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Werk:Faust eine Tragödie neu überarbeitete Hinweise

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Zueignung.

Zueignung: Bei dem Gedicht „Zueignung“ handelt es sich inhaltlich um eine Klagegedicht. Goethe spricht darin die Personen des Dramas selbst an, berichtet vom Erwachen des Schaffensprozesses und gibt die Gefühle wieder, die sich seiner dabei bemächtigt haben. Er trauert den vergangenen Zeiten nach, seiner Jugend, seiner ersten Liebe und Leidenschaft und den verlorenen Gefährten dieser Zeit.

Vorspiel auf dem Theater.

Vorspiel auf dem Theater Ein Theaterdirektor, ein Dichter und die Lustige Person (gemeint ist ein Schauspieler) streiten über Sinn und Zweck eines gelungenen Theaterspiels. Der Direktor betont dessen unternehmerische, der Dichter die künstlerische, die Lustige Person die unterhaltende Absicht. Ihr Kompromiss sei das nun folgende Universalstück, der Faust: So schreitet in dem engen Bretterhaus / den ganzen Kreis der Schöpfung aus / und wandelt mit bedächt’ger Schnelle / vom Himmel durch die Welt zur Hölle!

Der Direktor des Theaters, der Theaterdichter und die lustigen Personen (Schauspieler) eröffnen einen Dialog, in dem die Aufgabe des Theaters thematisiert wird. Ziel des Theaters ist für den Direktor der Profit eines ausverkauften Hauses. Hierfür sollten viele unterschiedliche Handlungsformen in das Stück mit eingebunden werden, um möglichst viele Zuschauer zu erreichen. Der Theaterdichter, der zu diesem Ziel beitragen soll, widerspricht. Für ihn stünden der ideelle Wert eines Stückes und seine Kunst im Vordergrund. Seine Kunst verkörpere für ihn etwas Zeitloses, Spirituelles, das den Menschen mit dem Kosmos und Gott verbinde. Die lustigen Personen hingegen sehen den Zweck des Schauspiels im Hier und Jetzt, in der gelungenen Unterhaltung der Zuschauer, die vor allem Spaß machen solle. Der Direktor beendet den Dialog, indem er klarmacht, alle angesprochenen Elemente der Theaterinszenierung müssten nun in die Tat umgesetzt werden.

Nacht. (1)

Der promovierte Gelehrte Heinrich Faust zweifelt am Erkenntniswert der Wissenschaft, die weit davon entfernt sei zu erläutern, /was die Welt im Innersten zusammenhält/. Er zieht die Summe seiner langjährigen Studien und sieht, / dass wir nichts wissen können! / Um der realwissenschaftlichen Sackgasse zu entkommen, greift er, nach dem Vorbild des Nostradamus, zur Magie und beschwört den Erdgeist, die wirkende Kraft der Natur.

[1]Er hofft, durch ihn zur Teilhabe am Leben des göttlichen Alls zu gelangen: Der Du die weite Welt umschweifst, / geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir! wird aber von jenem Geist nur verhöhnt und schmerzvoll an seine eigene Sterblichkeit erinnert: Wo ist der Seele Ruf? / Wo ist die Brust, die eine Welt in sich erschuf? […] Wo bist Du, Faust, des Stimme mir erklang? […] Ein furchtsam weggekrümmter Wurm! So entzieht sich der Erdgeist Faust, und Wagner tritt auf.

Bild: „Geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich Dir!“ – „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Nicht mir!“ Faust und Erdgeist, Veranschaulichung von Goethes eigener Hand.

Aus Verzweiflung und einem letzten Bedürfnis nach Grenzüberschreitung beschließt Faust, sich durch Gift das Leben zu nehmen, wird jedoch durch das Glockengeläut zum Ostersonntag, das ihn weniger an die christliche Botschaft als an glückliche Kindertage erinnert, davon abgehalten, den Saft auszutrinken.

Die Entdeckung des vernunftswiderigen Unterbreitung der Sprache in Faust I erscheint somit als eine Begegnung mit der vernunftswiderigen Grundlage der Person, die die Übereinstimmung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos elemental in Frage stellt.

Vor dem Tor.

