▷ Der Literaturwissenschaftler
Gérard Genette veröffentlichte 1976 seine umfangreiche Untersuchung
Mimologiques (deutsch
Mimologiken), in der er die Geschichte des „mimologischen“ Diskurses analysiert, das heißt der Sprachkonzeptionen, die von einem Nachahmungsverhältnis zwischen Wörtern und Dingen ausgehen. Darin befasst er sich auch ausführlich mit dem
Kratylos, den er als „Gründungstext, Matrix und Programm“ der mimologischen Tradition bezeichnet. Genette unterscheidet zwischen dem „primären Kratylismus“ des Kratylos, der das mimologische Konzept auf die reale Sprache anwende, und dem „sekundären Kratylismus“ Platons und des platonischen Sokrates. Die Vertreter des sekundären Kratylismus hätten sich von dem naiven Denken des primären gelöst, hielten aber an dem Grundgedanken eines sprachlichen Naturzustandes fest, wenngleich sie einräumten, dass er historisch nie verwirklicht worden sei.
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