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Konsonantensystem

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Konsonantensystem (Deutsch)


Singular Plural
Nominativ das Konsonantensystem die Konsonantensysteme
Genitiv des Konsonantensystems der Konsonantensysteme
Dativ dem Konsonantensystem den Konsonantensystemen
Akkusativ das Konsonantensystem die Konsonantensysteme

Worttrennung:

Kon·so·nan·ten·sys·tem, Plural: Kon·so·nan·ten·sys·te·me

Aussprache:

IPA: [kɔnzoˈnantn̩zʏsˌteːm]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Konsonantensystem (Info)

Bedeutungen:

[1] Linguistik, speziell Phonetik: der Teil des Lautsystems einer Sprache, der die Konsonanten enthält

Herkunft:

Determinativkompositum aus Konsonant, Fugenelement -en und System

Sinnverwandte Wörter:

[1] Konsonantismus

Gegenwörter:

[1] Vokalsystem

Oberbegriffe:

[1] Lautsystem, System

Beispiele:

[1] „Aus der Vergleichung der Einzelsprachen ergibt sich für die indogermanische Grundsprache folgendes Konsonantensystem...“[1]
[1] Im „dtv-Atlas Deutsche Sprache“ ist die „Entwicklung des Konsonantensystems vom Germanischen zum Althochdeutschen“[2] in einem Schema dargestellt.
[1] „Was jedoch bei der Beschreibung des dänischen Konsonantensystems Schwierigkeiten macht, ist seine kontroverse Darstellung in der Forschungs- und Lehrbuchliteratur (…).“[3]
[1] „Diese Vorhersagen allgemeiner Art werden dann in Beziehung gesetzt zu den phonetischen und phonologischen Merkmalen des deutschen Konsonantensystems, das ebenfalls im Laufe von Kapitel drei besprochen wird.“[4]

Das deutsche Konsonantensystem weist mit rund 25 Phonemen im Vergleich mit anderen Sprachen eine durchschnittliche Größe auf. Eine Besonderheit ist die ungewöhnliche Affrikate ​/⁠p͡f⁠/​.[6]

Verschiedene deutsche Konsonanten treten in Paaren von gleichem Artikulationsort und gleicher Artikulationsart auf, nämlich die Paare /p–b, t–d, k–ɡ, s–z, ʃ–ʒ/. Diese Paare werden oft als Fortis-Lenis-Paare bezeichnet, da sie als Stimmlos-stimmhaft-Paare nur unzulänglich beschrieben sind. Mit gewissen Einschränkungen zählen auch /t͡ʃ–d͡ʒ, f-v/ zu diesen Paaren.

Die Fortis-Plosive /p, t, k/ werden in den meisten Varietäten aspiriert, wobei die Aspiration im Anlaut betonter Silben am stärksten ist (beispielsweise in Taler [ˈtʰaːlɐ]), schwächer im Anlaut unbetonter Silben (beispielsweise in Vater [ˈfaːtʰɐ]) und am schwächsten im Silbenauslaut (beispielsweise in Saat [zaːt(ʰ)]). Keine Aspiration hat es in den Kombinationen [ʃt ʃp] (beispielsweise in Stein [ʃtaɪ̯n], Spur[ʃpuːɐ̯]).

Die Lenis-Konsonanten /b, d, ɡ, z, ʒ/ sind in den meisten süddeutschen Varietäten stimmlos. Um dies zu verdeutlichen, werden sie oft als [b̥, d̥, ɡ̊, z̥, ʒ̊] notiert. Es ist umstritten, worin der phonetische Unterschied zwischen den stimmlosen Lenis-Konsonanten und den ebenfalls stimmlosen Fortis-Konsonanten liegt. Üblicherweise wird er als Unterschied in der Artikulationsspannung beschrieben, gelegentlich jedoch als Unterschied in der Artikulationsdauer, wobei meist angenommen wird, dass eine dieser Eigenschaften die andere zur Folge hat.

