Werk:TDPC/4.2
▷[1]Cardinalis: Immo non pauca sed maxima. Dixit enim: «Invisibilia»[2] ipsius dei „a creatura mundi intellecta conspiciuntur»[3], non quod invisibilia dei sint quid aliud quam deus invisibilis, sed Quia plura in creatura mundi sunt visibilia, quorum quodlibet sua adaequata ratione id est quod est, ideo de qualibet visibili creatura docet ad cuiuslibet invisibile principium ascendendum.
KARD: Im Gegenteil: nicht wenig, sondern sehr viell Er hat nämlich gesagt: »Das Unsichtbare an Gott selbst wird von der erkannten Schöpfung der Welt her erblickt.« Nicht, daß das Unsichtbare an Gott etwas anderes wäre als der unsichtbare Gott. Sondern weil in der geschaffenen Welt viele Dinge sichtbar sind, von denen jedes durch den ihm gleichkommenden Wesensgrund das ist was es ist, deshalb lehrt er, daß man von jedem sichtbaren Geschöpf zu seinem unsichtbaren Ursprung emporsteigen müsse.
Kardinal: Gar nicht so wenig, sondern sehr viel. Er sagt, daß von der erkannten Schöpfung der Welt das unsichtbare Wesen Gottes erblickt wird. Nicht so, als ob dieses unsichtbare Wesen Gottes etwas anderes wäre als der unsichtbare Gott, sondern weil vieles in der Schöpfung Gottes sichtbar ist, von dem jedes durch seinen angemessenen Wesensgrund das ist, was es ist. Aus diesem Grunde lehrt er, daß man von jedem sichtbaren Geschöpf zu dessen unsichtbarem Ursprung emporsteigen müsse.
- ↑ ▷n. 4 Das »elevemur« von n. 3,8 wird in n. 4,9 mit »ascendendum« wiederholt. Der gedankliche Fortschritt: Mit den invisibilia ist nicht etwas an Gott, sondern Gott selbst gemeint, die Schöpfung ist die Selbstoffenbarung Gottes. Nachdem »invisibilia dei« durch »deus invisibilis« anspruchsvoll ganzheitlich ausgelegt worden ist, gibt der Kardinal dem Plural »invisibilia« sein Recht zurück, indem er den positiven Zusammenhang aufzeigt (6f.): die invisibilia sind in der Schöpfung anwesend. Damit sind die beiden Themen genannt, die durch den ganzen Trialog gehen: Das Nicht- sehen des Unsichtbaren, das aber ontologisch da und er-kenntnistheoretisch begründet ist (n. 3,4–6), und zweitens das »creatura docet« (n. 4,8), denn an ihr ist das Unsichtbare, sofern das Unsichtbare an Gott die adaequata ratio jedes Dinges ist.
- ↑ Rom. 1,20.
- ↑ Rom. 1,20.