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-zig

aus AufEinWort, der freien Forschung
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 -zig | zig | Nebenform -ßig | "zehnfach" |

Bildungssilbe der Zehnzahlen von 20 bis 90, ahd. -zug (vorwiegend alem. frk., auch bair.), -zog (frk., auch alem.), -zeg (vielfach bei Notker), -zig (allgemein ab 11. Jh.), mhd. -zic, -zec, 

asächs. -tig, -tich, mnd. mnl. -tich, nl. aengl. -tig, engl. -ty, anord. -tigr, selten -tugr.

Mit ahd. -zug und seinen Varianten werden ursprünglich nur die Zehner von 20 bis 60 gebildet, die von 70 bis 100 dagegen mit -zo, vgl. ahd. sibunzo, ahtozo, *niunzo, zehanzo.

Zugrunde liegt ein in got. -tigjus Mrz. ‘Zehner(einheiten), Dekaden’ zur Bildung der Zehnzahlen (vgl. got. fidwōr-tigjus ‘vierzig’) belegtes Hauptwort (Ez. *tigus ‘Anzahl von zehn, Zehnheit, Dekade’, ein u-Stamm nach-ger. *teguz).

Verwandtschaft besteht wohl mit lat. decuria ‘Anzahl, Abteilung von zehn, Zehntschaft’, umbr. dequrier, tekuries ‘Fest der Dekurien’, so daß uig. *dek̑u- (in Weiterbildungen von uig. *dek̑ṃ, s. zehn) vorausgesetzt werden kann. 

Got. -tigjus steht in grammatischem Wechsel gegenüber got. taíhun ‘zehn’. Eine Rückbeugung des alten Hauptwort's zeigt sich darin, daß im Ahd. die der Zehnzahl folgenden, also die gezählten Dinge im Wesfall Mrz. angeschlossen werden, vgl. ahd. fiorzug wehhōno ‘vierzig Wochen’.

Der abweichende Vokal u in ahd. -zug beruht entweder auf einer schwundstufigen Form oder auf Angleichung des i (bzw. ger. e in *teguz) an das stammhafte u der Endung, hervorgerufen durch seine Unbetontheit. 

Ahd. thrīʒug, nhd. dreißig zeigt Verschiebung von ger. t inlautend zwischen Vokalen zur Spirans.

Mit ahd. -zug und seinen Varianten werden ursprünglich nur die Zehner von 20 bis 60 gebildet, die von 70 bis 100 dagegen mit -zo, vgl. ahd. sibunzo, ahtozo, *niunzo, zehanzo.

Erklärbar als Abschwächung von -zug? Man sieht darin auch alte Ordinalia (mit ger. t), indem in Hinblick auf asächs. antsiƀunta ‘siebzig’ von *hundsibunto ‘siebenter Zehner’ ausgegangen wird, wobei *hund- aus ie. *(d)k̑ṃt- ‘hundert’ bzw. älter ‘Zehnheit (von Zehnern)’ zu erklären ist (s. hundert).

Anmerkung: Ein Zug Mannen waren 10 Mann und so wäre es stringenter, dass zig, wie im ahd. zuc , das Ziehen, der Zug sich nicht auf Zehn schließt, sondern die handliche einfache Zählweise der eigenen Mannen im Kampf, da es den Germanen zu eigen war nicht in großer Menge, wie es die Römer tatten, sich aufzustellen, sondern in kleineren Gruppen, wobei die heutigen Streitkräfte einen Zug 12 bis 60 Mann einteilen, der Wortbegriff Zug wohl bis in die Neuzeit bebehalten wurde.