Vor dem Tor – Osterspaziergang Am nächsten Tag, dem Ostersonntag, unternimmt Faust mit Wagner einen festtäglichen Frühlingsspaziergang und mischt sich unter das spazierende Volk. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich, welch hohe Achtung Faust seiner medizinischen Verdienste wegen bei der Landbevölkerung genießt. Die Szene gibt einen Querschnitt durch die mittelalterlicheständische Gesellschaft. Es treten Bürger und Bauern auf, Studenten, Handwerksburschen und Soldaten, Bürgertöchter und Mägde. In ihren Gesprächen werden unterschiedliche Anschauungen der verschiedenen Stände und Generationen deutlich.

[2]Faust offenbart Wagner sein inneres Zerrissensein zwischen körperlichen und geistigen Bedürfnissen, zwischen irdischen und himmlischen Ambitionen: Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, / die eine will sich von der andern trennen: / die eine hält, in derber Liebeslust, / sich an die Welt mit klammernden Organen; / die andre hebt gewaltsam sich vom Dust / zu den Gefilden hoher Ahnen.

Bild Faust und Wagner auf dem Osterspaziergang, Lithographie von Gustav Schlick

Ein seltsamer schwarzer Pudel folgt den beiden Spaziergängern; Faust nimmt ihn mit in sein Studierzimmer.

OsterspaziergangFür kurze Zeit erquickt sich Faust an der erwachenden Frühlingsnatur und am ausgelassenen Treiben des Volkes. Wagner gleitet ihn auf seinem Osterspaziergang. Alle rühmen Faust ob seiner uneigennützigen Hilfe bei der letzten Pestepidemie, doch eben diese Ehren trüben wieder seine Laune. Weiß er doch nur zu gut, wie wenig seine obskuren alchemistischen Künste vermögen, wie oft er Gift statt wahrer Arznei verabreicht hat: „Was man nicht weiß, das eben brauchte man - und was man weiß, kann man nicht brauchen.“ Innerlich zerrissen fühlt sich Faust: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Die eine will sich von der andern trennen; die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst zu den Gefilden ferner Ahnen.“ Schon bricht die Dämmerung herein, als Faust einen sonderbaren schwarzen Hund erblickt, der die beiden Spaziergänger umschweift . Wagner erscheint er als ganz gewöhnlicher Pudel, doch Faust vermeint einen Feuerstrudel auf seinen Pfaden hinterdrein ziehen zu sehen.

Studierzimmer (I) – Pudelszene: Faust, Mephisto

[3]

Bild Faust im Studierzimmer (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1829)

Studierzimmer Zusammen mit dem merkwürdigen Pudel, der beständig um seine Füße schleicht, betritt Faust wieder sein Studierzimmer. Die tiefe Nacht, die mittlerweile hereingesunken ist, gibt seiner Seele kurzen Frieden, den nur das leise aber beständige Knurren des Pudels stört. Wenn sich die geistige Wirklichkeit schon nicht Fausts Seelenblick eröffnen mag, so vermag ihn vielleicht das geoff enbarte Wort der Heiligen Schrift weiter zu führen. Es drängt Faust, den heiligen Urtext in sein „geliebtes Deutsch“ zu übertragen. „Am Anfang war das Wort“, beginnt Faust den Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1,1 EU) zu lesen - doch wenig befriedigt ihn diese Übersetzung - er kann das „Wort“ so hoch unmöglich schätzen. Besser stünde hier wohl „Sinn“, oder „Kraft “? Nein, „Am Anfang war die Tat!“, meint Faust endlich und der Pudel knurrt dabei bedenklich, dehnt sich als schwarzer Schatten, schwillt riesenhaft an, einem Nilpferd gleich, mit feurigen Augen und schrecklichem Gebiß. „Das ist nicht eines Hundes Gestalt!“

Mit magischen Sprüchen versucht Faust das gespenstische Wesen zu bannen, doch dieses grinst ihn nur an. Erst das christliche Zeichen des Kreuzes zeigt Wirkung. Der Nebel zerfließt und der Pudel verwandelt sich schließlich zu Mephistopheles, einer Gestalt der Erscheinung des Teufel, Mephisto', (Das also war des Pudels Kern!), der sich vorstellt als ein Teil von jener Kraft, / die stets das Böse will und stets das Gute schafft und als Geist, der stets verneint. muß in seiner wahren Gestalt erscheinen.

