Sozialismus
Sozialismus m. ‘erste Entwicklungsstufe der sozialökonomischen Gesellschaftsformation des Kommunismus’ sowie ‘Lehre vom Aufbau und der Entwicklung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft’, latinisierte Übernahme (1839) von frz.socialisme. Die Substantivbildung steht zunächst für jede Lehre, die das gesellschaftliche Zusammenleben durch Beseitigung extremer Gegensätze neu ordnen will. Die frz. Bezeichnung ist zuerst 1831 in philosophisch-theologischem Zusammenhang belegt, gewinnt danach (1840) unter engl. Einfluß an Verbreitung, vgl. engl. socialism (1837), geprägt anstelle der alten Bezeichnung Owenism. Der Ausdruck wird sowohl für die Theorie und das System Owens als auch für alle sozialen Systeme und Bestrebungen (einschließlich der historischen), die diesem nahe stehen, also auch für die Vorstellungen Fouriers und Saint-Simons verwendet, dann umfassend für alle Lehren, die eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse anstreben. 1842 wird Sozialismus im Sinne von ‘Sozial- oder Gesellschaftswissenschaft’ gebraucht, muß aber dem neuen Terminus Soziologie (s. d.) weichen. 1843 wird Sozialismus von Engels, 1845 von Marx und Engels im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen über die Zeitströmungen aufgenommen. Um eine Abgrenzung von utopischen Theorien vorzunehmen, prägt Grün 1845 den Ausdruck wissenschaftlicher Sozialismus, der später durch Engels („Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“) eine theoretische Begründung erhält. Der heutige Bedeutungsinhalt (s. oben) bildetsich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung der Arbeiterbewegung heraus.