Romantik
Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur und der Musikäußerte, aber auch die Gebiete Geschichte, Theologie und Philosophie sowie Naturwissenschaften und Medizin umfasste. Für den Bereich der Literatur wird die Romantik (ca. 1795–1835) untergliedert in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1835). In der Malerei dauert die Spätromantik bis Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Musik bis Anfang des 20. Jahrhunderts (Gustav Mahler, Richard Wagner). Als wesentliches Kennzeichen der Romantik gilt eine aus der idealischen Tradition, vor allem aus der Philosophie von Johann Gottlieb Fichte stammende Betonung der Spontaneität des Subjekts.[1]
Geschichte des Romantikbegriffs
Etymologie
Der Begriff kommt etymologisch von lingua romana („romanische Sprache“) und bezog sich auf Schriften, die in der Volkssprache der romanischen Länder verfasst waren. Diese bildeten einen Gegensatz zu den zuvor üblichen, in lingua latina (Latein) geschriebenen Texten. Aus lingua romana entwickelte sich über das Französische das Wort Roman. „Romantisch“ (ursprünglich, im 17. und 18. Jahrhundert noch „romanisch“)[2] bedeutete daher zunächst romanhaft, und so wurde der Begriff auch ursprünglich von Friedrich Schlegelverwendet, der den modernen Romantikbegriff prägte.[3] Allerdings wurde der Begriff zunächst oft von den Gegnern der Romantik benutzt, so von Goethe:
„Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische das Kranke. Und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beide sind gesund und tüchtig. Das meiste Neuere ist nicht romantisch, weil es neu, sondern weil es schwach, kränklich und krank ist, und das Alte ist nicht klassisch, weil es alt, sondern weil es stark, frisch, froh und gesund ist. Wenn wir nach solchen Qualitäten Klassisches und Romantisches unterscheiden, so werden wir bald im reinen sein.“
Selbstverständnis der Romantiker
Romantik bedeutete im Sinne von Friedrich Schlegel Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern: Die mit dem Terminus Romantiker bezeichneten, in ihrem Selbstverständnis „modernen“ Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich von klassischen Formen ab. Das erklärt aus der nachträglichen und historischen Perspektive die Vorliebe für eine fragmentarische Schreibweise in der Romantik. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutete zugleich eine stärkere Hinwendung zu phantastischen und traumhaften Inhalten, insbesondere zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters oder zur barocken Mystik. Die Romantiker betrachteten das antike Menschenbild als unvollständig, als unvollkommene Ausschöpfung des menschlichen Wesens. Das, was zu ergänzen war, umriss Schlegel mit dem Wort „Paradoxie“: Das vom normalen Denken abweichende Empfinden jenseits des rational Verstehbaren und Begreiflichen sollte hervorgehoben werden. Diese Erfassung aller Lebensbereiche war das Ziel der „Universalpoesie“. Aus dem begeisterten Versuch, die klassische Dichtung zu ergänzen, erwuchs jedoch rasch eine schroffe Gegenposition. Während die Jenaer Romantik weitgehend unpolitisch war, blieb angesichts der Ernüchterung wegen der ausbleibenden Wiederauferstehung der Reichsherrlichkeit nach dem Sieg Napoleons schließlich nur die Flucht in Volksgut und Idylle, in die Sehnsucht nach Auferstehung des staufischen Kaisertums (so vor allem die Heidelberger Romantik mit Achim von Arnim, Clemens Brentano und Joseph Görres), in die Sicherheit des religiösen Dogmas (Novalis, Eichendorff, schließlich auch Brentano) oder in Exotik und Selbstironie (Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann).[4]
Die Vertreter des an der Antike orientierten Klassizismus, allen voran Johann Heinrich Voß, fühlten sich durch die Zeitschriften der Romantiker zum Teil massiv angegriffen und polemisierten heftig gegen die neue Strömung. Sie bezeichneten das Romantische als phantastisch oder auch als krankhaft – letzteres allerdings vor allem im Hinblick auf die französische Romantik. Generell müssen „Klassik“ und „Romantik“ auch als nachträgliche Zuordnungen verstanden werden; die Vertreter der Klassik haben sich nicht als „Klassiker“ gesehen, fühlten sich aber klassischen Idealen bzw. Idealisierungen verpflichtet, genauso sahen die „Romantiker“ in der „romantischen Poesie“ ein Ziel, sich selbst aber nicht unbedingt als dessen Verwirklicher.[5] Sie streben einerseits nach dem Einfachen, Reinen, selbst Erlebten, vor allem in der Lyrik; andererseits offenbart sich in der Prosadichtung oft das chaotische Labyrinth der Seele, wobei für die Romantiker das Unbewusste gegen das rationale Bewusstsein eine besondere Bedeutung hat.
„Romantik“ im heutigen Sprachgebrauch
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen die Wörter Romantik und romantisch heute meist einen sentimentalen Zustand des Gefühlsreichtums, vielleicht auch der Sehnsucht.[6] Typisch sind Wortverbindungen wie „romantische Stunden“ oder „romantisches Weinlokal“. Für eine „romantische Affäre“ hat sich das Wort Romanze[7] eingebürgert, das ursprünglich die Literaturgattung Romanze bezeichnete.[8] Auch in diesem Wort spiegelt sich der Werdegang der romantischen Idee von der historischen Epoche bis in die heutige Welt.
