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ver-

aus AufEinWort, der freien Forschung
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ver | vglw. erlangen + v verlangen, ersuchen-versuchen, erkennen-verkennen

fir,far,

¦∅¦ "fort, fahr(en)"; "vorgehen, vornan, vorgehend"; “durch, drüber, hinüber”; “vorher, vorne”;

Oft sind Wortbildungen mit ver- auch bloße buchstäbliche Übersetzungen Lateinischer mit per, prae, pro, ex, in, de, re ...

¦⊕¦ an sich bedeutet ver- in der Verwendung im Sprachgebrauch, dass etwas bereits zuvor geschehen ist, bereits vorbei, zeitlich-örtlich vorlaufend ist, daher bereits vorbei, geschehen oder nicht erreicht werden kann und maßgebend, dass man keinen unmittelbaren Einfluss darauf ausüben kann und daher es nicht abgewendet, berichtigt, geändert werden kann; auch wenn viele der Wortschöpfungen mit ver- nachteilige Daseinszustände beschreiben ist ver- nur eine zeitliche, örtliche, räumliche und oder bildliche Bestimmung daß etwas dem unmittelbaren Zugriff entzogen ist oder sich entzieht, wie auch im Verlauf meist unumkehrbar sind;

¦∅¦ 1.4. ver- [fir-/far-] (Quelle: Althochdeutscher Bedeutungsbaukasten)

Das Präfix ver- ist die nhd. Entsprechung zu drei verschiedenen, wenn auch urverwandten Partikeln

im Got.:

faúr- (ahd. fur- = vor, vorbei),
fra- (ahd. for- = weg),
faír- (ahd. far-/fir- = er-, ent-).

Parallelen bestehen im Aengl. (for), As. (far) und im Afrz. (for).

Nur im Außergerm. und im Gotischen finden sich 3 gesonderte Bedeutungen (vgl. lat. por-, pro, per/ auch gr. para, pro, peri und ai. pura, pra, pari).

Bereits im Ahd. kommt zu diesen dreien die Form fer-, die im Mhd. die älteren Präfixe ablöst/ in sich aufnimmt.

Die ursprünglichen Bedeutungen lassen sich im Nhd. nur noch partiell belegen:

Auf faúr- sind Formen zurückzuführen,

die auf räumlich geprägte Ausgangspunkte hinweisen, die auch ins Zeitliche übertragen sein können (versäumen),
mit dem Sinn des Absperrens/Abhaltens (verrammeln) und
die eine Stellvertretung ausdrücken (verantworten, vertreten).

Am häufigsten ist ver- auf got. fra- zurückzuführen bei:

Verben, die ein Verschwinden/ Zugrundegehen ausdrücken (verschwinden),
Verben, die das Verbrauchen von Geld/ Vermögen bezeichnen (verfressen),
Verben die das verbringen von Zeit ausdrücken (verleben),
Verben, die ein Beschädigen ausdrücken (verhunzen),
Verben, die das Einschlagen einer falschen Richtung ausdrücken (verleiten),
Verben, die ein Wegschaffen bezeichnen (verstoßen) oder
Verben die eine Raumveränderung angeben (verlegen).

Eine klare Entsprechung zu got. faír fehlt im nhd.

Beispiele: furlazzan (verlassen); formonen (ermahnen), forstelan (stehlen); farmullen (zermalmen), farhuggen (verachten); firswelgan (verschlingen), firtriban (vertreiben); fersnidan (verschneiden).

¦⊕¦ bringt Kontrollentzug in Form eines Machtwechsel, Mangel und Gehen von etwas oder jemand zum Ausdruck; in eine seiner Herkunft oder Eigenschaft bis zum Erreichen fortgeführten, fortgeführten Richtung bis zum Ergebnis oder Ziel; aufgrund von Eigenschaft oder Herkunft unveränderlich;

¦⊗¦ Vorsilbe bei Tätigkeitsworten und zugehörigen Nomina, die in der Regel vom Verb abgeleitet, gelegentlich jedoch auch unmittelbar zum Verbstamm gebildet sind.

¦√¦ strg. far; uig. *per(i) “durch, drüber, hinüber”, von *per-.

