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Werk:Compendium/III

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▷Capitulum III

▷Oportet autem ut primos nostros parentes, qui perfecte creati fuerunt, non solum a deo perfectionem naturae, sed et scientiae signorum talium habuisse, per quae sibi mutuo conceptus suos panderent et quam scientiam filiis et posteris tradere possent. Unde pueros, quam cito fari possunt, artis dicendi capaces videmus, quia prima et magis necessaria ad bene essendum scientia. Nec absurdum videtur, si creditur primam humanam dicendi artem adeo fuisse copiosam ex multis synonymis, quod linguae omnes postea divisae in ipsa continebantur. Omnes enim linguae humanae sunt ex prima illa parentis nostri Adae, scilicet hominis, lingua. Et sicut non est lingua, quam homo non intelligat, ita et Adam, qui idem quod homo, nullam, si audiret, ignoraret. Ipse enim vocabula legitur imposuisse. Ideo nullum cuiusque linguae vocabulum ab alio fuit originaliter institutum. Nec de Adam mirandum, cum certum sit dono dei multos linguarum omnium peritiam subito habuisse. Nulla etiam naturalior ars faciliorque est homini quam dicendi, cum illa nullus perfectus homo careat.

Unsere ersten Eltern aber, die vollkommen geschaffen worden waren, müssen von Gott nicht nur die Vollendung der Natur, sondern auch des Wissens um diese Zeichen gehabt haben, um sich dadurch gegenseitig ihre Gedanken kundzutun und dieses Wissen ihren Kindern und Nachkommen überliefern zu können. Daher sehen wir, daß Kinder, sobald sie sprechen können, der Redekunst fähig sind, da diese die erste und überaus notwendige Kunst für ein gutes Dasein ist. Es scheint auch nicht unvernünftig, zu glauben, daß die erste menschliche Sprache so reich an Synonymen war, daß alle später getrennten Sprachen in ihr enthalten waren. Denn alle menschlichen Sprachen stammen ja von jener ersten Sprache unseres Vaters Adam, d. h. des Menschen. Und wie es keine Sprache gibt, die der Mensch nicht versteht, so würde auch Adam – der dasselbe bedeutet wie der Mensch – keine Sprache, wenn er sie hörte, nicht verstehen. Man liest ja, daß er selbst den Dingen ihre Namen gegeben habe. Darum ist kein Wort irgendeiner Sprache anfänglich von einem anderen eingesetzt. Auch müssen wir uns über Adam gar nicht wundern, da es feststeht, daß er durch ein Geschenk Gottes plötzlich die Kenntnis aller Sprachen erlangte. Für den Menschen gibt es keine natürlichere und einfachere Fähigkeit als die des Sprechens, da kein vollständiger Mensch ihrer entbehrt.▷Neque haesitandum primos parentes etiam artem scribendi vocabula seu designandi habuisse, cum illa humano generi multa conferat adiumenta. Per eam enim praeterita et absentia praesentia fiunt. Unde sicut prima scientia est designandi res in vocabulis, quae aure percipiuntur, ita est secunda scientia in vocabulorum visibilibus signis, quae oculis obiciuntur. Et haec remotior est a natura, quam tardius pueri assequuntur et non nisi intellectus in ipsis vigere incipiat. Plus igitur habet de intellectu quam prima. Inter naturam igitur et intellectum, qui est creator artium, hae artes cadunt, quarum prima propinquior naturae, secunda propinquior intellectui. Facit autem intellectus in homine in signo sensibili auditus, scilicet sono, artem primam, quia animal suas affectiones in illo signo naturaliter pandere nititur. Unde confusum signum ars dearticulat et variat, ut melius varia desideria communicet. Ita adiuvat naturam. Et quoniam signum illud, in quo haec ars ponitur, prolatione cessat a memoriaque labitur et ad remotos non attingit, remedia intellectus alia arte, scilicet scribendi, addidit et illam in signo sensibili ipsius visus collocavit. .

Wir können auch nicht daran zweifeln, daß unsere ersten Eltern die Fähigkeit beherrschten, Worte zu schreiben oder aufzuzeichnen, da diese Kunst dem Menschengeschlecht eine große Hilfe bedeutet. Durch sie wird Vergangenes und Abwesendes anwesend. Wie darum die erste Wissenschaft darin besteht, Dinge mit Lauten zu bezeichnen, welche das Ohr wahrnimmt, so die zweite Wissenschaft in den sichtbaren Zeichen der Worte, welche den Augen entgegentreten. Dieses Wissen ist von Natur aus fernliegend; die Knaben lernen es langsamer und auch nur dann, wenn das Denken in ihnen stark zu werden beginnt. Sie hat daher größeren Anteil an der Vernunft als die erste. Zwischen die Natur also und das Vernunft-Denken, das der Schöpfer der Künste ist, fallen diese beiden Künste, von denen die eine der Natur, die andere dem Denken näher steht. Die Vernunft bildet aber beim Menschen diese erste Kunst in sinnlich hörbaren Zeichen, d. h. im Ton, weil sich ein Lebewesen von Natur aus bemüht, seine Gefühle in diesem Zeichen kundzutun. Daher artikuliert die Kunst das gestaltlose Zeichen und wandelt es ab, um die verschiedenen Anliegen besser mitzuteilen. So kommt sie der Natur zu Hilfe. Und weil jenes Zeichen, in dem diese Kunst niedergelegt ist, nach seinem Hervorgang schwindet und der Erinnerung entgleitet und nicht in die Ferne reicht, fügte die Vernunft in einer anderen Kunst ein Schutzmittel hinzu, nämlich in der Kunst des Schreibens, und legte sie in dem dem Auge sichtbaren Zeichen nieder.◀▷