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Altrich (Cusanus)

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Allgemeines

Der auf keltische und römische Ursprünge zurückgehende Ort Altrich in der Nähe von Wittlich bildete den Mittelpunkt des Trierer Kirchenbesitzes im sogenannten Lieserfiskus, zu dem neben Altrich die Orte Wittlich, Platten, Salmrohr, Maring und Noviand gehörten. Angeb­lich geht die Zugehörigkeit dieser Ortschaften zur Trierer Kirche auf eine Schenkung des Mero­wingerkönigs Dagobert I. († 638) zurück. In der Zeit zwischen dem 10.-12. Jahrhundert hatte der Bischofshof in Altrich (heute: Gut Kirchhof) als regionales wirtschaftliches Zentrum des Trierer Erz­bischofs sowie als Sitz des Hochgerichts eine größere Bedeutung als Wittlich, das erst ab dem 13. Jahr­hun­dert – besonders nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1291 – zur zentralen erzbischöf­lichen Amtsverwaltung in dieser Gegend ausgebaut wurde. Damit verbunden war vermutlich auch die Verlegung des Pfarrzentrums nach Wittlich, während die Altricher Kirche zumindest Halb-Mutterkirche blieb. Laut eines erzbischöflichen Visita­tions­berichts aus dem Jahre 1569 gehörten zur damaligen Altricher Pfarrei der heutige Ortsteil Büscheid, die Hofgüter Haardt und Kirchhof sowie die beiden Filial­gemein­den Platten und Pohlbach (heute Ortsteil von Klausen). Die ehemalige Altricher Pfarrkirche St. Andreas befand sich bis zum Neubau des Jahres 1871 – und somit  zur Zeit des Cusanus – im ummauerten Bering des erzbischöflichen Gutes, dem heutigen Hofgut Kirchhof.

Nikolaus von Kues und Altrich

Nach seiner Rückkehr aus Padua, wo Nikolaus von Kues Kirchenrecht studiert hatte und 1421 zum Doktor der Dekrete promoviert wurde, trat Cusanus in den Dienst des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain (um 1380-1430). Am 31. Januar 1425 erhielt er – laut einer von seiner Hand herrührenden Anmerkung in einem astronomischen Sammelband der heutigen Cusanusbibliothek in Bern­kastel-Kues (Cod. Cus. 212 f. bv) – vom Erzbischof jährlich eine Schenkung von 40 Gulden, einem Fuder Wein, 4 Malter Weizen sowie die Kirche in Altrich, die vermutlich als seine erste Pfründe (d.h. mit der dortigen Pfarr­stelle verbundenes Einkommen) gelten darf. Im gleichen Eintrag findet sich auch der ungewöhnliche Hinweis, dass Cusanus am folgenden Tag in Kues ein Kamel gesehen habe (‚Et in proxima die sequenti vidi camelum in Cůße.‘ Vgl. AC I,1, Nr. 21 f.).  

Da der 24jährige Rechtsgelehrte zu diesem Zeitpunkt zwar schon Kleriker (Akolyth), aber noch kein Priester war, benötigte er einen päpstlichen Dispens, um die Einnahmen aus der Altricher Pfarrstelle beziehen zu dürfen. Eine solche Ausnahme­geneh­migung wurde ihm am 23. Mai 1425 von Papst Martin V. (1367-1431) gewährt, allerdings nur für die Dauer von 10 Jahren, solange er noch studierte oder sich an der päpstlichen Kurie in Rom aufhielt (‚hinc ad decennium in studio vel in Romana curia residendo‘; vgl. AC I, 1; Nr. 28). Tatsächlich war Nikolaus seit dem Frühjahr / Früh­som­mer 1425 an der Universität in Köln tätig, wo er einige philosphisch-theologische Vorlesungen bei Heymericus de Campo (1395-1460) hörte (vgl. AC I, 1; Nr. 25 f.). Am 29. Mai 1426 bat Cusanus, der inzwischen ein bepfrün­detes Kanoni­kat im Stift St. Simeon in Trier erhalten hatte, Papst Martin V. erneut um Dispens sowie wieder um Provision (Versorgung) mit der Altricher Kirche, deren Jahreseinkünfte er mit 10 Mark Silber angab. Dieser Bitte wurde noch einmal stattgegeben, allerdings mit dem mahnenden Zusatz, Nikolaus solle bei nächster Gelegenheit in den Priesterstand erhoben werden (‚et promoveatur in primis temporibus‘; vgl. AC I, 1; Nr. 30).

