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Gen

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Gen

GEN gleich gehen, s. d.

GEN für geben, s. d. I, 2, e. 

gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl.jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm.Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen


„GEN“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, <https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=G07863>, abgerufen am 03.02.2024.

GEN für gegen, d. h. aus diesem gekürzt im raschen sprechen (daher auch ge'n, s. 3, e), s. unter gegen I, 3, mit nebenformen gein undgan oder gon. 1
[]1) gen, d. i. gên, ist im 16. jh. noch in allgemeinem gebrauch neben gegen, auch noch im 17. jh. häufig genug, während da sonst die rückbildungzu gegen im gange ist, die wol schon im 16. jh. begann. 1@a
[]a) vor ortsnamen: beschieden sich ... gen Hemmingstet. [ Luther] 3, 34a; schickte man die jenigen, so zum kirchenamt berufen wurden, genWittenberg. tischr. 1, 19. vor ländernamen: und zoch gen Mesopotamian. 1 Mos. 24, 10. auch ein lehen fällt gen Rom u. ä.: und welche (lehen)ein mal gen Rom fallen, die komen darnach nimer wider heraus. [ Luther] 1, 295a. die eigentliche bedeutung ist die richtung, in der sich etwasbewegt als zu seinem ziele, daher auch von der himmelsgegend, gen morgen, gen abend, s. unter gegen. 1@b
[]b) aber auch noch von allerhand andern örtlichkeiten, wie gen holz, gen hofe, gen schule u. ä.: wenn nu die magd wolt gen holz faren. [ Luther]3, 169b; und kamen gen der heide. 32b; bescheidenheit und evangelium gehören nicht gen hofe, sondern man musz böse sein. tischr. 193b;notificirte solches burgermeister und rhat gen hofe. [ Micrälius] Pommern 4, 39; meinst du nicht, es sei der babst auch zeitlich zr schl gehaltenworden, als Luther, oder sein sie all Pauli, die bald gen schl kummen? [ J. Nas] quinta centuria. im 17. jh.: ein groszer herr ligt am fenster, undsihet ein hofschranzen gen hoff kommen. [ Schuppius] 833. auch gen berg, gen thal, wie zu berg, zu thal:

gen berg gät hart auf wegen schmal,
die weite (bequeme) strasz layft selbst gen thal.
[ Schwarzenberg] 152c;

die haare stehn gen berg, zu berge: ihr anblick kam mir so grausam ... vor, dasz mir alle haar gen berg stunden. Simpl. 1, 110 Kz.; dasz ... diehaar mir gen berg gestanden. [ Schuppius] 723. 1@c
[]c) im 16. jh. auch noch gen gott u. ähnl.:

dein dienst gen gott endlichen stell.
[ Schwarzenberg] 155d;

konnte solches gen den heiligsten vater nicht verantworten. [ Schweinichen] 1, 212. auch mit einer andern praep. zusammen (wie nochgegenüber), welche nebst gen die richtung der bewegung genauer bezeichnen hilft:

das evangeli hält uns für
fast streiten durch die engen thür
des rechten wegs gen himmel ein.
[ Schwarzenberg] 152c,

in der richtung zum himmel und durch die pforte hinein; vergl. gen himmel unter 3, a. 1@d
[]d) von der zeit, wie gegen, z. b. gen tag. auch zur vergleichung, z. b.:

so würt die welt ain punct genändt
gen himlischem firmament.
[ Schwarzenberg] 159b,

im vergleich mit dem firmament. 2
[]2) zur form ist noch zu bemerken 2@a
[]a) gem für gen'm, gen dem, wie noch vom, am, an denen kein mensch anstosz nimmt, und früher auch gegem (z. b. gegem hals zu [ Dürer]proportion Q 3b):   /Bd. 5, Sp. 3343/

es ging hin gen der mitternacht,
herzog Ernst der lag und betracht (überlegte) ..
wie er gem kayser zorniglich
so lebt in groszer schwere.
lied vom herz. Ernst 80, 7, [ Haupt] 8, 504,

in seinem verhältnis zum kaiser;

ein ander heirat (Maximilians) ward bestimbt
gem freulin von Britania.
[ H. Schneider] bei [ Liliencron] 2, 567b;

ein einsiedel prophezeit:

ein folk gem andern wirt uf ston,
ouch ein rych wider das ander sträben.
[ Gengenbach] 75 (820).

2@b
[]b) die länge des vocals wird auch bezeichnet mit der schreibung gehn oder ghen, auch geen, selbst gehen (s. u.  [ 1DWb]  gegen I, 3, b, β): undkam desselbigen tags gehn Berlin. [ Sam. Kiechel] reisen 6; kam des abents gehn Stettin. 92 u. o., aber auch gegen Stralsondt 91 u. o.; der sunzieht frölich ghen Mentz. [ Frank] Germ. chron. (1538) 112. s. auch gehnbohr bei H. Sachs für empor, eigentlich gên bor, wie gên berg. auchjehn (s.jegen unter gegen I, 4):

die Sterner mit groszer gewalt
in Hessen da furt zogen bald ..
und brannten bisz jehn Fritzlar hin.
hessische reimchr., [ Adrian] mitth. 178,

wie jegen Herschfeld 227, darjegen 182, entjegen 227, daneben doch gehn Rom 156, gehn Marpurg 199, gehn Hirschfeld 226, gen Göttingen157, gen Hayna 211. 2@c
[]c) alem. und bair. gan und weiter verkürzt ga, wie auch ge aus gen, schon im 14. jh., s. unter  [ 1DWb]  gegen I, 3, c. d; für gan auch gon: gonRom, gon Venedig [ Keisersberg] post. 1, 14;