Im nördlichen Deutschen ist die Opposition zwischen Fortis und Lenis im Silbenauslaut aufgehoben (siehe Auslautverhärtung).[7]

In verschiedenen mittel- und süddeutschen Varietäten ist die Opposition zwischen Fortis und Lenis im Silbenanlaut aufgehoben, teils nur im Anlaut betonter Silben, teils in allen Fällen (binnendeutsche Konsonantenschwächung). Das Paar /f–v/ zählt nicht zu diesen Fortis-Lenis-Paaren, da /v/ auch in den süddeutschen Varietäten stimmhaft bleibt. Üblicherweise wird die süddeutsche Aussprache mit dem stimmhaften Approximanten ​[⁠ʋ⁠]​ angegeben. Hingegen gibt es süddeutsche Varietäten, die zwischen einem Fortis-f ([f], beispielsweise in sträflich[ˈʃtrɛːflɪç] zu mhd. stræflich) und einem Lenis-f ([v̥], beispielsweise in höflich [ˈhøːv̥lɪç] zu mhd. hovelîch) unterscheiden, analog zur Opposition von Fortis-s ([s]) und Lenis-s ([z̥]).

Laut Beispiel Beschreibung
​ʔ​ beachten /bəˈʔaxtən/ Glottisschlag (Knacklaut) – Oft wird dieser Laut nicht als Phonem der deutschen Sprache beschrieben, sondern als morphologisches Grenzmarkierungsphänomen.
b Biene /ˈbiːnə, ˈb̥iːnə/, aber /ˈaːbər, ˈaːb̥ər/ stimmhafter bilabialer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist ([b̥]), wird er oft als Lenisbezeichnet und nicht als stimmhaft.
​ç​ Ich /ɪç/, Furcht /fʊrçt/, Frauchen /ˈfraʊ̯çən/, nicht-südliche Varietäten: China /ˈçiːna/, dreißig /ˈdraɪ̯sɪç/ stimmloser palataler Frikativ (Ich-Laut) – Dieser Laut bildet zusammen mit [x] ein komplementäres Allophon-Paar. Er tritt nach vorderen Vokalen sowie nach Konsonanten auf. Im Diminutiv-Suffix [çən] tritt ausschließlich dieser Laut auf. Mit Ausnahme dieses Suffixes tritt ​[⁠ç⁠]​ in südlichen Varietäten im Silbenanlaut nicht auf, während es in anderen Varietäten oft im Silbenanlaut anzutreffen ist. In nicht-südlichen Varietäten ist ​[⁠ç⁠]​ ein übliches Allophon von ​/⁠ɡ⁠/​ im Silbenauslaut (nach vorderen Vokalen oder nach Konsonanten); die gemäßigte Standardlautung verlangt diese Spirantisierung nur in der Endung /ɪɡ/, allerdings nur für Norddeutschland, während sonst die Aussprache /ɪk/ gilt.[8]
d dann /dan, d̥an/, Laden /ˈlaːdən, ˈlaːd̥ən/ stimmhafter alveolarer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist ([d̥]), wird er oft als Lenisbezeichnet und nicht als stimmhaft.
​d͡ʒ​ Dschungel /ˈd͡ʒʊŋəl/ stimmhafte postalveolare Affrikate – Dieser Laut tritt nur in Fremdwörtern auf. In den südlichen Varietäten, die keine stimmhaften Plosive aufweisen, fällt er mit ​[⁠t͡ʃ⁠]​ zusammen.
f Vogel /ˈfoːɡəl/, Hafen /ˈhaːfən/ stimmloser labiodentaler Frikativ
​ɡ​ Ganɡ /ɡaŋ, ɡ̊aŋ/, Lager /ˈlaːɡər, ˈlaːɡ̊ər/ stimmhafter velarer Plosiv – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist ([ɡ̊]), wird er oft als Lenisbezeichnet und nicht als stimmhaft.