Hierzu sollte es allerdings nicht so bald kommen, und so findet sich eine weiteres Bittgesuch, datiert auf den 9. Juni 1426, in der nunmehr Johannes Cryfftz, der jüngere Bruder des Nikolaus von Kues, den Papst um die Verleihung der Altricher Pfarrstelle ersuchte, da sein Bruder immer noch nicht die höheren Weihen empfangen habe (vgl. AC I,1; Nr. 30). Diesem Anliegen wurde entsprochen, und Johannes, der am 21. Mai und am 3. Juni 1429 weitere Male um Provision mit dieser Kirche bat, auf die sein Bruder Nikolaus freiwillig verzichtet hatte (vgl. AC I, 1; Nr. 68 f.), blieb bis zum 2. Mai 1450 und der Übernahme der Pfarrei in Bernkastel zumindest nominell Pfarrer von Altrich (vgl. AC I, 2; Nr. 888-892) Zu den Pflichten des Stelleninhabers gehörte auch die Pfarrseelsorge, die allerdings nur in den seltensten Fällen vom Inhaber selbst, sondern meist von angestellten und meist eher schlecht bezahlten Vikaren ausgeführt wurde.

Während Johannes also über 24 Jahre der Pfarrei vorstand, beschränkt sich die Amts­zeit seines Bruders Nikolaus auf knapp ein Jahr. Nach Johannes Kryfftz erhielt der Trierer Priester, Magister artium und Bischofskaplan Johann von Winningen die Altricher Pfarrstelle (vgl. AC I,2, Nr. 891-892).

Literatur:

AC =  Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues  im Auftrag der Heidel­berger Akademie der Wissenschaften hg. von Erich MEUTHEN und Hermann HALLAUER; Bd. I, Lieferung 1: 1401-1437 Mai 17, hg. von Erich MEUTHEN, Hamburg 1976 und Bd. I Lieferung 2: 1437 Mai 17 – 1450 Dezember 31, hg. von Erich MEUTHEN, Hamburg 1983.

FLEISCHER, Gunther: "Und am nächsten Tag sah ich ein Kamel in Kues."Vortrag zum 35. Jubiläum der Eröffnung des Cusans-Geburtshauses am 6. 12.2015. In: Cusanus Jahrbuch 8 (2016-2018), S. 3-31.

GROTEN, Manfred: Nikolaus von Kues: Vom Studenten zum Kardinal - Lebensweg und Lebens­welt eines spätmittelalterlichen Intellektuellen. In: YAMAKI, Kazuhiko (Ed.): Nicholas of Cusa: a medieval thinker for the modern age, Richmond 2002 (Waseda, Curzon inter­na­tional series; Vol. 2)., S. 112-124.

HESSE, Günther: Gemeinde Altrich. In: DERS. / WISNIEWSKI, Andreas: Wittlich Land. Geschich­te einer Verbandsgemeinde zwischen Vulkaneifel und Mosel, mit Beiträgen von Karl BECKER, Peter DOHMS u. a., hg. von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, Bernkastel-Kues 1990.

MEUTHEN, Erich: Nikolaus von Kues 1401-1464. Skizze einer Biographie, 7. überarbeitete Aufl., Münster 1992.

DERS.: Die Pfründen des Cusanus. In: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft 2 (1962), S. 15-66.

PAULY, Ferdinand: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Bd.2: Die Landkapitel Piesport, Boppard und Ochtendung, Trier 1961 (Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier; Bd. 6).

Marco Brösch

23.04.2011

Zuletzt bearbeitet: 24.08.2019