los
¦∑¦ lo +s;
¦∅¦‘nicht (mehr) befestigt, abgelöst, befreit von’, Adv. ‘weg’, als Aufforderung ‘vorwärts!, schnell!, ab!’
¦⊕¦ etwas kann an sich nur als los, lose gelten, wenn es zuvor fest war und durch lösen gelöst wurde; über Wortstamm verwand mit Schloß und schließen;
¦√¦ uig. *lewH- “abbinden, frei setzten, frei machen, abtrennen”; uig. *leu-, auch *lēu-, *leu̯ə ‘abschneiden, trennen, lösen’
¦↵¦ ger. *lausa- ‘losgelöst, ungebunden, frei’; ahd. lōs ‘befreit, beraubt, leichtfertig, listig, zuchtlos, böse’ (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. lōs ‘frei, ledig, bar, beraubt, mutwillig’;
los Adj. (prädikativ) ‘nicht (mehr) befestigt, abgelöst, befreit von’, Adv. ‘weg’, als Aufforderung ‘vorwärts!, schnell!, ab!’.Ahd. lōs ‘befreit, beraubt, leichtfertig, listig, zuchtlos, böse’ (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. lōs ‘frei, ledig, bar, beraubt, mutwillig’, mnl. nl. loos ‘frei, ledig, schlau, listig’, aengl. lēas ‘frei’, auch ‘falsch, lügnerisch, unwahr’, anord. lauss ‘frei, ungebunden’, schwed. lös, got. laus ‘los, leer’ führen mit ablautenden verlieren, Verlust, Verlies und möglicherweise mit lett. lauska ‘Splitter, Scherbe’, lit. luskà, lùskos ‘Lumpen’ auf eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *leu-, auch *lēu-, *leu̯ə ‘abschneiden, trennen, lösen’, zu der griech. lýein (λὺειν) ‘lösen, befreien, auflösen, vernichten, bezahlen’, lat. luere ‘büßen, zahlen’, solvere (aus *se-luere) ‘lösen, aufbinden, ablösen, befreien, bezahlen’, vielleicht auchaind. lunā́ti ‘schneidet, schneidet ab’ sowie Lohe2 gehören (sofern man nicht aus semantischen und formalen Gründen Wörter mit der Grundbedeutung ‘abschneiden’ unter einem eigenen Wurzelansatz zusammenfaßt). Als Bedeutung für germ. *lausa- ist ‘losgelöst, ungebunden, frei’ anzunehmen. lose Adj. ‘nicht (mehr) fest anhaftend, nicht eng anliegend, locker, unverpackt, einzeln, leichtfertig’. Das zum Adjektiv ahd. lōs (s. oben) gehörende Adverb ahd. lōso ‘leichtfertig’ (9. Jh.), mhd. lōse ‘auf anmutige, liebliche Weise, leichtfertig’, entwickelt im Frühnhd., ausgehend von einer Bedeutung ‘der Tugend ledig, locker’, adjektivischen Gebrauch im Sinne von ‘locker’ (15. Jh.), ‘sittenlos’ (16. Jh.) und geht danach in die oben genannte Bedeutung über. -los ist seit alter Zeit (vgl. ahd. asächs. -lōs, aengl. -lēas, anord. -lauss, got.-laus) Grundwort in Adjektivkomposita im Sinne von ‘frei von, mangelnd’; der Kompositionstyp bleibt bis in die Gegenwart produktiv, und -los nimmt dadurch den Charakter eines Kompositionssuffixes an; vgl. ahd. brōtelōs ‘hungrig’, helfelōs ‘hilflos, machtlos’, suntilōs ‘ohne Sünde, unschuldig’, mhd. gruntlōs ‘unergründlich’, herzelōs ‘gefühllos, grausam’, hoffelōs ‘ohne Hoffnung’, nhd. energielos, kontaktlos, staatenlos. los- seit dem Frühnhd. erstes Glied in Verbalkomposita, hervorgegangen aus adverbiellem Gebrauch von mhd. lōs (s. oben), ‘eine Bindung lösend, Haftendes abtrennend’ (losbinden, -lösen, -reißen), ‘frei’ (loskaufen, -kommen, -lassen), ‘plötzlich beginnend’ (losbrüllen, -lachen, -schreien, -laufen).