getreu
getreu[1], -er, -este, adj. et adv. das verlängerte Wort treu, welches durch dasselbe, wenigstens in der edlen und anständigen Sprechart aus verschiedenen seiner Bedeutungen verdränget worden. Es bedeutet, 1. überhaupt, eine Person oder Sache, der man trauen, auf die man sich verlassen kann; in welcher weitesten Bedeutung es so wie treu nur noch in einigen Fällen üblich ist. Ein festes und getreues Gedächtniß. Gott ist getreu, 1 Cor. 1, 9. 2. Mit verschiedenen Einschränkungen. 1) Der Wahrheit völlig gemäß. Eine getreue Copie, eine getreue Abschrift, welche dem Originale völlig gemäß ist. Das Gemählde ist sehr getreu, gleicht dem Originale völlig. Eine getreue Erzählung. Dieser Brief ist ein getreues Bildniß seines Herzens. Ein getreues Bekenntniß seiner Fehler ablegen. Ingleichen Fertigkeit besitzend, sich nie mit Vorsatze von der Wahrheit zu entfernen. Ein getreuer Geschichtschreiber. Ein getreuer Mahler. 2) Seine Fähigkeiten auf eine aufrichtige und beständige Art zu jemandes Besten gebrauchend. Ein alter getreuer Diener. Jemanden getreu seyn. Lieber Getreuer, ist der gewöhnliche Titel, welchen Fürsten ihren Ministern und[643] Räthen in Kanzelleyschreiben geben, dagegen sie die Minister und Räthe eines andern Fürsten Lieber Besonderer zu nennen pflegen. In engerm Verstande ist einer Person getreu seyn oder bleiben, unter Personen zweyerley Geschlechtes, alles vermeiden, was den Rechten der geliebten Person Eintrag thut, und im engsten Verstande, sich der Beywohnung anderer Personen enthalten. Ein getreuer Liebhaber, ein getreuer Ehemann. Die Frau ist ihrem Manne nicht getreu. Ingleichen figürlich. Der Wahrheit getreu seyn, sie nicht mit Vorsatz verletzen. Seinen Pflichten getreu seyn, sie zu aller Zeit mit Genauigkeit und Aufrichtigkeit erfüllen.
Anm. Im Isidor chitriuui, bey dem Ottfried gidriuu, gidriu, bey dem Notker ketriuue, im gemeinen Leben nur treu. S. Treu und Treue.
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- 1 in Treue verbunden, zugewandt, treugesinnt; öfter mit Dat;auch mit metonym Bezug
- a im Dienst- u Patriarchatsverhältnis, bes von Untertanen:ergeben, loyal, auch iSv best Abmachungen einhaltend; mehrf(in amtl Schr) ‘g-e Stände’ [Panthalis:] Ihrer [Helenas] Sohlesei | Unmittelbar g-er Mägde Schritt gefügt FE WA FaustII 9968 Wie er [Cid] Könige der Heiden | Überwindet zuVasallen; | Seinem Könige g-ster, | Bald erhoben baldverbannt WA 16,275 Maskenz 1818 Festz 417 [Gratulationzur Geburt eines Prinzen] in Gemeinschaft mit allen g-en undhochbeglückten Unterthanen WA B42,390,7 CarlAug 15.7.27K Mit diesen g-en Hoffnungen [für das kommendeLebensjahr des Großherzogs] WA B32,4,18 CarlAug 3.9.19 K [Vansen:] Der Herzog von Brabant soll uns ein guter und g-er Herr sein .. Er ist uns verpflichtet, wie wir ihm WA 8,207,25 Egm II WA B40,319,24 FriedrWilh III 15.3.26 [für:fidèle] WA 9,397 Tancred 810 WA 16,243,9 Maskenz 1818Progr uö
- b von Anhängern u Bundesgenossen [LeonardosPersonencharakteristik auf dem ‘Abendmahl’] bei den g-enAposteln gelungen WA 491,421,10 Üb:WeimPinakothek [Gf Thoranc:] g-e Alliirte .. die ihr Geld .. zu seinem [desKaisers] Vortheil verwenden WA 26,160,2 DuW 3 WA 37,212,20 FGA Sulzer,SchöneKünste [G/Merck]
- c im persönl Verhältnis von Gefährten, Freunden, Partnern:anhänglich, zuverlässig, beständig (auch alsCharaktereigenschaft); einmal in Briefschlußformel Verlaßtmich hier, g-e Weggenossen! | Laßt mich allein am Fels, inMoor und Moos WA 3,25 Elegie 127 [Bergrat] Voigt, ein g-er Mitarbeiter auch im mineralogischen Felde WA 35,32,16TuJ 1794 Lebe wohl. Liebe mich, ich bin dir herzlich g. WA B7,155,5 Knebel 30.12.[85] Dein g-er | G.