GDSG/Die Liquation
Den namen der liquiden verdienen L R M N, weil sie noch 309 etwas von der natur des vocals an sich tragen und zwischen den stummen consonanten flieszen, daher auch häufig die stelle wechseln. R und L heiszen im sanskrit halbvocale und werden den spiranten J und Van die seite gesetzt. auch in unsern europäischen sprachen geht L über in I und U, es wird gleichsam in den vocallaut geschmolzen; Raber entspringt in der mitte von vocalen. M entfaltet sich vor labialen, N vor gutturalen und lingualen wiederum aus vocalen. im sanskrit gehören hierher anusvâra und visarga, NG und H. einzelne sprachen, wie die chinesische, meiden den harten laut des R durchaus, umgekehrt die armenische und zendische das L.
Auch das ist ein zeichen der flüssigen natur des R, dasz die spirans S zu R wird, der sausende laut zu einem summenden surrenden, wie die Engländer sagen, buzzing sound. unsre sprache scheint den allmälichen eintritt dieser wandlung gut zu zeigen. im gothischen hat sie noch gar nicht statt, bereitet sich aber dadurch vor, dasz S inlautend bei zutretenden flexionen oder anhängen schwächung in Z erfährt, das nicht gleich dem ahd. Z, sondern als blöderes, dickeres schwirrendes S auszusprechen ist[1]. Niemals kann der anlaut S gefährdet werden. Am seltensten erscheint dies Z nach A, auszer wo noch ein consonant vorhergeht: ans anza, þans þanzei, marzja, oder folgt: gazds, razda, Azdiggs, auch wenn langer vocal drückt: usana uzôn, azêts; nicht aber würde für basi kasa geschrieben werden bazi kaza. häufiger ist es nach I U, vor langen vocalen und consonanten: is izôs izai izê, pis þizei, im iza der comparitive, riqis riqiza, izvis, mizdô, barizeins, visan vizôn, þus þuzei, jus juzei, us uzuh, tus tuzvêrjan, huzd, in den gen. -aizôs -aizê, in ais aizis, hais haizis lampas (blosz der dat. pl. haizam Joh. 18, 3), dius diuzis, slêpa saizlêp, in den comparativen -ôza, in airzja, fairzna. alle verba, deren wurzel auf S ausgeht, halten es fest durch die tempora: visa vas vêsum, lisa las lêsum, kiusa kaus kusum. R für S zeigt sich nur in den assimilationen urruns urreisan für usruns usreisan, wo nicht uzruns uzreisan geschrieben wird. als ältere spur des R zu erwägen bleibt vairþa fio, das zu visa gehört wie fio zu fui, und vielleicht aus visada entsprang? fio musz erwachsen aus facior ficior. ich habe den grund noch nicht entdeckt, warum die übliche passivflexion -ada bei vairpa ein þa annimmt [vairpa ist verto], es wäre von groszem werth, wenn wir die gestalt dieses worts aus noch früherer zeit erfahren könnten; gewis aber musz die abweichung vom gewöhnlichen passivum sehr alt sein, da das scheinbare activum ablaut zeugte. Von dieser merkwürdigen ausnahme abgesehn sind in goth. sprache alle S und R scharf unterschieden: asans messis arans aquilae, vasjan vestire varjan prohibere, basi bacca baris hordeum, ais aes air mane, gazds zévτoov gards olzog. Wie nun leibliche umwandlung an einzelnen gliedern beginnend sich immer weiter ausdehnt, so sehn wir auch in der hochd. sprache diese R fortschreiten, goth. basi kas nasjan sind ahd. zu peri char nerran, goth. is mis bus veis jus zu er mir dir wîr îr, goth. mais ais 311 dius ausô raus zu mêr êr tior ôrâ rôr geworden, alle flexionen im weiblichen adj. gen. dat. sg. und gen. pl. aller geschlechter, alle comparative haben R, desgleichen die nom. sg. masc. plintêr und die pl. eigir lempir loupir huonir; doch starke verba behaupten S im praes. und I. III sg. praet. ind., nehmen aber R in II sg. praet. ind., im ganzen pl. und ganzen praet. conj. an: wisu, was wâri was wârum; liusu, lôs luri lôs lurum; chiusu, chôs churi chôs churum; vriusu, vrôs vruri vrôs vrurum; rîsu, reis riri reis rirum; man kann sagen, dasz die einsilbigen formen des praet. S behaupten, die zweisilbigen, gleichviel ob kurzer oder langer vocal vorausgehe, R setzen. doch andere, sonst ganz gleiche verba halten noch durchgehends S aus, namentlich farwisu, farwas farwâsi farwas farwâsum (gramm. 1, 866); nisu, nas nâsi nas nâsum; chrisu, chras chrâsi chras chrâsum. Mhd. lise, las læse las lâsen; genise, genas genæse genas genâsen (aber oft auch lære lâren, genære genâren); überall wise, was wære was wâren; gise, jas jæse jas jâsen; krise, kras kræse kras krâsen und daneben, krîse, kreis krise kreis krisen; brîse, breis brise breis brisen; rîse, reis rise reis risen (daneben rir rirn); kiuse, kôs kür kôs kurn; niuse, nos nür nôs nurn; vriuse, vrôs vrür vrôs vrurn. Nhd. behauptet sich S in lesen, genesen, hingegen hat R in war, gor, kor, fror auch 1. III sg. praet., ja in gären frieren selbst die praesensform ergriffen, während kiesen fortbesteht, und auszer verwesen auch das subst. wesen dem S treu bleiben. Aus Visurgis, ahd. Wisuraha ward allmälich Werrahn Werre.
Leicht kann man diese forschung auch auf die übrigen deutschen sprachen erstrecken; unter ihnen allen ist es die nordische, welche dem R am meisten nachgegeben hat. der einzige gen. sg. masc. und neutr. erster decl. hält das -s der flexion: dags barns, doch männliche gen. der zweiten und dritten empfangen, gleich allen weiblichen -ar: belgr belgjar, sonr sonar goth. balgs balgis, sunus sunaus. Im verbum aber empfängt die II. III sg. praes. einförmiges -r, ja die neunord. sprachen theilen es allen drei personen zu. lesa las lâsum rîsa reis risum, friosa fraus frusum, giosa gaus gusum, wahren S, 312 doch findet sich frurum und kiosa kaus kurum; überall bis ins praesens vera var vârum. einzelne ältere denkmäler zeigen noch es für er, vas für var. der pl. hat erum erud ero (und zuweilen blosz ro.)
Einigemal sprieszt ahd. und mhd. solch ein R zwischen zwei vocalen auf. pim pist ist bildet den pl. pirum pirut pirun und grian scrian spian machen das praet. grei griri grei grirum, screi scriri screi scrirum, spei spiri spei spirum. und hierher gehören auch die bei Graff 2, 556 unverstandnen biruwîs habitaveris O. II. 7, 18 biruun habitaverunt O. IV. 4, 59 praeterita von bûan habitare, welches mit bim bist birum nah verwandte verbum 0. stark flectiert haben musz, etwa folgendermaszen: praes. bûu bùis bûit, pl. bûen bûet bûent, praet. biru biruwi biru, pl. biruum biruut biruun. praet. conj. biruwi biruwis biruwi, obgleich noch einzelnes unsicher bleibt, namentlich könnte auch der pl. ind. biruwum biruwut biruwun lauten. O. accentuiert das i: biruuuis biruun, wie sonst im diphthong iu: íuih íuer dríuuon. gleich jenem birum scrirum aus bium scrium ergibt sich biru biruwi biru aus biu biuwi bin, welches starke praet. ich dem vermutlichen goth. bauan baibô, altn. byggja biô an die seite setze. mitten im diphthong IU erhebt sich R, aus goth. speiva praet. spaiv pl. spivum hätte sich vielleicht auch spizvum ahd. spirum erheben können.
Wie, liesze sich nun doch andrer aufschlusz über das goth. pronomen jus izvara izvis gewinnen, als ich mir einbildete, da ich dies wort zuletzt untersuchte? izvara dem altn. idvar gleichzustellen hatte guten schein; doch natürlicher kann aus dem nom. jus, der für ius steht, mit zwischenkeimendem Z und wandlung des U in V vor nachfolgendem vocal, izvara izvis entspringen. izv gleicht dem ahd. iru in biruwis spirun aufs haar, wie aber neben spirun andere spiwun spiuwan sagen, hat sich auch ahd. iuwar behauptet: es wäre nicht unmöglich, dasz einzelne ahd. denkmäler dafür iruar irwar? gewährten. der goth. nom. jus konnte kein Z entfalten, weil I zu J geworden war und kein vocal nachfolgte, der U in V gewandelt und ZV erzeugt hätte, welches demnach nur für die obliquen casus eintrat.
Da goth. Z auf reines S zurückweist, was auch ubizva ahd. opasa, ags. efese bestätigt, so scheint mir Z in izvara izvis dem S in unsara unsis identisch und beiden das lat. S in nostri vestri vergleichbar. nicht anders begehrt das R in pirum scrirum ein ursprüngliches S, welches noch in dem imp. pis mhd. bis esto oder, um einen kühneren satz auszusprechen, im ganzen verbum visan vas haften mag. ich werde anderweit ausführen, dasz die wurzel visan aus der älteren wurzel entsprossen ist, die unser B in bin, das lat. F in fui fio hergegeben hat.
