Die Entstehung der menschlichen Sprache
angelegt 09.01.2021
Psammetich: Herodot berichtet,[5] dass Psammetich die Ursprache des Menschen herausfinden wollte. Aus diesem Anlass ließ er zwei Kinder isoliert von einem Schäfer aufziehen, der mit ihnen nicht sprechen durfte. Nach zwei Jahren sagten sie bekos, was auf Phrygisch „Brot“ bedeutet haben soll. Daher wurde angenommen, Phrygisch sei die älteste Sprache. Das Experiment wurde im 13. Jahrhundert von dem italienischen Chronisten und Franziskaner-Mönch Salimbene von Parma verwendet, um Kaiser Friedrich II. zu verunglimpfen.[6]
Salimbene von Parma (eigentlich Ognibene de Adam[o], teilweise auch geführt als Salimbene de Adam: Zahlreiche Anekdoten über Friedrich II. beschreiben angebliche Versuche des Kaisers. So soll Friedrich neugeborene Kinder isoliert haben, um die Ursprache der Menschheit zu ergründen. Die Chronik von Salimbene von Parma zum Jahr 1285 berichtet, er habe herausfinden wollen, ob Kinder überhaupt sprechen lernten, wenn ihnen niemand etwas vorspreche, von dem sie lernen könnten, und wenn ja, und welche Sprache sie sich dann aneigneten. Friedrichs Vermutung sei in Richtung des Hebräischen als ältester Sprache gegangen, aber auch Griechisch, Latein oder Arabisch habe er für möglich gehalten. Um das herauszufinden, habe der Kaiser Neugeborene in einen Turm bringen lassen. Dort hätten die Ammen und Pflegerinnen ihnen Milch geben, sie stillen, baden und trockenlegen dürfen, aber auf keinen Fall sie liebkosen oder mit ihnen sprechen. Keines der Kinder soll überlebt haben.[3][4]
Avram Noam Chomsky tritt gegen die behavioristische Theorie des Spracherwerbs auf (siehe das Poverty-of-the-Stimulus-Argument), in der davon ausgegangen wird, dass die Aneignung von Sprache ausschließlich über einen Lernprozess erfolgt. Im Gegensatz dazu wird in seiner Theorie ausgeführt, dass eine Sprache mittels der Entfaltung angeborener Fähigkeiten erlernt wird. Diesen angeborenen Spracherwerbsmechanismus nennt er Language Acquisition Device (LAD). Zum Nachweis führte Chomsky den Begriff einer Universalgrammatik ein, der auf der Annahme beruht, dass allen Sprachen eine universelle Grammatik gemein sei, über die jeder Mensch verfüge, da sie angeboren sei. Damit weist sich Chomsky als Vertreter des philosophischen Mentalismus aus, dessen Tradition auf René Descartes zurückgeht. Zugleich wurde er so Wegbereiter der Biolinguistik.
Steven Pinker prägte den Begriff der „Euphemismus-Tretmühle“.[20]
Pinkers Forschungsinteressen sind alle Aspekte von Sprache und Geist. Er erforschte die mentale Vorstellung und die Sprache. Pinkers Arbeit zur mentalen Vorstellung, begonnen in Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater Stephen Kosslyn, zeigte, dass geistige Bilder Szenen und Objekte repräsentieren, wie sie aus einem bestimmten Blickwinkel (eher als die Erfassung ihrer intrinsischen dreidimensionalen Struktur) erscheinen. Damit entsprechen sie der Theorie der „zwei-und-ein-halb-dimensionale Skizzen“ des Neurowissenschaftlers David Marr.[21]
Er zeigte auch, im Gegensatz zu Marrs Theorie, dass die bildliche Erkennung gesichtspunktunabhängige Repräsentationen einsetzt, dass diese Ebene der Darstellung im Rahmen der visuellen Aufmerksamkeit genutzt wird, außerdem zur Objekterkennung (zumindest für asymmetrische Formen).
Er schrieb ein Buch über den Spracherwerb von Kindern und ein weiteres über den Gebrauch von Verben. Er beschäftigte sich zwei Jahrzehnte lang mit dem Unterschied zwischen intransitiven und transitiven Verben. Zudem untersuchte er die Sprachentwicklung bei Zwillingen und Sprachprozesse mittels sogenannten Neuroimagings. Bekannt wurde er durch seine umstrittene Theorie vom angeborenen Sprachinstinkt. Später beschäftigte Pinker sich mit Erinnerung und Anspielungen.
Neandertaler: Im israelischen Karmelgebirge wurde im Jahre 1983 in der Kebara-Höhle das bisher einzige Zungenbein eines Neandertalers entdeckt. Es entspricht dem der modernen Menschen und gilt als wichtigstes Indiz dafür, dass die Neandertaler die anatomische Voraussetzung für die Fähigkeit zum Sprechen besaßen.[126]Durch paläogenetische Untersuchungen wurde im Oktober 2007 ferner festgestellt, dass die Neandertaler über das gleiche FOXP2-Gen wie der moderne Mensch verfügten. Das für die Entwicklung der Sprache als wichtig gedeutete FOXP2-Gen wurde durch DNA-Sequenzierung aus Knochen eines Neandertalers, die in einer spanischen Höhle gefunden wurden, isoliert und analysiert.[127][128] Auch wenn es noch weiterer Indizien bedarf, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der Neandertaler nicht sprechen konnte.[129]Katarina Harvati und Maria Kirady spekulieren, dass es wohl keine „Gemeinsprache“ gab, die von allen Neandertalern verstanden wurde, und dass wahrscheinlich die Idiome anders strukturiert waren als beim Homo sapiens.[130][131]