Zum Inhalt springen

ge-

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 22. Dezember 2023 um 10:17 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „<p style="text-align: justify;" >¦∑¦ g + e;</p><p style="text-align: justify;" >¦∅¦ Vorsilbe</p><p style="text-align: justify;" >¦⊕¦ 1.2. ge- [''gi-''] (Quelle: [https://spresy.de/abhandlungen/artikel-zu-sprache/althochdeutscher-bedeutungsbaukasten/ Althochdeutscher Bedeutungsbaukasten])</p><p style="padding-left: 40px; text-align: justify;" >''ke-/ka-'': oberdeutsche Variante von ''gi-/ga''-, unbetontes Präfix, mit dem in althochdeutscher Ze…“). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

¦∑¦ g + e;

¦∅¦ Vorsilbe

¦⊕¦ 1.2. ge- [gi-] (Quelle: Althochdeutscher Bedeutungsbaukasten)

ke-/ka-: oberdeutsche Variante von gi-/ga-, unbetontes Präfix, mit dem in althochdeutscher Zeit und (abgeschwächt zu ge bis heute) das PPP vieler Verben gebildet wird. Die Betonung ist zunächst ga oder im oberdeutschen ka, zu Beginn des 9. Jahrhundert setzt sich in einigen Regionen gi/ki durch, das bis zum Ende des Jahrhundert dann überall die übliche Form geworden ist. Im 11. Jahrhundert schwächt es sich zu ge ab.

Ursprünglich war ge- ein gemeingermanisches Kennzeichen von Begriffen der Zusammengehörigkeit (Gefährte, Genosse, gemeinsam u. ä.), eine Verwendung, die dann auf Kollektivbegriffe ausgedehnt wurde (z. B. Gebirge, Geflügel) und später ganz allgemein verallgemeinernde Wirkung hatte.

Für die heute dominante perfektive Verwendung des Präfixes entscheidend ist die Ausweitung hin auf den Gedanken des abgeschlossenen Vorgangs (Gebinde, Geflecht, Gedicht, jeweils fertig gebundene, geflochtene und gedichtete Dinge). Von dort war es dann kein großer Schritt mehr zur allgemeinen perfektivischen Bedeutung.

Aus diesem Kontext stammen auch Paare wie horchen / gehorchen (tun nach dem horchen), bieten / gebieten u. ä.

Auf welche indogermanische Wurzel ge zurückgeht ist unbekannt. Spekulationen deuten auf *kon "neben, bei, mit", das aber nach den Lautgesetzen *ham-, nicht *ga geben müsste. (Lit: Kluge, 1989, S. 248, Grimm s. v. ge, Lexer, 1872, S. 745 und Pfeifer, 1989, S. 511.)

gi-louben: glauben. Zu lioban: lieben

gi-heizzan: geloben, versprechen. Zu heizzan: heißen, befehlen

gi-selli-scaft: Gemeinschaft, Gesellschaft. Zu sal: Saal

gi-sabba: die Verwandte. Zu sibba: Sippe, Friede

Beispielsätze aus dem Ahd. Lesebuch:

Ih keloubo an got, álmáhtigen fáter (S. 74)

Dícco gehîez ér mír sîne cúonft per prophetas (S. 75)

Kaskafoe katati kambaro (= gi-scafôe gi-tâti gambaro S. 31)

thu fientes hentriskes chrefti / thuruh chruci todes mulis / themo uuir kezeichante endinum / siginumft thera kelauba fuaremes (S. 33)

¦⊗¦ ge- laut Peters

Die Bedeutung geht im Germ. von dem Begriff des Zusammenseins, der Zusammengehörigkeit, der Vereinigung aus, am deutlichsten erkennbar in Substantiven, die teilnehmende Personen bezeichnen (Gefährte, Genosse, Geselle, Gespiele, Gevatter), seltener in Adjektiven (gemein) und Verben (gefrieren, gerinnen, eigentlich ‘zusammenfrieren’, ‘zusammenrinnen’).

Zusammengehörigkeit führt zu der Verwendung von ge- in neutralen Kollektivbildungen (Gebilde, Gebirge, Geflügel, Gerippe, Gestirn, Getier, Gezweig), teils auch mit Anlehnung an Verben (Gebäck, Gedeck, Gedicht, Geflecht, Gestell, Getöse); ferner drückt ge- das Ergebnis des im zugehörigen Verb bezeichneten Vorgangs aus (Gebinde, Gefüge, Gespinst, Gewölbe) oder bildet Vorgangsbezeichnungen (Gebrüll,Geflüster, Geschrei, Geschwätz, Gewühl). Oft ist ge- wohl bloßes (gelegentlich verstärkendes) Ableitungsmittel.

In verbalen Zusammensetzungen wird durch ge- das momentane Geschehen ausgedrückt, das entweder den Beginn oder den Abschluß eines Vorgangs bezeichnet (gebären, gebühren, gedeihen, gefallen, gehören, gelingen, genesen, geschehen, gestehen, gewähren, gewinnen, gewöhnen). Simplex und Präfixverb können auch nebeneinanderstehen, wobei sich meist ein Bedeutungsunterschied herausgebildet hat wie bei bieten – gebieten, brechen – gebrechen, horchen– gehorchen, hören – gehören, raten – geraten, reichen – gereichen, stehen – gestehen.