Faust erscheint belustigt: so hat er denn durch seine Künste den Fliegengott, den Verderber selbst herbeigezwungen. Mephisto, wie er selbst bekennt, ist „ein Teil von jener Kraft , die stets das Böse will und stets das Gute schafft .“ „Ich bin der Geist, der stets verneint... So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ Und dieser finstere Geist scheint nun gar Fausts Gefangener zu sein. Das Zeichen des Mikrokosmos, das Pentagramm, das Faust auf die Türschwelle gezeichnet hatte, hindert den Teufel zu entweichen. Durchs Fenster oder den Schornstein kann er nicht, denn es ist ein ehernes Gesetz der Geister und Gespenster, das sie nur dort hinaus können, wo sie hereingeschlüpft sind - und eben daran hindert ihn das vermaledeite Pentagramm. „Die Hölle selbst hat ihre Rechte? Das find‘ ich gut“, meint Faust: „Da ließe sich ein Pakt, und sicher wohl mit Euch, Ihr Herren, schließen!“ Doch das wäre kein rechter Teufel, der sich nicht zu helfen wüsste. Mit zartem Gesang wiegen seine kleinen Helfer Faust in tiefen Schlaf. Und da Mephisto sich auch als unbestrittener Herr der Ratten wissen darf, so nagen diese ihm leicht eine Ecke des Pentagramms weg und er ist frei.

Faust in seinem modrigen engen gotischen Studierzimmer (2) verzweifelnd an den unüberwindlich scheinenden Grenzen der begrifflichen Wissenschaften: „Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ So hat sich Faust letztendlich der Magie zugewendet: „Ob mir durch Geistes Kraft und Mund nicht manch Geheimnis würde kund... Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, schau‘ alle Wirkenskraft und Samen, und tu‘ nicht mehr in Worten kramen.“ Er berauscht sich durch Nostradamus Buch am Zeichen des Makrokosmos, das ihm die wirkende Welt der Naturkräft e enthüllen soll, aber alles bleibt ihm endlich doch nur abgeschmackter Trug, ein bloßes „Schauspiel nur“. Im Zeichen des Mikrokosmos beschwört er schließlich den Erdgeist, dessen mächtige flammende Erscheinung ihn aber völlig niederschmettert: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!“

Es ist eben doch nur der abstrakte Geist der Wissenschaft, den Faust begreift , der nun leibhaftig verkörpert als sein Famulus Wagner, der „trockne Schleicher“, hereintritt, der Faust in ein gelehrtes Gespräch verwickeln will. Faust spottet seiner und schickt ihn endlich verdrossen weg. Des Lebens überdrüssig will er durch Gift aus dieser engen Erdenwelt scheiden - vielleicht mag es so auch gelingen die Pforten des Jenseits aufzustoßen - „und wär‘ es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu fließen!“ Doch die morgendlichen Osterglocken und Chor der Engel „Christ ist erstanden!“, ziehen mit Gewalt den Gift Kelch von seinen Lippen.


Die Worttreue als Dienst an der Wahrheit, durch die der Mensch zu sich selbst finden könnte, erweist sich als sinnloses und frustrierendes Abarbeiten an einer Sprache, die die partikulare Erfahrung als Unsinn abtut und der Symbolisierung unwürdig erachtet. Fausts Erkenntnisstreben erscheint demnach zu einer tragischen Absurdität verdammt, es sei denn er befreit sich selbst durch die Allianz mit jener Kraft, die in Gottes Plan „ein Teil von jener Kraft (ist), / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“

Der Vernichtungstrieb des Teufels ist nämlich nur insofern der Inbegriff des Bösen, als er nicht als Teil des Werdens erkannt wird, das sich im endlosen Widerspiel zwischen Leben und Tod entfaltet und das begrenzte individuelle menschliche Schicksal übersteigt55. Mephisto kann demnach zwar behaupten: „Ich bin der Geist, der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, / Ist wert, daß es zugrunde geht; / Drum besser wär’s, daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element!“56, er weiß, dass es sich um eine Definition seiner selbst handelt, die auf der Begrenztheit und der Zeitweiligkeit einer menschlichen Weltanschauung fußt, die ihm nicht vollkommen gerecht wird. Er ist nämlich Bestandteil eines Lebens, das er jedoch keineswegs bestimmt: Er ist wider Willen an dessen ständiger Erneuerung und Verwandlung beteiligt und wirkt so an der Selbstvermittlung einer Schöpfung mit, deren Streben nach Veräußerung das eigentliche Prinzip ist.