[oethe] WA B45,289,7 Zelter 11.6.29 WA 52,156 Als ich dich WA B34,296,7 Willemer uFr 22.6.21 uö von (hilfreichen, Ratgebenden, beschützenden) myth u imaginären Gestalten,speziell ‘der g-e Eckart’ (auch in freier Verwendung, einmalscherzh für Eckermann) Hoffnung .. die schmeichelndeGöttin, | Angenehm vor vielen, die als g-e Dämonen | Mit densterblichen Menschen die wechselnden Tage durchwallenAchilleis 237 Willst du der g-e Eckart sein | Und jedermannvor Schaden warnen WA 2,281 VergeblMüh 1 WA 1,206Der getreueEckart Titel WA B48,42,14 Zelter 14.12.30 [Zits v GWb Eckart] WA B33,46,4 CarlAug 26.5.20 K uö beiPersonifikation [Egm, allein:] Alter Freund! immer g-erSchlaf, fliehst du mich auch wie die übrigen Freunde? WA 8,280,12 Egm V die Freude .. mit welcher der .. Schiffer an’sLand springt .. und nunmehr das, was er dem falschenWasser entzogen, der g-en Erde anvertrauen kann WA 21,55,12 Lj I 10~WA 51,182,16 ThS II 8 — auch vom Hund WA 491,191,15 Beisp symbolBehandlg
- d im Liebesbund: unwandelbar (u ausschließlich) anhängend,verbunden [üb engl Liebespoesie] Hier stirbt ein verlassenesMädchen, dort ertrinkt ein g-er Liebhaber WA 28,215,14DuW 13 [Polidoro:] Ja, es soll mit starken Fesseln | Nur micheine Liebe binden; | .. Ewig bin ich ihr g. WA 53,105TheatrAbenteuer 56 WA B6,278,19 ChStein 19.5.84 uö
- e ‘sich (selbst), seiner Denkart, seinem Naturell g. (bleiben)’iSv seiner Individualität, seiner Wesensart verhaftet (bleiben),daran festhaltend, sie verteidigend [Elisabeth zu sich:] mit dirselbst, in Glück und in Gefahr, | Elisabeth, dir selbst g. undwahr 131, 178 EpilEssex 54 Der Mensch, wenn er sich g.bleibt, findet zu jedem Zustande eine hülfreiche Maxime WA 33,123,4 Camp Ich wünsche eine völlige Vereinigung ..die um desto reiner werden muß .. je g-er ich meiner eigenenDenkart dabei zu bleiben genöthigt bin WA B15,117,16Schelling 27.9.00 WA B16,216,17 Langer 12.4.03 uö
- f ‘Grundsätzen, Gesinnungen, der Wahrheit g. (bleiben)’ uä:ihnen verpflichtet sein (bleiben) [Gast zum Sammler:] Siesind denn also auch den hergebrachten Grundsätzen g., daßSchönheit das letzte Ziel der Kunst sei? WA 47,158,22Samml 5 [Logenbruder Kästner] seinen Vorsätzen, seinerPflicht g. .. gibt uns das schönste Beispiel eines aus sich selbstentwickelten, im engsten Kreise thätigen .. Mannes WA 36,360,25 Trauerloge 1821 WA 36,3,8 TuJ 1807 WA B31,247,10 Bechtolsheim 30.7.19 K WA 22,266,23 Lj VISchöneSeele uö
- g ‘einem Ort, Gegenstand, einer Tätigkeit, Verhaltensweise g.(bleiben)’ ua: daran gebunden sein (bleiben), dabei verharren;einmal zugl iSv innerl verbunden Bleiben Sie meinem Thalg., und fühlen Sie dass ich mich offt mit Ihnen unterhalte WA B4,214,3 ChStein 2.5.80 Sie [Hilarie beim Zeichnen]fürchtet .. den Gegenstand zu entweihen, bliebe sie ihm nichtvollkommen g. WA 24,370,16 Wj II 7 Mein Oheim .. bleibtnoch immer der Gewohnheit jener guten alten Zeit g. WA 47,135,23 Samml 2 WA 4,123 Als das heilige Blatt 2 WA B28,84 /Bd. 4, Sp. 155/ 12 Meyer 6.5.17 WA N6,145,26MetamPfl Nachtr uö von der Natur, mBez auf ihreBildungsformen die Natur ewig productiv, bis in’s Innerstegöttlich, lebendig, ihren Typen g. WA B23,58,18 Reinhard13.8.12
- 2 genau, präzise, sorgfältig g-e Berichte, von ausgezeichnettüchtigen und redlichen Männern entworfen A(Vogel 99)Promem [18.11.24] Diese [Wirkungen der Natur] wollen wirsoviel uns möglich ist g. beobachten, genau beschreiben undnatürlich ordnen WA N51,120,23 FarbSchatt DerGroßherzog befindet sich verhältnißmäßig sehr wohl, indemer einsichtigen .. Ärzten g-e Folge leistet WA B37,125,7Knebel 11.7.23 g-e Copien von guten Gemählden WA 46,111,19 Hackert WA B35,294,23 Henning 23.3.22 WA B27,276,13 Boisserée 16.12.16 WA 32,304,20 ItR uö bezogenauf Übersetzung, Abschrift: (wort)wörtlich, buchstäblich diefreien [Übersetzungen] nach dem Genius und Bedürfnis desVolks, für das übersetzt wird, und die g-en nach dem Geniusdes Volks, aus dessen Sprache übersetzt wird Gespr(He2,546)Riemer 13.7.10 WA B39,141,1 Reinhard [18.3.25?] K
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 643-644. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000192120 Lizenz: Gemeinfrei