▷ Während der Herrschaft von
Echnaton (ca. 1353–1336 v. Chr.) in der Mitte des Neuen Reiches wurde eine einzige Sonnengottheit, der
Aton, zum alleinigen Mittelpunkt der Staatsreligion. Echnaton stellte die Finanzierung der Tempel anderer Gottheiten ein und tilgte die Namen und Bilder der Götter auf den Denkmälern, insbesondere von Amun. Dieses neue religiöse System, das manchmal als Atenismus bezeichnet wird, unterschied sich grundlegend von der
polytheistischen Anbetung vieler Götter in allen anderen Epochen. Der Aton hatte keine Mythologie, und er wurde abstrakter dargestellt und beschrieben als die traditionellen Gottheiten. Während in früheren Zeiten neu hinzukommende Götter in den bestehenden religiösen Glauben integriert wurden, bestand der Atenismus auf einem einzigen Verständnis des Göttlichen, das die traditionelle Vielfalt der Perspektiven ausschloss.
[1] Dennoch war der Atenismus möglicherweise kein vollständiger
Monotheismus, der den Glauben an andere Gottheiten völlig ausschließt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bevölkerung privat weiterhin andere Götter verehrte.
[2] Das Bild wird noch komplizierter durch die offensichtliche Toleranz des Atenismus gegenüber einigen anderen Gottheiten, wie Maat, Schu und Tefnut. Aus diesen Gründen haben die Ägyptologen
Dominic Montserrat und John Baines die Vermutung geäußert, dass Echnaton
monolatrisch gewesen sein könnte, d. h. er verehrte eine einzige Gottheit, erkannte aber die Existenz anderer an.
[3][4] Jedenfalls konnte sich die abweichende Theologie des Atenismus in der ägyptischen Bevölkerung nicht durchsetzen, und Echnatons Nachfolger kehrten zum traditionellen Glauben zurück.
[5]