Z tragen an sich die goth. gazds stimulus, razda loquela, mizdô merces, huzds thesaurus und vielleicht das gemutmaszte hruzdô dakische crusta hirundo, welchen ahd. kart rarta hort, vielleicht hrorta gegenüberstehn. man begreift, dasz sich neben mizdô, ags. meord, gr. μołóg, sl. mzda ahd. mieta, wie iuwar neben izvara, mit unentfaltetem surrlaut, darbietet; ist doch den Slaven auszer mzda zugleich m'ito eigen. altn. aber entspricht dem ZD DD in rödd (neben raust) haddr oddr broddr; vielleicht in hrodda hirundo? edda, die urmutter, führt sie auf izdô (Vesta Eoría)? oder steht sie näher zu abei eids (s. 271)? es könnte verwegen vom finn. isä auf izdô, von izdô sogar auf airpa, wie von visada auf vairþa gelangt werden, auf die mütterliche ërda und die doppelbildung edda und iörd vertrügen sich zusammen wie mizdô und mieta. hierher scheint auch die schwankende gestalt der ahd. partikel edo eddo erdo (Graff 1, 147) goth. aibþau, und vielleicht widar wirdar (Graff 1, 635) gehörig.
Man hat bei entwicklung des Z aus S immer die fortbildung der ursprünglichen wortform mit S in flexion, suffix und zusammensetzung anzuschlagen, welche von der schärfe des S die aufmerksamkeit des redenden ablenkt und es vernachlässigen und vergröbern läszt. aus diesem grund kann kein anlautendes S in R verderbt werden. so entspringt aus is izôs izai, aus jus juzei, aus hans þanzuh, aus ans anza 314 (Luc. 6, 41. 42), aus mais maiza, aus mins minznan, aus us uzuh uzêta uzôn, während die schon im nom. sg. oder der ersten person festgehaltnen zweisilbigen hansa oder pinsa auch vor jeder andern flexion haften. einigemal mögen die schreiber straucheln; so würde 1 Cor. 8, 13 mims carnem richtiger scheinen als mimz, Marc. 6, 8 ais als aiz? doch beidemal folgt ein vocalanlautendes anderes wort, dessen einwirkung möglich wäre,
Jenem ahd. aufsteigen des R zwischen vocalen stehn in gewisser weise tilgungen des R gegenüber, die jedoch verschiedner art sind. ahd. waso cespes franz. gazon scheint entsprungen aus wraso, wie noch heute in einigen gegenden wrase frase vernommen wird, das nhd. rasen geht umgekehrt aus aphaeresis des W, wie sie in der regel statt hat, hervor. gerade so erwuchs ahd. hreigiro (Graff 4, 799) mlat. hairo, franz. héron, mnl. heiger ardea aus hreigiro, ags. hrâgra, nhd. reiher (vgl. Graff 2, 443.) unser nhd. welt stammt aus mhd. werlt, ahd. weralt; doch das fries. wrald wrauld rauld bestätigt den übergang aus wrase in rase. war scollo gleba ursprünglich scrollo, wie nhd. auch schrolle gehört wird? ahd. spioz mhd. spiez altn. spiot entbehren das im ags. spreot nnl. spriet haftende R. bekannt sind nhd. fodern (das einige auf lodern reimen), befödern f. fordern befördern und köder f. kerder ahd. querdar esca; ähnlich ahd. skerdar und skedar cardo (Graff 6, 543.) im ags. sprecan spräc wurde R schon frühe getilgt und specan späc gesetzt (Kembles urk. 2, 133), was im engl. speak speach durchdrang. im mnl. doghen pati, alts. adogean ist R verschluckt, wie das ags. adreogan lehrt und die verwandtschaft mit tragen ertragen. alle bisher gegebnen beispiele der tilgung zeigten jedoch genuines R, kein adulterines, aus S entsprungnes. ein solches aber wird ausgeworfen im alts. linôn discere, das überall für lirnôn, ahd. lirnên steht, lirnên entspringt aus lêran docere goth. laisjan und würde goth. lisnan, liznan (wie minznan minui) lauten.
Unter allen urverwandten sprachen zeigt in wandlung des S zu R keine gröszeren einklang als die lateinische. Cicero ad fam. 9, 21 315 sagt von Papirius Crassus, der 336 j. vor Chr. consul war: qui primum Papisius est vocari desitus, und Pomponius Digest. I. 2, 36 von Appius Claudius (consul 307 und 296 vor Chr.): R literam invenit, ut pro Valesiis Valerii essent et pro Fusiis Furii. mit dieser erfindung wird es wenig mehr auf sich haben als mit der der monatsnamen Julius und Augustus durch Caesar und Octavius (s. 77); im vierten fünften jh. vor Chr. mochte man in einzelnen namen das R dem alten S vorziehen, das die aussprache gewis schon in andern wörtern hatte. Livius 3, 8 schwankt zwischen Veturius und Vetusius (schon 462 vor Chr.), Festus s. v. Aureliam meldet, dasz auch die Aurelii früher Auselii hieszen. folgende wörter hatten altes S: asa für ara, ausum für aurum, ausis für auris, sosor f. soror, fasena f. harena arena, hesi f. heri, fesiae f. feriae, fusvus f. furvus, lases f. lares, muses f. mures, nases f. nares, wie nasus blieb, quaeso f. quaero, ruse f. rure, spusius f. spurius; dann die flexionen des comp. majoses f. majores, meliosibus f. melioribus, plusima f. plurima und wie noch jetzt arbos pignus lepos gilt, flectierte man arbosem pignosa leposes, helusa f. holera. pasus f. parus aus passer zu folgern, auch in andern sprachen rühren meise und sperling aneinander. fesa f. fera durch goth. dius, flos fiosis durch das sabinische Flusa f. Flora (s. 113) bestätigt, mos mosis analog zu folgern. die übereinkunft mit der goth. weise folgt klar ans aes aeris: ais aizis und magis major, minus minor: mais maiza, mins minniza. im ags. blôsma zeigt sich die spirans von flos flosis, im goth. blôma, ahd. pluomo nicht. anderes lehrt auch die zuziehung der übrigen sprachen, z. b. ros rosis folgt aus litth. rasa, sl. rosa, hausio hausi f. haurio aus altn. ausa haurire und vielleicht goth. hausjan audire. Besonders zu achten ist auf die entfaltung des R in der lat. conjugation. aus dem S in sum sumus sunt für esum esumus esunt entspringt R in eram eras erat esam esas esat, ero eris erit - eso esis esit, und gerade so in amarem aus amasem. dieser wechsel gleicht dem in was wârum, chôs churum. das altn. R. in erum erud ero entspricht dem esumus esut esunt und die kürzung ro dem sunt. Doch alle lat. R ergeben sich nur nach vocalen, nie wie das goth. Z auch nach consonanten[2].
Dagegen erscheint die gr. sprache, welche ihr anlautendes N noch durch die spirans schärft, diesem inlautenden schwirrenden R ziemlich abhold. wenn doooos, wie es allen anschein hat, zu jenem ros rosa rasa, aber auch zum goth. driusan cadere gehört, an welchem das DR ausnahme von der lautverschiebung macht; so erhalten wir dadurch einsicht in seine wurzel: es ist der fallende, triefende, vgl. goth. drus To und ags. dreore, altn. dreyri gutta, zumal sanguinis. Doch steht deutlich ng für 9g, wie goth. dius lehrt und zogóg darf sich mit flos floris vergleichen[3]. Öfter ist die gr. spirans getilgt, wie in jenem ahd. bium scrium für bisum scrisum und hernach birum scrirum; so fasse ich gr. uus vós f. uvoós, was lat. mus musis, ahd. mús mûsî erreicht: das thier heiszt so vom stehlen, mausen und uvo uvoo blinzen[4], vielleicht véw und uiorns (vom geheimen raunen) fallen hinzu, in uso wäre der übergang in summendes Z. Noch mehr leuchtet die tilgung ein in den comparativen, deren superl. Σ behauptet, weil er an dem folgenden T stütze fand. Thɛiov also steht für theiσov aheilov, superl. heioros, welche dem lat. plus pluris plusis und plurimus plusimus, dem altn. fleira fleisa, flestr genau entsprechen. nicht anders verhält sich uɛov (hier deutlich Z) zum goth. maiza, und erwuchs aus uɛyiv, wie der superl. uέytoros.
goth. maists behielt. das adv. μάλα ist f. μάγαλα und μᾶλλον f. μαλίον dies f. μαγαλίον μαγαλίζον. ὀλίζον f. ὀλιγίζον hat das 317 comp. S, der superl. 6kiyorog ist nicht unregelmäszig, sondern vollkommen. gleichergestalt beschaffen ist es um diov goth. sutiza ἥδιστος sutists, καλλίων κάλλιστος, manche entfalten SS durch assimilation des comp. S mit der wurzel: zoavis zoάoowv f. z0ατίζων κράτιστος, βραδύς βράσσων 1. βραδίζων βράδιστος, βαθύς βάσσων Ι. βαδίζων βάθιστος, παχύς πάσσων f. παχίζων πάχιστος, γλυκύς γλώσσων f. γλυκίζων γλυκιστος, ταχύς θάσσων f. ταχίζων τάχιστος. statt des dor. κράσσων hat die attische form κρείσσων, wo das EI sich verhalt wie in μείζων 1. μαγίζων μεγίζων. Auszer solchen comparativen enthalten die häufigen verba auf - unser goth. Z und vergleichen sich den deutschen auf -isôn.
Bei Litthauern und Slaven offenbart sich geringe oder gar keine neigung das reine S in R umzusetzen. litth. asa entspricht dem lat. ansa und goth. ans, rasa dem ros, nosis dem nasus. auksas - aurum ausum schiebt dem S einen kehllaut vor, den diese sprache insgemein liebt und auch vor SZ verwendet in pauksztis avis, aukstas augustus, anksztas angustus. erwägung fordert kregźdě hirundo (s. 204.) basas nudipes ist das sl. bos", busu ero stimmt nicht nur zu diesem lat. wort, sondern auch zu dem im ahd. pirum erwachsenden R. der gr. comparation gleicht aber die sl. auf -ïi: mnïi minor bolii major, worüber noch viel zu sagen wäre. bemerkenswerth wird das sl. nesu fero, nesti nositi ferre zu litth. neszu neszti (sprich neschu neschti), welches SZ einigermaszen an goth. Z mahnt; lett. neśśu nest. in den litth. flexionen, namentlich auch der steigerung bleibt lauteres S gehegt. Nicht anders im sl. klas" arista, glas" vox, nos" nasus, bos" nudus, rosa ros, nositi nesti ferre. Häufig bei Polen und Böhmen (nicht den übrigen Slaven) ist ein schwirrendes RZ, das seinem laut nach zum goth. Z gehalten werden mag, aber ganz anders entspringt, nemlich aus einwirkung der dünnen vocale i e ie y auf echtes R: rzéka fluvius, böhm. řeka, sl. rjeka; rzeźba bildwerk, böhm. revba; grzyb fungus böhm. hřib; trzmiel apis terrestris, böhm. èmel; krzywy curvus böhm. křiwy; poln. trzy tres böhm. třj u. s. w. die aussprache dieses rz ř ist ein gelindes sch, dem franz. j nah und r klingt nur leise mit, den Polen beinahe gar nicht. es ist also ein in s oder sch gemildertes r, das oft anlauten kann, während goth. z umgekehrt aus 318 reinem s entsprang und, wie lat. r aus s, niemals anlautet. Gieng ir. siur (s. 267) hervor aus sisur?
Die s. 254 ausgesprochne mutmaszung, dasz skythisches arima für asima stehn könne, ist viel zu unsicher, um daraus zu folgern, dasz liquation des S in R unter Skythen im gang gewesen sei. Füglicher darf man das inlautende dakische Z in Ovesivas und Zaquise (s. 202) zum goth. Z halten, vielleicht das in uovia (s. 207), sichrer das Σ in κρουστάνη (s. 204.)
Indessen entfaltete sich auch schon im sanskrit R vor V aus S, was unserm goth. zv begegnet. man übersehe nicht das schwindende Rim hindostanischen ti (s. 241.)
Die Tschuwaschen setzen häufig R, wo in andern türkischen sprachen S waltet. ob das bask. nizas niri, hizas hiri (s. 264. 265) angezogen werden darf, mögen andere entscheiden.
Dem rauhen R gegenüber ist L ein milder weicher laut, dessen halbvocalische natur gleichwohl mit der des R grosze ähnlichkeit hat, daher auch diese beiden liquiden oft untereinander tauschen.
Bei diesem wechsel scheint bald R bald L der ursprüngliche laut. jenes im ahd. grîan gannire mhd. glien, im alts. fruobara solamen, ahd. fluobara, im skr. sara lat. sal (s. 300), im skr. sarva lat. solum (s. 71), im skr. śru ahd. hlosên, im skr. grdh cupere goth. grêdus fames ahd. krât aviditas sl. glad" fames russ. golod poln. głod böhm. hlad; sl. glas" vox gleicht dem litth. garsas fama. unsicher bin ich des ahd. chirihha ags. cyrice, sl. tzr'k'v', das bei N. chilecha und noch heute in der schweiz chilche lautet, wie dort bilacha f. birke gehört wird (Tobler.) statt des lat. circus könnte auch goth. kêlikn úgyos und avoyatov (hochgewölbter saal) verglichen werden. lat. fulvus und furvus scheinen verwandt, obwohl jenes dem flavus, dies dem ater näher ist; oder rührt furvus an fuscus? ahd. brûn glossiert furvus und fulvus. Sicher wurde aus Ulfilas Urfilas (s. 183) verderbt, wobei mir 319 der heute in Frankreich bekannte name Orfila einfällt; berühren sich vṛka (s. 56) und Auzos sl. vlk, so schiene R älter, und im deutschen beiderlei gestalt, vargs und vulfs, entwickelt, ich werde darauf zurückkommen. in silubr silapar srebro sirablas mag L älter sein, weil es aus dem noch älteren D in sidabras leichter folgt (s. 9. 11.) velbljud verbljud werbludas wechseln (s. 42.) vertagra scheint dem veltagra vorauszugehn (s. 38) und auch Arrian de venat. cap. 3 schreibt ovέgτqayos. s. 118 habe ich die zusammenstellung harugâ hörgar zógazo und alces gewagt; jetzt ist es zeit hinzuzufügen, dasz goth. alhs ahd. alah ags. ealh (mythol. s. 58) dem lat. arx entsprechen mögen, ja ags. ealgian genau bedeute arcere defendere tueri und für homerisches ἐέργειν ἔργειν, sonst auch εἴργειν attisch gelte είργειν. Da lat. lis litis aus stlis stlitis gekürzt ist, liegt es unfern das ags. strid ahd. strît nhd. streit zu vergleichen, und ich weisz nicht, welchem hier der rang gebührt. lat. coriandrum milderte ahd. aussprache in chullantar (Graff 4, 389), dem Spanier ward lilio zu lirio. ahd. finde ich nur smielan subridere, mhd. schwanken smielen und smieren, in der heldensage Helche und Herche, doch echter scheint in diesem namen R (mythol. s. 232) und die edda hat Herkja, die Vilk. saga Erka. Dasz in der wortableitung beide liquiden einander vertreten, bedarf blosz weniger beispiele: ahd. murmurôn und murmulôn, mhd. marterære und martelære.
Italienischem organ schmilzt L in I vor a o u, es war ihm noch nicht weich genug und wird aus halbem zu ganzem vocal: bianco fiato fiamma piano fiore fiume f. blanca flato flamma plano flore flume, doch vor e i haftet es mit vortretendem g: egli meglio figlio moglie; diese sprache wandelt auch anlautendes J in GI gia jam, giogo jugum, giugno junius. Der Spanier liebt J: hijo filius, hija filia, mejor melior, viejo veglio, espejo speculum. im anlaut wird L verdoppelt und die muta weggeworfen: llama llamar llano ital. fiamma chiamar piano (s. 308.) der neapol. dialect tauscht einigemal L mit R: frato f. flato, prebba f. plebe.
Hieraus begreift man das schwinden oder zutreten des L vor I im anlaut. lilium wird it. zu giglio, julius aber zu luglio, serbische dialecte wandeln jelen cervus in ljeljen nnd den frauennamen Jelena in Ljeljena. Bei allen Slaven entspringt jaz"ik", poln. język, böhm. gazyk aus ljaz"ik", wie litth. liězuwis, lat. lingua, und die abkunft dieser wörter aus lizati, litth. laižiti, lat. lingere zeigt. Auf solche weise scheint ahd. lëpara, ags. lifer, altn. lifr erklärbar aus jepara, lat. epar hepar, franz. lierre aus hedera. Die heutige schwedische aussprache läszt L vor I gar nicht vernehmen: ljus lautet jus, ljuf juf.
Der schmelzung in U ist unter allen romanischen sprachen die französische meist ergeben. so oft an das L ein consonant rührt: Gaulois chaume paume aune taupe chaud saut faux maux f. Gallus calamus palma alna talpa calidus saltus falsus malus; eux ceux yeux mieux vieux f. els cels oeils miels viels; fou doux poux f. fols doles poles. rein auslautendes A bleibt: mal val cheval, die verbindung der praep. a mit dem L bringt nur dann au zu wege, wenn das folgende nomen consonantisch anlautet. Auch der neapolit. dialect hat meuza f. milza, smiuzo f. smilzo. In deutscher zunge bildet die niederländische mundart au aus al, ou aus al und ol, wie gramm. 1, 292. 300. 321 erörtert, und dabei musz einflusz französischer nachbarschaft angeschlagen werden.
Von den slavischen sprachen ist es die südlichste und weichste, die serbische, welche das L der übrigen vocalisiert. im auslaut macht sie O daraus, läszt aber bei folgendem a der flexion das L aufwachen: bijo fem. bijela, mio fem. mila, kotao cacabus gen. kotla und häufig in den participien pisao f. pisal, fem. pisala, preo fem. prela. von selo pagus bildet sich seoski paganus. da wo dem L schon o vorausgieng, wird dies dann verlängert: vô bos, sokô falco für vol sokol, sô sal, der gen. lautet vola sokola soli. Inlautendes L aber erweicht sich vor anrührendem cons. in U: dug debitum, Bugarin Bulgarus, munja fulgur, pun plenus, suntze sol, vuk lupus, stup columna, tutschem tundo, muzem mulgeo, suza lacrima für dlg Blgarin mlnja pln slntze vlk stlp tlzem (tlku) mlzem slza. das puno plenum gleicht dem it. piano planum und wie bei den Niederländern musz wieder in be-321 tracht kommen, dasz die Serben an Italien grenzen. dubok profundus führt Miklosich s. 17. 21 zurück auf dl"bu scalpo, das litth. dubbas und selbst goth. diups fordern vergleichung; die andern Slaven haben glubok, poln. głeboki, böhm. hluboky.
Dies verhältnis des L: V leitet uns wieder in die deutschen und älteren sprachen und gibt anlasz zu einigen aufschlüssen.
Es begegnet ein goth. slavan tacere, das keiner andern deutschen zunge eigen offenbar dem lat. silere entspricht,. dessen sil: sl sich umgedreht verhält wie in lat. scire und goth. saihvan sc sih. hingegen stimmt das dem Gothen abgehende ahd. suîgên mhd. swîgen ags. svigian sichtbar zum gr. oiyāv und dem damit zusammengesetzten σιωπάν σFшлav, wo recht deutlich das digamma GV zeigt. wie aber, sollten nicht SL und SV in beiden formen sich ausgleichen? die liquation des L in V mag sogar auf verlängerung des wurzelvocals gewirkt haben. dasz das V in slavan der wurzel fremd ist lehrt silere, ob ihm G in suîgên gleichstehe, oder dies gar dem kehllaut in tacere goth. bahan ahd. dagên vergleichbar sei? soll hier dahingestellt bleiben.
Nicht anders scheint SL im goth. slêpan dormire, ags. slæpan, ahd. slâfan identisch dem SV in skr. svap, altn. sofa svefa und den übrigen s. 303 angeführten wörtern. freilich blieb die lautverschiebung des P in slêpan slâfan zurück, da sie noch in suëban svëfa vorschritt. den Angelsachsen allein stehn beide verba slæpan slêp und svefan sväf nebeneinander zu.
In der altböhmischen mater verborum bei Hanka 8b findet sich die glosse: feronia, dea paganorum, zuoba. die römische Feronia war göttin der freigelassenen, in ihrem tempel empfingen entbundne knechte den hut der freiheit. suoba, denn so musz genauer geschrieben werden, bedeutet also freiheit und stimmt zu den unter Russen, Polen und Böhmen noch allgemein gangbaren sl. svobod' liber, svoboda libertas. in Böhmen hört man hin und wieder sloboda, die Slovenen 322 schwanken zwischen svoboda und sloboda, den Serben gilt nur sloboda für freimut, mut. richtig stellt Miklosich svoboda unter svoi idios, sui juris, liber, B scheint entsprungen wie im gen. des reflexivs sebe[5].
Mit einem mal geht hier ein licht auf über zwei berühmte, ich glaube bisher unverstandne volksnamen, die in alle meine untersuchungen greifen. Sueven und Slaven scheinen ganz dasselbe wort. Caesar Strabo Tacitus Ptolemaeus schreiben Suevi Σοήβοι Σουήβοι. Doch ein hauptstamm der Germanen sollte gleich geheiszen haben mit den Slaven, die uns zwar urverwandt, aber auch stets von uns verschieden sind? ich will mich erklären. der name Suevi scheint allerdings slavisch und bedeutet, wie wir eben sahen, freie; er wurde deutschen nachbarn von Sarmaten im osten beigelegt, wie im westen von Belgen oder Galliern der name Germanen. späterhin mögen Slaven dieselbe schöne benennung entweder für sich selbst gewählt oder von deutschen nachbarn zurückempfangen haben, und nach einer seltsamen ironie gieng von unterjochten Slaven begrif und name der knechtschaft aus (sclavi, ital. schiavi), da im wort ursprünglich die der freiheit gelegen hatten[6]. Umgekehrt wandten die Deutschen ihren volksnamen Vandali Vindili in der form Veneti Vinidi Winidi allmälich auf slavische nachbarn an (s. 171), die deutschen Sueven aber behielten diesen namen bei und verhärteten ihn blosz in goth. Svêbôs (?) ahd. Suâpâ ags. Svæfas, wie schon gr. Zoro für Suevi geschrieben wurde. unter südlichen Slaven scheint die benennung Sloveni hauptsächlich zu wurzeln, gerade wie sie slo323 boda dem svoboda vorziehen. Die Byzantiner Procop, Agathias u. s. w. setzen Σκλάβοι Σκλαβηνοί mit dem allmälich auch bei lat. schriftstellern eingeschobnen C Sclavi Sclaveni, welches jedoch die sl. schreibung wieder ausstiesz. Unzulässig scheint es den namen Slovenen aus slava gloria[7] oder slovo verbum[8], oder einem unbekannten ortsnamen, wie Schafarik meint, zu leiten. auch unsre Sueven hieszen nicht nach dem flusse Suevus, dieser vielmehr nach ihnen. merkwürdig findet sich ein berg Sevo Suevo (mythol. s. 337), bei Ptolem. 6, 14 tả coin pa oon neben äλava on genannt, wie er 6, 5 skythische Alanen und Suovenen (Σουοβηνού) auf diese σούηβα ὄρη folgen läszt. in den Suovenen erkennt Schafarik gültig Slovenen, schlägt aber dabei nicht die namen Suevi und Slovi an. die fortbildung -eni -ini ist wie in Tervol Gothini. Zugleich bestätigt dies verhältnis überhaupt uralten verkehr zwischen Germanen und Sarmaten. der von diesen auf jene ausgegangne name kam ihnen im verlauf der zeit wieder und in beide formen theilten sich beide völker dergestalt, dasz der name Sueven bei uns enger, der name Slaven unter unsern nachbarn allgemeiner wurde.
Noch ein beispiel des wechsels zwischen SV und SL scheint svâdus des suavis = suadvis (s. 303) abzugeben gegenüber sl. slad"k”, böhm. sladky poln. słodki. das litth. saldus lett. salds haben für L 324 andere stelle, wie dulcis neben yiuzes, welche beide nah verwand sind (wie herzog und derzog most und vorhin glubok und dlubok.) schwerer einigen sich dulcis und slad"k"; dulcis aus udeis vudcis svudeis sludeis?
Endlich entspricht das ags. svade vestigium, fries. swethe swithe terminus dem sl. sljed" vestigium, poln. ślad, böhm. sled, vgl. altn. slôdi callis. kein zweifel, dasz sich noch andere SV SL ergeben werden (vgl. suovitaurilia mit solitaurilia.)
Welche von beiden formen ist aber für die ältere zu halten? da sich im skr. svapnas und svadus zeigen, svoboda edler und dem svoi näher ist als sloboda, auch Suevus dem Slavus der zeit nach vorausgeht, gebe ich dem V das höhere alter. aus der spirans entspringt die liquida, wie aus dem S das R. Umgekehrt ist L älter als die romanische, niederländische und serbische auflösung in I oder U. Bisher wurde die Beschaffenheit des L und R für sich erwogen; die folgenden betrachtungen gehn auf beide zusammen.
Beide haben in den sprachen für die wortbildung grosze gewalt und kommen fast den vocalen I und U gleich, aus welchen wir sie oft hervorgehn sahen, während S und H auch hier wieder an A gemahnen.
Die flexion scheinen L und ursprüngliches R wenig oder gar nicht zu bestimmen, desto mehr einflusz auf sie üben M N und S, das in Rübertritt. denn alle R der flexion sind aus S entsprungen. Für die historische forschung bleibt es höchst wichtig, die echten oder alten R von den aus S erwachsnen zu sondern.
Hervorstechende eigenthümlichkeit der slavischen zunge ist das L der activen participia praeteriti, welchem ich etwa das ableitende L der deutschen oft aus verbis stammenden adjectiva vergleiche z. b. ahd. ëzzal âgëzzal slâfal sprangal u. s. w. doch mangelt ihnen die verbalkraft der sl. participien.
Die auszerordentliche flüssigkeit des L und R zeigt sich recht an ihrer unstäten stelle zwischen den stummen consonanten und man musz beachten, welche verschiedne neigung hierbei die verwandten sprachen kund geben.
Unsere sprache liebt es diesen liquiden den wurzelvocal vorangehn, die slavische folgen zu lassen. die lat. litth. und meisten übrigen halten es darin meist mit der deutschen, nicht mit der slavischen. das ganze verhältnis fordert reichliche beispiele.
Elbe poln. Laba böhm. Labe, das lat. Albis läszt ein goth. Albs vermuten, ahd. Alp. ahd. alpiz mhd. elbez altn. âlft ags. älfet, sl. lebed' poln. łabędź böhm. labut. dem namen des flusses wie des vogels ist das lat. albus identisch. der see Ladoga in Ruszland heiszt altn. Aldeiga (fornm. sög. 12, 259), vgl. finn. aalto, altn. alda unda, sl. ladija navis.
helm altn. hiâlmr goth. hilms, get. Lakuós dogά, litth. szalmas, sl. schljem" regize qalaía, böhm. šlem ornatus muliebris. halm altn. hâlmr, sl. slama poln. słoma. aus poln. tłomacz böhm. tlumać, wird deutsches dolmetsch. goth. fulls, litth. pilnas, lat. plenus, gr. λéos, sl. pl'n".
silber ags. seolfor altn. silfr, sl. srebro. darf man sich getrauen goth. silba ahd. sëlpo ags. selfa altn. siâlfr mit jenem svoj Suevus und Slavus (s. 322) zu vergleichen?[9] bei Homer heiszen die Troer avtoi gegenüber den bundsgenossen (Il. 11, 220.) litth. silpnas debilis, sl. sljep" coecus. goth. vulfs ahd. wolf, lat. vulpes, sl. vl"k". lett. kalps servus, sl. chlap" poln. chłop. litth. galwa caput, sl. glava poln. głowa. lett. zilweks homo, sl. tschlovjek" poln. człowiek böhm. člowek. skr. palita, gr. ológ, lat. pallidus, ahd. falo falawes, ags. fealo, altn. fölr, litth. palwas, sl. plav", böhm. plawy, poln. płowy.
goth. dulgs debitum, sl. dl"g" poln. dług böhm. dluh, Miklosich s. 25 leitet ab von dr'shati tenere, ich habe das ahd. tole vulnus altn. dôlgr hostis und den volksnamen Dulgibini verglichen. andrer wurzel scheint sl. dl"g" uazoós, poln. długi böhm. dlauhy, skr. dîrghas longus, dem Miklosich s. 23 mit fug das litth. ilgas zur seite setzt. nun gehe ich weiter und nehme lat. longus, goth. laggs ahd. lanc für tlongus, (wie latum f. tlatum) þlaggs dlanc, in welchen allen sich der nasallaut eingeschoben hat, tlogus tlagus würde dem dlug nahe treten, ilgas für dilgas stehn. also reihen sich dirghas dilgas dlug tlongus plaggs, wobei ich die stufe des lat. und deutschen abgefallnen linguallauts unentschieden lasse.
milch goth. miluks ahd. miluh ags. meolc altn. miôlk, sl. mljeko poln. böhm. mleko. dem lat. lac lactis scheint wieder aphaeresis zum grunde zu liegen und nach mulgere sl. ml'sti litth. milszti melken wäre früheres mlac melac anzusetzen, oder weist gr. yaha yahaztos anderes? mulgere ist gr. duélyev. Benfey 2, 358 nimmt yahay γλαγ μλαγ. das ir. bleacht bliocht, welsche blith f. blicht? gehn leicht in die labialis über, aber daneben gilt welsches laeth, ir. lacht.
oth. skalks ahd. scalh ags. sceale servus, altn. skâlkr nequam woher finn. kalki; vielleicht mit sl. slouga servus poln. sługa böhm. sluha eins, welches Miklosich s. 82 zu slouti stellt, wie cliens cluens zu cluere fällt. sichrer ist ahd. folh ags. fole altn. fôlk agmen populus, litth. pulkas, sl. pl'k" acies, castra, poln. połk pułk, böhm. pluk plk, gr. лólyos, aeol. λzos st. des üblichen özλog, dem wieder anlaut fehlt, es könnte digamma stattgefunden haben, wozu lat. vulgus stimmt.
gold, sl. zlato (oben s. 9.) goth. valdan ahd. waltan ags. vealdan altn. vâlda, litth. waldyti, sl. vlasti vladjeti. goth. kalds ahd. cholt ags. ceald altn. kaldr, lat. gelidus, sl. chlad", poln. chłod kühle, serb. mit alphaeresis lad, Miklosich s. 101 verzeichnet chlad aura (kühle luft), was nichts zu thun hat mit skr. hrâda strepitus. litth. saldus, lat. dulcis wurden schon vorhin s. 323 zu sl. slad"k" gestellt. preusz. maldas juvenis, sl. mlad" tener, poln. młody böhm. mlady juvenis. zu goth. halts ags. healt ahd. halz fügt sich lat. claudus, diesmal mit slavischer lautstellung. poln. śledź böhm. sled' halec entsprechen dem altn. sild schwed. sill, das litth. silkě lett. silkis aber dem lat. wort nach dem wechsel von S und H, denn der name des fisches stammt von ἅλς.
Goth. arms brachium, ahd. arm altn. armr, das gleiche lat. armus 327 gr. quos drücken oberarm und schulter aus; sl. ramo ramja humerus poln. ramię. da sich in der flexion ramene ramena (wie von imja imene imena) entfaltet, könnte litth. ranka armus, sl. ruka manus böhm. ruka, poln. noch nasal ręka, aus zusammenziehung des diminutiven ramenka ärmlein, hand herrühren, vgl. altn. ermi, ahd. ermilo manica, lat. armilla brachiale. gleichwol läszt sich auch ranka auf das litth. rinkti colligere zurückführen[10].
altn. maur formica, schwed. myra dän. myre mnl. miere, pers. mûr, finn. muurainen, gr. uuqur, sl. mravii, poln. mrowka böhm. mravenec und brabenec, wie auch in gr. mundarten Biquas f. uiqur§. skr. durva gramen cespes, ahd. zurba ags. turf altn. torf, sl. trava gramen. litth. karwě vacca, sl. krava poln. krowa. ags. forma, litth. pirmas, goth. fruma wie lat. primus, sl. prvïi poln. pierwszy, ahd. harm ags. hearm altn. harmr, sl. sramata poln. sromota (vgl. s. 172. 303) zu erwägen auch nnl. schroom metus schromen metuere tremere, insofern zittern und zagen mit sich schämen verwandt ist. ahd. carmula in der lex Bajuv. 2, 3 für seditio, sl. kramola. lat. dormire sl. drjemati dormitare, ahd. troum somnium ags. dreám alts. drôm jubilum, vgl. mythol. s. 1098. aus lat. marmor macht das böhmische organ mramor, das mährische bramor.
goth. haurnus ahd. dorn altn. þorn, sl. tr'n" spina, poln. tarn und ciern. goth. qairmus ags. cveorn altn. qvern, litth. girnos, sl. shr"n"v" (vgl. s. 67), böhm. žerna. goth. kaurn ahd. chorn ags. corn, sl. zr'no poln. ziarno, litth. zirnis, lat. granum, franz. grain. litth.
warnas corvus warna cornix lett. wahrna, sl. vran" und gavran" corvus, vrana cornix. böhm. wrana und hawran, poln. wrona und gawron. welsch brân pl. brain cornix, ir. bran corvus. sowol sl. vran" als ir. bran bedeuten im adj. zugleich niger, folglich geht auch mlat. bru328 nus fuscus, ahd. prûn ags. brûn furvus in vergleichung. aus den labialen wäre leichter übergang in gutturale und im lat. corvus cornix verhalten sich die liquiden zum ahd. hraban altn. hrafn ganz wie in warna und wrana.
ahd. charl vir maritus, altn. karl vir senex, ags. carl cearl masculus, zugleich war Karl häufiger eigenname und Karls des groszen macht drückte seinen nachfolgern und dem fränkischen reich die benennung Karlinge und Kerlinger auf. wie aus Caesar der begrif des kaisers gieng aus Karl den Slaven würde und name des königs hervor: sl. kral poln. krol russ. korol', ungr. király, litth. karalus (lett. aber kehnińźsch nach könig.)
goth. þaurban þarf þaurbum egere [unten s. 902], þarbs egens þarba egestas þarba mendicus, þaurfts necessitas. ahd. durfan darf durfum (für durpan darp durpum) egere, darpo egens darpa privatio, durft opus necessitas. finn. tarvet gen. tarpeen opus necessitas, tarpeinen opus habens, tarvitsen egeo; est. tarwis necessarius tarwidus necessitas tarwitama egere. lapp. tarbahet indigere tarbo necesse tarbek opus tarbahet indigere. sl. trjebje jest' opus est, trjebovati indigere trje biti purgare trjeba sacrificium libatio templum. poln. trzeba böhm. třeba opus est, třeba sacrificium. poln. potrzeba böhm. potřeba necessitas, wozu man ahd. pidarpi pidirpi utilis necessarius und unser bedarf egeo halte. Miklosich s. 96 trennt die begriffe trjeba opus und trjeba sacrificium, wie mich dünkt, unrichtig: opfer ist das heilige werk, die höchste nothdurft und reinigung. gehört der litth. gott Potrimpos zu potreba (s. 121) und liesze sich ein patrimpa potrjeba aufweisen oder als früher in der sprache vorräthig annehmen, so folgte daraus auch das einfache trimpa trjeba.
finn. varpulainen varpuinen passer, est. warblane, litth. żwirblis lett. swirbulis, sl. vrabïi russ. vorobei poln. wrobel höhm. wrabec, serb. vrabatz, ungr. veréb. lat. sarpere, gr. άoлη falx, sl. sr'p" poln. sierp' böhm. srp.
goth. vargs inimicus, condemnatus, vargjan damnare, ags. vearh lupus, damnatus, vergan damnare, verhdo damnatio, ahd. warac damnatus, exsul wargida damnatio, altn. vargr lupus, homo sacer, skr. 329 vṛka lupus, zend. vereka, sl. vrag" inimicus, serb. vrag diabolus, poln. wrog inimicus, böhm. wrah inimicus, diabolus. beim teufel treffen alle diese begriffe: wolf feind und verdammter, zusammen. mythol. S. 941. 948.
litth. turgus forum, lett. tirgus, schwed. torg, sl. tr"g", poln. targ, böhm. trh. altn. myrkr obscurus, sl. mrak" caligo, poln. mrok böhm. mrak. litth. parakas pulvis, sl. prach", poln. proch. ags. beorc betula, ahd. piricha, altn. biörk, litth. berźas, russ. bereza, poln. brzoza, böhm. briza. ahd. farah, ags. fearh, lat. porcus, litth. parszas, finn. porsas, poln. prosię böhm. prase (oben s. 37.) ahd. furicha, nhd. furche, sl. brazda, poln. brozda, vielleicht für prazda, wie lat. porca zu porcus stimmt (s. 57.)
ahd. part, ags. beard barba, altn. bard ala margo labrum, litth. barzda barba, lett. bahrsda, sl. brada poln. broda[11]. ahd. furt vadum, ags. ford, sl. brod". goth. gards domus, ahd. kart, sl. grad" urbs, poln. grod. lat. merda stercus, eigentlich foetor, skr. mṛd, sl. smrad" russ. smerdeti foetere, litth. smirděti foetere, smirdas homo foetidus. mhd. hartmânet (s. 85), sl. gruden, poln. grudzień (s. 95.) goth. hairda grex ahd. herta, sl. tschrjeda, poln. trzoda. goth. hairtô ahd. herza, litth. szirdis, lett. sirds, skr. hrd f. kṛd, ir. croidhe, lat. cor cordis, gr. zo, zaodia, sl. sr'd'tze, böhm. srdce, poln. serce. litth. serrada mittwoche nach dem sl. srjeda sreda medium, poln. środa, die Russen unterscheiden sreda medium und sereda dies Mercurii.
mlat. curtus, it. corto, franz. court, ahd. churz scurz, sl. krat"k" poln. krotki brevis. verschieden aber goth. hardus, ahd. herti, nhd. hart, gr. zoaris zoarɛoós. lat. mors mortis, mori mortuus, goth. maurpr ahd. mordar homicidium, litth. mirti mori, sl. mrjeti mori, mor" pestis, mr'ty" mortuus.
lat. vertere, nhd. wirtel verticillus, sl. vr'tjeti vratiti vertere, litth. wirwě laqueus. goth. aurts herba aurtigards hortus, altn. urt und jurt herba urtagardr hortus, schwed. ört und örtagård, finn. yrtti herba yrttitarha hortus, ags. vyrt herba vyrtgeard hortus, engl. wortyard und 330 ortyard orchard, ahd. wurz herba Wurzipurc Herbipolis, goth. vaurts radix (vgl. finn. juuri altn. rôt radix) ahd. wurza wurzala radix; sl. vr't" hortus und vr'tograd" hortus.
lat. porrum f. porsum, gr. лqάσov, serb. pras. ahd. hirsi milium sl. proso. litth. garsas fama, sl. glas" vox, gr. hãσσa lingua, dialectus. litth. pirsztas digitus, sl. pr'st", böhm. prst.
Die beispiele zeugen sattsam. einzelne sprachen treiben beiderlei richtung weiter, namentlich liebt die ags. den wurzelvocal dem R vorauszusenden. statt des goth. rinnan rann runnum setzt sie irnan arn urnon, statt brinnan brann brunnum birnan barn burnon, statt brunna burna, wie noch heute bei uns born neben brunne gilt, statt brunjô thorax ahd. prunnâ altn. brynja braucht sie byrne, vgl. sl. br"nija thorax, russ. bronja, poln. broń arma. ebenso verhalten sich fruma primus ags. forma, goth. gras gramen ags. gärs, ahd. hros equus ags. hors, ahd. chresso nasturtium ags. cerse, goth. priskan triturare ags. þerscan, ahd. frisc recens ital. fresco ags. fersc, ahd. brestan rumpi ags. berstan nhd. bersten, ahd. frist spatium temporis ags. first, ahd. hrust ornatus bellicus ags. hyrst, ahd. frost algor ags. forst; ja das englische ist hin und wieder auf diesem wege noch vorgeschritten, indem es ags. brid pl. briddas pullus in bird, ags. pridda in third, ags. crät currus in cart wandelte. third stimmt zum lat. tertius, bird und brid weisz ich aus keinem deutschen dialect zu erklären, von brut fetus proles, ahd. pruot, ags. brôd engl. brood ist es verschieden. Dem sächsischen organ scheint die verschiebung des vocals überhaupt behaglich, wie bis auf heute in Niedersachsen bernen verde versch für brennen fride frisch u. a. m. vernommen wird. aus sächsischer quelle gieng in die altn. sage Sigurdr Sigverdr Sigverd Sigferd f. Sigfrid;
Fertilia legt die Vilk. saga c. 13 aus Frid sæla.
Umgekehrt stellt die altn. sprache einigemal das R voran: ragr timidus f. argr, ras anus f. ahd. ars, ags. ears. käme altn. rôt radix jenem urt herba nahe, wie goth. aurts dem vaurts, finn. juuri dem 331 yrtti? ich treffe sogar ags. rôt radix engl. root an auszer dem häufigeren vyrt herba; radix óádığ und gila aeol. Poila, digamm. Foila weisen auf skr. vṛidh und řidh crescere, ja auf viridis und virere. Unter den romanischen sprachen finde ich nur die neapolitanische zuweilen das R vorausschieben: fremmare f. fermare, vregara f. vergara.
Diese gegensätze sind characteristisch und höchst beachtenswerth. lautverbindungen wie lat. almus palma culmus vulpes vulgus mulgeo algeo armus serpo parcus porcus artus mortis, gr. άλγος βαλβίς μokлý άotos άon, litth. ilgas silpnas pirmas warnas girnos parszas, oder wie nhd. halm halb silber balg milch volk walten arm darm erbe darf arg mark art bart und eine menge solcher, die unserm ohr wol lauten, widerstehn dem Slaven, der in entsprechenden wörtern die liquida von dem folgenden consonant sondert und dem wurzeivocal vorsetzt. er zieht formen wie slama ramo mleko vladjeti trjeba brada vor, die ihre consonantische kraft dem auslaut der wurzel zuwenden, während sie jene in den anlaut legen. wie jene mehr dem reim, würden die slavischen nehr der alliteration zusagen. Oft aber deutet bloszes jerr des geschwundnen vocals stelle an und die böhmische schreibung läszt ihn ganz unbezeichnet in plk wlk slza pln trn trh srdce u. s. w., wo der Pole ihn unslavisch vor die liquida rückt: pulk wilk pełny tarn ciern ziarno sierp serce pierwszy.
Das noch weichere russische organ pflegt aber beide weisen zu vereinigen und die liquida zwischen zwei vocale zu fügen, wodurch das wort eine silbe mehr empfängt: soloma moloko molodoi boroda gorod korova vorobei muravei. ebenso verfährt das zend in vereka lupus, erezata argentum, die lat. sprache in calamus gelidus, die gr. in zaháun wakaun, die litth. in karalus parakas, die lettische in swirbulis, vorzüglich aber die ahd. in silapar miluh (auch goth. silubr miluks) walah charal aram daram haram darapa warac farah puruc furicha piricha u. s. w. Lat. Hercules rückt die in 'Hoazing vorstehende liquida hinter den vocal. 332 Diese dreifache gestalt derselben wörter klärt nicht selten am besten über ihre beschaffenheit auf. dem lat. lac lactis, franz. lait scheint unser milch ferner zu liegen, aus moloko und mleko erhellt, dasz ihm vornen etwas mangelt und das welsche blith neben laeth weist auf das ir. bleacht (neben lacht), dessen B dem M nahverwandt ist (βύρμηξ, μύρμηξ), im gr. γλάκτος γάλακτος aber mit G wechselt, der nom. yáλa büszt die auslautenden consonanten ein. unwahrscheinlich also wird der s. 32 vermutete zusammenhang des ga- mit der wurzel gaus, wie denn auch yáλa für die milch jedes thiers gilt, nicht blosz der kuh. hatte sich dem Griechen etwa digammiertes Faλa gebildet, so war der übergang in yάha leicht, und Pálavog gleicht dem lat. glans. in den keltischen sprachen tauschen B V und M allenthalben gesetzmäszig.
Manigfalte benennungen des wolfs lösen sich in einheit; dasz einzelne auf verwandte thiere übergehn, verschlägt nichts. die liquida schwankt zwischen R und L, die muta zwischen gutturalis und labialis, die anlautende spirans wird zuweilen getilgt. wandle man λύκος in Fóluxos, lupus in vulupus; auf der stelle sind sie dem sl. vlk, poln. wilk, litth. wilkas, goth. vulfs nahgerückt und altn. ûlfr hat sich gerade so seines V entäuszert. in der labialis stimmen lat. und deutsche, in der gutturalis gr. litth. und sl. zunge. die lat. hat auszer lupus das vollere vulpes vulupus für den fuchs behalten, wie die unsere neben vulfs zugleich vargs für eine besondere beziehung des friedlosen verurtheilten feindlichen wolfs, und dasselbe vrag drückt den Slaven, neben vlk, den bösen feind aus, im hintergrund liegt der begrif des grausamen thiers. vargs und vrag sind doch offenbar die echteste älteste benennung des thiers, skr. vṛka, zend vereka und pers. wieder mit übergang ins verwandte G gürk. demselben kehllaut begegnen wir aber auch in lat. sprache und sogar zweimal, in hirpus und hircus. hirpus bezeichnet in sabinischer oskischer mundart den wolf, wie Festus und Servius bewähren, ja ein sabinischer stamm hiesz Hirpi, weil den einwandernden ein wolf führer geworden war, oder nach andrer sage sie wölfe gejagt hatten und gleich wölfen raubten, d. h. im sinn des deutschen ausdrucks friedlos waren. hircus hingegen drückte den Sabinern, oder vielleicht andern, bock aus und geht in fircus Γέρκος 333 über, was unmittelbar an vṛka rührt. da lat. caper im gr. zúzoos den wilden eber bedeutet (s. 35. 36) und auf den teufel des mittelalters wolf, eber und bock angewandt werden (mythol. s. 947. 948); so läszt sich die gleichheit der wörter kaum in zweifel ziehen. die ungr. benennung des wolfs lautet farkas, was sich freilich aus fark cauda, vielleicht aber richtiger aus jenem gürk und vereka ableiten läszt und nirgends den abstracten sinn des sl. vrag annimmt. den welschen namen blaidd, bretagn. bleiz mag man zum sl. wlk bringen und B: W wie in brân wrana warna fassen; doch das ir. faolchu liegt ab und ist zusammengesetzt aus faol wild und cu hund. unsere thierfabel stellt vortrefflich das gebannte raubthier des waldes dar, und lehrt die nähe des wolfs und fuchses.
Auszer dem erörterten beinahe regelmäszigen vorrücken des L und R treten zuweilen noch auffallendere wechsel ein, die sich aus ihrer flüssigkeit begreifen. so wandelt der neapol. dialect clero in crelo, febre in frevde, ietro in reto, vetro vitro in vrito, petra pietra in preta, wo das der muta nachstehende R vor sie geschoben wird. vermute ich, dasz skildus aus skidlus entsprungen sei, eben weil unsere sprache liebt die liquida auf den wurzelvocal folgen zu lassen. zapán skr. kapâla ags. heafela leiden vielleicht vergleichung mit sl. glava golova litth. galwa; gr. oinakós ouplós blinzelnd scheinen mir das sl. sljep" coecus und litth. silpnas debilis. dasz auch sljep zumal auf blinzen geht, ersehe ich aus böhm. slepice, einer poetischen benennung der henne, denn die naturgetreue thierfabei nennt den hahn Chanteclins, den mit blinzelndem auge singenden, und Leo malb. gl. 1, 129 deutet schon chanaswido hiernach.
Soviel von L und R, kürzer sein kann ich über M und N, durch deren beider unmittelbares nebeneinanderstehn im alphabet schon ihre nahe verwandtschaft vorbestimmt scheint; wie aber M den rang vor N hat und ein stärkerer laut ist, der in N geschwächt zu werden 334 pflegt, steht ihm schon graphisch ein strich mehr zu, und es bindet sich mit labialen, N mit gutturalen und lingualen, die wiederum den labialen nachstehn.
Dasz in den endungen und flexionen N auf älteres ursprüngliches M zurückgeführt werden müsse, lehrt die geschichte unsrer sprache allenthalben. den mhd. dichtern ist gestattet auslautendes M in N zu wandeln, um es auf organisches N zu reimen (gramm. 1, 386); niemals aber umgekehrt. viele flexionen erfahren bleibend diese schwächung. das goth. M aller dat. pl. beginnt schon ahd. N zu werden, ebenso das M der prima pl.; aber alle acc. sg. masc. zeigen bereits goth. -ana, ahd. an, ags. -ne statt des lat. -m, alle deutschen subst. haben im acc. sg. -m eingebüszt, es heiszt goth. sunu filium, magu puerum, ahd. fateran patrem, wie gr. aτéga statt des skr. pitaram. dem deutschen neutr. fehlt der ausgang des skr. -am, lat. um allgemein, der gr. ist in -ov geschwächt. die goth. pronomina bilden den acc. ina þana hvana, ahd. in den huen, öv tóv, lat. eum quem. statt des lat. acc. sg. fem. eam illam bonam zeigen die gr. schon τήν καλήν μέλαιναν. in den zahlen septem novem decem behauptet die lat., in sedm osm die sl. sprache den ausgang M, wo im skr. schon saptan aschtan davan dasan steht; dagegen aham und tvam, azem und tûm, mahjam und tubhjam (s. 257. 258) in den übrigen sprachen M zu N schwächen oder völlig abstreifen. skr. mama mei wird im zend zu mana u. s. w. im gr. voua, ir. ainm (s. 153) steht NM für MN.
Anlautendes oder wurzelhaftes M scheint nur selten dem übergang in N ausgesetzt. ein beispiel bietet die prohibitivnegation skr. mâ, pers. me, gr. un, die schon lat. zu nê geworden ist, und sich von der einfachen negation skr. na, pers. ne, goth. ni, sl. ni scheidet (gramm. 3, 744.) da die prohibition ihrem begrif nach stärker ist als die blosze verneinung, so mag sie mit recht ein nachdrücklicheres M begehren. Im bask. pronomen sahen wir ni für mi, im ungr. én für ém eintreten (s. 265.) Bekanntlich heiszt die frucht uέoлihov μέσπιλον lat. mespilum schon mlat. nespila, it. nespola, sp. nispola nespera, 335 franz. nèfle, ahd. mespila und nespila, poln. nieszpułka, böhm. nyšpule, ungr. naszpolya, nhd. hat man mispel hergestellt. zu madidus hält sich unser ahd. naz, goth. nats. Im böhm. mraw mos dauert M, die übrigen sl. sprachen haben nrav, poln. narow, wäre das M ursprünglicher und lat. mos moris verwandt, so lage, wenn dies aus mosis entspringt (s. 315), zugleich beleg für den wechsel des sl. S und R vor.
Für diese beiden liquiden ist nun der wichtige grundsatz aufzustellen, dasz in wurzeln, die mit einer labialis schlieszen M, in solchen, die auf gutturalis oder lingualis ausgehn, N vor der muta aufsteigen könne. sie gleichen dem zwischen zwei vocalen entstehenden S, das in R geschwächt wird.
Meine academische abhandlung, welche sich den entsprung von diphthongen an der stelle wegfallender stummer consonanten zum gegenstand nimmt, ist auch auf beispiele jener MB NG ND eingegangen, insofern daneben zugleich diphthonge gezeugt wurden. häufig aber ergibt sich liquida vor muta ohne dasz diphthonge im spiel sind oder aufgewiesen werden können.
Die sl. sprache musz diesen drei formeln abspenstig sein aus der vorhin bei L und R entwickelten ursache: wie kein L und R mag sie auch kein M und N hinter dem wurzelvocal entfalten. nur der poln. dialect, aus welchem auch dort die meisten ausnahmen genommen wurden (s. 331), gewährt hier oft einen nasallaut, der den vorstehenden vocal afficiert und ohne M oder N geschrieben zu sein, diesen sehr nahe kommt.
So ergeben sich poln. dąb quercus, debina quercetum, ząb dens, babel bulla, heben tympanum, pepek umbilicus, głębia profunditas, bąk onocrotalus, laka pratum, meka martyrium, ręka manus, trąd lepra, błąd error, sąd judicium, mądry prudens, kąt angulus, gęś anser, gąsie anserculus, welche nach deutscher aussprache lauten domb dembina bonk trond genś u. s. w. den übrigen Slaven bleibt aber dies M und N fremd und die böhmischen wörter sind dub zub bubel buben pupek hlaubka bauk lauka muka ruka trud blud saud maudry kaut hus hause; im schwanken zwischen U und AU könnte eine leise annäherung an 336 den flüssigen laut gefunden werden. In entsprechenden litth. wörtern tritt aber dieser offen auf, laka wird lanka, Lech Lenkas, reka ranka, tysiąc tukstantis; doch in einigen unterbleibt er[12]: muka cruciatus, mudrus alacer, was dem ahd. muntar entspricht, wie ich gesucht habe dąb dub dem goth. timbr, ahd. zimpar zu vergleichen, die deutlich das gr. δένδρον sind, von δέμω = timrja. poln. węgiel böhm. uhel ist unser winkel und lat. angulus. nicht anders stehn gęś und hus dem ahd. gans gegenüber. trąd trud ist das goth. pruts, welches aus brutsfill cutis leprosa gefolgert werden kann; kąt entspricht sowol nhd. nnl. kant, als litth. kampas und zambas, auf ähnliche weise vermitteln sich dantas dantis zant und sub ząb (s. 115)[13]. M vor labialen haben viele litth. deutsche und lat. wörter. litth. bamba umbilicus (jenes poln. pepek), wambras labeo, gumbas colica, dumples follis, tempiu extendo, kumpas curvus; sprachgemäsz wäre jenes patrimpa f. poln. potrzeba (s. 328), aus dubus cavus entfaltet sich iszdumbu excavor, wie aus lat. cubo accumbo goth. anakumbja aus laßɛiv haμBavo. dem skr. abhi litth. api steht gr. dugi lat. ambi ahd. umpi ags. ymbe zur seite. gr. zopós ist alts. hâb hâf, ahd. hamf, goth. hanfs; zu welschem du niger gehört ir. dubh, altn. daufr obscurus und surdus, ahd. toup und tump, goth. dumbs, ahd. timpar timbar obscurus.
Für Tabiti Tanfana Tamfana und templum wurde s. 231 die wurzel tap angenommen, welcher auch altn. dampi vapor, ahd. damf entsprieszen. eben dahin gehörig scheinen das welsche tan ignis tanfa explosio vapor, ir. teinn ignis; im welschen tanfaen feuerstein erwächst aber F aus zusammensetzung von tân mit maen lapis.
Auffallend zeigt die goth. sprache neben NS in ans trabs, ansts amor, bansts horreum, gansja praebeo, hansa cohors, Sansala (Waitz 337 Ulf. 43), mins minus, plinsjan saltare poln. plasać, þinsan trahere runs cursus, suns statim, huns sacrificium entschiedne neigung zu MS in folgenden, groszentheils schwierigen wörtern. amsa Luc. 15, 5 Quos humerus, kein fehler für ahsa, da skr. ansa denselben begrif ausdrückt und lat. ansa handhabe, zugleich axis. mims caro (vor aiv I Cor. 8, 13 mimz), poln. mięso, sl. mjaso, böhm. maso, litth. miesa, alban. mischa, skr. mânsa; im begrif verschieden, der form nach ähnlich sind das lat. mensa, goth. mês, ahd. mias, sp. mesa. auszer svumsl piscina, von svimman natare, kommt Joh. 9, 11 svumfsl vor, M scheint F gelockt zu haben[14]; ebenso beurtheile ich ahd. amfsla amphsla für amsla amisala (Graff 1, 254.) stände für gramsts festuca hramsts, so liesze es sich deuten hramfsts hrafsts κάρφος καρπίς von hramjan figere. pramstei locusta führe ich auf þrimman saltare zurück: thes thramm imu an innan môd, Hel. 152, 20 das herz hüpfte, schlug ihm heftig; die heuschrecke wird aber in allen deutschen sprachen die springende genannt. der erdwühlende hamster hiesz ahd. hamistro hamastro, was die glossatoren mit dem kornschädigenden curculio mengen; sollte dies wort entspringen aus hamfstro von hamf = κωφός und eigentlich auf den blind und taub geglaubten maulwurf gehn? da hamf den fehler jedes sinnes auszudrücken scheint; beide thiere, talpa und cricetus, heiszen erdmaus, feldmaus. Aus alts. thimm obscurus entfaltet sich ein gleichbedeutiges thimstar, mnl. dimster, und nach ausgestosznem M diphthongisches thiustri, ags. bystre, welchem jedoch dim (statt þim) zur seite steht; dem thimstar aber gleicht ahd. finstar. ahd. winistar sinister scheint ähnlich gebildet.
Zu thim und dim halte man skr. tamas caligo, sl. t'ma, böhm. tma, im adj. temny poln. ciemny, litth. aber tamsus caliginosus und tamsa caligo, die jenem dimster nahe treten, vgl. ahd. dunchal.
Der ortsname Minden entspringt aus Mimidun Mimithun.
Unter allen deutschen sprachen ist die altn. dem ausstosz des 338 M und N vor P, K, T am geneigtesten und pflegt dann muta zu doppeln: kappi pugil, ags. cempa, ahd. chempho; stappa calcitrare, nhd. stampfen; frakki vir fortis, ahd. Francho; þakka grates agere, ahd. danchôn vgl. poln. dzięk dank; döckr obscurus, ahd. dunchal; batt ligavi, ahd. pant; vöttr chirotheca mlat. wantus, franz. gant. bei NS unterbleibt die doppelung, aber der vocal wird verlängert: âs trabs goth. ans; gâs anser ahd. kans; bâs horreum goth. banst. MG NG ND hingegen erhalten sich meistentheils.
Da N im altn. auslaut häufig wegfällt, z. b. â î für goth. ana in steht, und der infinitiv auf a, oder die tertia pl. praet. auf u statt goth. an un ausgehn; so lag es nahe auch der tertia pl. praes., die goth. -and, ahd. -ant, ags. -ad lautet, bloszes -a zu geben.
Ebenso meiden die Slaven M oder N vor stummem cons. in der zweiten silbe. dem lat. columba entspricht sl. goljab, böhm. holub, poln. gołąb.
Das latein hat die fülle von M und N vor stummen consonanten da, wo weder sanskrit noch slavische sprache sie entfalten. satam und sto finden sich neben centum und hund (s. 251); sl. vjetr", litth. wětra neben lat. ventus, goth. vinds; skr. asis neben lat. ensis; skr. radschatam, zend. erezata neben argentum. In der bewegung lateinischer verbalflexion wird oft sichtbar, wie die liquida auftritt oder schwindet, die praesentia rumpo frango findo hegen, die praeterita rupi fregi fidi lassen sie. in brika brak, breche brach mangelt sie auch uns. da die reduplicationen der alten form anhängen, so folgt. aus tango pango pungo tundo scindo, tetigi pepigi pupugi tutudi scidi f. sciscidi, dasz der unflüssige ausdruck dem flüssigen vorausgieng. goth. têka taitôk, stauta staistaut, fohan faifah, hahan haiha sind ganz ohne N, standan stôp hat es wieder nur im praesens. dem ahd. stantan stuont gieng ein älteres stuot voraus, und fangan fiang, hangan hiang sind jünger als fâhan fio (?), hâhan hio (?), welche praet. noch durch die mhd. vie hie gewährt erscheinen. altn. fêck nimmt im pl. fengum an.
Wie die einzelnen mutae untereinander tauschen, können sie es339 auch in verbindung mit M und N, z. b. лéμле pump fimf ist πέντε penki; timbr dévdgov (s. 336); lambo, háлt héhaqɑ, ahd. lafu luof berührt sich mit lingo, Leiz, ahd. lecchôm, sl. liziu, litth. laizau und das aus dieser wurzel geleitete lingua liězuwis zeigt im poln. język (s. 320) annäherung zu N. mit dingua stimmt tuggô[15].
Dies tuggô lehrt in schreibung und aussprache wie sich NG entwickelte; auch das gr. Ir musz ursprünglich dicker gelautet haben, bevor es völlig NG wurde. Aber wie die goth. sprache GG aus G zeugte, liesz sie auch DD aus D, und, die theorie musz es vorläufig glauben, BB aus B hervorgehn, welche GG DD BB allmälich übergiengen in NG ND MP. goth. aggvu ist ahd. enki, goth. siggva ahd. sinku singu, also darf für goth. manariggvs mitis ahd. entweder manarine oder manariuwi (wie für triggys triuwi) gesucht werden. Der beispiele. für DD sind wenige, goth. vaddjus ahd. want, für iddja machte ich ital. andai geltend. dem BB entgeht jeder goth. beleg; die sich ebnende weichende meerflut könnte ibba ibbô geheiszen haben, wie ags. ebba ebbe, und ahd. rathe ich auf impo impâ. das anklingende impi apis, examen apum, zeigt uns ein der wurzel apis zugewachsnes M, vgl. άupi umpi aus skr. abhi.
Zusammensetzung kann N in M wandeln, wenn labiales, M in N, wenn linguales und gutturales anrühren: lat. imberbis impubes, concedo contendo; ahd. umpiderpi (Graff 5, 217. 218) umbiruah (Graff 2, 378) impiz prandium (Graff 3, 231) nhd. ambosz f. ahd. anapôz; ahd. spambette (Graff 3, 51) mhd. spanbette. Parz. 790, 21. aus gleichem grund wechseln MP und NT in empfangen empfinden entgehn entdecken. viel dergleichen gewähren verschrumpfte eigennamen: Bamberg für Babenberc, Lampert Gumpert f. Lantperht Guntperht, Limburg f. Lintpurc.
In die abgründe der wortforschung stürzt es aber dem ursprung solcher M und N nachzuspüren, die zwischen vocalen aufwachsen, ohne dasz stumme consonanten im spiel sind.
Wie verhält sich N im goth. meina þeina seina neben mei tui sui? ich habe es s. 262 aus dem M in mama gedeutet und die abweichung des tava von mama, wie des tebe sebe von mene angezogen, um die unorganische ausdehnung des N auf þeina seina glaublich zu machen. aber die analogie der deutschen und lat. formen ist bedeutsam und gilt auch für die possessiva: das N der franz. mon ton son stimmt ganz zum deutschen mîn dîn sîn, während die it. mio tuo suo sich noch ans lat. meus tuus suus schlieszen. Vom N in unus ains wienas s. 241.
Aus sus suis, oug σvóc, sû sûwî werden durch N sl. svinia, goth. svein abgeleitet. Zum seltnen oria oriov gehört das in deutscher zunge allgemein verbreitete stains stein. zum lat. apis, it. ape, franz. abeille das ahd. pîa, welchem pini entsprieszt; die aphaeresis in pia scheint bestärkt durch die it. nebenform pecchia und das sl. ptschela, poln. pszczoła böhm. wčela. welchen goth. namen man vermuten darf? bizva? nach dem ags. beo, altn. bŷ und der analogie von izvis zu eov, iu. litth. bitte. keins der übrigen wörter kommt dem wollaut des ahd. bei.
Fragt es sich nach dem slavischen und deutschen gegensatz in bezug auf voranstehn oder nachfolgen der liquida auch bei M und N, so erscheint er hier weit seltner als vorhin bei L und R. entweder stimmt in beiden sprachen die folge der laute z. b. in gnjezdo nest, snjeg" snaivs nix, oder die sl. wörter mangeln uns, z. b. zmïi draco, dno fundus. Zu gewahren ist aber der unterschied in tma caligo, tamsus und dimster; poln. mnie böhm. mne, goth. meina mei; mnog" goth. manags; mnïi. minor, goth. minniza. sollte nicht noga pes unmittelbar das ahd. ancha crus sein, wovon anchala talus, altn. ökull abstammt? auch eninchil enkel nepos, sl. vnouk", poln. wnęk zu erwägen. Eine merkwürdige ahd. umstellung scheint Notkers neimen für meinen.
Wechsel zwischen L und N im reinen anlaut der wurzel ist schwer aufzuweisen. man führt nach Varro 7, 87 lympha und nympha an; die vuun ist heilige wasserfrau, nicht das element. litth. lakstzingala scheint ahd. nahticala. in verbindung mit andern consonanten findet der tausch statt: ahd. sliumo f. sniumo cito; snegilmelo f. slegimelo (Graff 2, 713); nhd. knoblauch f. kloblauch; die Serben sagen mlogi f. mnogi. das ags. cild, engl. child ist alts. kind. in ableitungssilben werden noch mehr beispiele vorkommen: lat. asinus goth. asilus, ahd. esil, ahd. organa und schon orgela, nhd. orgel (Graff 1, 468); ahd. scarno scerninc cicuta und sceriline (Graff 6, 533. 550); ahd. chumin chumil (Graff 4, 399) nhd. kümmel. romanische beispiele sammelt Diez 1, 235. Wichtiger ist das verhalten der laute zwischen skr. anjataras, litth. antras, goth. anþar, ahd. andar und alis, ahd. ali eli-, lat. alius, gr. hos.
- ↑ in der sanskritgrammatik (Bopp §. 31) heiszt freilich S ein dumpfer, R, folglich goth. Z, ein tönender laut, vgl. Pott 2, 17. mir tönen und flieszen Z und R, aber summend, schwirrend, S saust rein und hell. Z bindet sich mit media (razda), S mit tenuis (ist, lustus.)
- ↑ erwäge ich sum für esum, sunt für esunt, goth. sind für isind und das goth. asans messis neben dem lat. aestas; so könnte ahd. sumar und kelt. samh (s. 73) mit aphaeresis stehn für asumar, oder welchen vocal man ergänze. vgl. visumarus s. 302.
- ↑ der lakonische dialect hat im auslaut P für Σ. Ahrens dial. dor. p. 71 ff.
- ↑ vgl. blinzelmaus; das eddische miskorblindi Sæm. 52a scheint zu ändern in myskiblindi oder myslablindi
- ↑ die Finnen ihrer neigung nach anlautendes S vor V wie vor L und andern consonanten tilgend, haben vapaa liber, sui juris, vapahdus liberatio, die Esten wabba liber wabbedus libertas; einleuchtend entsprechen vapahdus wabbadus dem sl. svoboda. den Finnen scheinen diese wörter und begriffe durch die Slaven zugeführt, wie den Lappen frije frijewuot durch die Scandinaven.
- ↑ man müste denn svoi proprius im sinn von andern angehörig nehmen, wie auch der sohn suus des vaters ist.
- ↑ in den mit slav zusammengesetzten eigennamen böhm. Bohuslaw Miloslaw Radoslaw tilgt der Serbe das L: Bogosav Milosav Radosav.
- ↑ † Miklosich s. 10 setzt den Slovjentz als 2óytos, distincta loquela praeditus dem Vlach" balbus und Njemetz mutus entgegen. wol mag ein volk den fremden nachbar sich als unredenden, seiner sprache unmächtigen darstellen, kaum sich selbst als unredendes, da ihm diese gabe zu natürlich erscheinen musz, um hervorhebens zu bedürfen. auch bezeichnet Vlach" schwerlich den stammelnden, sondern ist das deutsche Walah Gallus; welschen heiszt uns fremd, unverständlich reden. Im namen der Slaven ist a dem ahd. â goth. è ge mász, was mir die zurücknahme des worts aus deutschem mund bestätigt, wenn schon nachher auch das ursprüngliche o von svob sich geltend machte.
- ↑ poln. böhm. sobek egoist, selbsüchtig.
- ↑ ähnlich steht dgyós ügyvoos argentum zu skr. radschatam, zend. erezatam.
- ↑ B in barba zum D der andern wörter scheint sich zu verhalten wie in verbum: goth. vaurd, ahd. wort; litth. wardas, lett. wahrds.
- ↑ auch der Lette pflegt N zu tilgen, für litth. ranka tinklas langas wandů szwentas hat er rohka tihkls lohgs uhdens śwehts.
- ↑ wechsel zwischen MP und NT im goth. sinteino, lat. semper, ahd. simplum, alts. simbla simla; une und névre (s. 242.)
- ↑ wie im franz. humble humilis, ensemble insimul, sp. hambra fames hembra femina.
- ↑ it. conte, sp. conde entspringt aus comite nach wegfall des vocals, conto aus computo; franz. ante tante aus amita, it. sentiero franz. sentier aus semita.