TDPC/Efg/n. 6
▷n. 6 Ausgehend vom puren »ist« schließt der Kardinal mit dem traditionellen logischen Satz »Was ist, kann sein« und steigt vom Sein des bestimmten Könnens auf zur absoluten Wirklichkeit. Vom nackten Sein der actualitas ab- soluta dringt er nun weiter vor: Er sagt nicht, daß von die- ser absoluten actualitas kein posse mehr ausgesagt werden könne, weil in ihr alles verwirklicht ist, sondern er schließt parallel, daß, weil die absolute Wirklichkeit wirklich ist, auch von ihr gilt, daß sie sein kann (5f.). Und das Sein-können der absoluten Möglichkeit ist selber absolut als Können (7f.). Z. 8-17 zeigen nun, daß im Absoluten Gleichzeitigkeit von Möglichkeit, Wirklichkeit und Verknüpfung besteht. Damit ist (gegen die Tradition) die Möglichkeit gleichrangig neben die Wirklichkeit gestellt. Der Kardinal hat jetzt der Frage Bernhards Genüge getan, indem er vom einfachen »ist« der Kreatur her (existens) das Ewige in der Dreiheit von Möglichkeit, Wirklichkeit und Verknüpfung erblickt hat. Dabei geschah die Vermittlung dieses Sehens über das Können. Das Geringste, was das Geschöpf an sich hat, das Seinkönnen, holt Cusanus in Gott ein und gründet damit die Möglichkeit gleichberechtigt neben die actualitas. Damit ist die erste Problementfaltung abgeschlossen. Der Einsatz des Johannes (21-23) leitet die Durchführung ein.