h Haus /haʊ̯s/, Uhu /ˈuːhu/ stimmloser glottaler Frikativ
j jung /jʊŋ/, Boje /ˈboːjə/ stimmhafter palataler Approximant
k Katze /ˈkat͡sə/, Strecke /ˈʃtrɛkə/ stimmloser velarer Plosiv
l Lamm /lam/, alle /ˈalə/ stimmhafter lateraler alveolarer Approximant
m Maus /maʊ̯s/, Dame /ˈdaːmə/ stimmhafter bilabialer Nasal
n Nord /nɔrt/, Kanne /ˈkanə/ stimmhafter alveolarer Nasal
​ŋ​ Lang /laŋ/, singen /ˈzɪŋən/ stimmhafter velarer Nasal
p Pate /ˈpaːtə/, Mappe /ˈmapə/ stimmloser bilabialer Plosiv
​p͡f​ Pfaffe /ˈp͡fafə/, Apfel /ˈap͡fəl/ stimmlose labiodentale Affrikate
r ʀ ʁ rot [roːt, ʀoːt, ʁoːt], starre [ˈʃtarə, ˈʃtaʀə, ˈʃtaʁe], mit Vokalisierung: sehr [zeːɐ̯], besser [ˈbɛsɐ] stimmhafter alveolarer Vibrant ([r]), stimmhafter uvularer Vibrant (​[⁠ʀ⁠]​), stimmhafter uvularer Frikativ (​[⁠ʁ⁠]​) – Diese drei Laute sind freie Allophone. Ihre Verteilung ist lokal, wobei [r] fast ausschließlich in einigen südlichen Varietäten anzutreffen ist. Im Silbenauslaut wird das /r/ oft vokalisiert zu [ɐ̯], besonders nach langen Vokalen und in der unbetonten Endung /ər/, die bei Vokalisierung als ​[⁠ɐ⁠]​ realisiert wird.
s Straße /ˈʃtraːsə/, Last /last/, Fässer /ˈfɛsər/ stimmloser alveolarer Frikativ
​ʃ​ Schule /ˈʃuːlə/, Stier /ʃtiːr/, Spur /ʃpuːr/ stimmloser postalveolarer Frikativ
t Tag /taːk/, Vetter /ˈfɛtər/ stimmloser alveolarer Plosiv
​t͡s​ Zaun /t͡saʊ̯n/, Katze /ˈkat͡sə/ stimmlose alveolare Affrikate
​t͡ʃ​ Deutsch/dɔɪ̯t͡ʃ/, Kutsche /ˈkʊt͡ʃə/ stimmlose postalveolare Affrikate
v Winter /ˈvɪntər/, Löwe /ˈløːvə/ stimmhafter labiodentaler Frikativ – Bisweilen wird dieser Laut als stimmhafter labiodentaler Approximant (​[⁠ʋ⁠]​) beschrieben.
x Buch [buːx], hoch [hoːx] stimmloser velarer Frikativ – Dieser Laut (auch Uch-Laut) bildet zusammen mit den Allophonen ​[⁠ç⁠]​ und [χ] ein Phonem. Er tritt nach /o:/ und /u:/ auf.
χ Bach [baχ], doch [dɔχ] stimmloser uvularer Frikativ – Dieser Laut (auch Ach-Laut) bildet zusammen mit [ç] und [x] ein Phonem. Er tritt nach /a/, /a:/, /ɔ/ und /ʊ/ auf.
z sechs /zɛks, z̥ɛks/, Wiese /ˈviːzə, ˈviːz̥ə/ stimmhafter alveolarer Frikativ – Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist ([z̥]), wird er oft als Lenisbezeichnet und nicht als stimmhaft.
​ʒ​ Genie /ʒeˈniː, ʒ̊eˈniː/, Plantage /planˈtaːʒə, planˈtaːʒ̊ə/ stimmhafter postalveolarer Frikativ – Dieser Laut tritt nur in Fremdwörtern auf. Da dieser Laut in den südlichen Varietäten stimmlos ist ([ʒ̊]), wird er oft als Lenis bezeichnet und nicht als stimmhaft.

bilabial labio-
dental
alveolar post-
alveolar
palatal velar uvular glottal
stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth.
Plosive p b t d k ɡ (ʔ)
Nasale m n ŋ
Frikative f v s z ʃ ʒ ç x χ ʁ h
Approximanten j
laterale Approximanten l
Affrikaten p͡f t͡s t͡ʃ d͡ʒ