das man gon Narragonien far.
[ Brant] 91, 4,

aber gen Montflascun, gen Narragun 108, 7. 8, gen in (ihnen) 108, 57, gegen got 107, 8, wie dargegen 110, 5. 3
[]3) das heutige gen für gegen. 3@a
[]a) im gebrauch erhalten ist es nur in gen himmel, nach biblischer sprache: nemet ewre feuste vol rusz aus dem ofen und Mose sprenge ingegen himel ... und Mose sprenget in gen himel. 2 Mos. 9, 8. 10; sihe gen himel. 1 Mos. 15, 5; recke deine hand auf gen himel. 2 Mos. 9, 22,wie auch gen helle: böse lere ist das gröszest übel auf erden, das die seelen mit haufen gen helle füret. [ Luther] 1, 364b; er sihet eben, als habman im ghen himmel geleut. [ Frank] spr. 2, 20b, als wäre er dem tode nahe;

er dacht' es gen himmel und senkte
dann sein haupt auf die brust.
[ Klopstock] Mess. 13, 319;
sie liegt auf ihren knieen und breitet
freudig die arme gen himmel.
14, 492;
Abbadonna erhub sich und rang die hände gen himmel.
19, 139;
er horcht gen himmel.
[ E. v. Kleist] 2, 10;

da sich der gesang dagegen wie ein genius gen himmel hebt. [ Göthe] 18, 204 (lehrj. 2, 11). 3@b
[]b) bei Adelung auch noch in der seesprache, z. b. der wind ist nord gen ost. vor ortsnamen aber, wie gen Leipzig, gen Frankfurt reisen,bezeichnet er es als der 'gemeinen sprechart' angehörig und überbleibsel des oberdeutschen (wo es in mundarten noch lebendig ist), während dasfrühere wbb. des 18. jh., auch die mitteldeutschen, z. b. Rädlein, Ludwig einfach als geläufig aufführen. 3@c
[]c) dichter haben es doch auch für andere wendungen wieder aufgenommen aus der älteren sprache:

die kinderlein ängstlich gen hause so schnell,
gesellt sich zu ihnen der fromme gesell.
[ Göthe] 1, 227 (d. getr. Eckart);
da nieder rauscht es in den flusz,
und stemmend gen der wellen grusz
es fliegt der bug, die hufe greifen.
[ Ann. v. Droste] ged. 274.

3@d
[]d) dazu auch genüber, gegenüber:

mir genüber gähnt die halle
grauen thores, hohl und lang.
[ Ann. v. Droste] 102;
dir genüber und zur seite
hier Christinos, dort Carlisten.
218;
gen über aber auf dem andern feld ..
[ Rückert] ges. ged. 1, 48.

ebenso geneinander das. 49, in älterer zeit noch kürzer genander, geinander, s. unter gegenander. 3@e
[]e) bemerkenswert die schreibung ge'n, um die zusammendrängung aus gegen anzudeuten:

nun kommt, ihr feindesschaaren alle
vereint ge'n mich.
[ Grillparzer] goldnes vliesz 281 u. o.,

  /Bd. 5, Sp. 3344/ er schreibt auch ge'n über. daneben geht aber vorherrschend eine aussprache gen mit kurzem vocal und palatalem g-, auch inmd. rede, wo das g- sonst guttural klingt, also jĕn himmel auch in Hessen, Thüringen, Sachsen, als ob es von gegen die zweite silbe wäre.

Gên, das zusammen gezogene Vorwort gegen, welches im Oberdeutschen in allen Bedeutungen dieses Vorwortes sehr häufig ist,und daselbst so wie dieses mit der dritten Endung verbunden wird. Nun mag ein iud das recht wol suchen gen einem eristen, BuchBelial 1472. Er sah das groß Swein lauffen gen im, Theuerd. Als es nun gieng gen dem morgen, ebend.



Der (deren) Trew gen mir war fast wie Stahel,

Hans Sachs.

Weil der König gen Tyro kommen war, 2 Macc. 4, 44. In andern Stellen gebraucht Luther es von der Richtung nach einem Orte mit dervierten Endung. Gen Antiochiam kommen, senden, Apost. Gesch. 15, 22, 30. Gen Mitylenen, Kap. 20, 14. Gen Nicopolin, Tit. 3, 12.
Im Hochdeutschen ist dieses zusammen gezogene Vorwort größten Theils veraltet. Man gebraucht es zwar noch zuweilen vor einigeneigenthümlichen Nahmen der Örter, gen Leipzig, gen Frankfurt reisen, für nach; allein das gehöret in die gemeine Sprechart, und ist auchhier noch ein Überbleibsel des Oberdeutschen. Wohl aber gebraucht man es noch, selbst in der edlen Schreibart, vor dem Worte Himmel,ohne Artikel. Gen Himmel fahren. Sein Herz, seine Augen gen Himmel richten. Seine Hände gen Himmel ausbreiten. Ingleichen in derSeefahrt, die Richtung des Windes zu bezeichnen. Der Wind ist Nord gen Ost.
Anm. Es findet sich diese Zusammenziehung auch in einigen andern Sprachen. Dahin gehören das Schwed. gen oder igen, das Isländ. gen,und das Angels. gean. In den Wörtern Jener, Jenseit, ist das g in ein j übergegangen.