Es ist das niedere, unbewusste Element einer Identität, die als unendlicher Prozess nur im poetischen Gleichnis erkennbar ist, das die Negativität im Augenblick suspendiert57. Er gesteht denn auch freimütig:

Was sich dem Nichts entgegenstellt,
Das Etwas, diese plumpe Welt,
So viel als ich schon unternommen,
Ich wußte nicht ihr beizukommen,
Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand –
Geruhig bleibt am Ende Meer und Land!
Und dem verdammten Zeug, der Tier und Menschenbrut,
Dem ist nun gar nichts anzuhaben:
Wie viele hab’ ich schon begraben!
Und immer zirkuliert ein neues, frisches Blut.
So geht es fort, man möchte rasend werden!
Der Luft dem Wasser, wie der Erden
Entwinden tausend Keime sich,
Im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!
Hätt’ ich mir nicht die Flamme vorbehalten,
Ich hätte nichts Aparts für mich.58

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[4]Studierzimmer (II) – Teufelspakt, Schülerszene Im sogenannten Teufelspakt verpflichtet sich Mephistopheles, Faust im Diesseits zu dienen und hier alle Wünsche zu erfüllen. Im Gegenzug ist Faust bereit, dem Teufel seine Seele zu überantworten, falls es diesem gelinge, ihm Erfüllung und Lebensglück zu verschaffen (Faust: Werd’ ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!)

Bild Der Teufelspakt, Stahlstich von Julius Nisle (um 1840)

Mephistopheles knüpft an Fausts Enttäuschung über sein Studierstubenleben an, um ihm den banalen Lebensgenuss schmackhaft zu machen: Wir müssen das gescheiter machen / Eh’ uns des Lebens Freude flieht. Hinter seinem Rücken verhöhnt er ihn: Verachte nur Vernunft und Wissenschaft … .

In Fausts Professorentalar gekleidet, hält Mephisto einen soeben neu angekommenen Studenten mit einer bissigen Studienberatung zum Narren und holt aus zu einem beißenden Rundumschlag gegen die Universitätsgelehrsamkeit im Allgemeinen und die Engstirnigkeit einzelner Fakultäten im Besonderen.

Die Begegnung mit dem Schüler endet mit dem Eintrag in dessen Stammbuch: Eritis sicut Deus scientes bonum et malum (Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.). Damit zitiert Mephisto die Worte, die die Schlange der Bibel zufolge an Adam und Eva richtete, um sie zur Sünde zu verführen. Indem Mephisto in seinem anschließenden Kurzmonolog die Szene mit den Worten Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange! verspottet, bewertet er zugleich indirekt Fausts Streben nach Gottesebenbildlichkeit als Wiederholung des Sündenfalls.


Studierzimmer Faust, erwachend, fühlt sich abermals betrogen. Hat ihm ein Traum den Teufel vorgelogen, und daß ein bloßer Pudel ihm entsprang? Doch schon klopft es, Mephisto ist wieder zur Stelle - nun als freier, nicht als gefangener Teufel. So läßt sich gut der Pakt mit Faust schließen, dem lange schon vor allem Wissen ekelt und der sich nun an den Tiefen der Sinnlichkeit berauschen will. Das kann Mephisto leicht bieten. „Welche Bedingung daran geknüpft ist?“ Nun, so wie sich Mephisto hier zu Fausts Dienst verbindet, so mag Faust ihm später drüben in der anderen Welt dienen! Das „Drüben“ kann Faust wenig kümmern und so wird der Pakt, wie Mephisto fordert, mit einem Tröpfchen Blut besiegelt, denn „Blut ist ein ganz besond‘rer Saft!“. „Nur keine Furcht, daß ich dies Bündnis breche“ - wenn sich die Natur schon Fausts Geist verschließt, wenn höhere Erkenntnis ihm nicht möglich ist, so will er sich dem Taumel weihen, dem schmerzlichsten Genuß: „Stürzen wir uns in das Rauschen der Zeit, ins Rollen der Begebenheit.“

Ein Schüler naht, von Faust belehrt zu werden - doch Faust will ihn nicht sehen; so schlüpft Mephisto in dessen Rolle und führt den naiven Burschen mit teuflischem Vergnügen an der Nase herum. „Eritis siccut Deus scientes bonum et malum“ (Du wirst wie Gott sein und Gut und Böse kennen) schreibt er ihm endlich ins Stammbuch und meint bei sich: „Folg‘ nur dem alten Spruch und meiner Muhme, der Schlange, Dir wird gewiß einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange!“


Anmerkung: Die Begegnung mit dem Schüler endet mit dem Eintrag in dessen Stammbuch: Eritis sicut Deus scientes bonum et malum (Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.). Damit zitiert Mephisto die Worte, die die Schlange der Bibel zufolge an Adam und Eva richtete, um sie zur Sünde zu verführen. Indem Mephisto in seinem anschließenden Kurzmonolog die Szene mit den Worten Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange! verspottet, bewertet er zugleich indirekt Fausts Streben nach Gottesebenbildlichkeit als Wiederholung des Sündenfalls.

