Werk:TDPC/64.1
▷Nunc autem de absoluta forma theologizantes dicimus, quoniam ipsa primarie dat esse. Omnis enim forma adveniens materiae dat ei esse et nomen. Ut cum figura Platonis advenit aeri, dat aeri esse et nomen statuae. Sed quia omnes formae inabstractae, quae sine materia non subsistunt nisi notionaliter, proprie non dant esse, sed ex ipsarum cum materia conexione surgit esse, ideo necesse est quod sit forma penitus abstracta per se subsistens sine cuiuscumque indigentia, quae det materiae possibilitatem essendi et formae ei advenienti actualitatem et utriusque conexioni rei exsistentiam. Formae igitur quanto magis indigent subiecto seu materia ut subsistant actu, utique debiliores et materialiores sunt et magis naturam subiecti imitantur et ideo minus perfectae. Quanto vero minus indigent subiecto, formaliores, stabiliores et perfectiores exsistunt. Oportet igitur quod forma quae penitus nullo alio indiget quoniam infinitae perfectionis in se omnium formarum formabilium complicet perfectiones, quoniam est actu ipse essendi thesaurus a quo emanant omnia quae sunt, quemadmodum ipsa ab aeterno in thesauro sapientiae concepta vel reposita sunt.
Nun aber wollen wir Theologie betreiben und über die absolute Gestalt sprechen; sie verleiht in erster Linie und ursprünglich das Sein. Denn jede Gestalt, die in die Materie gelangt, verleiht dieser Sein und Namen; so wie die Gestalt Platons, die zum Erz hinzukommt, diesem Sein und Namen einer Statue gibt. Weil aber alle nicht abstrakten Gestalten, die ohne Materie nur als Begriffe Bestand haben, nicht aus eigenem das Sein geben – dieses vielmehr aus ihrer Verbindung mit der Materie entsteht –, muß es eine vollkommen losgelöste Gestalt geben, die ganz durch sich selbst besteht und nichts bedarf; die der Materie die Seinsmöglichkeit gibt, der zu ihr hinzutretenden Gestalt die Wirklichkeit und der Verbindung beider die Existenz im Ding.
Je mehr also die Gestalten – um wirklich Bestand zu haben –, eines Untergrundes oder einer Materie bedürfen, um so schwächer und stofflicher sind sie, um so mehr ahmen sie die Natur des Untergrundes nach und um so weniger sind sie vollkommen. Je weniger sie aber des Untergrundes bedürfen, um so gestalthafter, beständiger und vollkommener sind sie. Jene Gestalt, die – weil sie von unendlicher Vollkommenheit ist – keines anderen bedarf, muß darum in sich alle Vollkommenheiten aller gestaltbaren Gestalten einschließen. Denn sie ist als Wirklichkeit jener Schatz des Seins, aus dem alles, was ist, entströmt, so wie es von Ewigkeit im Schatz der Weisheit empfangen und niedergelegt ist.