Tau
Erscheinungsbild
Tau1 m. ‘an der Erdoberfläche sich tropfenförmig niederschlagende Feuchtigkeit der Nachtluft’,
- ahd. (8. Jh.),
- mhd. tou (Genitiv touwes) n. (md. auch m.),
- asächs. dou,
- mnd. douwe, dow,
- mnl. dau, dou,
- nl. dauw,
- aengl. dēaw,
- engl. dew (wa-Stamm germ. *dawwa- n.) und
- anord. dǫgg f.,
- schwed. dagg (wō-Stamm germ. *dawwō f.)
- lassen sich im Sinne von ‘das Fließende, Tropfende’ außergerm. vergleichen mit
Tau2 n. ‘starkes Seil’, aus dem Nd. (Anfang 16. Jh.) in die Literatursprache aufgenommen.
- Mnd. touwe, tow, tau ‘Gerät, Werkzeug, Geschirr, Wagen, Webstuhl, Schiffsgerät’, speziell ‘Schiffstau, Seil’ sowie
- asächs. tou ‘Werg’,
- mnl. tou(we) ‘Werkzeug, Gerät, Seil (aus Flachs), Werg’,
- nl. touw ‘Seil, Strick, Tau’,
- afries. tauv, tow ‘Werkzeug, Gerätschaft, Tau, Seil’,
- aengl. tow- in towcræft ‘das Spinnen’, towhūs ‘Spinnhaus’,
- engl. (aus dem Mnd.) tow ‘(Schlepp)seil, -kette, -tau’,
- anord. tō ‘Werg’ und (mit l-Suffix)
- aengl. anord. tōl,
- engl. tool ‘Werkzeug’
- sind wohl vergleichbar mit lautlich entsprechendem
- ahd. zawa ‘das Färben’ (9. Jh.), ‘Zuggarn, Schleppnetz’ (Hs. 13. Jh.).
- Sie gehören zu einem Verb
- mnd. mnl. nl. touwen ‘ausrüsten, bereiten, zustande bringen, fertigmachen’,
- intransitiv ‘eilen’, unpersönlich ‘vonstatten gehen’,
- aengl. tāwian ‘fertigmachen’,
- anord. tawiðō ‘ich machte, verfertigte’ (Gallehus, vor 400),
- got. taujan ‘machen, tun, wirken’ und
- ahd. zawen ‘glücken, gelingen’ (9. Jh.), ‘färben’ (10. Jh.), zouwen ‘zurechtmachen, (ein Eisenstück) bearbeiten’ (11. Jh.),
- mhd. zouwen, zöuwen ‘tun, verfahren, machen, fertigmachen, bereiten’,
- reflexiv ‘sich bereitmachen, schmücken, rüsten, beeilen’.
- mnd. mnl. nl. touwen ‘ausrüsten, bereiten, zustande bringen, fertigmachen’,
- Sichere außergerm. Anschlüsse finden sich nicht.
- Man kann ausgehen von ‘Werkzeug, mit dem etw. gemacht wird’, weiterentwickelt zu ‘(Schiffs)gerät’ und schließlich ‘Schiffsseil’.