Zum Inhalt springen

Neustift (Cusanus)

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 31. Juli 2026 um 13:12 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge) (Textersetzung - „Acta Cusanus Eintrag“ durch „Acta Cusana Eintrag“).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Allgemeines

Das Augustiner-Chorherrenkloster Neustift wurde im Jahre 1140 vom Bischof Hartmann ca. 3 km nördlich seiner Bischofsstadt Brixen u. a. auch zur Verbesserung der klerikalen Ausbildung und Seelsorge gegründet. Das Stift bestand kontinuierlich bis zur Säkularisation der Tiroler Stifte unter Napoleon im Jahre 1807. Nach einer kurzen Unterbrechung wurde 1816 in Folge des Wiener Kongresses ein neues Kloster der Augustiner-Chorherren eingerichtet, das bis heute Bestand hat.

Cusanus und das Kloster Neustift

Das Verhältnis der Chorherren-Stiftes zum Kardinal und Bischof von Brixen, Nikolaus von Kues, war zunächst sehr positiv und so weihte Cusanus als eine der ersten bischöflichen Amtshandlungen bereits am 16. April 1452 die Pfarrkirche St. Margarethen in Neustift ein. Möglicher­weise kannte der Kardinal den dortigen Propst Kaspar Aigner (1449-1467) aus der Zeit des Baseler Konzils, an dem dieser 1433/34 teilgenommen hatte. Des Weiteren hatte der Kardinal bereits vor seiner Legationsreise 1450 den Neustifter Dekan Johannes Fuchs in Rom kennen gelernt. Als Zeichen der Hochschätzung, die Nikolaus von Kues dem Kloster Neustift entgegenbrachte, dürften u. a.gewertet werden, dass er einige Regularkanoniker an der Visitation der Benediktinerabtei Sonnenburg (1453), des Chorherrenstiftes Gries bei Bozen (1455), des Prämonstratenserklosters Wilten (1455) beteiligte und damit beauftragte, die liturgischen Bücher des Pfarrklerus im mittleren Eisacktal zu überprüfen (1455). Außerdem ließ Cusanus in Neustift Transumpte von Brixener Traditionsbüchern, Urkunden und Urbaren herstellen, Abschriften beglaubigen und originale Unterlagen bzw. Codices das Bistum betreffend deponieren. Er besuchte das Kloster sehr häufig z. B. an Fest- und Feiertagen oder anlässlich von Altarweihen und Investituren und lud am Palmsonntag des Jahres 1455 den gesamten Konvent zu einem Festessen nach Brixen ein. Darüber hinaus wurden mindestens acht Predigten von Nikolaus von Kues in Neustift gehalten. (Vgl. Sermo CXXXIV, Sermo CLXVI, Sermo CCI, Sermo CCV, Sermo CCXL., Sermo CCXLI, Sermo CCLXXXII und Sermo CCLXXXIII).

Die klösterliche Zucht in Neustift war verhältnismäßig gut, dennoch versuchte Nikolaus von Kues im Dezember 1454 diese durch eine Visitation von vier Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation aus Norddeutschland zu verbessern und vergeblich nach dem Vorbild der niederländische ´Devotio Moderna´ zu reformieren.

In den ersten Monaten des Jahres 1456 wurde das Verhältnis zwischen dem Chorherrenstift und dem Bischof von Brixen dauerhaft getrübt, als Cusanus anlässlich einer persönlichen Visitation auch Einblick in die weltliche Besitzverhältnisse des Klosters verlangte. Da ein solche Überprüfung nicht ohne die Erlaubnis des klösterlichen Vogtes und Schirmherrn, d. h. in diesem Fall Sigismunds von Tirol, möglich war, informierte der Neustifter Propst, Kaspar Aigner, den österreichischen Herzog pflichtgemäß über den bevorstehenden Besuch des Kardinals und sein Anliegen. Als Nikolaus von Kues darüber informiert wurde, glaubte er an eine Verschwörung, um die geplante Visitation Neustifts zu hintertreiben, warf Kaspar Aigner Ungehorsam und Eidbruch vor und ließ den Propst mittels eines Zettels, den ein Bote während der Gründonnerstagsmesse überreichte, exkommunizieren. Ein entsprechender Einspruch Aigners war vergebens und die Situation konnte erst bereinigt werden als Sigismund von Tirol dem Kardinal vorschlug, eine neue Visitation unter der Aufsicht des Propstes von St. Dorothea in Wien anzusetzen. Diese Visitation wurde dann ein Jahr später im Mai 1457 durchgeführt und endete mit der Einführung einer strengeren Aufsicht durch drei Wiener Chorherren, die in Neustift blieben und einer neuen Reformcharta, die bis 1941 in Kraft blieb.

Bereits im Oktober 1456 kam es wieder zu einer gemeinsamen Aktion zwischen dem Chorherrenkonvent und Nikolaus von Kues in der Auseinandersetzung mit Venedig um das Bergwerk Fursil, das zum Brixener Amt Buchenstein gehörte. Aus diesem Grund verfasste der Kardinal eine Denkschrift, aus der hervorging, dass Buchenstein mit allen Rechten zum Hochstift Brixen gehörte. Außerdem beanspruchte Nikolaus von Kues auch das Bergregal über die gesamte Diözese, wodurch er den Anspruch auf Reichsunmittelbarkeit für das Fürstentum Brixen untermauern wollte. Gleichzeitig bestätigte der Kardinal in seiner Denkschrift, dass dem Kloster Neustift 1177 rechtmäßig die Schürfrechte von Kaiser Friedrich I. verliehen wurden. Somit gestand der Kardinal Neustift die Einkommen aus Fursil zu und stellte sich schützend im Streit mit Venedig vor das Kloster, während umgekehrt Neustift die Oberhoheit Brixens über Fursil und Buchenstein anerkannte und damit indirekt die bischöfliche Restitutionspolitik unterstützte.

Trotz dieses Einvernehmens blieb das Verhältnis aber dauerhaft belastet und so taucht in den cusanischen Akten der Name des Neustifter Propstes nur noch einmal im Jahre 1461 auf, um diesen an die Einhaltung des über Tirol verhängten Interdiktes infolge des Konflikts mit Sigismund von Tirol zu erinnern.

Literatur

BAUM, Wilhelm: Sigmund der Münzreiche. Zur Geschichte Tirols und der habsburgischen Länder im Spätmittelalter, Bozen 1987 (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes; Bd. 14).

BAUM, Wilhelm: Nikolaus Cusanus in Tirol. Das Wirken des Philosophen und Reformators als Fürstbischof von Brixen, Bozen 1983 (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes; Bd. 10).

HALLAUER, Hermann Josef: Nikolaus von Kues und das Chorherrenstift Neustift. In: CARLEN, Louis / STEINEGGER,  Fritz (Hgg.): Festschrift für Nikolaus Grass zum 60. Geburtstag dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern, 1. Band, Innsbruck 1974, S. 309-324. (Wiederabdruck in: HALLAUER, Hermann: Nikolaus von Kues, Bischof von Brixen, 1450-1464. Gesammelte Aufsätze, hg. von Erich MEUTHEN, Josef GELMI unter Mitarbeit von Alfred KAISER, Bozen 2002 [Veröffentlichungen der Hofburg Brixen; Bd. 1], S. 199-214).

Marco Brösch

22.06.2010

zuletzt bearbeitet: 22.06.2010