Neigung seiner Familie hatte er sich mit seinem Lebenswandel verscherzt.
- [5] „Er war bewegt, am bewegtesten durch das rückhaltlose Geständnis ihrer Neigung.“[8]
Charakteristische Wortkombinationen:
Wortbildungen: