GDSG/Thraker und Geten
Den Griechen nordwärts über den Hämus nach der Donau und zum schwarzen meer dehnte sich Thrakien, sie pflegten aus nordwesten her wehenden wind gaozias zu nennen[1], mit ihrem frühsten alterthum war thrakisches eng verwachsen: es ist schwer zu sagen, ob die Griechen bei ihrer ankunft schon thrakische stämme vorfanden, oder diese, wie mir wahrscheinlicher wird, ihnen unmittelbar nachrückten. Bereits Homer gedenkt der Thraker und Herodot 5, 3 sagt sogar: Θρηίκων δὲ ἔθνος μέγιστόν ἐστι μετά γε Ἰνδοὺς πάντων avoúлov[2], es musz sich also vormals viel tiefer nach osten erstreckt[3], im lauf der zeit zusammengezogen haben. den Griechen mag lebensart und sprache der Thraker, schon ihrer nachbarschaft wegen, und weil einzelne derselben als knechte oder fremdlinge in Griechenland auftraten, bekannt gewesen sein. weiter ab lagen ihnen die Römer, Plinius 4, 11 die einzelnen thrakischen völker herzählend, beginnt: Thracia sequitur inter validissimas Europae gentes, in strategias qirquaginta divisa.[4] Als sich römische herschaft in Illyrien, Makedonien und Thrakien gefestigt hatte, konnte es auch den Römern nicht an gelegenheit fehlen, über die thrakischen verhältnisse eigne kunde einzuziehen. wie hätte, seit den dakischen kriegen, diese sich nicht noch erweitern sollen?
Die Griechen, bevor sie den Römern unterwürfig wurden, wusten fast noch nichts von den Deutschen und diese verschmolzen ihnen unter dem namen der Galater mit den Kelten. Römern dagegen, welche Gallier von Germanen zu scheiden gelernt hatten, konnte auch ein abstand germanischer von thrakischer sprache kaum verborgen bleiben. sie hatten krieger und gefangne von allen solchen völkern in Rom vor augen.
Hinten an die östlichen Germanen, wie sie zur Römerzeit des ersten jahrhunderts nach Chr. bestanden, da wo die Donau als Ister den letzten theil ihres laufs zurücklegt, in dem heutigen Siebenbürgen, der Moldau und Walachei, stieszen Daken und Geten. beide dürfen für nahverwandte stämme fast eines einzigen volks gelten, das vorzugsweise Griechen das getische hiesz, Römern das dakische. Tacitus mag sich die Daken etwa als nachbarn der Quaden denken, Strabo stellt Geten dicht an Sueven. gleich zu eingang seines werks drückt sich jener so aus: Germania omnis a Sarmatis Dacisque mutuo metu aut montibus separatur[5]; auch hist. 4, 54 verknüpft er Sarmatis Dacisque, und Agric. 41 stehn Moesia Daciaque et Germania et Pannonia nebeneinander, der ältere Strabo aber sagt 290 von Sueven und Semnonen redend: πλὴν τά γε τῶν Σοήβων ἔθνη, τὰ μὲν ἐντὸς ᾤκει, τὰ δὲ ἐκτὸς τοῦ δρυμοῦ, ὅμορα τοῖς Γέταις μέγιστον μὲν τὸ τῶν Σοήβων ἔθνος[6], und nochmals 294: τὸ δὲ νότιον μέρος της Γερ μανίας, τὸ πέραν τοῦ Ἄλβιος, τὸ μὲν συνεχὲς ἀκμὴν ὑπὸ των Σοήβων κατέχεται. εἶτ ̓ εὐθὺς ἡ τῶν Γετῶν συνάπτει γῆ, κατ' ἀρχὰς μὲν στενὴ, παρατεταμένη τῷ Ἴστρῳ κατὰ τὸ νότιον μέρος. κατὰ δὲ τοὐναντίον, τῇ παρορίᾳ τοῦ Ερκυνίου δρυμού, μέρος τι καὶ αὐτὴ τῶν ὁρῶν κατέχουσα, εἶτα πλατύνεται πρὸς τὰς ἄρκτους μέχρι Τυριγετῶν· τοὺς δὲ ἀκριβεῖς ὅρους οὐκ ἔχομεν φράζειν[7]. genaue nordgrenze kannte er nicht. zwischen Geten und Daken gibt er s. 304 folgende scheide: Γέτας μὲν τοὺς πρὸς τὸν Πόντον κεκλιμένους καὶ πρὸς τὴν ἕω. Δάκους δὲ τοὺς εἰς τἀναντία πρὸς Γερμανίαν καὶ τὰς τοῦ Ἴστρου πηγάς und s. 313 heiszt es: ταῦτα δ ̓ ἐστὶ τὰ συνεχὴ τῇ Ἰταλίᾳ τε καὶ ταῖς Αλπεσι, καὶ Γερμανοῖς, καὶ Δάκοις, καὶ Γέταις.[8]
Beide schriftsteller halten also diese völker zwar für nachbarn der Germanen, nicht selbst für Germanen. noch entscheidender scheint, dasz ihnen Strabo ausdrücklich thrakischen ursprung, thrakische sprache beimiszt, nicht allein sagt er s. 305 ὁμόγλωττοι[9] δ ̓ εἰσὶν οἱ Δάκοι τοῖς Γέταις[10], woran niemand zweifeln wird, sondern ein blatt vorher s. 304 hiesz es: ἔτι γὰρ ἐφ' ἡμῶν γοῦν Αίλιος Κάτος μετώκισεν ἐκ τῆς περαίας τοῦ Ἴστρου πέντε μυριάδας σωμάτων παρὰ τῶν Γετῶν, ὁμογλώττου τοῖς Θραξὶν ἔθνους, εἰς τὴν Θρᾴκην· καὶ νῦν οἰκοῦσιν αὐτόθι, Μοισοί καλούμενοι.[11] in dieser stelle, wenn man ihre absicht erwägt, liegt ihm daran zu widerlegen, dasz in Thrakien keine Myser seien: Aelius Catus (unter August) habe über die Donau 50000 Geten nach Thrakien geführt, die nun daselbst wohnen und Myser heiszen; über die Donau waren sie nach Moesien gewandert, wo die späteren Moesogothen hausten. da dies lauter altgetische landstriche sind, so versteht sich von selbst, dasz kein sprachunterschied stattfand und diese übergeführten einwohner in Moesien ihre angeborne sprache behielten, die Strabo der thrakischen für gleich achtet. wir wissen leider nicht, welche ansicht Dio Chrysostomus hatte, der die Geten aus eigner anschauung kannte. kein römischer schriftsteller des ersten oder zweiten jh. hat in den Geten etwas anders als einen thrakischen volkstamm gesehn.
Es scheint darum vermessen, dasz ich in ihnen deutsche Gothen ahne und dasz in dämmernder nacht unseres Alterthums mir die Geten als ein weiszer stein entgegen schimmern.
Ich will mit dem anheben, was sich zuerst aufdrängt, mit dem getischen namen. nach dem verhalten der laute zwischen griechischer lateinischer und deutscher sprache stimmt Téra Getae zu unserm Guþai oder Gupans, welche germanische namensform die Gothi und Gothones römischer schriftsteller von Tacitus an folgern lassen. in das römische ohr über den Rhein drang nemlich der name des östlichsten germanischen volks nur lautverschoben und mit dem tiefen statt des hellen vocals; diese bedeutende verschiedenheit der klänge darf in anschlag gebracht werden, um zu begreifen, dasz die Römer nicht darauf verfielen, solche Gothen an die ihnen von andrer seite her bekannten Geten zu halten. ich musz hier einen einwand, der sich gegen die richtigkeit des namens Gothi oder Gupai erheben könnte, noch bei seite lassen und werde im verfolg darauf zurückkehren. angenommen dasz Tacitus, wie er sonst pflegt, die deutschen laute treu wiedergiebt und dasz bei ihm Gothones (nicht Gotones) gelesen werden musz, was durch die später allgemein übliche schreibung Gothi und bei Griechen Toto bestätigt wird; so erscheint dies TH wie im goth. mih viþra rabjo apn anpar tunpus gulb brobar: μετά iterum ratio ἔτος ἕτερος dens zlato frater. gleich gern, obschon nicht nothwendig zeigt die deutsche sprache U oder O statt des E oder I der gr. und lat., z. b. in þuk þus us fruma un- kuni muns tunbus hund tuggô faur vaurms: te tibi ex primus, in- yévog genus mens dens centum dingua πɑqά vermis.
Zwar, scheint es, sollte man auch im anlaut verschobnes Kupai erwarten wie Krêks für Graecus (ahd. Chriah) gesagt wurde. volksnamen pflegen sich aber oft der lautverschiebung des übrigen wortvorrats zu entziehen, aus demselben grund, der den eigennamen insgemein auch sonst alterthümliche laute und formen sichert. Ulfilas läszt z. b. die fremden Galatia, Galeilaia unverschoben und erst der volksmäszige gebrauch erlaubt sich davon abzuweichen: diese bemerkung wird für das aufsuchen der wurzel unseres volksnamens wichtig; fallen Geta und Guþa zusammen, so darf auch zu letztem das lat. getes in indigetes, das gr. γετος in τηλύγετος - τηλέγονος gehalten werden und Guba scheint weder mit gub deus gemeinschaft zu haben, noch mit gôds bonus, deren beider G verschoben ist, d. h. dem gr. 180 X, lat. H entspricht.
Aus derselben ursache würde Δázos und Dacus, begegneten wir ihm noch in goth. denkmälern, Dags geschrieben sein, weil auch in diesem namen die uralte anlautende media ihr volles recht behält; der inlaut G hingegen steht zur gr. tenuis nach dem gesetz der verschiebung, wie in Geta Guba die inlaute T und TH fortgeschoben sind.
Dieser grammatische einklang beider namen Geta und Dacus weckt das günstigste vorurtheil. es war höchst natürlich, dasz die dem deutschen organ angemessene gestalt des namens der Gothen theils in den meldungen der Römer auftauchte, theils im verlauf der zeit, beim steigenden wachsthum der deutschen macht, sich überall geltend machte und die ältere form Geta zuletzt verdrängte.
Grösseres gewicht wird meiner ansicht die geographische und historische betrachtung verleihen.
Die Gothen als sie später in der geschichte erscheinen werden fast ganz an derselben stelle getroffen, wo zuletzt die Geten saszen, in der Donaugegend und den nördlichen noch herkynischen waldgebirgen, die ihnen schon Strabo anweist. Zwar Tacitus nennt im nordosten Deutschlands hinter den Lygiern auch Gothones und legt ihnen königthum, nicht die freie verfassung der übrigen Germanen bei: trans Lygios Gothones regnantur, paulo jam adductius quam ceterae Germanorum gentes, nondum tamen supra libertatem.[12] wie bei den alten Geten wurzeln auch bei den jüngern Gothen könige; es verschlägt nichts, dasz sie, z. b. zur zeit des Ulfilas Athanarich und Fridigern, judices heiszen. im jahr 19 nach Chr. tritt Catualda, einer ihrer edlen jünglinge in marcomannische händel verflochten auf. Bei diesen Gothonen musz dem Tacitus wirklich kein zusammenhang mit den Geten eingefallen sein, weil es zu nahe gelegen hätte, darüber etwas anzumerken; aber ihm vorzugsweise war der begrif und name Germaniens von Gallien her ausgegangen und das wenige, was er über die abgelegnen Gothonen in erfahrung brachte, ihm aus dem bericht rheinischer Germanen zugeflossen, während die eigentlichen Geten von der Donauseite in Rom bekannt sein musten. man könnte auch einräumen, dasz diese Gothonen ein gen westen vorgerückter zweig der damaligen Geten waren, so wie früher die von Pytheas wahrgenommenen Guttonen am gestade der Ostsee vorsprung gewonnen hatten: den kern der Geten gieng das noch nichts an. Nicht anders halte ich die dem Tacitus sogar gallisch erscheinenden Gothinen wiederum für getische vordringlinge, wie die [acad. abh. s. 22, Lobeck pathol. 194] aufgewiesne nebenform Terηvoí bei Arrian allein auszer zweifel setzt; das keltische element mag hier bloszer irthum sein. Die deutschheit der von suevischen, quadischen, bastarnischen nachbarn umgebnen Geten wird aber noch mehr bestärkt durch Strabons versicherung s. 305, dasz das getische reich von der Römer macht bedrängt durch germanische bundesgenossen unterstützung empfieng. schon bevor sie eines gesamtnamens theilhaft waren wohnte deutschen stämmen dies gefühl ihrer gemeinschaft bei, und an fremde wäre die hilfe nicht verschwendet worden. sollten umgekehrt nicht auch in des Maroboduus herschaft und kriege gothische d. i. getische bundesgenossen geflochten gewesen sein? dem Domitian weigerten sich die Quaden und Markomannen des mitzugs gegen die Daken (Dio Cass. 67, 7.) Wie, das kriegerische, an der Donau her einziehende volk der Deutschen hätte den auslauf des mächtigen stroms ins meer fremden händen überlassen?
Trajans sieg über die Daken fällt ins j. 105 unsrer zeitrechnung, Eutropius 8, 6 sagt: Trajanus victa Dacia ex toto orbe romano infinitas eo copias hominum transtulerat ad agros et urbes colendas. Dacia enim diuturno bello Decebali viris fuit exhausta[13]; die getische bevölkerung mochte geschwächt sein, ausgerottet war sie nicht und über das eigentliche Dacien hinaus noch weniger vertilgt. aber durch diese römischen colonen mag sich damals die lateinische sprache festgesetzt haben und grundlage des dort bis auf heute fortlebenden walachischen idioms geworden sein[14]. im nordosten und nordwesten Getenlands muste sich daneben deutsche zunge in kraft erhalten. Jul. Capitolinus in Pio cap. 5 läszt zur zeit des Antoninus Pius, im dritten oder vierten zehnt des zweiten jh. Germanen und Daken sich empören: Germanos et Dacos et multas gentes atque Judaeos rebellantes contudit per praesides ac legatos[15]. von da an bis zum j. 166. 167, wo Astinge, d. h. unbestreitbare Gothen an der dakischen grenze einrücken, ist nicht einmal ein sprung, und unbefangnem blick der Geten fortdauer in den Gothen fast erwiesen. Wie im raum lassen sich auch in der zeit Geten und Gothen nicht von einander reiszen: weder schwinden jene an der stelle und in der zeit, wo diese auftreten, noch treten diese als neulinge auf da wo und seitdem jene schwinden. es wäre der unbegreiflichste zufall, dasz zwei gleichnamige völker sich unmittelbar in derselben gegend folgen sollten, ohne etwas mit einander gemein zu haben. das aufhören der Geten schiene kein geringeres räthsel[16] als das anheben der Gothen.
Weiter anzuschlagen für ihre identität bleibt der spätere sprachgebrauch und die ausdrückliche ansicht der dichter und schriftsteller, welche beide völker in namen und ursprung gleichsetzt. Schlug man dem Caracalla den beinamen Geticus vor, so konnte ein halb jh. nachher dem Marcus Aurelius Claudius schon besser gefallen Gothicus zu heiszen (auf münzen bei Eckhel 7, 472) und nun gar Justinian zu seinen tagen durfte blosz letzteren namen wählen. es heiszt dem 4. 5. 6. jh. und den anfängen der einheimischen geschichte allen tact absprechen, wenn man sie hierin immerfort des irthums zeiht. In Julians ἐγκώμιον εἰς τὸν αὐτοκράτορα Κωνστάντιον[17] (orat. 1 ed. Spanh. p. 9.) liest man: ὁ δὲ τὴν πρὸς τοὺς Γέτας ἡμῖν εἰρήνην яaqεozεvασεv ἀσφαλής[18], der officielle lobredner nennt Geten, die, wenn unsre gewöhnliche meinung recht hat, gar keine mehr waren. Claudian, der doch die einfälle wirklicher Gothen darstellt, verleiht ihnen beständig noch den namen Geten, während in prosa und seit die macht der deutschen aufsteigt, die deutsche namensform üblicher wird, aber ganz dasselbe bezeichnet. Gar an der stätte selbst, wo sie lebten, musz sich doch eine kunde von dem zusammenhang der älteren und jüngeren stämme fortgepflanzt haben, den kein zwischenraum einiger jahrhunderte so schnell tilgt. ich getraue mir zu wetten, dasz unser unsterblicher Ulfilas, dem die hälfte seines thätigen lebens auf thrakischem, altgetischem boden, am fusze des Hämus verstrich, bei seinem verkehr mit Griechen und Römern, oft die volksnamen Geten und Gothen gleichbedeutig im munde geführt haben wird. Von Ulfilas, den er Urfilas nennt, sagt Philostorgius in seiner um den beginn des 5. jh. geschriebnen kirchengeschichte: ὅτι Οὐρφίλαν φησὶ κατὰ τούτους τοὺς χρόνους ἐκ τῶν πέραν Ἴστρου Σκυθῶν, οὓς οἱ μὲν πάλαι Γέτας, οἱ δὲ νῦν Γότθους καλοῦσι, πολὺν εἰς Ῥωμαίων διαβιβάσαι λαὸν, δι ̓ εὐσέβειαν ἐκ τῶν οἰκείων ἠθῶν ἐλαθέντας, und bald darauf: ὁ τοίνυν Οὐρφίλας οὗτος . . . ἐπίσκοπος χειροτονεῖται τῶν ἐν τῇ Γετικῇ χριστιανιζόντων[19][20]. Socrates scholasticus und Sozomenus, die nicht lange nachher die kirchengeschichte behandeln und wieder auf Ulfilas zu sprechen kommen, nennen sein volk nur Tótol, wie auch Auxentius im lateinischen bericht von Ulfilas 'gens Gothorum' sagt. aber Orosius, Hieronymus, Augustinus verwenden die getische benennung statt der gothischen, die gothischen geschichtschreiber selbst, Cassiodor, Jornandes und Procop haben nicht vergessen, dasz beiden ausdrücken gleicher sinn beiwohnt[21], und blicken mit stolz von den Gothen weiter rückwärts auf die Geten. Ennodius († 521 zu Pavia) im panegyricus dictus regi Theoderico wechselt ab mit geticum robur und Gothorum nobilissimus. Umgekehrt nimmt noch spä184 ter könig Älfrêd, nach des Orosius vorgang, keinen anstand Gotan zu nennen die unbezweifelt alte Geten waren: in þære tide pe Gotan of Scidda mägde vid Romanarice gevin upâhôfon; be eástan þæm sind Datia þâ þe iu væron Gotan. Hätten sich des Dio Chrysostomus Getica erhalten, sie würden uns zusammenhänge der Geten und Gothen vielleicht so beweisen, dasz alle zweifel verstummten; aus ihm schöpfte wol Iornandes cap. 10 die Worte: Philippus quoque pater Alexandri magni cum Gothis amicitias copulans Medopam Gothilae (al. Medorum Gudilae) filiam regis accepit uxorem, ut tali affinitate roboratus Macedonum regna firmaret.[22] an den namen Medopa (Mɛnŋ?) wage ich mich ungern; der könig Gupila klingt überaus gothisch. [Κιθήλας ὁ τῶν Θρακῶν βασιλεὺς ἄγων Μήδαν[23] Athenaeus 13 p. 557, wo auch die lesart Konλas. Gudila Thrax, Procop. 3, 30. Sadala des Cotys sohn Caes. b. civ. 3, 4.] hatte des Iornandes quelle Tétηha, was er verdeutscht? [vgl. Kotys s. 210.]
Ich bin fern davon dieser ansicht der späteren jahrhunderte entscheidenden werth beizumessen, aber auch bereit sie mitgelten zu lassen, wo andere gründe reden; ebensowenig darf man sich allem unterwerfen, was die classiker über die lage und verwandtschaft der völker des alterthums ausgesprochen haben. wie manches, was ihnen klar war, ist uns dunkel geworden und wie manches uns klare ihnen dunkel geblieben. es sei nur an das ausgedehnte volk der Movio oder Lygier, das Strabo und Tacitus den Germanen beizählen, erinnert, aus welchem heutige forscher Slaven machen wollen, oder an die das Rheinufer bewohnenden Nemetes, worin man Kelten erblickt. niemand wird aus Strabo folgern, dasz Skythien bis zum Rhein reiche, demnach Germanien mitbegreife, wenn er einmal sagt ή μεταξὺ τοῦ Ῥήνου καὶ τοῦ Τανάϊδος ποταμοῦ[24] (s. 312); also brauchen auch seine Γέται ὁμόγλωττοι τοῖς Θραξί[25] nicht nach aller strenge aufgefaszt[26], noch des Philostorgius getische Skythen belächelt zu werden.
Nahe verwandtschaft der Thraker und Geten scheint unleugbar, dennoch bricht merkliche verschiedenheit hervor zwischen beiden. schon bei Herodot, der zu eingang des fünften buchs von den Thrakern sprechen will, und bereits 4, 92 ff. auf die Geten gekommen war, welche ihm Θρηίκων ἀνδρειότατοι καὶ δικαιότατοι[27] erscheinen, und wahrend er 5, 3 allen Thrakern einstimmige bräuche zuschreibt, bilden. ihm gleich die Γέται οἱ ἀθανατίζοντες[28] und einige ihrer nachbar ausnahme von dem groszen haufen der übrigen Thraker. Strabo geht von den Germanen und Kimbern unmittelbar auf die Geten über und behandelt sie im dritten cap. seines siebenten buchs so unverhältnismäszig ausführlich, dasz ihm von den andern Thrakern wenig zu sagen übrig bleibt. sie ragten also auch in seinen quellen eigenthümlich vor, und nicht anders Mela 2, 2, nachdem er angehoben hat: una gens Thraces habitant, aliis aliisque praediti et nominibus et moribus; quidam feri sunt et ad mortem paratissimi, Getae utique,[29] steht gleich bei den Geten. Unter allen Thrakern sind aber die Geten die nördlichsten, d. h. sie reichen unmittelbar an die Germanen, bilden also fast ein gesondertes volk[30], von dem später, wie wir sahen, wieder einzelne haufen über die Donau zurückgeführt wurden. Gesetzt nun, die Thraker nehmen in der ganzen weltordnung den raum zwischen Germanen und Griechen ein und vermitteln beide; so begriffe sich, dasz wiederum zwischen Germanen und Thrakern die Geten in der mitte halten. weicht doch selbst die gothische sprache von den übrigen deutschen vielfach ab; die verschiedenheit getischer und germanischer zungen könnte ein römisches ohr so getroffen haben, dasz ihm darüber ihre gemeinschaft entgangen wäre? aller wahrscheinlichkeit nach drangen die meisten deutschen stämme am südlichen gestade des Pontus durch Kleinasien in Europa vor, ein theil von ihnen konnte in Thrakien haften. wenn es vielen anschein hat, dasz die falkenjagd über Thrakien sich weiter nach Europa verbreitete (s. 47), brachten sie die Thraker alsbald mit in die neue heimat? oder schon vor ihnen Germanen? oder kam sie beiden nach?
Frühste kunde von den Geten empfangen wir durch Herodot, der uns ihren sitz noch auf der rechten seite der Donau im eigentlichen Thrakien bezeichnet. Darius durchzog es auf einer heerfahrt gegen die Skythen im j. 513 vor Chr.; nachdem er vom Bosporus aus über den Tearus und Artiscus vorgedrungen war, Skyrmiaden und Nipsaeer am salmidessischen meerbusen unterhalb Apollonia und Mesembria ohne widerstand sich ergeben hatten, stiesz er auf jene mannhaftesten und gerechtesten, sich für unsterblich haltenden Geten: beiwörter von gewicht im munde stolzer Griechen, denen sonst alle Thraker für barbaren galten. Fast hundert jahre nachher (429 vor Chr.) weist den Geten dieselbe wohnstätte zwischen Haemus und Ister Thucydides 2, 96 an. im verfolg der zeit finden wir sie nördlicher und mächtiger. Alexanders thrakischer krieg fällt ins j. 335, er überzog Triballer und dann Geten, welche schon jenseit des stroms unfern der insel Peuke ihre stadt hatten. Strabo s. 301. Damals mag sich ein theil von ihnen noch mehr nordwärts geworfen haben, wiewol sie das linke Donauufer behaupteten; eine steppe oder ein waldgebirge zwischen Ister und Tyras hiesz seitdem Tr TETOV Qnuía. Strabo s. 305. [deserta Getarum georg. 3, 462.] aber ihr reich wuchs empor und im j. 292 vor Chr. wurde der makedonische Lysimachus von ihrem könige Dromichaetes aufs haupt geschlagen (Strabo s. 302. 305, Pausan. I. 9. 5), seitdem müssen sie lange zeit zwischen Donau und Tyras gewalt und einflusz behauptet haben. Ungefähr funfzig jahre vor Chr. wurden alle städte am linken ufer des Pontus von Olbia bis nach Apollonia hin genommen und durch sie verheert (Dio Chrysost. 1, 75); es mag unter ihrem könige Boroistes geschehn sein, welchen Strabo s. 303 in des Augustus frühere jahre, Iornandes unter Sylla setzt. im beginn unserer zeitrechnung zu Ovids tagen streiften sie in denselben landstrichen. Dio Chrysostomus aber reiste noch zu des Tacitus zeit durch Skythien in das Getenland, um ihre sitten und bräuche zu erkunden, während die ihnen verbrüderten Daken mehr nach westen ihr reich unter Decebalus fortsetzten. Dies allmäliche vorrücken und lange verweilen während fünfhundert jahren verbürgt uns den gehalt und wachsthum eines lebensvollen volks.
Jene adavari ovras und ihren gott Zalmoxis oder Gebeleizis schildert uns Herodot schön und ausführlich; in Griechenland mochten darüber abweichende meldungen umgehn, dasz Zalmoxis nicht für den bloszen lehrling des Pythagoras gelten dürfe, vielmehr daemon und gott sei, durchschaute schon der geschichtschreiber, unbefangne werden die auffallende ähnlichkeit germanischer lehre und sitte nicht verkennen. an seines lebens ende, nachdem er drei jahre lang in einem unterirdischen haus verblieben war und von den Geten todtgeglaubt wurde, erschien Zalmoxis nochmals unter ihnen. das gemahnt an Freys hügel, worin der göttliche herscher nach seinem tode drei jahre hindurch aufbewahrt und dem volk als noch lebend dargestellt wurde, weil davon fruchtbarkeit und friede im ganzen land abhiengen. sterbende liesz man zu Zalmoxis gehn, entsandte sie zu Zalmoxis oder Gebeleizis; was könnte genauer übereintreffen mit dem tiefwurzelnden deutschen und slavischen volksglauben, dem fara til Odins, leita Odin, hitta Odin, sækja Odin, fadar suokian, Swatopluka hledati?[31] pluk, held oder könig, führt zurück auf einen göttlichen Swatowit, wie Zalmoxis auf den daemon; diese analogie des mythus begegnet der äuszerlichen berührung zwischen Geten und Sarmaten. Azvázys entspricht unserm Zio und Eor, Avεuos dem Odinn und Biflindi (s. 120), mich dünkt die ορεινοὶ Θρᾷκες καὶ μαχαιροφόροι bei Thucyd. 2, 96. 188 7, 27, worauf ich zurückkommen werde, passen als schwertträger zu Zio und zu Acinaces, nicht blosz Alanen, auch Suevi und Bojoarii waren Marsverehrer; wie der name Zalmoxis an unser helm, das litth. szalmas erinnere, habe ich dargethan. Gebeleizis dürfte ein Gibalaiks oder Gibuka sein, vielleicht auch Gibaleis, da sich bei Irmino 67b der mannsname Witleis, 38 42 der frauenname Bertleis, Wulfleis findet, den Litthauern war Gabjauja göttin des reichthums, [Gabjaujis deus horreorum, vgl. gabenti holen, bringen, gabanà last.] wir sind schon öfter bei den Geten auf die Litthauer geleitet worden, und jener Samogeta = Guddas (s. 170) wird immer wichtiger[32].
Auch die getische sitte schlieszt sich an deutsche. Herodot 5, 5 von den nachbarn der Geten, den thrakischen Trausen und Krestonaeer redend, legt ihnen vielweiberei bei: ἔχει γυναῖκας ἕκαστος[33] Tolkas und erzählt dann, was ich schon s. 139 anführte, wie die geliebteste derselben auf des mannes grab getödtet wurde. allbekannt sind die von Strabo s. 297 geretteten stellen Menanders
πάντες μὲν οἱ Θράκες, μάλιστα δ' οἱ Γέται κ. τ. λ. [34]
und
γαμεῖ γὰρ ἡμῶν οὐδὲ εἷς, ᾧ οὐ δέκ' ἢ κ. τ. λ.[35]
Tacitus hingegen preist die strenge und reinheit germanischer ehen. nec ullam morum partem magis laudaveris, nam prope soli barbarorum singulis uxoribus contenti sunt, exceptis admodum paucis, qui non libidine sed ob nobilitatem plurimis nuptiis ambiuntur[36]; also er kennt auch ausnahmen, Caesar 1, 53 erwähnt zweier weiber des Ariovist, Adam von Bremen weisz der Sueonen vielweiberei und die altn. sagen sind voll von beispielen: könig Hiörvarðr hatte vier frauen (Sæm. 140), Hâraldr, als er Ragnhild heiratete, verliesz neun andere, Alrekr hatte zwei frauen (fornald. sög. 2, 25. 26.) Samo ein könig der Slaven: duodecim uxores ex gente Vinidorum habuit. Fredegar. ad a. 623. von polygamie der edeln und freien, die ohne zweifel vorkam, haben sagen und geschichtschreiber zu reden keinen anlasz. Wenn sie bei 189 den ihm bekannten Germanen Tacitus seltener beobachtete, so bezeugt das der westlichen stämme, deren ackerbau auch mehr ausgebildet war, gröszeren fortschritt; dem hirtenleben lag vielweiberei nah[37]. man musz auch zwischen vermählter ehefrau und den kebsen unterscheiden, welcher es in ganz Europa das mittelalter hindurch viele gab, ohne dasz daraus den männern vorwurf und laster erwuchs. Kriemhilt nennt Nib. 782, 4. 789, 3. 796, 3 ihre schwägerin 'mannes kebse' und will damit Siegfried nicht schelten; allen dichtern musz freilich das verhältnis unedel erscheinen, zumal den geistlichen. Crescentia sagt, als arme dirne (cod. pal. 361, 73o):
ouch wâre im ze sunden getân,
ob er mich ze kebese wolde hân:
ze wibe wâre ich im ze smâhe. (cod. kol. 260 ze kone.)
Menanders worte dürfen nicht einmal den Geten zu Strabons zeit zur last fallen, geschweige den Germanen des Tacitus verglichen werden, da um 320 vor Chr. die sitte freier und ausgelassener sein mochtc, wenn man überhaupt den comiker keiner übertreibung, wie sie seinen absichten entsprach, zeihen will. recht verstanden ist also hier nicht verschiedenheit, sondern einstimmung.
Diese zeigt sich weit stärker noch bei dem zusammenhalten vielbesprochner äuszerungen Caesars und Tac. über die ackerbestellung der Sueven und Germanen insgemein mit dem, was Horaz von der getischen meldet. Caes. 4, 1. 6, 22. Tac. Germ. 26. Hor. carm. III. 24, 11. wie angemessen auch dem übertritt aus dem hirtenland in die feldwirtschaft der jährliche ackerwechsel erscheint, war er doch etwas unter allen übrigen völkern so wenig wahrgenommnes, dasz man daraus auf stammverwandtschaft derer, die ihn beobachten, einen wahrscheinlichen schlusz zu ziehen berechtigt wird[38].
Sind nunmehr in namen, lage, geschichte und brauch der Geten erhebliche gründe dafür gefunden worden, dasz sie mit den Deutschen wo nicht gleiches, doch verwandtes ursprungs erscheinen, so mangelt es nicht an andern noch weiter greifenden bestätigungen.
Vor allem rechne ich dahin das merkwürdige verhältnis der Geten zu den Daken, welche beide entweder völlig in einander aufgehn oder unmittelbar zusammen stehn.
Wer mit der griechischen und römischen comoedie des Menander und Plautus bekannt ist, weisz dasz in ihr ein Téras oder 4άos als ständige person des oizérηg oder dovλos auftreten; ist es nicht wunderbar, dasz uns damit eins der ältesten zeugnisse für die deutsche geschichte erhalten wird? es waren mancipien, die der verkehr mit Thrakien, sei es durch gefangenschaft oder kauf nach Griechenland brachte; solche αἰχμάλωτοι, δορυάλωτοι oder αργυρώνητοι, ἁλώνη τοι musten, durch treue oder anstelligkeit, wie bei andern völkern deutsches gefolge, den griechischen herrn willkommen sein: sonst wären sie nicht häufig geworden. den comikern lieferten blosz. die ausnamen stof. Gerade so bezeichnete hernach waltenden Deutschen der name Winid, Walah oder Sclav einen aus der fremde erworbnen knecht. Γέτας war also der dienende Gete; wer aber Δάος, lat. Davus? es kann gar kein zweifel sein, dasz darunter ein abkömmling aus dem dakischen stamm gemeint werde, dessen verbrüderung mit dem getischen aus allen nachrichten erhellt.
Das erste was hier erwogen werden musz, ist die abweichende wortgestalt. Δάος Davus[39] , nach aller sprachanalogie, scheint nichts als trauliche abschleifung des volleren Dacus Dacvus. wie aus goth. magus mavi hervorgeht und neben lat. raucus (für racvus?) ravus[40] verhalten sich Dacus und Davus; die gr. sprache mit ausgestosznem 191 digamma setzt Δάος wie νέος ναῦς οῖς ὠόν δαήρ für novus navis ovis ovum levir devir) oder σπέος πῶν = specus pecu. Strabo verkennt keinen augenblick dasz Δάκος und Δάος dasselbe sind, s. 304: γέγονε δὲ καὶ ἄλλος τῆς χώρας μερισμὸς συμμένων ἐκ παλαιοῦ· τοὺς μὲν γὰρ Δάκους προςαγορεύουσι, τοὺς δὲ Γέτας. Γέτας μὲν τοὺς πρὸς τὸν Πόντον κεκλιμένους καὶ πρὸς τὴν ἕω. Δάκους δὲ τοὺς εἰς τἀναντία πρὸς Γερμανίαν καὶ τὰς τοῦ Ἴστρου πηγὰς, οὓς οἶμαι Μάους καλεῖσθαι τὸ παλαιόν· ἀφ ̓ οὗ καὶ παρὰ τοῖς Αττικοῖς ἐπεπόλασε τὰ τῶν οἰκετῶν ὀνόματα Γέται καὶ Λάοι. τοῦτο γὰρ πιθανώτερον, ἢ ἀπὸ τῶν Σκυθῶν, οὓς καλοῦσι Λάας πόῤῥω γὰρ ἐκεῖνοι περὶ τὴν Υρκανίαν· καὶ οὐκ εἰκὸς ἐκεῖθεν κομίζεσθαι ἀνδράποδα εἰς τὴν Αττικήν. sicher waren jene griechischen knechte aus dem nahen Thrakien, nicht dem fernen Skythien geholt und für Strabons zeit unter August europäische Aάot, asiatische άa (lat. Daci und Dahae) zu sondern. Aber früherhin, wie wir sahen, saszen Γέται und Δάοι südlicher in Thrakien, auf der rechten seite des Ister, am fusze des Haemus, und Thucydides 2, 96 stellt den damaligen Geten schwerttragende Thraker vom gebirg zur seite, welche an der Rhodope, d. h. westwärts gegen den Nestus und Strymon wohnen: οἳ Δίοι καλοῦνται, 7, 27 heiszen ihm die nemlichen μαχαιροφόροι: τοῦ Διακοῦ γένους, wo eine scholie hat: γράφεται τῶν Λακικοῦ. offenbar sind Λάοι und Δίοι ganz derselbe volkstamm, was Cassius Dio 51, 22 auszer zweifel setzt: οἱ δὲ ἐπέκεινα Δάκοι κέκληνται, εἴτε δὴ Γέται τινὲς, εἴτε καὶ Θρᾷκες τοῦ Δακικοῦ γένους τοῦ τὴν Ῥοδόπην ποτὲ ἐνοικήσαντος ὄντες. die lesart zu ändern bedarfs nicht, δίοι, die göttlichen, war ein übliches beiwort auch andrer volksnamen, so dasz griechisches ohr oder selbst thrakische überlieferung leicht for und Δᾶοι, Δάοι verwechselte. Beide namen Γέται und Δάκοι waren den Griechen von alters her bekannt, doch sie begriffen gewöhnlich unter ersteren auch die letzten, während umgedreht hernach die Römer die ihnen etwas näheren Daci für die Getae mit verwandten. wo Γέται Getae und Δάοι Daci unterschieden werden, liegen früher wie später jene immer nordöstlich, diese südwestlich, beide aber rücken in den nordwesten vor.
Da wir in Geten Gothen erkennen, darf der frage nicht ausgewichen werden, wie die spur der Daken zu verfolgen sei? und eine darauf bereit liegende antwort wäre nicht so lang ausgeblieben, wenn unsre historiker und geographen sich herabgelassen hätten die einfachsten und natürlichsten nachrichten zu verknüpfen. unmittelbare fortsetzung der Daken sind die Dänen, wohlzuverstehn nicht gerade der zuletzt von Trajan besiegten Donaudaken, sondern ein in unvordenklicher zeit gegen nordwesten vorgedrungner zweig desselben stamms, wie Gothen in gleicher richtung ausrückend die ostsee erreichten, als noch der hauptstamm ihres volks dahinten weilte.
Leicht fällt es die übergänge der namensform aufzudecken. ich habe vorausgeschickt, dasz dem lat. Daci ein deutsches Dagai oder Dagôs entspreche. hierfür zeugt Isidor unmittelbar orig. 9, 2: Daci autem Gothorum soboles fuerunt, et dictos putant Dacos quasi Dagos, quia de Gothorum stirpe creati sunt. des namens wurzel ist dags dies, welches lat. wort aus vollerem dacies entsprungen scheint. wie nahe liegt der begrif der leuchtenden lichten dem der göttlichen Siol. Durch ableitung tritt nun N hinzu: aus Daci wird Dacini, wie aus Getae Gothi Getini Gothini, Dacini aber kürzt sich in Dani, wie picinus in pinus (decenarius in denarius, was dem septenarius analog ist, deceni in deni, secenarius oder sexenarius in senarius, seceni in seni[41]), , oder will man aus Davus Davini bilden, welches sich leicht in Dani wandelt, wie noveni in noni? Die lat. sprache zieht langen vocal vor in Davus Danus pinus nonus, doch organische kürze haftet in Daha wie in magis neben majus, das aus magius gekürzt ist. unsere sprache wahrt die kürzen besser: altn. Danir, ahd. Tenî; sollte nicht altn. man 193 virgo, serva erwachsen sein aus adjectivischem magvin magin mavin? kein beispiel wäre treffender für Danr Danus aus Dacuinus, Dacinus. Diese etymologie empfängt ein gepräge voller wahrheit dadurch, dasz bei lateinischen schriftstellern des mittelalters Dacus für Danus, Dacia für Dania gebraucht wird (acad. abhandl. s. 41. 42), ja dadurch dasz den Russen noch heute der Däne Datschanin, den Lappen Dazh oder Tazh heiszt. zu den äuszersten Slaven und Lappen war der name nicht aus Deutschland her, sondern unmittelbar vom gestade des schwarzen meers gelangt. wie uns der Litthauer Guddas bewahrt, haben uns diese völker Dazh Dacus aufbehalten.
Über die bevölkerung Dänmarks und den dänischen stamm werde ich mich näher äuszern, wann die scandinavische sprache abgehandelt werden soll. Hier sei blosz der überraschenden einstimmung erwähnt, dasz im ptolemaeischen Scandia neben einander Gutae und Dauciones, jahrhunderte lang nachher im angelsächsischen Beovulfliede Geátas und Dene verbrüdert auftreten, wie in der getischen geschichte von uralter zeit an Geten und Daken. jenes gedicht kennt auch Gifdas, was wiederum die den Gothen stammverwandten Gepidae sind, welche noch unter Justinian im Dacien der Donaugegend hausen; was in unsrer heldensage die grundlage bildet, mag von Geten Daken Gepiden der alten geschichte wirklich nicht fern stehn. wenn irgendwo geschichte, sage und geographie des alterthums zusammentreffen, so ist es in diesem verhältnis der Geten und Daken.
Es wird mir aus mehr als einer ursache glaublich, dasz der dakische königsname Aɛzéẞalos eigentliches appellativ war und nichts anders als einen Daken, vielleicht des edelsten königlichen geschlechts bezeichnete. zu Bálos aber halte ich vorerst der Geten thrakische nachbarn, die Topalkoi bei Herod. 4, 49. Thucyd. 2, 96. 4, 101. Strabo p. 317, in welchem namen die dreizahl nicht anders zu nehmen sein wird, als bei den germanischen Toißozzo Strabo p. 193, den Triboci des Tacitus, oder im ags. Thrilidi und Thrimilci (oben s. 80) und in vielen örtlichen benennungen. des kurzen vocals wegen 194 schrieben die Griechen Bakhos für Bákos, dem ich unser fal im volksnamen Westfal Westfalah vergleiche, welcher noch heute auch als mannsname vorkommt. Nun gewinnt bedeutung, dasz bei Mamertinus und Ammianus an der Donau gothische Taifali, Thaiphali auftreten, ja dasz Eutropius geradezu meldet: Daciam Decebalo victo subegit (Trajanus), provincia trans Danubium facta in his agris, quos nunc Thaiphali habent et Victophali et Theruingi. im vierten jh. finden wir uns hier ganz unter Deutschen und Eutrop ahnte nicht der namen gleichheit, die er neben einander stellte: Thai Tai in Thaifalus ist genau wie Aaós Davus für Dacus, aus Decebalus also geworden Taifalus, aus getischer form die gothische, alamannische. der dakische name Anys bei Dio Cass. 67, 7 enthält eine analoge erweichung von Dacus.
Decebalus soll uns aber auch einen sagenhaften anklang gewähren. Dio 68, 14 erzählt, dasz im zweiten kriege gegen Trajan der könig seinen hort unter dem fluszbett der Sargetia barg, Iornandes aber cap. 30, dasz (im j. 409) Westgothen die leiche ihres geliebten Alarichs, als den köstlichsten schatz unter einem abgeleiteten flusz bestatteten und nachher die lebendige flut wieder darüber führen: quem nimia dilectione lugentes Barentinum amnem juxta Consentinam civitatem de alveo suo derivant. hujus ergo in medio alveo collecto captivorum agmine sepulturae locum effodiunt, in cujus foveae gremio Alaricum cum multis opibus obruunt, rursusque aquas in suum alveum reducentes, ne a quoquam quandoque locus agnosceretur, fossores omnes interemerunt[42], gerade wie Hagen den Nibelungehort in den Rhein versenkt hatte, Nib. 2308, 3:
den schatz weiz nu nieman wan got unde mîn,
Was getische war, zeigt sich als gothische, urdeutsche sitte.
Jene thrakischen Triballer gemahnten auch an deutsche völker. es steht noch eigen um Thrakien und selbst um seinen namen. Oons Θρᾷξ ist gleich Θρήιξ Θράξ, das fem. Θρήσσα Θράσσα Θράττα für Θρήισσα Θράϊσσα (wie ἄναξ ἄνασσα, δράξ δράσσω, φρίξ φρίσσω) und jener θρασκίας (s. 176)[43] läszt ein volleres Θράσιξ voraussetzen, wozu gavus litth. drasus audax, pάoos audacia gehörte. da nun vor L und R die linguallaute oft der verschiebung entgehn, fiele das goth. prasabalpei streitkühnheit, altn. prâ contumacia þrâsa þrâtta rixari, litigare, schwed. träta, dän. trätte in den vergleich, und die alten eigennamen Thrasamunt[44] Thrasaberht machten sich geltend. Oder bleiben im namen Ogann noch andere übergänge des K in linguallaute zu erforschen? die alts. sprache kennt ein thrak threki robur, ags. bräc, altn. þrekr, welche dem hd. dialect mangeln. Wie nun die Griechen des Ares sitz in thrakische berge legen, wohnt der nordische Thôrr in Thrudheim (Sæm. 40b), Snorris formâli zur edda erklärt aber Thrudheim ausdrücklich für Thrakien. þrûdr, ags. bryd bedeutet gleich jenem prekr nochmals robur, Thôrr heiszt brûdugr âss deus fortis Sæm. 72b, sein hammer prûdhamarr, seine mit Sif erzeugte tochter Thrûdr, þrûðr ist appellativ für virgo, virago, und heilige frauen unsers alterthums führen häufig den namen Drûd (mythol. s. 394); wie wenn þrûd aus pruht hervorgienge und sich mit þrek berührte? *** Snorri erzählt aber folgendes: Thôrr ward in Thrakien bei einem manne namens Loricus auferzogen; zehn jahre alt legte er seines vaters waffen an, vierzehn jahre alt hatte er volle stärke und vermochte zehn bärenhäute auf einmal von der erde aufzuheben; dann erschlug er jenen Loricus samt dessen frau Lora oder Glora und 196 eignete sich ganz Thrakien zu, welches die Nordländer Trûdheim nennen. In dieser bisher verachteten sage scheint mir einiges so merkwürdig, dasz ich ihr wol alten grund zutrauen mag, und die Geten und Daken haben uns gelehrt in dem Norden zusammenhang mit Thrakien zu finden; warum sollten die Gothen und Dänen nicht getische und dakische überlieferung lange zeit unter sich fortgepflanzt haben? Thôrr ist Odins sohn und seinem vater in vielem gleich; dasz das starke kind zehn bärenhäute aufhebt scheint sagenhafte veränderung des thrakischen mythus von Zalmoxis, der in die bärenhaut gewindelt wird[45] und davon heiszt, wie Thôrr den beinamen Biörn führt und wie der nordische könig der thierfabel altvater, groszvater genannt wird. Mit Sif zeugt Thôrr, auszer jener Thrûd, einen ihm gleichen sohn Loride, von welchem Henride, Vingepôrr, Vîngner, Môdi, Magi abstammen: die genealogie verwirrt sich zusehends, denn aus der edda weisz man, dasz Hlôrriði und Vîngþôrr Thôrs eigne namen, Môđi und Magni (der starke) unmittelbar seine söhne sind (mythol. s. 170. 172), Hlôrridi aber scheint sich zu vergleichen mit Loricus, Lora oder Glora. anderwärts (skåldskaparmâl 101) heiszt Thôrr fôstri Vingnis ok Hlôru, des Vingnir und der Hlôra zögling, was den Loricus wiederum beseitigt. diese dunkelheit im mythus von Thôrr ist recht empfindlich, da sie vollständig und in reiner gestalt den wichtigsten aufschlusz gewähren, und die altnordische sage, so dasz alle zweifel schwänden, an getische oder thrakische festknüpfen könnte. Ich stemple die Thraker nicht zu Deutschen, sondern suche nachzuweisen, wie sich, durch vermittlung der Geten, zwischen Thrakern und Germanen nähere berührung annehmen läszt, als man bisher einräumte.
Hier werden wenige noch in meine fuszstapfen treten wollen. die neuere critik hält ein misgünstiges auge über allem was ihre gewohn- 197 ten kreise stört, in welchen sie das meiste längst geordnet zu haben wähnt. man sollte es aber dem Iornandes dank wissen, dasz er unschuldig einen sprachgebrauch wahrte, der unmittelbar auf die sache leitend den blick in ein tieferes alterthum unseres volks offen liesz, als wir es aus den nachrichten bei Caesar und Tacitus ahnen. Dions Chrysostomus verlornes werk hätte den schleier höher gelüftet. dürfen aber Geten und Daken für uns Deutschen verwandt gelten, so werden unschätzbare meldungen bei Herodot, Thucydides, Strabo und Cassius Dio in anderes licht treten und dem bisher fast bedeutungslosen Thrakien in der geschichte eine lebendigere stelle sichern.
Es ist bei diesen forschungen das gröszte hindernis, dasz von thrakischer und getischer zunge keine denkmäler vorräthig sind, die mit einemmal zahllose bedenken niederschlagen würden. wie günstig vorgesorgt war durch Ovids verbannung in das ihm verleidete Tomi, mitten auf dem für unsere absichten ergiebigsten boden![46] getische und sarmatische laute verstand sein ohr zu unterscheiden und er versichert selbst ein getisches gedicht verfaszt zu haben, das freilich römische abschreiber wenig anziehen mochte. in einem drama hätte sich getische zwischenrede eines Geta oder Davus leichter bewahrt, und des Hanno punischer monolog im Poenulus ein trefliches gegenstück erhalten.
Nichts als eigennamen sind uns aufbehalten, deren deutung, wenn die lebendige sprachkunde abgeht, mit den gröszten schwierigkeiten zu ringen hat, weil solche wörter an sich schon anomal beschaffen, fremdem einflusz und vielfacher entstellung ausgesetzt sind. da beim ersten wurf meines versuchs nur wenige dieser namen beachtet werden konnten, so will ich versäumtes nachholen, mich aber nicht anheischig machen alle und jede thrakischen oder getischen wörter vorzubringen und deutsch oder litthauisch auszulegen. der natur der 198 sache nach kann dies deuten nur selten anspruch auf sicherheit haben und musz sich in den meisten fällen mit dürrer wahrscheinlichkeit begnügen.
Herodot 5, 3, 4 nennt Tévai und Toavooi zusammen, welcher name deutsch klingt, wenn man gr. TR auf goth. DR in driusan draus drusun [oder auf þras und þrôr] zugibt. litth. bedeutet traiszus traszkus ganz anderes, pinguis. über die den Trausen beigesellten Κρηστωναῖοι will ich nachher etwas vermuten.
Auch die oft genannten Bessi scheinen den Geten nah zu stehn. bei Her. 7, 111 Βησσοί, mit der wichtigen angabe: τῶν Σατρέων εἰσὶ οἱ προφητεύοντες τοῦ ἱροῦ, doch über diese Σάτραι wage ich noch nichts zu rathen; das woonteve musz freilich auf altthrakischen orphischen dienst bezogen werden, von welchem die Griechen manche nachricht hatten. Noch später, als sich die Römer mit den Thrakern feindlich berührten, galten die Bnoooi für Dionysos verehrer und bei Cassius Dio 51, 25 und 34 wird ein Óvokóyaιos Oggs Bηooós, ἱερεύς[47] τοῦ παρ' αὐτοῖς Διονύσου namhaft gemacht. wahrscheinlich hängen damit die (s. 140 angeführten) sacerdotes pii (Jonozoi?) zusammen. Strabo schreibt Beoooí. In diesem cultus liegen Bessen den Odrysen näher, während die vorhin genannten tot des Thucydides sich an die Daken schlieszen, wie auch Ovidius Bessi Getaeque, Bessos Getasque (Trist. III. 10, 5. IV. 1, 67) knüpft; selbst in jüngerer zeit finden wir bei Procop de b. goth. 1, 16 einen Gothen Bessas in Belisars dienst, und es heiszt: ὁ δὲ Βέσσας οὗτος Γότθος μὲν ἦν γένος τῶν ἐκ παλαιοῦ ἐν Θράκη ᾠκημένων, Θευδερίχῳ τε οὐκ ἐπισπομένων, ἡνίκα ἐνθένδε ἐς Ἰταλίαν ἐπῆγε τὸν Γότθων λεών.[48] zu Theoderichs tagen, der im j. 488 aus altgothischer heimat nach Italien zog, blieben stämme in Thrakien zurück, von welchen Bessa entsprosz, sicher ein abkömmling jener alten den Geten verbrüderten 199 Bessen. selbst Leo, der 457 den kaiserstul einnahm, war bessischer herkunft.[49] Baza, beiname des in Jornandes eigner genealogie aufgeführten Gunthigis, scheint dasselbe und wiese dann die jüngere goth. gestalt des namens: altn. bedeuten bassi und bessi einen bären (Sn. 179. 221.) warum sollte nicht der zu Alexanders des groszen zeit in Persien auftretende Bessus gleichnamig sein? von diesen alten Bessen oder Bassen her könnte der eigenname Bassus frühen eingang in Rom gefunden haben: Aelius Bassus natione Bessus findet sich auf einer alten inschrift.
Bekanntlich hiesz die Donau für den letzten theil ihres laufs, von Axiopolis in Moesien an, Ister, und Iornandes cap. 12 überliefert: in lingua Bessorum Hister vocatur. ich habe gewiesen, dasz altn. îstr, istra adeps, arvina, schwed. dän. ister pinguedo bedeuten, was sich für den fetten befruchtenden strom eignete; aber das wort scheint zugleich dem gr. στέαρ στέατος verwandt. man vgl. den begrif von arvina oder obilije (s. 63.)
Caesar 6, 25 läszt die hercynia silva sich der Donau entlang erstrecken ad fines Dacorum et Anartium, diese Anartes müssen also gleich den Daken nachbarn der Germanen gewesen sein, und auch Ptolemaeus 3, 8 zählt unter den bewohnern Dakiens zu allererst die Avapro auf. nach dem ahd. einherti constans [gr. 4, 1023] liesze sich ein goth. ainhardus mutmaszen, und da im altn. einardr audax das H wegfällt, dürfte es auch in Anartes mangeln. es wären gothisch ausgedrückt Ainhardjai. wie aber die von Ptolemaeus 3, 5 an den Weichselquellen aufgeführten Αναρτοφράκτοι zu deuten ? ist φράκτος das altsl. brâht, ahd. prâht allatus?
Daselbst hat Ptolemaeus auch Kowtoßzot, die bei Cassius Dio 71, 12 Koσtovẞnot heiszen und im j. 174 nach Chr. von den goth. Astingen verdrängt wurden. [Pausanias 10, 34.] bei Capitolinus c. 22 stehn Roxolani Bastarnae Alani Peucini Costoboci zusammen und die Peucini sind alte Geten, Plinius 6, 7 nennt Costoboci an der Maeotis rückwärts. Kost Koist vergleicht sich dem goth. hauhist, ahd. hôhist hôst, boci dem 200 zweiten theil der germanischen Triboci; eine auffallend ähnliche zusammensetzung erscheint in dem angeblich keltischen namen Tolistoboji.
Aber auch die dakischen Kavzoývotot klingen hier noch mehr an die germanischen Chauci an, deren namen zu hauhs excelsus wie zu ahd. houc, altn. haugr tumulus gehören kann. der noch bei andern dakischen völkern begegnende ausgang -ens gleicht zwar dem lat. -ensis, aber auch dem ahd. -anso gramm. 2, 345; bei dem namen selbst kommt noch anderes getische in betracht. Strabo s. 298 nennt einen heiligen berg der Geten Koyalovov, dessen vielleicht Statius gedenkt, wenn er silv. III. 3, 168 dem Germanicus zuruft:
haec est, quae victis parcentia foedera Cattis, quaeque suum Dacis donat clementia montem;
will man ihn wiederfinden im caucalandensis locus, altitudine silvarum et montium inaccessus bei Ammian 31, 5, wohin noch im jahr 376 Athanaricus flüchtete; so wäre im alten cultus der Geten eine heilige stätte nachgewiesen, die jahrhunderte lang unter entschiednen Gothen behauptet wurde.[50]
Eine der merkwürdigsten angaben begegnet bei Plinius 4, 11; unter den zwischen Haemus und Donau wohnhaften thrakischen völkern nennt er in einem athem Moesi, Getae, Aorsi, Gaudae Clariaeque. Getae und Gaudae nebeneinander! sind das nicht mit voller lautverschiebung in gothischer sprache Gupai und Gautai? doch die ungemeine wichtigkeit dieser meldung kann erst in gehöriges licht gesetzt werden, wann ich von den namen der Gothen und einer verschiedenheit gothischer stämme handle, die sich bis auf späte zeiten forterhalten hat. eben dadurch wird sich die deutschheit beider völker fast unweigerlich ergeben.
Die Aorsi sind jetzt ein räthsel; wie sie hier neben Geten an der Donau genannt werden, tauchen sie bei Tacitus ann. 12, 15-20 am Bosporus, bei Strabo 11 p. 506 am Tanais, bei Ptolemaeus in Sarmatien auf. ihr name hat ganz deutschen klang (vgl. goth. airzis, vairs, þaursis, ahd. hirsi, altn. hiarsi.) Strabo stellt ogoo und Sigazes, wie Tacitus Aorsi und Siraci nebeneinander, und die Zigazvý soll zwischen der Maeotis und dem kaspischen meer liegen.
Noch ziehen bei Plinius die thrakischen Priantae und Sithonii an. Priantae wären buchstäblich gothische frijônds amici und die Sithonii dürfen zu den Sithonen bei Tacitus, ihrem namen nach, gehalten werden. Ich gehe nicht auf erklärung aller thrakischen völkernamen aus, uneinverstanden mit Melas 'Thracum una gens', und lasse bei seite liegen was auszerhalb meines gesichtspunkts fällt. Gesetzt aber unter den thrakischen lägen alle getischen, unentstellt und sicher, vor uns und es herschte kein zweifel mehr über der Geten und Gothen identität; so würden dennoch viele dieser uralten wörter aus dem gothischen und später deutschen standpunct der sprache nicht weniger dunkel bleiben, als die überlieferten namen entschieden germanischer völker. zwischen die Moviovg und Zeuvovas setzt Strabo s. 290 Zovμους, Βούτονας, Μουζίλωνας und Σιβινούς in den germanischen nordosten, sonst unerhörte und fast undeutsch klingende namen, die man durch gewaltsame und unerlaubte verändrung der lesart gerecht zu machen pflegt; man lasse sie unversehrt, vielleicht dasz sie einmal besserer einsicht klar werden[51]. wer hat uns schon im chattischen Libys bei Strabo, im volksnamen Usipetes bei Caesar, Usipi bei Tacitus die rechte deutsche wurzel aufgezeigt? wie viel räthselhafte deutsche namen schlieszt noch die geographie des Ptolemaeus ein?
Auch von den königsnamen sollen hier einige nicht übergangen 202 werden. auszer Zalmoxis ist schon Decebalus gedeutet worden, 100uzairns wäre gothisch geschrieben Trumahaitja, obgleich ich trums firmus erst aus ags. trum oder finn. tyrmiä entnehme, mit dem zweiten theil vergleichen liesze sich altn. hetja heros. Bougeßioras im ausgang gemahnt an Ariovistus, doch der erste theil bleibe noch unversucht. Dio 51, 26 nennt drei getische könige Puns, dάπv, Ζύραξος, zu deren letzterem fast jener volksname Σίρακες stimmt. Roles aber scheint mir sicher der bei Justinus 32, 3 genannte dakische [getische?] könig Oroles [Bessell 75], aus dessen krieg mit den Bastarnen dort ein hübscher zug [acad. abh. 51] vorkommt. Oroles gleicht nun dem litth. errelis, lett.ehrglis, sl. orel, orl d. i. adler und taugt vorzugsweise zum heldennamen, wie unsere vielen Aro Arno beweisen; die aphaeresis des vocals in Roles ist wie in sl. ralo rator (s. 54); da auch unsere alte sprache gern mit L ableitet, kann für ara, aro früher ein Aral, Arol gegolten haben, wie es der verwandtschaft deutscher slavischer und litthauischer sprache angemessen ist. in Δάπυξ Δάπυγος, wobei der griechische gewährsmann leicht an Ἰαπυξ Ιάπυγος dachte, gleicht der ausgang dem ahd. hapuh, ags. hafoc, den eingang will ich nicht rathen. jener bessische Οὐολόγαισος ist dem bekannten Ραδόγαισος ähnlich, welchen namen sich slavische und deutsche sprache anzueignen recht haben. Οὐεζίνας bei Dio 67, 10, τὰ δεύτερα μετὰ Δεκέβαλον ἔχων, liesze sich ungezwungen aus goth. visan erklären und neben den ahd. mannsnamen Warin, Werin (Graff 1, 930) setzen.
Am schwierigsten bleiben ortsnamen, weil sich ihnen zumeist die spur fremder und früherer bewohner eingedrückt haben kann. die menge dakischer örter auf -dava scheint aus jener namensform Davus für Dacus begreiflich und wie deutsch klingen die ersten theile der zusammensetzungen Argidava, Nentidava, Marcodava, Singidava? Zagμιζεγέθουσα, Decebals βασίλειον, kaum gestaltet wie das gr. Αρέ Jovoa, mag vielmehr den gen. pl. Záquile goth. Sarmaizê Sarmizê gewähren und im namen der hauptstadt den damaligen bund zwischen Sarmaten und Geten ausdrücken; die peutingersche tafel gibt Sarmategete, und auch yérovoa wäre, wenn meine vermutung stich 203 hält, richtiger geschrieben. Den Bessen wird von Ammian 27, 4 und Jornandes de regn. succ. p. 40 eine stadt Uscudama, das spätere Adrianopel, beigelegt, dessen zweiten theil man dem ahd. tuom, alts. dôm, wie dem lat. domus, sl. dom, ir. duam urbs vergleichen könnte, im ersten altn. ôsk, ags. vusc votum zu erblicken wäre wagstück, Obrien macht flugs daraus Uisgedaimh, wasserstadt! wer für die deutungen so fern stehender namen vollen glauben forderte, verstiege sich, da uns alle sichre kunde des einfachen thrakischen oder getischen sprachstofs abgeht; es recht hin, in ihnen vorerst die möglichkeit deutscher klänge zu entdecken.
Bei so leidigem mangel greift man mit beiden händen nach einer auskunft, die sich unansehnlich aber unerwartet dennoch darbietet.
In des Dioscorides werke περὶ ὕλης ἰατρικῆς sind neben griechischen und lateinischen namen heilkräftiger kräuter manche aus barbarischen sprachen, die dem samler aufgestoszen waren, verzeichnet, darunter, wenn ich keinen übersehn habe, 32 oder vielmehr 33 dakische. Dioscorides, aus Anazarbus in Cilicien gebürtig, lebte vor der mitte des ersten jh., etwa gleichzeitig mit Plinius, dessen N. H. aber erst nach des Dioscorides buch geschrieben scheint. unter Claudius war er schon in Italien, wahrscheinlich auch in Gallien, Spanien, Carthago und Aegypten, da er gallische, iberische, keltische, punische und aegyptische pflanzennamen mittheilt; aus dem abgang britannischer und germanischer ist zu folgern, dasz er gegenden, wo ihm diese vorgekommen wären, nicht betrat. Dacien mochte ihm dagegen bekannt sein. anzunehmen, dasz erst nach der besiegung des landes unter Trajan die dakischen namen gesammelt nnd von andrer hand dem dioscoridischen werke eingeschaltet worden seien, zwingt kein grund; warum sollten nicht schon im ganzen ersten jh. römische reisende über Illyrien und Pannonien auch Dacien besucht haben? allenfalls lassen einzelne, fast ganz lateinische benennungen, die für dakische 204 gegeben werden, schlieszen, dasz sie erst im zweiten jh. von Römern dort eingeführt wurden[52]. selbst in diesem fall, wenn alle dakischen namen nicht von Dioscorides, sondern späterhin gesammelt und eingefügt wären, thut das ihrem belang für die sprache geringen abbruch. ohne zweifel sind sie durch die abschreiber oft entstellt, und es versteht sich, dasz auch wo das nicht geschah, ihre auslegung groszer schwierigkeit unterliegt, weil volksmäszige benennungen von kräutern und thieren, gleich allen eigennamen, in ein hohes alterthum zurückfallen und kaum in einer neuen vollständig gekannten sprache sich hinreichend deuten lassen, geschweige in einer alten, ungekannten. hier folgen alle nach der reihe, wie sie Kühns ausgabe gewährt.
1) 2, 143. βλήτον Ῥωμαῖοι βλίτουμ, Δάκοι βλής. ein eszbares aber unschmackhaftes olus, dem atriplex, ahd. malta (Graff 2, 723) poln. łoboda, böhm. lebeda verwandt, eigentlich aber amarantus blitum. ng scheint aus dem gr. verkürzt, obschon auch ein echt dakisches blês möglich wäre.
2) 2, 209. ἀναγαλλὶς ἄῤῥην, χελιδόνιον, Γάλλοι σαπάνα, Δάκοι κερκεραφών. scheint wieder entstellter gr. name, ἄφρων klingt an unsern namen der anagallis gauchheil, salus stultorum, weil man dem kraut kraft den wahnsinn zu heilen beilegt; eine hs. abweichend: Γάλλοι κέρκερ, Δάκοι τοῦρα, worin etwas wie unser thor, mhd. tôre zu ahnen kühn wäre. [s. 807. aphron Plin. 20, 19.]
3) 2, 211. χελιδόνιον μέγα. Ρωμαῖοι φάβιουμ, Γάλλοι θῶνα, Δάκοι κρουστάνη. hier ist ein echt dakischer oder getischer ausdruck. wie in χελιδόνιον χελιδών musz in crustani der begrif des vogels enthalten sein. die schwalbe hiesz demnach crusta, was unverkennbar dem litth. kregźdě entspricht, wovon kregždyně oder auch kregźdélěs schwalbenkraut gebildet wird. krusta, kregždě 205 scheint das schwirren des thiers auszudrücken[53]. leider entgeht uns der goth. name, den die verdeutschung des A. T. mehrmals dargeboten hätte, doch die einstimmigen ahd. sualawâ, mhd. swalwe, ags. svaleve, altn. svala nöthigen nicht ein goth. svalvô anzunehmen; die Gothen könnten zu Ulfilas zeit, mit lautverschiebung, gesagt haben hruzdô. die Letten nennen den vogel besdeliga, das kraut besdeligas aztinas, schwalbenäuglein. den Slaven heiszt die schwalbe lastovitscha, russ. lastotchka, böhm. wlastowice lastowice lastowka, poln. jaskółka, das kraut russ. lastovitschnaja trava, böhm. lastowičnjk; man brauchte für last- blosz klast- zu vermuten, um übergang auf krast und kregźdě crusta zu finden. liegt dem gr. zehidov das lat. hirundo (walach. réndurea) nahe, so scheint an hirundo hirudo wirklich auch kregždě crusta und hruzdô zu rühren; dasz aber die wurzel von hruzdô europäischen sprachen auch sonst nicht fremd war, kann noch eine andere `analogie lehren. Wolfram nennt die schwirrende harfe nach dem vogel swalwe Parz. 623, 20. 663, 17[54] und Homer Od. 21, 411 läszt bogensehne wie schwalbe schwirren, harpa selbst mag gleich der im korn rauschenden on heiszen, zélve, dem mythus von der schildkrötenschale ungeachtet, an zehidov erinnern. den Kelten ist nun cruith, crwth, engl. crowd rauschende harfe, fiedel oder leier, mlat. bei Ven. Fortunatus chrotta, ahd. hrotta, und später rotta, mhd. rotte, altfranz. rote; dies hrottâ tritt dem gemutmaszten hruzdô nah, sobald man erwägt, dasz goth. uzds altn. oddr entspricht, hruzdô also in altn. hrodda zu übersetzen wäre; die ahd. mundart hätte eigentlich hrortâ zu lauten, hrotta scheint aber ausnahmsweise zulässig wie lottar für altn. loddari. Nach allen diesen ergebnissen wäre ein goth. hruzdô, ahd. hrortâ, hrottâ hirundo ganz glaublich und die übereinkunft des dakischen krusta höchst bedeutsam. Dürfte man nun noch wagen Herodots Κρηστωναῖοι herzuziehen und Χελιδόνιοι zu deuten ? ein illyrischer volkstamm hiesz Chelidonier und die anwendung des worts 206 auf leute (welchen bezug man auch darin suche) wäre gerechtfertigt.
4) 3, 7. κενταύριον, Ῥωμαῖοι φενριφούγιαμ οἱ δὲ αὔρα μουλ tigadis, fázor tovληλά[55] . mit lautverschiebung wäre goth. þulbila oder þulbilo zu gewarten, was zwar deutschen klang hat, in keiner unsrer mundarten aber aufzuzeigen ist. da es manche arten der centauria gibt, läszt sich das kraut nicht sicher nachweisen, die Engländer verstehn unter ihrem feverfew (= febrifugia) matricaria chamomilla, und nach Diosc. 3, 126 hiesz auch conyza, intybus febrifuga. Schrieb der samler nach römischer aufassung τουλβηλά für θουλβηλά, was mir sehr wahrscheinlich wird, so gelangt man zu goth. dulbila, ahd. tulpila und der wurzel dilban ags. dëlfan, ahd. telpan fodere, böhm. dlaubati, poln. dłubać klauben, und dulbila, dulbilô ist ein mit der wurzel auszugrabendes kraut, wozu die herba multiradix stimmt. die trad. fuld. führen einen ort des namens Tulba an, bekannt ist Tolbiacum.
5) 3, 11. δίψακος. Ῥωμαῖοι λάβρουμ Βένερις, οἱ δὲ κάρδουμ Βένερις, Δάκοι σκιαρή. die sogenannte karde oder weberkarde, an welcher feine stacheln sitzen, womit man wolle kratzt, daher ahd. zeisala, ags. tæsel. da diese verwendung uralt ist, vermute ich in dem namen skiari bezug darauf. goth. skeirs, ags. scîr bedeutet lucidus purus, skeirjan klären, reinigen; skiuran aber heftig bewegen, vinpiskaurô лτúον, ahd. scioro velociter impetuose, scioran sciaran expedire; ahd. scèran tondere radere, ags. sceoran: man müste den dakischen diphth. IA genau kennen, um sich zu entscheiden. auch das equisetum, mit dessen schäften man gefäsze scheuert, heiszt noch heute scheuerkraut, und etwas dergleichen suche ich in oziαoń. man vgl. auch schierling, ahd. sceriline cicuta. 207 6) 3, 21. ἠρύγγιον. Ῥωμαῖοι καπίτουλουμ κάρδους, οἱ δὲ καρτεραί, Δάκοι σικουπνοές. auf den ersten blick wäre hier zusammensetzung mit sigu, und beim zweiten theil des worts könnte den Griechen sein von duft geleitet haben: mit geringer änderung entspräche ein ahd. sigufnâst, ags. sigefnæst, victoriae flatus, victoriam spirans, das kraut heiszt uns heute mannstreue. doch schreiben Strabo und Tacitus in den namen Σαιγέστης Σαιγιμήρος Segestes Segimundus kein K und die vom eryngium gehende sage leitet auf anderes. nemlich Plutarch. sympos. VII. 2, 3 berichtet: zai to obor, & mas αἰγὸς εἰς τὸ στόμα λαβούσης, ἅπαν ἐφίσταται τὸ αἰπόλιον, sei dies auch misverstand einer stelle bei Aristoteles hist. an. 9, 4: Tov δ' αἰγῶν ὅταν τις μιας λάβηται τοῦ ἠρύγγου τὸ ἄκρον (ἔστι δὲ οἷον θρὶς) αἱ ἄλλαι ἐστᾶσιν ὥσπερ μεμωρωμέναι καὶ βλέπουσιν eis zeivy, womit Plinius 8, 76 stimmt: dependet omnium (caprarum) mento villus quem aruncum vocant; hoc si quis apprehensam ex grege unam trahat, ceterae stupentes spectant; so gab es doch kräuter des namens Toɑyozózov, hirci barbula, ov77og, aruncus, von denen jenes erzählt wurde. darum scheint auch in sicupnoex geiszbart enthalten; unser wort ziege hat anomales Z, wie aus dem niederdeutschen tsege erhellt, so dasz ahd. zigâ für sigâ stehn, einem uralten wort mit S entsprechen könnte. Tvo, wenn aus ro verderbt, gliche unserm fahs und dem böhm. faus, bart.
7) 3, 38. Fiuos. Pouaion Foruovu, fázor novia. da wilder thymian dicht und niedrig, wie mos, den rain bewächst, so vergliche ich ahd. mios mies, ags. meos, altn. mosi, die nicht allein muscus, alga, sondern auch lanugo terrae überhaupt bezeichnen; mosula ist weitere ableitung. russ. moch, poln. böhm. mech[56]. Oder hallt in mozula der schöne poln. name des thymians wider: macierzanka, macierza dusza, mütterliche seele? [süszer athem, duft, böhm. mateři dauška.
8) 3, 60. άνηθον τὸ ἐσθιόμενον, οἱ δὲ πολγίδος . . . Δάκοι Tónovu. weder das lat. pulpa, noch bulbus, gr. BoBóg schickt sich für den begrif von dille oder fenchel, sl. kopr, litth. krapai. ich weisz daher dies polpus nicht zu deuten.
9) 3, 117. ἀρτεμισία. Ῥωμαῖοι οὐαλέντια, οἱ δὲ σερπύλλουμ, οἱ δὲ ἕρβα ῥέγια, οἱ δὲ ῥαπίουμ, οἱ δὲ τερτανάγετα, Γάλλοι πονέμ, Δάκοι ζουόστη. wäre dies wort nach dem gr. ζώστης, wie uns die artemisia sonnwendgürtel, gürtelkraut heiszt? kann es aber deutsch sein, so rathe ich nicht auf das ahd. dosto origanum, lieber auf den superlativ des goth. adj. svês, ahd. suâs, ags. svæs familiaris, gratus, so dasz svêsôsta zusammengezogen svôsta ausdrücken würde herba gratissima, familiarissima. zu ponem findet Diefenbach celt. 1, 172 kein keltisches wort und vergleicht unser buck, dän. bynke, schwed. gråbo; die deutschen namen sind myth. s. 1161. 1162 verzeichnet. litth. kietczei, serb. boshje drvtze (gottes bäumchen.)
10) 3, 135. ὅρμινον ἡμερον. Ῥωμαῖοι γεμινάλις, Δάκοι ὅρμια, eine art salvei, sichtbar aus dem gr. namen gebildet.
11) 3, 148. λιθόσπερμον. Ῥωμαῖοι κολούμβαμ, Δάκοι γονοAnta. Plinius 27, 74: nec quidquam inter herbas majore quidem miraculo adspexi. tantus est decor, velut aurificum arte alternis inter folia candicantibus margaritis: tam exquisita difficultas lapidis ex herba nascentis. Diosc. fugt hinzu: οἱ δὲ ἡράκλειαν διὰ τὴν περὶ τὸ σπέρμα ἰσχὺν, ὅθεν καὶ λιθόσπερμον ὠνόμασται. columba scheint vertraulicher ausdruck. man könnte yovolta in goth. kunilêta übertragen: kraut das sein geschlecht läszt (steine hervorbringt)? oder hätte gono die bedeutung des gr. γονή σπέρμα, λῆτα die von λίθος == goth. laups? aber es ist noch gefährlich diese beiden wörter (2ãas lapis und haós) im begrif des wachsens zu einigen.
12) 3, 160. ονοβρυχίς. Ῥωμαῖοι ἐπακὰ, οἱ δὲ βριχιλλατὰ, οἱ δὲ λόπτα, οἱ δὲ ἰουγκινάλεμ, Δάκοι ἀνασσεξέ. an feuchter wilder stelle wachsend, binsartig, mit rother blüte; heute versteht man unter 209 onobrychis schotigen hahnenkamm. ich will eine deutung wagen, ania kann sein ahne avia, und sexe sahs culter pl. sahsa, der groszmutter messer, wegen der zackigen schoten. darauf brachte mich, dasz die Polen für das kraut hahnenkamm sagen babie zęby, zähne der alten, die Böhmen babj zub für dentaria. die Griechen nennen eine andere pfanze ξυρίς nach ξυρόν messer.
13) 3, 165. χαμαιπίτυς. Ῥωμαῖοι Κυπριποῦμ, Δάκοι δοχελᾶ. niedrigwachsend mit gelber blume und harzigem geruch, auf Euboea oidnoiris genannt. lautverschoben würde goth. tagl, ahd. zakal crinis, cauda passen, nur weicht geschlecht ab und schilderung der pflanze. ein ags. wort þäcele bedeutet fax lampas und gilt neben fäcele, weil dieser dialect öfter þ und f wechselt; ahd. fachula drückt taeda und pinus aus, also πίτυς. an ags. docce lapathum, wird nicht zu denken sein, eher an litth. dagys distel und dagillělei, ein dorniges kraut. Der lat. acc. Cypripum ist wie der dor. Μέλαμπος 1. Μελάμπους.
14) 4, 16. λειμώνιον. Ῥωμαῖοι οὐεράτρουμ νέγρουμ, οἱ δὲ τιν τιννάβουλουμ τέῤῥαι, Γάλλοι ιονμβαρούμ, Λάκοι δάκινα. eine wiesenblume, bei Plin. 20, 8 beta silvestris genannt, die botaniker verstehn darunter statice limonium. daziva darf man aber nicht anders auslegen als den volksnamen selbst, also nur aus dags dies. das engl. daisy, bellis perennis, war ags. däges eáge, die blume leuchtet wie der tag (mhd. ougebrehender klê.)
15) 4, 22. ξυρίς. Ῥωμαῖοι γλαδίολουμ, οἱ δὲ ἴριμ ἀγρέστεμ. Δάκοι ἄπρους. über ξυρίς s. Lobecks rhem. p. 293, ξυρόν ist ein messer, dessen klinge dem schwert gleicht. darf in aprus das lat. aper, ahd. ëpar, altn. iöfur mit voller gothischer endung ibrus gesucht werden? ags. eoforfearn ist polypodium und radiola, ahd. eparwurz carlina.
16) 4, 30. άγρωστις. Ῥωμαῖοι γράμεν, οἱ δὲ ἀσιφόλιουμ, οἱ δὲ σαγγουινάλεμ, οἱ δὲ οὐνίολαμ, Ἱσπανοὶ ἀπαρία, Δάκοι κοτίατα. Ulfilas setzt für zóotos bald gras, bald havi, gras ist herba pratorum, ayowotis feldgras, quecke, ags. cvice gramen, engl. quitchgrass, triticum repens, ein unkraut (oben s. 63), worauf auch die herba san210 guinalis, gr. лokuyovov, das vielknotige leitet. litth. bedeutet kotas den stengel am kraut. kotiata sieht ganz einer adjectivischen neutralform ähnlich, wie goth. midjata, sutjata, und scheint eben auf ein ausgelasznes gras bezogen dessen eigenschaft zu bezeichnen. gäbe es ein adj. hatis odiosus, so wäre gras hatjata leidiges, schlechtes, vgl. alts. hôti infensus und den thrakischen namen Kórug. ich wage keine änderung, sonst liesze sich für kotiata leicht etwas vorschlagen, wodurch es dem goth. qivata (vivum gramen) nah käme.
17) 4, 37. βάτος. Ῥωμαῖοι σέντις, οἱ δὲ ῥούβουμ, οἱ δὲ μόρα βατικάνα, Δάκοι μαντεία. dies halte ich für das gr. μαντεία auf Báros bezogen, der weissagende dorn, von irgend einer heiligen verwendung desselben. man denke an κυνόςβατος, den hagen oder weiszdorn, dessen frucht ahd. hiafa, alts. hiopa, ags. heope hiesz, an dem sich auch der zauberkräftige schlafdorn bildete, vgl. oben s. 159 über das weissagen mit zweigen.
18) 4, 42. πεντάφυλλον. Ῥωμαῖοι κιγκερόλιουμ, Γάλλοι πεμπέδουλα, Δάκοι προπεδουλά. hier hätte man ein anderes wort erwartet. die gallische pempedula hat volle richtigkeit, pemp das bretagnische wort für die fünfzahl, dula das welsche dâl, dail, ir. duille folium. dem quinquefolium und dem gr. oder gallischen ausdruck entspräche goth. fimflaufs, wie ahd. finfplat, ags. fîfleáf, engl. fiveleaf, böhm. pětiljstek. da in keiner europ. sprache die fünfzahl prop noch pro lautet, so musz in dem wort ein baarer schreibfehler walten, der sich auch durch gedankenlose wiederholung der drei letzten silben pedula des gallischen namens kundgibt. an ein lat. propatula denke ich nicht, zu vermuten wäre πιμπέφλαθ πιμπέφθουλα, falls unser blad, plat dem gr. έtaλov ganz nahe steht, vgl. n° 27.
19) 4, 50. τράγιον, τραγόκερως. Ρωμαῖοι κορνουλάκα, οἱ δὲ βιτουένσα, Δάκοι σαλία. das auf bergen und steilen abhängen wachsende kraut heiszt Toάytov, weil seine blätter im herbst bockenzen (προβάλλει κατὰ τὸ φθινόπωρον τὰ φύλλα τράγου ὀσμήν.) ich weisz nicht, ob das heutige bockshorn (ceratoria siliqua), eine hülsenfrucht, dasselbe ist. salia aber scheint unmittelbar das altn. selja, salix caprea, dän. selie, ahd. salaha, ags. sealh, engl. sallow und dem lat. salix urverwandt. wie sich aus diesem saliunca für ein kleineres 211 kraut bildet, kann auch selja verschiedenartige gewächse, deren blättern böcke und ziegen nachstellen[57], bedeuten. ahd. salaha steht geradezu für saliuncula und Mones ags. gl. 201 saliunculas selas, dies dakische salia ist also einleuchtend deutsch.
20) 4, 69. υοςκύαμος. Ῥωμαῖοι ἐνσάνα, δένταρια, Γάλλοι βιλινουντία, Λάκοι διέλεια. unter den mir bekannten namen der bilisa (mythol. s. 560. 1149), die auch russ. bjelena, poln. bielun, böhm. blen bljn heiszt, ist kein zum dakischen dielia stimmender. litth. drignés, lett. driggenes bilse, vgl. litth. dilgělě nessel. ich vermute ausfall eines kehllauts wie im lat. dies, goth. dags.
21) 4, 72. στρύχνον ἁλικάκαβον, Ῥωμαῖοι βισσικάλις, οἱ δὲ ἀπολλινάρις μίνως, οἱ δὲ ὀψάγινεμ, Λάκοι κυκωλίδα. das dakische wort mag dem lat. cuculus nachgebildet sein, kukukskraut, nachtschatten, ahd. nahtscato, ags. nihtscadu.
22) 4, 92. ἀκαλύφη, οἱ δὲ κνίδη, Ῥωμαῖοι οὐρτίκα, Λάκοι div. einsilbig, also gewis echt. zunächst läge, wenn keine lautverschiebung sein soll, das goth. deina oder deinô in vigadeina toiẞokos Matth. 7, 16, eine am weg wachsende stachlige also stechende pflanze, wie die nessel sticht oder brennt. das goth. sonst unerhörte wort empfienge dadurch willkommne bestätigung. ags. pona palmes, ahd. dono stimmen nicht im begrif, aber im welschen ist dynad und danadlen geradezu name der nessel, urtica. [vgl. abro-tonum.]
23) 4, 99. ποταμογείτων, Ῥωμαῖοι βήναι φόλιουμ, οἱ δὲ ἐρβάγω, οἱ δὲ γλαδιατώρια, Δάκοι κοαδάμα, Γάλλοι ταυρούκ. eine wasserpflanze, zu deren namen ich wenig zu halten weisz. ags. hodma bedeutet nubes, die wassertragende (mythol. s. 308) litth. kodis einen wasserkrug; das sind ganz dünne faden. näher läge dem schlusz der bessische ortsname Uscudama.
24) 4, 118. ἀστὴρ ἀττικὸς, οἱ δὲ ὑόφθαλμον, Ῥωμαῖοι ἐγγυτάλις, Λάκοι δαθίβιδα. ein strauch mit purpurblüte und rauhen blättern, man glaubt, Virgils amellus (georg. 4, 271), eine schöne 212 blume, vgl. Columella 9, 4. der name klingt deutsch genug, altn. râdabid ist tempus consultandi, was als blumenname den warnenden sinn unsers 'vergiszmeinnicht haben müste; vielleicht läge im ersten theil des worts ahd. rad, lat. rota, litth. ratas, lett. rats, aber für bida wüste ich dann keine hilfe.
25) 4, 126. βούγλωσσον, Ῥωμαῖοι λογγαίβουμ, οἱ δὲ λίγγουα βόβουμ, Δάκοι βουδάλλα. λογγαίβουμ scheint nicht longaevum, sondern blosze verderbnis aus lingua boum. da man auch ahd. hrindeszungâ (welsch tafod yr ŷch) sagt und der erste theil des dakischen worts gr. Pov enthält, so mag der ausdruck irgend einem andern thrakischen dialect nachgebildet sein, welcher die zunge dalla nannte, wobei mir doch das nnl. lel, schweiz. läl = zunge, kehle einfällt unser lallen bedeutet mit der zunge stammeln, lat. lallare, altn. lalla. D und L wechseln, eben in dingua lingua; möglich wäre ein goth. lallô. litth. heiszt das kraut godas, aber viele kräuter heiszen ochsenzunge.
26) 4, 132. κατανάγκη, Ῥωμαῖοι έρβα φιλικλὰ, οἱ δὲ δατίσκα, οἱ δὲ Ἰόβις μάδιους, Δάκοι καροπίλα. datisca, obschon in die botanik eingeführt, wird doch in dacisca zu bessern, also eigentlich dakische pflanze sein, heilkräftiger art, da sie auch dauvauern domitrix heiszt und zatavάyzn, weil sie unwiderstehlich zwingt; thessalische frauen zauberten damit. was bedeutet Jovis madius? darf man in karo ahd. haru linum erkennen, in pithla ahd. fidula, ags. fidele fidicula? dann möchte auch die herba filicula vielmehr fidicula sein. nur fragt sich, ob die gestalt des krauts einem besaiteten geräth ähnlich sah? seine blätter werden geschildert lang wie krähenfüsze, und wenn es dorrend sich auf den boden streckt, wie klauen eines todten weihen. ich werde jedoch über pithla gleich anderes vermuten.
27) 4, 134. ἀδίαντον, Ῥωμαῖοι κιγκινάλις, οἱ δὲ τέῤῥαι και πίλλους, οἱ δὲ σουπερκίλιουμ τέῤῥαι, Δάκοι φιθοφοεθελα. hier ist eine haarige pflanze, adiantum oder polytrichum, cincinnus (woher cincinnalis) oder capillus, supercilium terrae, auch bei uns frauenhaar, 213 Marienhaar, altn. Freyjuhâr. lat. capillus Veneris, welsch briger Gwener (mythol. s. 280.) hält der dakische name diese analogie, so könnte sein erster theil ein mythisches wesen anzeigen, dessen locken oder flechten der zweite ausdrückt, und 99ɛhά käme wieder auf jenes Tila heraus; die aspiraten scheinen sich auf gr. weise zu häufen und zu assimiliren. wie wenn man in beiden pflanzennamen die bedeutung haar fahren liesze, nur die von blatt suchte? pithla und phthethela scheinen dem gr. réτakov nicht fern (phtheth für pheth, wie πτόλις für πόλις) und zwischen πέταλον und φύλλον, folium hudet nahe berührung statt, diese letzteren entsprechen aber unserm blatt, das bei Ulfilas mangelt, altn. alts. blad, ahd. plat, mit versetzten lauten; φύλλον vielleicht aus φύλλον = πτέταλον πέταλον, wie φθύω === πτύω. in n° 18 wäre zu lesen πιμπέτυλα, πεμφθένεια oder etwas dergleichen.
28) 4, 149. ἐλλέβορος μέλας, Ῥωμαῖοι βεράτρουμ νέγρουμ, οἱ δὲ σαράκα, Δάκοι προδίορνα. veratrum wie veratrix von verare, divinare; saraca gleich andern bei Diosc. angeführten lat. kräuternamen sonst unbekannt. die dakische endung -orna ist ganz goth. -arna und prod darf zu frôps sapiens gehalten werden oder zu fraþjan, prodiorna, fraþjarna wäre ungezwungen das klug machende, den verstand stärkende kraut, ähnliches liegt in veratrum und stimmt zu der allgemein dem helleborum beiwohnenden kraft. das russ. tschemeritza, böhm. čemeřice, poln. ciemierzyca, litth. czemerei czemericzei entspringen aus böhm. čmyr, poln. czmér kriebeln im kopf, was dem niesen vorangeht.
29) 4, 171. ακτή. οἱ δὲ δένδρον ἄρκτου, οἱ δὲ ἥμερον, Ῥωμαῖοι σαμβούκουμ, Γάλλοι σκοβιὴν, Δάκοι σέβα. καλαμοειδεῖς zovoa zλádovs, mit rohrartigen holen zweigen, wie auch im ahd. holuntar (Graff 4, 880), schwed. hyll, dän. hylde, der begrif des holen liegt und die holunderstengel, mhd. holre, zu pfeifen geschnitten werden. hiernach könnten die Daken seba für holunder, andere mundarten denselben ausdruck für rohr oder bins gebrauchen: altn. sëf scirpus juncus, schwed. säf, dän. siv, ahd. semid, semida carex für sebid sebida, mhd. semt, noch heute in Östreich sebde neben semde; eine ags. übersetzung von Matth. 13, 25. 38 gibt zizania durch âte 214 (wilder haber s. 67) oder sifde, schilfgras für unkraut. den Serben ist zova sambucus nigra, was der form und bedeutung von seba nah kommt. Das gallische skobien hat bereits Diefenbach celt. 1, 90 im welschen ysgaw, ysgawen, cornischen scauan, bretagn. skav skao sambucus nachgewiesen; da nun im altschwed. Alexander skäf für säf steht und heutige deutsche mundarten den hollunder schübiken, schibchen nennen, so vermittelt sich urverwandtschaft zwischen seba und skobie. Um so wichtiger wird uns dieses seba, als der dem bären heilige baum noch viel andere alterthümliche beziehungen hat, und etwan aufschlusz über die altn. göttin Sif, über die Siva dea Polaborum bei Helmold daraus hervorgehn kann. in altböhm. glossen heiszt Siva Ceres und slavische mythologen erklären sie lebensgöttin (žiwa), wie ich die nordische Sif mythol. s. 286 Sibja Sippa vielleicht unrichtig deutete.
30) 4,172, χαμαιάκτη, οἱ δὲ ἕλειος ἀκτὴ, οἱ δὲ ἀγρία ἀκτὴ, Ῥωμαῖοι ἐβουλουμ, Γάλλοι δουκωνε, Λάκοι ὅλμα. das and atah atuh, nhd. attich hängt vielleicht durch umstellung mit azt zusammen und zu scheint azt azṛéa sambucus nigra, verschieden von azt korn, woher unregos az saatkorn. olma gleicht dem lat. ulmus, it. olmo, franz. orme, altn. âlmr, schwed. alm, dän. älm, ags. engl. ahd. elm, nhd. ulme, welcher baum freilich vom strauchartigen ebulum abweicht; da jedoch ags. ellen, nd. ellhorn sambucus (mythol. s. 618), ir. ailm pinus bedeuten, scheint das wort auf verschiedenartige gewächse angewandt. gall. dukone kann ich nicht aufzeigen, so keltisch es klingt.
31) 4, 175. κολοκυνθίς. Ῥωμαῖοι κουκούρβιτα σιλβάτικα, Jazol tovτάotoa. läszt die runde kürbisgestalt an ahd. tutto mamma τουτάστρα für σουτάστρα? die bildung -astra wäre in âgalastra pica, in ramestra strychnum, herba salutaris (Graff 5, 512. Mones anz. 1835, 95) in ganastra scintilla (Graff 4, 297.)
32) 4, 182. άμπελος μέλαινα, οἱ δὲ βρυωνία μέλαινα, οἱ δὲ βουκράνιον, Ρωμαῖοι ἀβλαμήνια, οἱ δὲ βατανούτα, οἱ δὲ βετισάλκα, Δάκοι πριαδήλα, οἱ δὲ πεγρίνα. ein üppiges rankengewächs, 215 dessen römische namen unbekannt oder verdorben sind. dagegen scheint priadela genau das ahd. friudila, friedila amica, wozu man noch das litth. priětelka, russ. prijatelnitscha, böhm. přjtelnice, poln. przyjaciotka halte, zu vergleichen wären auch die thrakischen Priantae (oben s. 201.) in einer glosse (sumerl. 57, 62) finde ich die herba mercurialis, Equoi róa, sonst parthenium, verdeutscht vridelisoge d. i. friudiles ougâ und bei Mone 8, 405 flos campi friedels ouge. der volkspoesie liegt es nah, liebende mit weinreben zu vergleichen, einserbisches lied (bei Vuk 1 no 555) hebt schön an:
obvila se bela loza vinova
oko grada oko bela Budima:
to ne bila bela loza vinova,
vetsch to bilo dvoje mili i dragi.
diese rebe musz den Daken gefallen haben, da auch pegrina, der andere name, aus goth. fagrs, ahd. fagar gedeutet werden darf = goth. fagreina, mit hinzugetretner ableitung.
Auszer den dakischen glossen theilt Dioscorides auch eine einzige bessische mit, die ich nicht übergehn will. sie steht 3, 116 beim βήχιον. Ρωμαῖοι τουσιλάγω, οἱ δὲ φαρφάριαμ, οἱ δὲ πουστουλάγω, Βεσσοὶ ἀσᾶ. asa ist ohne zweifel richtig, ich weisz es aber nicht zu deuten, da weder der begrif des pferdehufs von des krauts gestalt (woher ungula caballina, unser huflattich, huofblat Helbl. 3, 372), noch des hustens (Bs, tussis, woher tussilago) von seiner heilkraft, auf ein wort wie asa in unsern sprachen leitet. das litth. asa bedeutet handhabe (lat. ansa, vgl. oben s. 114) und nadelöhr. asant (asa foetida und dulcis, für assa, tosta?) wird kaum gemeint. gleich dunkel scheinen die lat. farfarus, farferus (Festus s. v. farfenum) farfaria, farfugium (vgl. febrifugia no 4) und pustulago oder populago. den letzten namen erklärt Plin. 24, 15 aus ähnlichkeit des pappelblatts. man findet gr. auch χαμαιλεύκη, χαμαιπεύκη, was an χαμαίπιτυς reicht.
Dies bisher übersehne glossarium, worauf ich noch öfter zurück216 kommen werde, ist, wenn man schon bloszer vermutung trauen will, das älteste denkmal unsrer sprache, da es wo nicht im ersten, sicher im zweiten jh. gesammelt wurde; niemand wird unbillig fordern, dasz ich beim anlauf solcher verschollenen wörter nirgend gestrauchelt sei. Von Ulfilas, der dreihundert jahre später schrieb, so weit wir seine verdeutschung heiliger schriften übrig haben, sind auch die pflanzennamen bainabagms, vigadeinô, aihvatundi gebraucht worden, deren sinn lange zeit unerforscht blieb; wie sollten nicht in der älteren, von einem ausländer veranstalteten wortsamlung jetzt unauflösbare dunkelheiten haften. Sind nur sechs oder acht meiner auslegungen wahr, die übrigen mehr oder minder wahrscheinlich, so reichen sie vollkommen hin es bedürfte keines andern beweises, dasz Daken und Geten deutsche, deutschverwandte völker waren. alle übrigen gründe träten einem hauptzeugen, den fürder niemand entfernen würde, hinzu.
Vorzugsweise in anschlag kommen crustana tulbela kotiata salia dun prodiorna seba priadela pegrina. unser ableitendes -ila erscheint in tulbela dochela priadela phthethela caropithla[58], -ula in mozula, -ana in crustana, -ina in dakina pegrina, -orna in prodiorna, -astra in tutastra, -s des nom. sg. in bles aprus, adjectivisches -ata und -osta in cotiata zuosta (vgl. Costoboci.) merkwürdig wäre der gen. sg. anias, entweder goth. anjôs oder anjôns.
Das allerwichtigste ist der lautverschiebung abgang, worüber im verfolg ausführlicher zu reden sein wird. die dakische sprache hielt also damals ihre consonanten noch auf der stufe, von welcher die slavische, litthauische, griechische lateinische nie gewichen sind. dadurch erschwert und erleichtert sich die deutung dieser wörter, weil ihr ein weiteres feld offen steht, als das enge gebiet deutscher zunge allein.
Ich stelle überhaupt nicht in abrede, sondern hebe hervor, dasz ein nahes verhältnis der getischen sprache zur litthauischen (samogeti-217 schen) obwalte: wie Zalmoxis zu szalmas, Oroles zu Errelis, stimmt krusta krustane zu kregźdě kregždyně, und -elis, -ělě, -ině sind auch litth. bildungen, wie der litth. nom. sg. auf -s ausgeht.
Was soll man sagen zur entschiednen gleichheit des welschen dynad mit duv urtica, in form und bedeutung, die genauer ist als die des goth. deinô? ist es urverwandtschaft auch mit keltischer sprache, oder 4, 92 Δάκοι verschrieben für Γάλλοι?
Das ergebnis aller dieser forschungen läszt sich nach drei stufen verschieden stellen.
Die Thraker und Geten sind den übrigen urverwandten völkern in Europa gleich und ihre sprache darf aus deutscher wie aus slavischer, litthauischer, griechischer, keltischer mitgedeutet werden, auszerdem aber noch einen eigenthümlichen bestandtheil haben.
Oder Thraker und voraus Geten zeigen besondere annäherung zu litthauischer und germanischer zunge; theile ihres volks sind unmittelbar in Litthauer und Deutsche eingegangen.
Oder endlich es fand ein noch engeres band statt zwischen nordwestlichen Thrakern d. i. Geten und östlichen Germanen, d. i. Gothen, so dasz beide Geten und Gothen den deutschen und thrakischen stamm vermitteln.
Das alles kann bestätigung empfangen, wenn wir die germanische spur höher im osten verfolgen.
- ↑ wie andere völker winde nach der gegend des landes, woher sie streifen: ein wint von Barbarie wet, der ander von Türkie, heiszt es beim Tanhûser MS. 2, 68b. Auch nachtigall und schwalbe fliegen den Griechen aus Thrakien zu, Babr. 12, 8 sagt die eine zur andern: πρώτον βλέπω σε σήμερον μετὰ Θρᾴκην.
- ↑ Aber die griechische Nation ist nach allen Indern die größte, avoúlov
- ↑ Herodot 1, 28. 3, 90. 7, 75 kennt natürlich noch in Asien Thraker.
- ↑ Thrakien zählt zu den mächtigsten Nationen Europas und ist in vierzig Schichten unterteilt
- ↑ Ganz Deutschland war von den Sarmaten und Dakern durch gegenseitige Angst oder durch Berge getrennt
- ↑ mit Ausnahme derjenigen der suebischen Nationen, derjenigen innerhalb des Waldes und derjenigen außerhalb des Waldes, die ebenso an die Getae gebunden sind wie die suebische Nation
- ↑ aber der südliche Teil Deutschlands, jenseits des Albius, der ein durchgehender Bergrücken unter den Sueben ist, ist besetzt. Eyt ̓ euthys verbindet das Getae-Land zunächst mit einer Meerenge, die sich im südlichen Teil bis zur Istrien erstreckt. an den Ufern des Hercynian-Waldes, von dem ich ebenfalls die Bezeichnungen besaß, soll er sich in Richtung der Bären bis nach Tyrigeton erstrecken, aber die genauen Bezeichnungen liegen uns nicht vor;
- ↑ Beseitigen Sie diejenigen, die zum Pontus und zum Meer neigen. Und man hört die in Tanandien in Richtung Germania und die von Istro gehen und s. 313 heiszt es: Dies sind die Fortsetzungen von Italien und den Alpen und Germanen und Daker und Getae.
- ↑ ahd. samararte, folglich goth. samarazdai.
- ↑ Die Daker sind Homoglotten unter den Getae
- ↑ denn in unserer Zeit marschierte Aelius Catos von den Ufern des Istro zu fünf Myriaden von Körpern vor den Getae, einem Volk thrakischer Sprache, nach Thrakien;
- ↑ Jenseits von Lygien regieren die Goten, bereits etwas unterworfener als die anderen Völker der Germanen, aber noch nicht über der Freiheit.
- ↑ "Trajans Eroberung Dakiens brachte unzählige Männer aus der gesamten römischen Welt mit sich, um die Felder und Städte zu bestellen. Denn Dacia wurde während des langen Krieges von den Männern des Decebalus erschöpft"
- ↑ vgl. Massmanns libellus aurarius p. 99.
- ↑ "Durch Gouverneure und Botschafter vernichtete er die Germanen und Daker sowie viele Nationen und jüdische Rebellen."
- ↑ denn mit des Aelius Catus überführung der Geten nach Moesien wird es so wenig gelöst als mit dem untergang der Daken seit Trajans sieg.
- ↑ "Lobpreis an Kaiser Konstantion"
- ↑ "aber der Frieden für die Getae ist sicher"
- ↑ "denn nach dieser Zeit kamen die Urfilaner von jenseits Istriens, die Skythen, die früher Getäer waren, aber jetzt sind die Goten gut, ein Volk, das wegen seiner Frömmigkeit, die aus den Häusern der Nationen stammte, sehr stark an die Römer weitergegeben wurde, und bald darauf: dies ist Urfilas. . . In Getica wird ein Bischof der Christen geweiht"
- ↑ Photii epitome Philostorgii H. E. 2, 5.
- ↑ vgl. meine academische abhandlung s. 20. 21.
- ↑ "Auch Philipp, der Vater Alexanders des Großen, schloss Freundschaft mit den Goten und heiratete Medopa Gothila (Al. Medorum Gudila), die Tochter des Königs, damit er, gestärkt durch diese Verwandtschaft, die Königreiche der Mazedonier stärken konnte."
- ↑ Kithilas, König der Thraker, Agon Medan
- ↑ oder zwischen den Flüssen Ribenos und Tanais
- ↑ Die Thraxes sind einsprachig
- ↑ Cassius Dio 51, 22 erzählt, wie im j. 725 (28 vor Chr.) ein kampf zwischen Daken und Sueven in Rom zur schau gegeben wurde: gói rods ἀλλήλους Δακοί τε καὶ Σουήβοι ἐμαχέσαντο, und figt hinzu εἰσὶ δ ̓ οὗτοι μὲν Κελτοὶ, ἐκεῖνοι δὲ δὴ Σκύθαι τρόπον τινά. das ist τρόπον τινὰ ganz richtig, als er aber nods to azoßes sprechen will folgt nur, dasz die Sueven über dem Rhein, die Daken zu beiden seiten des Ister wohnten; keltische, germanische, thrakische, skythische sprache zu sondern fiel ihm nicht ein. zweihundert jahre vor ihm hatte Strabo die Sueven als nachbarn der Geten geschildert.
- ↑ Der mutigste und gerechteste der Griechen
- ↑ Vorbei sind die Unsterblichen
- ↑ "Die Thraker sind eine Nation, ausgestattet mit Namen und Manieren. einige sind wild und die meisten bereit für den Tod, ganz sicher die Getae"
- ↑ ich weisz nicht aus welchem grund Ukert im anhang zu Skythien, nicht bei Thrakien, das getische und dakische land abhandelt; aber es geschieht mit gutem fug.
- ↑ mythol. s. 132. 913. 1205. 1225. Ad. Schmidts zeitschr. 3, 348. 4, 544. Schafarik s. 804. Palacky 1, 135.
- ↑ der zufall spielt seltsam, wenn in Zauódogs die nemliche bildung ist, ich bestehe aber nicht das abenteuer mich hier auf den samothrakischen cultus einzulassen.
- ↑ jeder hat eine Frau
- ↑ alle außer den Thrakern, sogar den Getae
- ↑ denn keiner von uns heiratet, noch zehn
- ↑ Sie würden auch keinen Teil ihrer Manieren mehr loben, denn fast nur die Barbaren geben sich mit einer Frau zufrieden, mit Ausnahme einiger weniger, die nicht aus Wollust, sondern aus Adel viele Ehen eingehen.
- ↑ vgl. oben s. 18. die pellex hiesz ahd. auch ella giella kiella gella, mhd. gelle, altn. elja, d. i. aemula, rivalin, wie ello aemulus, rival, von ellan eljan, goth. aljan pugna, certamen, Šūkos.
- ↑ Orelli zur horazischen stelle meint: hunc Suevorum morem ad Getas transtulisse videtur poeta. so auszulegen wie unerlaubt! dem Strabo sind Geten und Sueven gerade unmittelbare nachbarn.
- ↑ aeol. Δάνος. Prisc. 6, 264. Ahrens dial. aeol. 35.
- ↑ beide formen zusammen stellt die plautische redensart: usque ad raucam ravim.
- ↑ Die Engländer erweichen ags. þegen in thane, lat. decanus in dean, franz. doyen, ir. deacanach. taken wird in den schottischen volksliedern häufig zu taen, tane.
- ↑ mox vehiculum et vestes, et si credere velis numen ipsum secreto lacu abluitur. servi ministrant, quos statim idem lacus haurit. arcanus hinc terror sanctaque ignorantia. Tac. Germ. 40. ebenso tödtet Ketilbiörn seinen knecht · Haki und seine magd Bôt, die ihm geholfen hatten seinen schatz zu bergen. Landnámabók 5, 12. [auch Egill die beiden knechte. Egilss. 767. Skalagriurr vergräbt einsam. p. 396. den maurer tödten Diocletian 5923. sevin sages 3077.]
- ↑ auch in 9oñazos fromm, das Plutarch aus Oos und dem orphischen cultus leitet, das 2.
- ↑ daneben Transamunt, was zum altn. þrâsa stimmt, nicht zum goth. bras.
- ↑ darf hierher gezogen werden, dasz es für unchristlich und heidnisch galt, sich in bärenhaut zu hüllen? mythol. s. 970 vgl. KM. no 85 und Biarnhedinn mythol. s. 1232.
- ↑ die Russen mit ihrem Ovidiopol haben nicht die rechte alte stelle getroffen. Kohls Südruszland 1, 168.
- ↑ der an den Λίβης oder Λίβυς τῶν Χάττων ἱερεύς Bei Strabo s. 292 gemahnt.
- ↑ bei Procop de b. pers. 1, 8 merkwürdig Zẞioaç f. Blooαç.
- ↑ bessica ortus progenie. Iornand. de regn. succ. p. m. 58.
- ↑ Schafarik s. 395 findet Caucaland, ich weisz nicht ob auch Cogaeonum im siebenbürgischen Küküllö. [unten s. 676.]
- ↑ erkwürdig, dasz Tac. Germ. 43 für Gothini die lesart Bothini vorkommt und in der genealogie des cod. vaticanus neben gothischen völkern Butes als abkömmlinge des Ermenius (mythol. stammtafeln s.XXVII. Haupts zeitschr.1,562.)
- ↑ 3, 6 heiszt es von einer art der ἀριστολοχία: Ἰταλοὶ τέῤῥαι μάλα Δάκοι ἀψίνθιον χωρικόν, d. i. absinthium rusticum, es kann ebenwol von den Griechen übernommen sein, wie n° 1. 10. 27, mehr römisch scheint 21.
- ↑ vgl. skr. krus clamare, sl. krastel, russ. korostel, poln. chrościel wachtel.
- ↑ beidemal ohne artikel, als wärs eigenname. auch Tit. 2946 (Hahn.)
- ↑ ein seltsamer zufall, dasz in dem bekannten yor9izóv bei Costantinus porphyrog. gerade der ausdruck toßɛɛ vorkommt; es wäre schwer zu rathen, wie der name eines krauts in dies weihnachtslied, worauf ich im verfolg zu sprechen kommen werde, gehört. in unsern volksliedern bilden blumennamen manchmal den refrain.
- ↑ mit rücksicht auf die ähnlichkeit der wörter 9vuós mens und Dinos thymus liesze sich das poln. dobréj myśli, böhm. dobrá mysl origanum vulgare zu mozula halten; doch wird das einfache myśl nicht für ein kraut verwandt, und jene namen scheinen aus dem deutschen wolgemut entsprungen.
- ↑ denn der bock heiszt τράγος von τράγω = τρώγω, weil er am laub knuppert (fressend knirscht, oben s. 35.)
- ↑ die ungleichheit des vocals and accents in τουλβηλά πριαδήλα δοχεία 99ά messe ich der aufzeichnung und herausgabe bei.