Auerbachs Keller in Leipzig.

Auerbachs Keller in Leipzig: Vier angetrunkene Studenten in Auerbachs Keller versuchen, sich mit zotigen Scherzen und ordinären Liedern in Laune zu bringen. Mephisto führt Faust ins Lokal, um ihm zu zeigen, wie leicht sich’s leben läßt. Als Ortsfremde erregen beide das Interesse der Zechenden. Durch ein dreistes Lied versteht Mephisto, sich schnell in deren Kreis einzuschmeicheln, und als er jedem die gewünschte Weinsorte aus dem Tisch zaubert, steigt die Stimmung. Faust hat von diesem derben Treiben bald genug, aber Mephisto bittet um Geduld: Gib nur erst acht, die Bestialität / wird sich gar herrlich offenbaren. Der Wein verwandelt sich plötzlich in Feuer und die Betrunkenen versuchen daher, Mephisto mit Messern anzugreifen. Dank seiner magischen Kräfte gelingt es diesem jedoch, die Gefahr zu bannen und mit Faust zu entfliehen. Die Studenten bleiben verstört zurück: Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben!

Auerbachs Keller In der feucht-fröhlichen Atmosphäre von Auerbachs Keller sucht Mephisto Fausts sinnliche Bedürfnisse zu befriedigen und treibt allerlei Schabernack mit den trunkenen Gesellen, um Faust zu ergötzen. Doch der ist nur angewidert.

Prolog im Himmel

Bereinigter Auszug Wikipedia Prolog im Himmel und anderen Aussagen: 

(von christlichen Ansichten befreite Kürzung, die Faust I schon als Werk der Blasphemie betrachten und dessen wert mißachten, da sie Gothe's Worte und Verse offenbar nicht verstehen.)

[5]Der Prolog im Himmel beginnt mit dem tönenden Gesang der Belobigung der Werke des Herrn (Gottes) durch drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Mephistopheles, der dagegen auf Erden alles „herzlich schlecht“ findet, bietet dem Herrn die Wette (siehe Hiob im Alten Testament ), um dessen „getreuen Knecht“ Faust an, um zu beweisen, wie leicht selbst dieser vom rechten Weg abzubringen sei.

Bild: Satan wettet mit Gott.  Szene aus der Hiobslegende auf einem Fresko im Campo Santo di Pisa, von Taddeo Gaddi (um 1290–1366)

Darauf folgend schließen Mephisto und der Herr eine Wette ab, die an die Hiobswette im Alten Testament angelehnt ist. Der Herr bringt die Sprache auf Doktor Faust, seinen Knecht, der ihm bisher nur verworren diene. Mephisto wettet, er könne Faust verführen, vom rechten Weg abzuweichen. Der Herr lässt Mephisto gewähren (Nun gut, es sei dir überlassen!), sagt aber voraus, dass Mephisto verlieren werde: Und steh beschämt, wenn du bekennen musst: / Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange / ist sich des rechten Weges wohl bewusst.

Gottgefällig ist  der „Schalk“, der die Menschen mit Verneinen herausfordert, am wenigsten zuwider, geht der Herr darauf ein: „Solang‘ er auf der Erde lebt, solange sei dir‘s nicht verboten“ - nur um den Teufel letztendlich zu beschämen, denn zwar „irrt der Mensch, solang er strebt“, doch „Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“

Mephisto sagt, es werde ihm gelingen, den Doktor Heinrich Faust vom rechten Wege abzubringen. Nach einer folgenden Abmachung mit Faust selbst wäre dies alsdann gelungen, wenn Faust einen Augenblick so schön findet, dass er ihn auf Dauer festhalten möchte.

