Werk:Compendium/9
▷In istis igitur signorum designationibus in interiori phantastica virtute manent res designatae, uti vocabula manent in charta scripta prolatione cessante; quae remanentia memoria potest appellari. Sunt igitur signa rerum in phantastica signa signorum in sensibus. Nihil enim est in phantastica, quod prius non fuit in sensu. Ideo caecus a nativitate non habet phantasma coloris et imaginari nequit colorem. Signa igitur sensibilia licet abstractiora sint quam materialia sensibilia, non tamen penitus separata. Ideo et visus aliquantulum coloratus est, sed imaginatio coloris penitus colore caret. Quare signa rerum in imaginatione seu phantastica remotiora sunt a materia et magis formalia, hinc quoad sensibilia minus perfecta et quoad intelligibilia perfectiora.
Durch diese Bezeichnungen der Zeichen bleiben die Dinge in der inneren Vorstellungskraft bezeichnet, so wie Worte auf einem Papier aufgezeichnet bleiben, auch wenn ihr Verlauten verschwindet. Dieses Verbleibende kann Erinnerung genannt werden. Die Zeichen der Dinge in der Phantasie sind also Zeichen der Zeichen in den Sinnen. Denn nichts ist in der Phantasievorstellung, das nicht vorher im Sinn gewesen ist. Darum hat jemand, der von Geburt an blind ist, keine Vorstellung von der Farbe und vermag sie sich nicht vorzustellen. Wenn die sinnlichen Zeichen auch losgelöster sind als die sinnlichen Stoffe, so sind sie dennoch nicht gänzlich abgetrennt. Daher ist auch das Sehen irgendwie farbig. Die Vorstellung der Farbe jedoch hat überhaupt keine Farbe. Darum sind die Zeichen der Dinge in der Phantasie und Vorstellung weiter vom Stoff entfernt und formhafter; in bezug auf das Sinnliche weniger vollkommen, in bezug auf das Vernunfthafte hingegen vollkommener.◀▷