Zum Inhalt springen

Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung

aus AufEinWort, der freien Forschung
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 10. Mai 2024 um 16:21 Uhr durch Nikolaos (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „Q: [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber#Vergemeinschaftung_und_Vergesellschaftung Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung] Die Kategorien ''Vergemeinschaftung'' und ''Vergesellschaftung'' sind, bei aller Differenz, von Ferdinand Tönnies’ erstmals 1897 erschienener Publikation ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft_und_Gesellschaft Gemeinschaft und Gesellschaft]'' beeinflusst,<ref>Karl-Siegbert Rehberg: ''Handeln und Handlung''…“).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Q: Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung

Die Kategorien Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung sind, bei aller Differenz, von Ferdinand Tönnies’ erstmals 1897 erschienener Publikation Gemeinschaft und Gesellschaft beeinflusst,[1] worauf Weber in Wirtschaft und Gesellschaft selbst hinweist.[2] An anderer Stelle spricht er von „Tönnies' dauernd wichtigem Werk“.[3]

Während Tönnies die Begriffe für eine realgeschichtliche Stufenfolge von der mittelalterlichen „organischen Gemeinschaft“ zur modernen „mechanischen Gesellschaft“ verwendet,[4] bezieht Weber die Kategorien hauptsächlich auf das soziale Handeln; so spricht er von „Gemeinschaftshandeln“ bzw. „Vergemeinschaftung“ und von „Gesellschaftshandeln“ bzw. „Vergesellschaftung“, doch ohne diese immer trennscharf auseinanderzuhalten. Deutlich zeigen dies seine Abhandlungen über Gemeinschaften, etwa wenn er formuliert: In der Marktgemeinschaft trete uns „als der Typus alles rationalen Gesellschaftshandelns die Vergesellschaftung durch Tausch auf dem Markt gegenüber“.[5] Weber versteht Gemeinschaft als Synonym für gesellschaftliche Einheiten von Menschen unter jeweils unterschiedlichen Aspekten und differenziert zwischen verschiedenen „Gemeinschaftsarten nach Struktur, Inhalt und Mitteln des Gemeinschaftshandelns“:[6] Hausgemeinschaften (Oikos), ethnischen Gemeinschaften, Marktgemeinschaften, politischen Gemeinschaften und religiösen Gemeinschaften. Intensiv erforscht hat er insbesondere die letzteren. Auf das „Fehlen eines Gesellschaftsbegriffs – im Singular wie im Plural“, hat Hartmann Tyrell hingewiesen; das soziale Ganze sei in der Weberschen Soziologie kein Thema.[7]

  1. ↑ Karl-Siegbert Rehberg: Handeln und Handlung. In: Hans-Peter Müller, Steffen Sigmund (Hrsg.): Max Weber-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. Metzler/Springer, Berlin 2020, S. 80.
  2. ↑ Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Erster Teil, Erstes Kapitel: Soziologische Grundbegriffe, § 9. Verschiedene Ausgaben.
  3. ↑ Max Weber: Über einige Kategorien der verstehenden Soziologie. In: Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. 3. Auflage Herausgegeben von Johannes Winckelmann. Mohr (Siebeck), Tübingen 1968, S. 427–474, Hier S. 427 Fn. 1.
  4. ↑ Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1963, S. 3 ff.
  5. ↑ Max Weber: Gemeinschaften. Max Weber-Gesamtausgabe, Band I/22-1. Herausgegeben von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Michael Meyer. Mohr (Siebeck), Tübingen 2001, hier Studienausgabe 2009, S. 54.
  6. ↑ Max Weber: Gemeinschaften. Max Weber-Gesamtausgabe, Band I/22-1. Herausgegeben von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Michael Meyer. Mohr (Siebeck), Tübingen 2001, hier Studienausgabe 2009, S. 16.
  7. ↑ Hartmann Tyrell: Max Webers Soziologie – eine Soziologie ohne „Gesellschaft“. In: Gerhard Wagner, Heinz Zipprian (Hrsg.): Max Webers Wissenschaftslehre. Interpretation und Kritik. Frankfurt am Main 1994, S. 390–414, hier S. 390 ff.