Goethes Mephisto verkörpert das Prinzip der Negation, ohne Seelenheil, Höllenfurcht etc. So lässt Goethe Mephisto von sich selbst sagen: „Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.“

Bereits im Prolog gibt sich Mephistopheles selbst als Element der Welt zu erkennen und somit auch als eine „Schöpfung“ des Herrn. Als eine solche Schöpfung ist er eingebunden in den göttlichen Plan. Dieser besteht im ewigen Wandel, der sowohl die Schöpfung als auch die Zerstörung beinhaltet. Mephisto, als das Prinzip der Negation, ist deshalb für das Funktionieren der Welt zwingend notwendig und daher auch im Himmel geschätzt. Er bezeichnet sich selbst in Goethes Tragödie als „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (siehe Studierzimmer. (1))

Anmerkung: Muhme In der Dichtung: Mephistopheles in Goethes Faust I nennt im Prolog die Schlange, die Adam und Eva versuchte: „meine Muhme, die berühmte Schlange“, und sagt einem Studenten, dem er das Bibelzitat Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum "Du wirst wie Gott sein und Gut und Böse kennen" ins Stammbuch geschrieben hat, nach: „Folg’ nur dem alten Spruch und meiner Muhme der Schlange, / Dir wird gewiß einmal bey deiner Gottähnlichkeit bange!“.

Nacht. (1)

Der promovierte Gelehrte Heinrich Faust zweifelt am Erkenntniswert der Wissenschaft, die weit davon entfernt sei zu erläutern, /was die Welt im Innersten zusammenhält/. Er zieht die Summe seiner langjährigen Studien und sieht, / dass wir nichts wissen können! / Um der realwissenschaftlichen Sackgasse zu entkommen, greift er, nach dem Vorbild des Nostradamus, zur Magie und beschwört den Erdgeist, die wirkende Kraft der Natur.

[6]Er hofft, durch ihn zur Teilhabe am Leben des göttlichen Alls zu gelangen: Der Du die weite Welt umschweifst, / geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir! wird aber von jenem Geist nur verhöhnt und schmerzvoll an seine eigene Sterblichkeit erinnert: Wo ist der Seele Ruf? / Wo ist die Brust, die eine Welt in sich erschuf? […] Wo bist Du, Faust, des Stimme mir erklang? […] Ein furchtsam weggekrümmter Wurm! So entzieht sich der Erdgeist Faust, und Wagner tritt auf.

Bild: „Geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich Dir!“ – „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Nicht mir!“ Faust und Erdgeist, Veranschaulichung von Goethes eigener Hand.

Aus Verzweiflung und einem letzten Bedürfnis nach Grenzüberschreitung beschließt Faust, sich durch Gift das Leben zu nehmen, wird jedoch durch das Glockengeläut zum Ostersonntag, das ihn weniger an die christliche Botschaft als an glückliche Kindertage erinnert, davon abgehalten, den Saft auszutrinken.

Die Entdeckung des vernunftswiderigen Unterbreitung der Sprache in Faust I erscheint somit als eine Begegnung mit der vernunftswiderigen Grundlage der Person, die die Übereinstimmung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos elemental in Frage stellt.

Vor dem Tor.

Studierzimmer 1.

Studierzimmer 2.

Auerbachs Keller in Leipzig.

Auerbachs Keller in Leipzig: Vier angetrunkene Studenten in Auerbachs Keller versuchen, sich mit zotigen Scherzen und ordinären Liedern in Laune zu bringen. Mephisto führt Faust ins Lokal, um ihm zu zeigen, wie leicht sich’s leben läßt. Als Ortsfremde erregen beide das Interesse der Zechenden. Durch ein dreistes Lied versteht Mephisto, sich schnell in deren Kreis einzuschmeicheln, und als er jedem die gewünschte Weinsorte aus dem Tisch zaubert, steigt die Stimmung. Faust hat von diesem derben Treiben bald genug, aber Mephisto bittet um Geduld: Gib nur erst acht, die Bestialität / wird sich gar herrlich offenbaren. Der Wein verwandelt sich plötzlich in Feuer und die Betrunkenen versuchen daher, Mephisto mit Messern anzugreifen. Dank seiner magischen Kräfte gelingt es diesem jedoch, die Gefahr zu bannen und mit Faust zu entfliehen. Die Studenten bleiben verstört zurück: Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben!

Auerbachs Keller In der feucht-fröhlichen Atmosphäre von Auerbachs Keller sucht Mephisto Fausts sinnliche Bedürfnisse zu befriedigen und treibt allerlei Schabernack mit den trunkenen Gesellen, um Faust zu ergötzen. Doch der ist nur angewidert.