wider
wider | wid +er | Vhnw. ‘gegen, entgegen’ aufgrund von räumlich, zeitlich, örtlicher, … … Trennung, "auseinander sein".
Beim Verhältniswort wider stehen sich bspw. zwei getrennte, zuvor gemeinsame, gleiche oder zwei andere, unähnliche, entgegen. Etwas oder jemand stellt sich einem entgegen und leistet so bspw. Widerstand. Bei wider ist es eher dasselbe, daß sich bspw. gegen etwas stellt.
Beim Umstandswort wieder tritt, erscheint … bspw. erneut, fortwährend, wiederholend etwas auf, einem entgegen, daß dasselbe sein, tun, haben, werden ist oder hat; Etwas oder jemand, macht etwas erneut und erwirkt dadurch bspw. eine Wiederholung. Bei wieder ist es eher etwas, daß neu, erneut erschaffen wird.
Das erste Wortglied wi- besagt daß etwas oder jemand einem anderen etwas oder jemand gegenüber "entgegenstehend auseinander, getrennt" ist und das zweite Wortglied -ter besagt, dass das entgegengesetzte Auseinandersein, Getrenntsein fortbestehend ist; wider ist also an sich eine räumliche Unterbrechung ohne zeitliche Unterbrechung, während wieder eine zeitliche Unterbrechung zum Ausdruck bringt.
Ahd. widar Vhnw. ‘entgegen, gegen wider’ (8. Jh.),
ahd. widari, widar Ustw. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800),
mhd. wider (md. auch widder, weder) Vhnw. ‘gegen, wider’,
mhd. wider, wider Ustw. ‘entgegen, gegen zuwider, zurück, abermals’,
asächs. wiðar Vhnw. ‘gegen, wider’,
asächs. Ustw. ‘zurück’,
mnd. wedder, weder Vhnw. ‘gegen, wider’,
mnd. wedder Ustw. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’,
mnl. nl. weder, weer Vhnw. ‘wider, gegen’,
mnl. nl. weder, weer Ustw. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’,
afries. wither, aengl. wiþer Vhns. Ustw. ‘gegen’,
anord. viðr Vhnw. ‘bei, gegen, wider’,
got. wiþra Vhnw. ‘gegen, gegenüber’
ger. *wiþra-)
sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’,
awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’
Bildungen mit der Endung uig. -tero, setzen also uig. *u̯itero- "wider"voraus.
Dessen Grundlage uig. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ví ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ ‘all, ganz’ (dies ist ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’.
Neben den oben angeführten, ger. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen ger. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Vhnw., aengl. wiþ Vhnw., anord. við Vhnw., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Vhnw. ‘mit’, schwed. vid Vhnw. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Ustw. ‘etwa, ungefähr’.
Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’.
Das Vhnw. steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’.
Das Ustw. steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’.
Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt.
In der Art eines umstandswörtlichen Bindewort ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wider, wieder besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich).
Umstandswörtlicher Gebrauch im Sinne von ‘entgegen, gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider und in zahlreichen Tätigkeitswortbildungen.
¦↵¦ uger. *wiþer, got. wiþra Vhnw. ‘gegen, gegenüber’, ger. *wiþra-, ahd. widar, mhd. wider, engl. wither.