-zig[1]

[2]-zig, eine Ableitungssylbe
  • für Zahlwörter,
    • Zehner von den Einern abzuleiten,
    • vierzig, vier Zehner, oder viermahl zehen,
    • achtzig, acht Zehner; neunzig, neun Zehner.
    • Da die auf diese Art abgeleiteten Zahlwörter schon sehr alt sind,
      • so ist es kein Wunder,
        • daß die Nahmen der Einer dabey allerley Veränderungen erlitten haben,
        • oder vielmehr Überreste sehr alter Formen sind:
        • zwanzig für zweyzig,
        • funfzig, in den gewöhnlichen Hochdeutschen Sprecharten fufzig, für fünfzig,
        • sechzig für sechszig, siebzig für siebenzig.
        • In dem einzigen dreyßig ist das -z in das gelindere -ß übergegangen.
    • Die mit dieser Sylbe abgeleiteten Wörter
      • sind dem Geschlechte und der Declination nach eben so unveränderlich,
      • als alle Grundzahlen von drey an.
        • Zwanzig Thaler, ein und zwanzig Weiber,
        • drey und dreyßig Groschen.
    • Nur wenn sie ohne Substantiv stehen,
      • so bezeichnen sie den Dativ:
        • einer von zwanzigen;
        • er hat es wohl funfzigen gesagt.

Von den auf diese Art gebildeten Zahlwörtern

  • lassen sich wieder mancherley Ableitungen bilden.
  • So wohl Ordnungszahlen,
    • der, die, das zwanzigste, dreyßigste u.s.f.
      • als Verhältnißzahlen von diesen Ordnungszahlen,
        • ein Zwanzigstel, Dreyßigstel, Vierzigstel;
      • als Zeitzahlen, ein Zwanziger, ein Mensch von zwanzig Jahren,
      • ingleichen ein Wein von 1720,
      • ingleichen ein Mitglied eines Collegii von zwanzig Personen.
      • So auch Dreyßiger, Vierziger u.s.f.
    • Ferner halbirende Zahlwörter, zwanzigsthalb, dreyßigsthalb u.s.f.

Anm.

Diese alte Ableitungssylbe

  • lautet schon
    • in dem Salischen Gesetze toc,
    • bey den spätern Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern zoch, zug, zuc, zeg,
    • im Angelsächsischen und Niedersächsischen tig,
    • im Schwed. tio,
    • im Isländ. tiga,
    • im Engl. ty.
  • Gemeiniglich glaubt man,
    • daß sie aus Zug entstanden sey,
      • indem man in den ältesten Zeiten
        • der rohen Einfalt immer zehn Einheiten zusammen gelegt,
          • dann eine solche Sammlung zu der ersten gezogen,
          • und folglich jede solche Sammlung einen Zug genannt.
      • Vierzig würde also so viel als vier Züge bedeuten.
      • Die Ableitung ist dem ersten Anblicke nach nicht unwahrscheinlich,
        • und wird durch die alten Schreibarten,
          • z.B. finfzugi bey dem Ottfried,
          • achtuzug im Tatian,
          • u.s.f.
          • bestätigt;
        • allein sie verliehrt bey einer genauern Untersuchung viel von ihrer Scheinbarkeit.
        • Denn
          1. ist die angegebene alte Art zu zählen
            • noch mit nichts erwiesen,
            • sondern wird zum Behuf dieser Ableitung bloß voraus gesetzt und vermuthet.
          2. Die von diesen Grundzahlen abgeleiteten[3] Ordnungszahlen
            • sind bereits sehr alt, vermuthlich so alt, als jene.
            • Im Kero ist
              • ahtozogosto, der achtzigste,
              • finfzugosto, der funfzigste,
              • zehanzugosto,der hunderste.
            • Wäre zig so viel als Zug,
              • so wäre eine solche Ableitung Unsinn,
              • und kein vernünftiger Mensch würde darauf haben fallen können, von dem Hauptworte Zug eine Ordnungszahl zu bilden.
            • Es ist daher wahrscheinlicher,
              • daß zig nichts anders als zehn bedeutet,
              • und aus einer alten Mundart entlehnet ist,
                • welche das -h mit einem starken Hauche aussprach,
                  • wie im Lat. decem,
                  • Griech. δεκά.
                  • Im Schwedischen gebrauchte man dafür ehedem das Substantivum Tiug, Tijugh,
                    • welches Decadem, ein Decher, oder Zahl von zehen bedeutete;
                    • faem tijugh, fünf Decher, oder funfzig.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1714-1715. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000550582; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1714 | 1715; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [1714]
  3. ↑ [1714]