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Hochscholastik

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Q: Philosophie des Mittelalters Hochscholastik


Bonaventura

Die Hochscholastik wurde zur Blüte des Aristotelismus. Verglichen mit der auf Augustinus zurückgehenden Ablehnung der Naturwissenschaften und der stark untergeordneten Rolle der Vernunft entstand nun eine weitere Öffnung und Liberalisierung. Andererseits gerieten die unter Druck, die sich gegen eine allzu intensive Vermengung von Kirche, Staat und Wissenschaften wehrten. Zunächst wurde unter Naturwissenschaft noch ganz aristotelisch die reine Beobachtung verstanden. Erst allmählich gab es einzelne Denker, die die Erkundung der Natur durch Experimente forderten, weil nur so wirkliche neue Erkenntnis zu gewinnen sei. Einer der Hauptstreitpunkte der Hochscholastik war die Frage, ob die individuelle Seele sterblich und nur ihr Geist oder Vernunftanteil, als eine allen Menschen gemeinsame Vernunft (intellectus), ewig und unsterblich sei, wie es sich als Konsequenz aus der aristotelischen Philosophie in der Tradition von Averroes ergab, oder ob auch die Einzelseele einschließlich ihrer vegetativen und sensitiven Fähigkeiten unsterblich sei, wie es die christliche Auferstehungslehre verlangte. Die letztere Position war die offizielle Lehrmeinung, während die radikale aristotelische Gegenposition als Averroismus mit Verboten belegt wurden. Robert Grosseteste (1170–1253) war der Lehrer von Roger Bacon und hatte ein relativ großes Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen. Alexander von Hales (1170–1245) war Aristoteliker und hat als erster ein äußerst umfangreiches Werk formalisierter, nach der scholastischen Methode aufgebauter Qaestiones geschrieben. Der Hl. Bonaventura (1221–1274) legte im Vergleich zu seinem Lehrer Alexander von Hales ein deutlich stärkeres Gewicht auf die Erleuchtung durch Gott. Er bestritt nachdrücklich, dass eine selbständige Philosophie möglich sei. Philosophie ist nach ihm immer auf Gott bezogen. Deshalb ist sie auf die Theologie bezogen, die ihrerseits in die Mystik einmünden soll.

Albertus Magnus

Albertus Magnus (1200–1280) hatte seinen Beinamen aufgrund seines ungeheuer breiten und umfangreichen Wissens, vor allem auch in den Naturwissenschaften. Er verarbeitete als einer der ersten die neu übersetzten Werke des Aristoteles und betrieb intensive Naturforschung. Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften sah er eher als eigenständige Disziplinen, die jeweils auch fachspezifisch bearbeitet werden sollten. Demgemäß gilt es naturwissenschaftliche und theologische Erkenntnisse zu unterscheiden. Er war der Lehrer von Thomas von Aquin und schuf für dessen Arbeit die Grundlagen.

Der Heilige Thomas von Aquin (1225–1274) gilt als der bedeutendste Philosoph des Mittelalters und schuf ein sehr umfangreiches Werk. Auch für Thomas blieb die Theologie die erste Wissenschaft, der die Philosophie untergeordnet war. Es gilt jedoch als großes Verdienst von Thomas, Fragen der Wissenschaft mit der Theologie in Einklang gebracht zu haben.

Thomas von Aquin

Berühmt ist seine Wahrheitsdefinition der adaequatio rei et intellectus, d. h. der Übereinstimmung von Gegenstand und Verstand. Die natürliche Erkenntnis sah er als grundsätzlich auch maßgeblich für die Theologie an. Nur wo die Offenbarungslehren wie z. B. die Dreieinigkeit, die Sakramente, das jüngste Gericht oder die Jungfrauengeburt über die Erkennbarkeit für die Vernunft hinausgehen, sind diese maßgeblich.

Auf Thomas ist es zurückzuführen, dass die gesamte Logik, die Ethik und die Psychologie des Aristoteles als mit den Lehren der Kirche vereinbar angesehen werden können. Insbesondere die Unterscheidung von Substanz und Akzidenzist für sein System wesentlich. Einzeldinge entstehen dadurch, dass die Materie durch die Form bestimmt wird. Die Grundformen Raum und Zeit haften untrennbar an der Materie. Die höchste Form ist Gott als Verursacher (causa efficiens) und als Endzweck (causa finalis) der Welt.

In der Ethik ergänzte Thomas die vier klassischen Kardinaltugenden durch die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Das höchste Gut ist die unmittelbare Anschauung Gottes. Höhepunkt seiner Arbeiten ist sein systematisches Werk der Summa theologica. Die am Anfang dieser Schrift stehenden fünf Gottesbeweise fasste er als Nachweis auf, dass man den Glauben auch aus der Vernunft heraus begründen kann, vgl. dazu die Natürliche Theologie. Von Papst Leo XIII. wurde sein Werk 1879 zur verbindlichen christlichen Philosophie für die katholische Kirche erklärt, was auch heute noch gilt (siehe auch Neuthomismus). In der Philosophie werden seine Kommentare zu Aristoteles noch heute als bedeutsam angesehen.

Als Lehrer an der Pariser Artistenfakultät, die die Schriften des Aristoteles nach mehreren vorausgegangenen Verboten 1255 endgültig in ihr Lehrprogramm aufgenommen hatte, forderten Siger von Brabant (gest. 1284) und Boetius von Dacien (gest. 1286), die Lehren des Aristoteles auch da philosophisch beweiskräftig auslegen zu dürfen, wo sie in Widerspruch zur Theologie und Offenbarung stehen. Gerade in Hinblick auf die Frage der Sterblichkeit der individuellen Seele weichen sie von der offiziellen Kirchenlehre ab. Sie werden von Thomas scharf kritisiert, und ein Katalog von 219 averroistischen Lehrmeinungen wird durch den Bischof von Paris 1277 verurteilt.