Aus der perfektivierenden Funktion von ge- entwickelt sich der Gebrauch beim Part. Prät., der Vollendungsform des infiniten Verbs (gearbeitet, gefunden, gegeben, gekommen), wie auch die Verwendung bei der Bildung von Adjektiven (gelaunt, gestirnt, gewitzt).

¦√¦ Die Herkunft des Präfixes ist nicht geklärt.; Semantische Berührung besteht mit dem Präfix lat. com- (s. ↗kon-) und der Präposition lat. cum ‘mit, zusammen mit, zugleich mit’ sowie mit damit verwandtem griech. koinós (κοινός) ‘gemeinsam’ (aus *κομι̯όϛ ‘miteinander gehend’), der Präposition air. con- ‘mit’, dem Präfix air. gall. com- ‘(zusammen) mit’. Diese führen auf ie. *kom (Adv. Präfix und Präp.) ‘neben, bei, mit’, das germ. *ham- ergeben müßte, so daß germ. *ga- lautlich nicht hierher zu gehören scheint; es sei denn, man führt germ. g- im unbetonten Präfix über χ auf ie. k- zurück und nimmt Nasalschwund an.

¦↵¦ ahd. ga- (8. Jh.), gi- (9. Jh.), abgeschwächt ge- (im 11. Jh. vorherrschend), mhd. ge-, asächs. gi-, mnl. ghe-, nl. ge-, aengl. ge-, älter gi-, später (als Folge von Palatalisierung, vgl. afries. je-) i-, engl. i- (inhandicraft ‘Handwerk’), y- (in everywhere ‘überall’), e- (in enough ‘genug’), anord. g- (in granni ‘Nachbar’), got. ga- (ingarazna ‘Nachbar’). ;


[bg_collapse view="button-blue" color="#ffffff" icon="eye" expand_text=" " collapse_text=" " ]

ge- gemeingerm. unbetontes Präfix *ga-, ahd. ga- (8. Jh.), gi- (9. Jh.), abgeschwächt ge- (im 11. Jh. vorherrschend), mhd. ge-, asächs. gi-, mnl. ghe-, nl. ge-, aengl. ge-, älter gi-, später (als Folge von Palatalisierung, vgl. afries. je-) i-, engl. i- (inhandicraft ‘Handwerk’), y- (in everywhere ‘überall’), e- (in enough ‘genug’), anord. g- (in granni ‘Nachbar’), got. ga- (ingarazna ‘Nachbar’). Die Bedeutung geht im Germ. von dem Begriff des Zusammenseins, der Zusammengehörigkeit, der Vereinigung aus, am deutlichsten erkennbar in Substantiven, die teilnehmende Personen bezeichnen (Gefährte, Genosse, Geselle, Gespiele, Gevatter), seltener in Adjektiven (gemein) und Verben (gefrieren, gerinnen, eigentlich ‘zusammenfrieren’, ‘zusammenrinnen’). Zusammengehörigkeit führt zu der Verwendung von ge- in neutralen Kollektivbildungen (Gebilde, Gebirge, Geflügel, Gerippe, Gestirn, Getier, Gezweig), teils auch mit Anlehnung an Verben (Gebäck, Gedeck, Gedicht, Geflecht, Gestell, Getöse); ferner drückt ge- das Ergebnis des im zugehörigen Verb bezeichneten Vorgangs aus (Gebinde, Gefüge, Gespinst, Gewölbe) oder bildet Vorgangsbezeichnungen (Gebrüll,Geflüster, Geschrei, Geschwätz, Gewühl). Oft ist ge- wohl bloßes (gelegentlich verstärkendes) Ableitungsmittel. In verbalen Zusammensetzungen wird durch ge- das momentane Geschehen ausgedrückt, das entweder den Beginn oder den Abschluß eines Vorgangs bezeichnet (gebären, gebühren, gedeihen, gefallen, gehören, gelingen, genesen, geschehen, gestehen, gewähren, gewinnen, gewöhnen). Simplex und Präfixverb können auch nebeneinanderstehen, wobei sich meist ein Bedeutungsunterschied herausgebildet hat wie bei bieten – gebieten, brechen – gebrechen, horchen– gehorchen, hören – gehören, raten – geraten, reichen – gereichen, stehen – gestehen. Aus der perfektivierenden Funktion von ge- entwickelt sich der Gebrauch beim Part. Prät., der Vollendungsform des infiniten Verbs (gearbeitet, gefunden, gegeben, gekommen), wie auch die Verwendung bei der Bildung von Adjektiven (gelaunt, gestirnt, gewitzt). Die Herkunft des Präfixes ist nicht geklärt. Semantische Berührung besteht mit dem Präfix lat. com- (s. ↗kon-) und der Präposition lat. cum ‘mit, zusammen mit, zugleich mit’ sowie mit damit verwandtem griech. koinós (κοινός) ‘gemeinsam’ (aus *κομι̯όϛ ‘miteinander gehend’), der Präposition air. con- ‘mit’, dem Präfix air. gall. com- ‘(zusammen) mit’. Diese führen auf ie. *kom (Adv. Präfix und Präp.) ‘neben, bei, mit’, das germ. *ham- ergeben müßte, so daß germ. *ga- lautlich nicht hierher zu gehören scheint; es sei denn, man führt germ. g- im unbetonten Präfix über χ auf ie. k- zurück und nimmt Nasalschwund an.


Text

[/bg_collapse]