Weide (Baum)
Weide1 | weid + e | f. Der Baumname zeigt im Germanisch unterschiedliche Bildungsweisen, den (w)ō-Stamm (ger. *wiþwō, wiþō) ahd. wīda f. (9. Jh.), mhd. mnd. wīde f., nl. (älter) wije, wijde f., den ja-Stamm (ger. *wiþja-) anord. vīðir m., schwed. vide n. und die Endungsbildung aengl. wīþig m.
Verwandt sind ahd. witta ‘Binde, Band’ (8. Jh.), mhd. wide, wid, wit, mnd. wede, wide ‘(gedrehter) Strick, Strang’, aengl. wiþþe ‘Band, Fessel’, engl. withe ‘Weidenrute, Band, Fessel aus Weidenrute’, anord. viðja ‘Weidenrute, Fessel’, schwed. vidja ‘Weidenrute’.
Außergermanisch vergleichen sich aind. vētasáḥ ‘Rohrpflanze’, awest. vaētay- ‘Weide, Weidengerte’, griech. ītéa (ἰτέα) ‘Weide’, lat. vītis ‘Weinrebe, -ranke’, lit. vytìs ‘Rute, Gerte’, apreuß. witwan ‘Weide’, russ. (landschaftlich) vítvina ‘Zweig, Rute, Gerte’.
Zugrunde liegt eine Zahnlauterweiterung zu einer Wortwurzel uig. *u̯ei-, *u̯eiə- ‘drehen, biegen’, vielfach von ‘biegsamen Zweigen, Flechtwerk, Rankengewächsen’, zu der auch aind. vyáyati ‘umhüllt, bedeckt, birgt’, lat. vīēre ‘binden, flechten’, lit. výti ‘drehen, winden, spulen’, aslaw. poviti ‘bewinden, einwickeln’, russ. vit’ ‘winden’ gehören.
Vvgl. dazu auf anderen Erweiterungen dieser Wurzel beruhendes Weib, weich, weichen2, Wechsel). Der Baum ist nach der Biegsamkeit seiner Ruten benannt.