¦↵¦ uig. *firi-, *fra-, *furi- ;

ver-

  • Präfix bei Verben und zugehörigen Nomina, die in der Regel vom Verb abgeleitet, gelegentlich jedoch auch unmittelbar zum Verbstamm gebildet sind.
  • Die Funktionen von ver- im Nhd. sind vielfältig; vor allem kennzeichnet es
    • ein Beseitigen, Wegschaffen, Aufbrauchen (verrücken, vertreiben, verzehren),
    • ein Fort-, Zugrundegehen (verdunsten,verklingen, verschwinden)
      • oder
        • Irreleiten, Fehlgehen (verführen, verwechseln, sich verzählen)
      • und wird damit auch zum
        • Ausdruck der Negation (verbieten, versagen);
    • ferner hat es resultativen Sinn
      • (verbluten, verpacken, vertilgen),
    • dient der Verstärkung
      • (verschließen, versperren),
    • der Transitivierung intransitiver Verben
      • (verfolgen, verheiraten, verspotten)
    • oder dem Hervorbringen verbaler Ableitungen von Adjektiven und Substantiven
      • (verdeutlichen, vergöttern ‘deutlich, zu einem Gott machen’, verarmen, verholzen ‘arm, zu Holz werden’).
  • Die für nhd. ver- festzustellende Unterschiedlichkeit der Verwendungsweisen
    • findet sich schon bei vorausgehendem
      • ahd. fir-, far-, mhd. ver-
    • und ähnlich bei
      • asächs. far-, for-, mnd. vor-, mnl. nl. ver-, aengl. for-, fer-, engl. for-;
    • sie erklärt sich aus dem Zusammenfall dreier Präfixe, die noch getrennt, wenn auch mit nicht mehr fest abzugrenzenden Bedeutungen in
      • got. fra- (meist ‘fort-, weg-’), faír- und faúr- begegnen;
        • zu letzterem vgl. in frühen Texten belegtes anord. for- mit negativem, verschlimmerndem Sinn
      • (im Unterschied zu anord. for-, fyrir- in jungen Entlehnungen aus dem Dt.).
  • Zugrunde liegen
    • uig. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’,
      • vgl. aind. prá- ‘vor-, voran-, fort-’,
      • griech. pró (πρό) ‘vor’,
      • lat. prō ‘vor, für, anstatt’ (s. ↗pro), uig.  *pro- (“vorher, vorne”). verwandt mit agr.  πρό- (pró-, "vorne, vornan”).
      • air. ro- (intensivierendes Präfix),
      • aslaw. pro ‘um … willen’,
      • russ. pro (про) ‘von, über, durch, für’;
    • uig. *per, *peri ‘vorwärts,
      • im Hinausgehen über, im Durchdringen’ (eigentlich Lokativ),
      • vgl. aind. pári ‘herum, umher, gegen, darüber hinaus’,
      • griech. péri, perí, mundartlich pér (πέρι, περί, πέρ) ‘ringsum, um … herum, überaus, neben, bei’,
      • lat. per ‘(hin)durch, über … hin,
      • während’ (s. ↗per), aslaw. prě- ‘durch-, über-’, russ. pere- (пере-) ‘über-, herüber-, um-’;
    • uig. *pṛ- ‘hervor’ (wohl Nominativ oder Akkusativ Sing. Neutr.),
      • vgl. aind.pṛ- (in pṛṣṭhám ‘Rücken, Gipfel’),
      • lat. por- (in portendere ‘zeigen, ankündigen’),
      • lit. pir- (in pir̃štas ‘Finger’),
      • aslaw. prь- (inprьstъ ‘Finger, Zehe’,
      • russ. älter perst перст ‘Finger’) ‘hervor-’ (s. auch ↗First).
    • Diese uig. Formen gehören sämtlich zu einem vornehmlich in Adverbien und Präpositionen weiterlebenden Wurzelnomen uig. *per, dessen Bedeutung mit ‘das Hinausführen über’ zu umschreiben ist.

All Nachkommen außer Gothisch haben sich mit den Vorsielben [ *fra-], *furi- and *firi-. verschmolzen